Richtig atmen – Die meisten missachten es!

Richtig atmen - Frau im Sonnenaufgang

Richtig atmen ist eine sehr fundamentale Sache, die dennoch viele Menschen nicht weiter beachten oder sogar falsch machen. Was man beim Atmen falsch machen kann? Die Tiefe der Atemzüge und, wo Du „hin atmest“, sind sehr entscheidend. Ebenso der Zugang zu frischer Luft. Erfahre im Folgenden mehr über richtiges Atmen und, wie Du wieder mehr Sauerstoff in Dein Leben bringst.

Richtig atmen – So wichtig ist Sauerstoff

  • Ohne Essen überlebt der Körper ca. 60-200 Tage (je nach Muskelmasse und Körperfettanteil).
  • Ohne Wasser überlebt Dein Körper 3-4 Tage.
  • Ohne Sauerstoff überlebt Dein Körper keine 10 Minuten.
  • Sauerstoff ist das Fundamentalste, was Du zum Leben benötigst.

Über Sauerstoff, CO2, und Kohlenmonoxid

Mit jedem Atemzug kommt ein Gas-Gemisch aus etwa 78% Stickstoff, 20% Sauerstoff, 0,04% CO2 und anderen Gasen in Deine Lunge.

20% Sauerstoff, viel weniger sollte es nicht sein. Warum? Ist zu wenig Sauerstoff in der Luft, kann nicht genug davon in Dein Blut übergehen und Deine Zellen versorgen. Sauerstoff benötigt Dein Körper, um Energie zu produzieren und Dein Leben zu erhalten.

Problematisch wird es, wenn gleichzeitig viel CO2 und CO in der Atemluft vorhanden sind: sie verdrängen Sauerstoff aus dem Blut und sabotieren so den Stoffwechsel. Übertrieben ausgedrückt lassen sie Dich innerlich ersticken – obwohl noch genug Sauerstoff da ist:

  • Der normale CO2-Gehalt in der Luft liegt bei 0,04%
  • Bis 0,15% sprechen wir von frischer Luft in geschlossenen Räumen
  • Bei mehr als 0,15% ist die Luft in einem Raum „verbraucht“ und „abgestanden“
  • Oberhalb von 1% führt CO2 bereits zu Kopfschmerzen
  • Ab 4-5% wirkt CO2 betäubend
  • Ab 8% wirkt CO2 tödlich

Wie kann das sein?

Obwohl in der frischen Luft 475-mal mehr O2 als CO2 vorhanden ist, so liegt das Verhältnis im Blut bei 1:1. Denn CO2 bindet sich gerne an Hämoglobin (den roten Blutfarbstoff, der Sauerstoff transportiert), und verdrängt dabei den lebenswichtigen Sauerstoff.

Daher sind richtig atmen und frische Luft so wichtig für Dich – weil Deinem Körper sonst sprichwörtlich der Saft ausgeht.

Leider ist genau dieses Szenario Alltag, weil sich der Mensch nahezu 24h täglich in geschlossenen Räumen aufhält. Dabei atmet er O2 ein, und CO2 aus. Mit der Zeit steigt der CO2-Gehalt in der Raumluft, und erste Symptome von Sauerstoffmangel treten auf:

  • Brain Fog (verschwommene Gedanken)
  • Antriebslosigkeit
  • Müdigkeit
  • Motivationsverlust
  • Kopfschmerzen

Da wir modernen Menschen in geschlossenen Räumen leben, bemerken wir dies oft nicht. Und schieben den Energiemangel auf schlechten Schlaf, zu wenig Kaffee, zu wenig Zucker. Über Sauerstoff denken nur die wenigsten nach.

Daher fühlst Du Dich auch so erfrischt und erholt, wenn Du zwischendurch für ein paar Minuten an die frische Luft gehst. CO2 verlässt den Körper, mehr Platz für Sauerstoff wird geschaffen. Richtig atmen – frische Luft – da ist wirklich etwas dran 😊

Richtig atmen – So bringst Du mehr Sauerstoff in Dein Leben

Richtig atmen ist eine wichtige Grundlage, um den Körper mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Zu wenig Sauerstoff ist kritisch für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit – wie verhindern wir das?

Die Lösung ist so einfach wie trivial: Achte in Deinem Alltag auf folgende Punkte, um immer genug Luft zum Leben zu haben:

#1 Regelmäßig Lüften: Bring frische Luft in’s Haus/Raum, wann immer möglich.

#2 Mit geöffnetem Fenster schlafen: So bekommst Du auch nachts genug Sauerstoff und verhinderst, dass sich im Schlafzimmer zu viel CO2 ansammelt.

#3 Spazieren gehen: Gehe jeden Tag, ob in der Mittagspause, nach Feierabend oder auf dem Weg zur Arbeit, ein wenig Spazieren. Bewegung hat noch nie geschadet, dabei frische Luft und ein wenig Sonne tanken – optimal.

#4 Atemtechnik integrieren: Um den Körper kurz und intensiv mit Sauerstoff zu fluten und das CO2 mit Gewalt heraus zu pressen, führe (wenn Du allein in einem Raum bist) folgende Atemtechnik durch:

Stell Dich gerade hin, Füße schulterbreit auseinander. Atme durch den Mund 50-mal schnell, tief und intensiv in den Solarplexus und wieder aus. Nach 20-30 Atemzügen wirst Du ein Kribbeln in den Fingern spüren, eventuell ein wenig Schwindel. Das ist ein Zeichen, dass Sauerstoff in’s System flutet – dann einfach weitermachen und durchziehen 😊.

#5 Sport an der frischen Luft: Der beste Weg, Sauerstoff in den Körper zu bringen und das Herz-Kreislauf-System zu trainieren, ist Sport an der frischen Luft. Gerne Ausdauersport, aber auch Krafttraining wie Liegestütze sind möglich, ebenso Wandern, Radfahren, Schwimmen und Co.

#6 Nase frei machen: Wenn Du eine chronisch verstopfte, laufende oder geschwollene Nase hast, helfen diese Tricks natürlich nur bedingt. Beseitige dann bitte in Zusammenarbeit mit einem Naturheilkundler oder HNO-Arzt Deine Allergien, Heuschnupfen und Infektionen. Abends vor dem Schlafen sehr empfehlenswert: Eine Nasendusche mit 1 TL Himalaya-Salz.

Richtig atmen – Auf die Tiefe kommt es an!

Mit jedem Atemzug baust Du in Deiner Lunge Druck auf. Mit diesem Druck wird Sauerstoff in’s Blut gepresst, während CO2 aus dem Blut in die Luft, die ausgeatmet wird, übergeht. Deswegen atmen wir.

Damit genug Druck aufgebaut und genug Sauerstoff in den Körper gelangen kann ist es wichtig, auch richtig tief zu atmen. Soll heißen: Nicht flach und oberflächlich atmen, sondern tief – genau das machen die meisten Menschen falsch!

So atmest Du richtig:

  1. Setz Dich gerade hin. Kein Buckel, kein Hohlkreuz.
  2. Brust raus, Schultern nach hinten ziehen.
  3. Atme lang und tief in den Rücken.
  4. Spürst Du den Unterschied? Das ist richtiges Atmen, wie es die Natur für Dich vorgesehen hat.
  5. Wann immer Du merkst, dass Du zu wenig Luft bekommst, und die oben genannten Tricks nicht lange helfen, dann erinnere Dich an diese Atemtechnik. Die natürliche Art und Weise, wie wir Menschen atmen 😊
Richtig atmen - Lebe!
Richtig atmen – Dein Leben hängt wirklich davon ab 🙂

Zwischenfazit: Richtig atmen ist nicht trivial

Richtig atmen ist wichtig für den Körper, wird oft missachtet und unterschätzt. Hier hast Du ein paar sehr einfach Ratschläge erfahren, wie Du wieder besser atmen kannst.

Ebenso hast Du erfahren, WARUM richtiges Atmen so wichtig ist.

Im Folgenden möchte ich Dir gerne noch etwas aus der Erdgeschichte und der Entstehung des Lebens erzählen. Sauerstoff nimmt dort eine VIP-Rolle ein:

Sauerstoff und die Entstehung des Lebens – Eine kleine Reise in die Erdgeschichte

Die Erde vor ca. 2 Milliarden Jahren:

Sie ist heiß, sie ist grau, sie ist ungemütlich. An jeder Ecke spucken brodelnde Vulkane Lava, Asche und giftige Gase aus, die Sonne ist aufgrund der ständigen Aschewolken kaum zu sehen. Bäume, Gräser oder Blümchen? Fehlanzeige!

In dieser toxischen Umgebung ist es fast unmöglich, Leben zu finden. Zumal im Urmeer ein hoch-reaktiver Stoff vorkommt, der die Entstehung von Leben zu unterdrücken scheint: Sauerstoff.

Kommentar: Sauerstoff ist – das kannst Du von jedem Chemiker erfahren – ein sehr reaktives und aggressives Gas, das gerne mit allem und jedem um sich herum reagiert. Wenn Butter ranzig wird, wenn irgendetwas brennt, dann liegt das an der Reaktionsbereitschaft von Sauerstoff. Sauerstoff ist so aggressiv, weil es die Eigenschaften eines freien Radikals besitzt. Es möchte mehr Elektronen – und holt sie sich auch mal gewaltsam.

Sauerstoff ist so reaktiv und aggressiv, dass es die Entstehung von Zellen – also Lebewesen – unterbindet. Ein kleines Bakterium, wahrscheinlich aus der Gattung Cyanobacteria, schafft es dennoch irgendwie, in dieser Umgebung einen funktionierenden Energiestoffwechsel zu entwickeln – trotz des allgegenwärtigen Sauerstoffs.

Es schafft es sogar, die reaktiven Eigenschaften des Sauerstoffs für sich zu nutzen und ihn als Elektronen-Akzeptor zu missbrauchen: „Du hättest gerne meine Elektronen? Kannst Du haben – dann fließt Strom, daraus kann ich Energie herstellen!“ (Vereinfacht). Das hat wahrscheinlich ein paar Millionen Jahre gedauert, aber letztendlich funktioniert.

Aber der hochreaktive Sauerstoff bleibt trotzdem ein ständiger Feind. Er reagiert mit allem, was ihm in die Quere kommt.

Die perfekte Symbiose nimmt ihren Lauf

Eines Tages denkt sich ein Nachkomme dieser Cyanobakterien, dass es nicht schlecht wäre, sich eine Umgebung zu suchen, in der weniger Sauerstoff existiert, um in Ruhe Energie produzieren zu können.

Es sucht sich also einen Partner; einen, der eine stabile Zellhülle besitzt, die Sauerstoff besser widerstehen kann und ein kuscheliges, warmes Inneres besitzt.

Es findet diesen Partner; es tut sich mit diesem Partner zusammen, verschmilzt mit ihm und betet, nicht verdaut zu werden. Trotz aller Widrigkeiten funktioniert das irgendwann:

Die zwei Zellen verschwimmen ineinander: Die äußere Zelle liefert fortan Nährstoffe und schützt die innere Zelle vor dem giftigen Sauerstoff. Die innere Zelle liefert dafür Energie in Form von ATP und nutzt dafür kleine Mengen Sauerstoff, fein dosiert.

Diese innere Zelle nennen wir heute Mitochondrien, die Kraftwerke in unseren Zellen.

Die äußere Zelle hat sich weiterentwickelt: zu höheren, mehrzelligen Lebewesen wie Tiere, Pflanzen und Menschen.

Eine perfekte Symbiose, und das nur notgedrungen, um mit dem Sauerstoff klar zu kommen.

Dieser Prozess ist heute als die Endosymbionten-Theorie bekannt und versucht zu erklären, wo die Mitochondrien (die eigentlich Bakterien sind) wirklich herkommen.

Richtig atmen - Endosymbiontentheorie
Die Endosymbiontentheorie schematisch (Quelle: Springer-Verlag).

 

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