Was Krebsprävention mit dem Immunsystem zu tun hat

von Martin Auerswald, M.Sc.
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Verschiedenfarbige, gekreuzte Schleifen, die Solidarität mit Erkrankten ausdrücken sollen

Krebs ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen aktuell die Nr. 2 Todesursache in Deutschland. Vor dieser großen Geißel der Menschheit, auf die es medizinisch gesehen immer noch keine Antwort gibt, haben viele Menschen berechtigterweise Angst.

Doch hinsichtlich Prävention und Früherkennung hast Du Einfluss darauf, ob Du erkrankst und wie die Krankheit verläuft. Denn: Krebsprävention entscheidet sich in erster Linie im Immunsystem.

 

Krebs: Geißel der Menschheit

Laut Statista kommt es jährlich allein in Deutschland zu fast 500.000 Neuerkrankungen, 230.000 davon verlaufen tödlich. Weltweit erkranken jedes Jahr 13 Millionen Menschen an Krebs [1].

Krebs ist ein Überbegriff für viele einzelne Erkrankungen – Tumore, die sich in einem bestimmten Gewebe bilden, bösartig werden und sich dann ausbreiten. Es handelt sich um eigenständige Organismen, Parasiten, die sich in unserem Körper entwickeln und ihn auszehren.

Krebs ist kein modernes Phänomen: Bereits im Mittelalter war er als „Auszehrungskrankheit“ bekannt. Als solche wurde er bezeichnet, weil Betroffene immer ausgemergelter und schwächer wurden. Dass es sich bei dieser Krankheit um Krebs handelte, wissen wir erst heute. Denn bis in die Barockepoche war es verboten, Menschen zu sezieren und zu prüfen, was hinter ihrem Leiden steckte.

Kaum ein Mensch hat keine Angst vor Krebs – zu Recht, sind diese Erkrankungen doch die tödlichsten, die es gibt. Allen voran Leberkrebs, Lungenkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs.

 

Krebs – eine Zivilisationserkrankung

Offiziell zählt Krebs heute zu den Zivilisationserkrankungen. Wie bereits erwähnt, handelt es sich nicht um eine neuartige Erkrankung. Dass er immer häufiger auftritt, ist allerdings ein Problem unserer heutigen Zeit, denn unsere moderne Ernährung und Lebensführung sorgen dafür, dass die Neuerkrankungsrate und die Mortalitätsrate (Sterberate) deutlich zunehmen, sofern er nicht behandelt wird.

Diagramm zu Krebsprävention

Man spricht teilweise von einer tsunamiartigen Zunahme der Neuerkrankungen, die weder durch eine höhere Lebenserwartung noch durch verbesserte Diagnostik-Methoden erklärbar ist.

Unsere heutige Lebensführung begünstigt demnach die Entstehung von Tumoren und die Wahrscheinlichkeit, dass sie bösartig werden.

 

Früherkennung – das A&O!

Es ist ein absoluter Segen, dass wir über so gute Diagnostik-Methoden verfügen, um Krebs frühzeitig zu erkennen. Die Behandlungen werden immer besser, aber auch die Früherkennung und die Möglichkeiten zur Diagnose.

Daher lautet die Empfehlung, sich gemäß Ärzterichtlinien regelmäßig vorsorglich untersuchen zu lassen. Als Mann sollten ab 35 u. a. Prostata und Darm kontrolliert werden. Frauen sollten sich ab Mitte zwanzig die Brust untersuchen lassen; dies gilt insbesondere, wenn die Pille eingenommen wurde, die nachweislich das Risiko für Brustkrebs erhöht.

Die Früherkennung bedeutet für viele Menschen eine nervige Pflicht. Allerdings fällt das Kosten-Nutzen-Verhältnis mehr als günstig aus: Denn je eher Krebs erkannt wird, desto besser kann er behandelt werden.

Wenn sich der Verdacht erhärtet, kann der beteiligte Arzt sofort handeln und weitere Untersuchungen einleiten.

 

Wie entsteht Krebs?

Bevor es zu Krebs kommt, entsteht ein Tumor. Ein Tumor ist eine Wucherung von Zellen und nicht zwangsläufig bösartig sowie gefährlich. Jede Warze, jeder Leberfleck ist ein kleiner gutartiger Tumor, der jedoch das Potenzial hat, bösartig zu werden. Aber an sich ist ein Tumor nicht automatisch gefährlich.

Damit ein Tumor und danach Krebs entstehen, müssen einige Dinge passieren (diese werden auch als „Hallmarks of Cancer“, also als charakteristische Merkmale von Krebszellen, bezeichnet):

  1. Die Zelle erleidet schwere genetische Schäden (Mutationen) durch Schadstoffe, freie Radikale, Infektionen oder zufällige Vorgänge. Auch die genetische Veranlagung spielt mit rein.
  2. Durch die genetischen Schäden werden Reparaturmechanismen der DNA außer Kraft gesetzt.
  3. Der Zell-Selbstmord (Apoptose) wird außer Kraft gesetzt (normalerweise sterben beschädigte Zellen).
  4. Die Zelle lernt, sich vor dem Immunsystem zu verstecken (obwohl sie beschädigt ist). Dies nimmt man auf Englisch „immune evasion“.
  5. Durch unkontrolliertes Wachstum vervielfältigt sich die Zelle schneller, als sie sollte – der Tumor wird spätestens hier bösartig (maligne).
  6. Hat der Tumor eine kritische Masse erreicht, muss er Blutgefäße rekrutieren (Angiogenese), um weiter zu wachsen. Hier entscheidet sich, ob ein Tumor gefährlich wird.
  7. Irgendwann lernt das Krebsgeschwür, sich vom Zellverbund zu lösen und über den Blutkreislauf in andere Organe einzudringen – Metastasen.

So weit kommt es im schlimmsten Fall. Aus einer „normalen“ Zelle entsteht nach und nach ein bösartiger, gefährlicher Tumor.

All das klingt sehr bedrohlich. Allerdings kann der Körper in jedem einzelnen Schritt eingreifen und die entartete Zelle bremsen oder gar töten. Besonders das Immunsystem nimmt hierbei eine wichtige Rolle ein.

 

Was hat das Immunsystem mit Krebs zu tun?

In einem erwachsenen Körper entstehen jeden Tag durchschnittlich 20 Tumorzellen. Fast immer werden diese entarteten Zellen vom Immunsystem erkannt und sofort beseitigt. Denn eine entartete Zelle sieht anders aus als eine körpereigene; sie trägt andere Proteine auf ihrer Oberfläche.

Die Aufgabe des Immunsystems besteht also nicht nur darin, Krankheitserregern den Kampf anzusagen, sondern auch solche Zellen zu erkennen und zu töten.

Daher ist unser Immunsystem der wahrscheinlich wichtigste Faktor bei der körpereigenen Krebsprävention. Je kompetenter das Immunsystem ist, desto schneller und effektiver werden Tumorzellen und kleine Tumore erkannt und beseitigt.

Gelegentlich geht dem Immunsystem eine Tumorzelle „durch die Lappen“ – wie Du nun weißt, folgt daraus nicht automatisch die Entstehung einer bösartigen Krebsform. Aber die Möglichkeit besteht.

Das Gute an der ganzen Sache: Was Dein Immunsystem stärkt, wirkt sich positiv auf Deine gesamte Gesundheit aus. Stärkst Du Dein Immunsystem, stärkst Du damit Deinen Körper, und umgedreht.

Wie Du das schaffst? Darüber haben wir auf SchnellEinfachGesund bereits mehrere hundert Beiträge geschrieben – sie alle laufen auf gesunde Gewohnheiten hinaus, mit denen Du Deine Gesundheit und Dein geschwächtes Immunsystem stärken kannst. Dies führt auch dazu, dass Deine Zellen weniger Schäden erleiden und weniger Mutationen erfahren.

 

Studien an Hundertjährigen zeigen erstaunliche Resultate

Bevor wir zu den eigentlichen Tipps kommen, möchte ich Dir die Ergebnisse einiger Studien an Hundertjährigen vorstellen. Wie sind diese Menschen gesund gealtert? Was können wir von ihnen lernen?

Interessanterweise weisen alle dieser Menschen, wenn nach ihrem Tod eine Autopsie durchgeführt wurde, Tumore auf. Ohne Ausnahme. Kleine Tumore von wenigen Millimetern Größe, die jedoch nicht bösartig waren.

Auch zeigen die meisten von ihnen alzheimertyische Ablagerungen im Gehirn, ohne jedoch mental beeinträchtigt gewesen zu sein.

Heißt: Sie tragen Tumore in sich, die nicht gefährlich geworden sind. Ihr Immunsystem hat diese kontrolliert und dafür gesorgt, dass sie nicht bösartig wurden.

Als Gründe geben die Wissenschaftler an, dass diese Menschen:

  • sich viel bewegt haben,
  • sich viel in der Natur aufgehalten haben,
  • natürlichen, unverarbeiteten Lebensmitteln den Vorzug gegeben haben,
  • wenig Stress hatten,
  • viel Schlaf abbekommen haben,
  • und ein gutes Sozialleben geführt haben.

Erstaunlich, oder? Davon können wir einiges lernen.

 

Wie sieht aktive Krebsprävention aus?

Durch die Aneignung einfacher Gewohnheiten wie den folgenden kannst Du aktiv etwas für die Krebsprävention tun. Denn dadurch werden Deine Zellen weniger geschädigt und das Immunsystem wird kompetenter.

Einige bekannte und weniger bekannte Faktoren möchte ich Dir gerne vorstellen:

  • Verzichte aufs Rauchen und auf Alkohol, reduziere den Konsum von Zucker und Fast Food.
  • Als Frau: Suche Dir Alternativen zur „Pille“.
  • Integriere regelmäßige körperliche Bewegung in Deinen Alltag und treibe Sport (die Krebsgesellschaft [2] schreibt, dass Sport so effektiv ist wie Medikamente). Regelmäßiges Joggen etwa reduziert das Krebsrisiko um 50 %.
  • Reduziere Stress im Alltag. Stress beschleunigt die Zellalterung.
  • Verbringe viel Zeit in der Natur. Der Aufenthalt dort wirkt direkt stress- und entzündungslindernd.
  • Pflege ein aktives Sozialleben. Dieses gibt dem Körper das Signal, dass wir gebraucht werden und gesund sein müssen.
  • Achte auf viel Frischluftzufuhr.
  • Achte auf Deine Vitamin-D-Versorgung [3].

Die Ernährung bildet einen eigenständigen Punkt, da bestimmte Lebensmittel besonders hervorstechen:

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Salat mit Avocado und Kürbiswürfeln auf Holztisch

Prävention auf einem Teller.

 

Eine faszinierende Studie aus China

Im Rahmen einer Studie aus dem Jahr 2009 wurden in einer ländlichen Region Chinas die Zusammenhänge zwischen der Ernährung und dem Krebsrisiko untersucht.

Das erstaunliche Ergebnis: Die Frauen, die im Schnitt mindestens eine Tasse Grüntee täglich tranken und 40 g Pilze täglich aßen, wiesen ein um 89 % reduziertes Brustkrebsrisiko auf [9].

 

Fazit – Krebsprävention beginnt im Immunsystem und bei der Ernährung

Du kannst jeden Tag etwas dafür tun, gesund zu sein und zu bleiben, denn durch die Umsetzung guter Gewohnheiten bist Du in der Lage, Deinen Körper positiv zu beeinflussen. Zwar gibt es genetische Veranlagungen, die eine Krebserkrankung begünstigen, aber die Lebensführung spielt eine weitaus größere Rolle.

Ich will Dir nichts vormachen: Auch der gesündeste Mensch kann an Krebs sterben. Aber die Wahrscheinlichkeit ist geringer.

Durch Früherkennung und aktive Prävention kannst Du das Risiko senken. Mach Dich also an die Umsetzung und starte noch heute mit den gesunden Gewohnheiten, die wir Dir hier vermitteln möchten.

Möchtest Du gerne etwas ergänzen? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!


  1. Jemal, A., F. Bray, M. M. Center, J. Ferlay, E. Ward, and D. Forman. “Global Cancer Statistics.” CA Cancer J Clin 61, no. 2 (Mar-Apr 2011): 69-90. https://dx.doi.org/10.3322/caac.20107.
  2. https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/basis-informationen-krebs-allgemeine-informationen/sport-bei-krebs-so-wichtig-wie-.html
  3. Carlberg, C. “Genome-Wide (over)View on the Actions of Vitamin D.” Front Physiol 5 (2014): 167. https://dx.doi.org/10.3389/fphys.2014.00167.
  4. Aaron T Fleischauer, Charles Poole, Lenore Arab, Garlic consumption and cancer prevention: meta-analyses of colorectal and stomach cancers, The American Journal of Clinical Nutrition, Volume 72, Issue 4, October 2000, Pages 1047–1052, https://doi.org/10.1093/ajcn/72.4.1047
  5. Frenkel, M., D. I. Abrams, E. J. Ladas, G. Deng, M. Hardy, J. L. Capodice, M. F. Winegardner, J. K. Gubili, K. S. Yeung, H. Kussmann, and K. I. Block. “Integrating Dietary Supplements into Cancer Care.” Integr Cancer Ther 12, no. 5 (Sep 2013): 369-84. https://dx.doi.org/10.1177/1534735412473642.
  6. Unlu, A., E. Nayir, O. Kirca, and M. Ozdogan. “Ganoderma Lucidum (Reishi Mushroom) and Cancer.” J buon 21, no. 4 (Jul-Aug 2016): 792-98.
  7. Ang, A., J. M. Pullar, M. J. Currie, and M. C. M. Vissers. “Vitamin C and Immune Cell Function in Inflammation and Cancer.” Biochem Soc Trans 46, no. 5 (Oct 19 2018): 1147-59. https://dx.doi.org/10.1042/bst20180169.
  8. Doldo, E., G. Costanza, S. Agostinelli, C. Tarquini, A. Ferlosio, G. Arcuri, D. Passeri, M. G. Scioli, and A. Orlandi. “Vitamin a, Cancer Treatment and Prevention: The New Role of Cellular Retinol Binding Proteins.” Biomed Res Int 2015 (2015): 624627. https://dx.doi.org/10.1155/2015/624627.
  9. Zhang, M., Huang, J., Xie, X. and Holman, C.D.J. (2009), Dietary intakes of mushrooms and green tea combine to reduce the risk of breast cancer in Chinese women. Int. J. Cancer, 124: 1404-1408. doi:10.1002/ijc.24047

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