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Läuse richtig behandeln – Tipps aus der Praxis

von Martin Auerswald, M.Sc.
Veröffentlicht: Zuletzt bearbeitet:
Kleines Mädchen wird mit Läusekamm von Läusen befreit

Oh je, es juckt und krabbelt auf dem Kopf. Läuse – viele Eltern kleiner Kinder haben diese Erfahrung schon einmal gemacht. Doch wie wirst Du sie möglichst schnell, schonend und zuverlässig los? Läuse richtig behandeln ist keine Raketenwissenschaft, wenn Du einige Grundregeln beachtest. Alles Wichtige haben wir hier für Dich zusammengetragen.

 

Womit kann ich Läuse richtig behandeln?

Es gibt verschiedene Mittel gegen Läuse und Nissen, die Du ausprobieren kannst. Bei der Auswahl eines Mittels spielen sowohl Wirksamkeit als auch mögliche Nebenwirkungen eine Rolle – und wie bequem sich die Läuse damit behandeln lassen.

 

Chemische Mittel zur Läusebehandlung

Für die Kopflausbehandlung werden schon viele Jahre bestimmte Insektizide aus der Familie der Pyrethroide eingesetzt. Diese Stofffamilie basiert auf einem natürlichen Insektizid aus der Chrysantheme. Verwendet werden für die Läusebehandlung vor allem Pyrethrum, Permethrin und Allethrin.

Rote Chrysanthemen

Nicht nur wunderschön anzusehen, sondern auch hilfreich gegen Läuse 🙂

Früher waren diese Mittel schnell und zuverlässig in der Wirkung. Willst Du heute Läuse damit behandeln, kann es Dir allerdings passieren, dass die kleinen Blutsauger fröhlich weiterkrabbeln. Durch den langjährigen Einsatz und die enge chemische Verwandtschaft der Stoffe haben die Parasiten nämlich Resistenzen entwickelt. Wie weit diese Resistenzen bei Läusen inzwischen verbreitet sind, ist allerdings in Deutschland noch nicht untersucht worden.

Wenn Du mit einem dieser Mittel also Läuse behandeln möchtest, solltest Du hinterher gründlich kontrollieren, ob die Behandlung auch erfolgreich war.

 

Physikalische Mittel zur Kopflausbehandlung

Physikalische Mittel haben durch ihr Wirkprinzip gegenüber chemischen Mitteln einen entscheidenden Vorteil: Eine Resistenzbildung ist nicht möglich. Richtig angewendet, wirken diese Mittel also zuverlässig. Wenn Du Läuse mit physikalischen Mitteln behandeln willst, hast Du die Wahl zwischen dem Läusekamm, flüssigen Paraffinen und Silikonöl, dem sogenannten Dimeticon.

Läusekamm im Einsatz auf Kopfhaaren in Nahaufnahme

Ein altbewährter Helfer im Kampf gegen lästige Läuse: Der Läusekamm!

Der Läusekamm eignet sich perfekt dazu, Läuse und Nissen aus dem Haar zu entfernen. Vor dem Kämmen solltest Du allerdings die Haare waschen und dann das feuchte Haar Strähne für Strähne langsam und gründlich durchkämmen. Dafür beginnst Du am Haaransatz und kämmst die jeweilige Strähne bis zu den Haarspitzen durch.

Das wiederholst Du bei jeder Strähne zwei- bis dreimal. Bevor Du zur nächsten Strähne gehst, solltest Du den Kamm auf einem Küchenpapier ausstreichen. Auf dem weißen Untergrund siehst Du gut, wie viele Läuse und Nissen Du entfernt hast.

Wichtig: Der Läusekamm eignet sich prima als Ergänzung, aber nicht als alleiniges Mittel für die Kopflausbehandlung, da Du nie sicher sein kannst, alle erwischt zu haben. Dafür gibt es die anderen beiden Gruppen der physikalischen Mittel.

Sowohl mit dickflüssigem Paraffin als auch mit Dimeticon lassen sich Läuse zuverlässig behandeln. Beide Stoffe überziehen Läuse und Nissen mit einer luftdichten Ölschicht. Zum einen werden die erwachsenen Läuse dadurch in ihrer Mobilität eingeschränkt. Zum anderen ersticken die Parasiten und ihre Eier, da kein Sauerstoff mehr durchkommt.

Wie und wie lange das jeweilige Präparat einwirken muss, ist allerdings von Mittel zu Mittel unterschiedlich. Hier gilt es, den Beipackzettel gründlich zu lesen, bevor Du anfängst, die Läuse zu behandeln.

 

Läuse alternativ behandeln – Ein Blick in die Naturapotheke

Neben den bewährten und zugelassenen Mitteln aus der Apotheke gibt es noch eine ganze Menge alternativer Tipps, wie sich Läuse noch behandeln lassen. Sie sind vom Wirkprinzip ein bunter Mix aus physikalischen und chemischen Wirkweisen, stammen aber meist aus verschiedenen Pflanzen.

Neem-Extrakt in verschiedenen Stufen vor grünem Hintergrund

Neem-Extrakt wird aus Mahagoni-Hölzern gewonnen…

Dazu zählen Tropfen und Sprays mit Kokosnussöl, diverse Speiseöle oder ätherische Öle aus Ylang-Ylang, Ingwer, Eukalyptus oder Anis.

Ozonisiertes Olivenöl hat sich in einigen Studien auch als effektiv erwiesen.

Auch Neem-Extrakt wird gern zu Läusebehandlung eingesetzt. Neem ist nicht nur im Garten effektiv bei der Laus-Bekämpfung, auch am eigenen Körper kannst Du es einsetzen. Die ätherischen Öle der Neem-Pflanze greifen die Läuse direkt an und schränken ihre Beweglichkeit ein.

Bewährt hat sich auch Schwarzkümmelöl. Dieses Öl enthält ätherische Öle und Stoffe, bei denen die Läuse reisaus nehmen. Daher hat sich Schwarzkümmelöl übrigens auch beim Kampf gegen Mücken und Borreliose so bewährt. Zusammen mit anderen ätherischen Ölen wie Anis, ist es auch geeignet bei Läusen: einfach nach dem Haarewaschen einige Tropfen Öl in den Händen verteilen und in die noch nassen Haare und Kopfhaut einmassieren. 30 Minuten einziehen lassen, danach abwaschen. Täglich wiederholen.

Die Wirkung ist bei keinem dieser Mittel belegt, was aber auch an der Frage liegt, wer solche Studien finanzieren würde – da die Frage, was untersucht wird und was nicht, auch an der Wirtschaftlichkeit liegt und meist Firmen dahinter stecken. Nur, weil etwas aktuell noch nicht mit Studien belegt ist, heißt das noch lange nicht, dass es nicht wirkt – sonst hätten sich manche Hausmittel nicht durchgesetzt.

Ob Du damit aber wirklich Läuse erfolgreich behandeln kannst, und zwar im Alleingang, bleibt fraglich.

Zusammen mit den anderen Tipps aus diesem Beitrag – sehr wahrscheinlich.

 

Was muss ich bei der Läusebehandlung beachten?

Wichtig ist immer: Vor dem Beginn der Kopflausbehandlung gründlich die Anleitung für das Mittel studieren, für das Du Dich entschieden hast. Zum einen kannst Du es dann richtig anwenden. Zum anderen sind einige Mittel für kleine Kinder oder Schwangere nicht empfohlen. Das ist vor allem bei chemischen Mitteln der Fall. Den Hinweis dazu findest Du dann ebenfalls im Beipackzettel.

Außerdem musst Du die Läuse bei den meisten Mitteln mehrmals behandeln. Das liegt daran, dass weder chemische noch physikalische Läusemittel die Nissen immer zuverlässig abtöten und sie auch nicht entfernen. Deshalb schlüpfen eventuell neue Läuse nach einigen Tagen nach. Um die zu erwischen, musst Du die Behandlung mindestens einmal wiederholen.

Für den optimalen Behandlungserfolg solltest Du das Mittel zudem gleichmäßig auf der Kopfhaut und im Haar verteilen und die angegebene Einwirkzeit einhalten.

Übrigens: Nur beim Läusekamm gilt, dass das Haar feucht sein sollte. Bei allen anderen Mitteln gegen Läuse solltest Du das trockene Haar behandeln.

 


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