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Nachhaltiges Abnehmen – mit Dr. Dominik Dotzauer

von Martin Auerswald, M.Sc.
Muskulöser, nackter Bauch in überweiter Jeanshose mit Gemüseteller

Dies ist ein Transkript des Podcast-Interviews mit Dr. Dominik Dotzauer, Mediziner, Autor und Experte für nachhaltiges Abnehmen und Gründer von drdotzauer.de – vielen Dank an Dominik an der Stelle.

Hinweis: Hier kannst Du das vollständige Podcast-Interview hören (oder direkt zu Spotify gelangen):

 

Das gesamte Interview findest Du hier:

Martin: Hallo und herzlich willkommen zur heutigen Podcast Episode. Schön, dass du wieder eingeschaltet hast. Mein Name ist Martin Auerswald, und ich spreche heute mit Dr. Dominik Dotzauer. Grüß dich, Dominik. #00:00:41-3#

Dominik: Hey. Vielen Dank, dass ich dabei sein darf. #00:00:44-7#

Martin: Es freut mich, dass ich heute die Gelegenheit habe, mit einem Mediziner über das große Thema Abnehmen zu sprechen. Auf dieses Gebiet hast du dich spezialisiert. Stell dich bitte kurz vor, lieber Dominik. #00:01:07-3#

Dominik: Ich bin Dr. Dominik Dotzauer, promovierter Arzt und arbeite als Gesundheitsberater. Ich erstelle evidenzbasierte Programme für Klienten und helfe ihnen, ihren Körper und ihr Essverhalten zu kontrollieren. Die Kunden, die zu mir kommen, haben schon vieles ausprobiert, vom Kalorienzählen bis hin zu allen möglichen Trenddiäten. Aber nichts hat ihnen langfristig geholfen. Mir geht es deshalb vor allem um die dauerhafte Umstellung von Gewohnheiten und Verhalten. #00:01:46-2#

Martin: Ich finde es klasse, wenn sich Mediziner in dieses Feld hineintrauen. Es gibt sehr viele Quereinsteiger, denen es nur um Gewinn und Marketing geht. Es braucht Mediziner wie dich, die wissenschaftliches Grundwissen mitbringen und die Studien analysieren können. Respekt dafür! Du hast in den vergangenen Jahren Wandlungen durchgemacht und verschiedenes ausprobiert, bevor du dich auf Ernährung, Psychologie und Krafttraining spezialisiert hast. Wie ist dein Werdegang? #00:02:23-8#

Dominik: Ich war als Kind übergewichtig und habe viele negative Erfahrungen machen müssen. Mit 17 war ich soweit, dass ich mein Übergewicht unbedingt loswerden wollte. Ich begann damit, täglich 10 Kilometer zu laufen, aber das hat leider nichts gebracht. Möglichst viel Sport, das ist die typisch männliche Variante, um abzunehmen. Ich wollte herausfinden, was ich falsch mache und habe recherchiert. Im Internet bin ich auf viele widersprüchliche Theorien gestoßen. Irgendwann hatte mir jedoch einen Überblick geschafft und war in der Lage, wilde Behauptungen und psychologischen Tricks von Fachwissen zu unterscheiden. Das hat mich so fasziniert, dass ich vom Studiengang der Volkswirtschaftslehre zur Medizin gewechselt habe. #00:03:47-2#

Erst, als ich meine Ernährungsgewohnheiten verändert habe, hat es mit dem Abnehmen geklappt, und zwar ohne 10 Kilometer lange Laufstrecken. Ich begann, drei- bis viermal die Woche Kraftsport zu machen und spazieren zu gehen. Inzwischen hatte ich sehr viel über das Thema Abnehmen gelesen, und das kam mir beim Studium der Medizin sehr zugute. Meine Eltern sind beide Ärzte. Das hatte mich ursprünglich davon abgeschreckt, Medizin zu studieren, und ich habe mich deshalb für ein Studium der VWL entschieden.

Das Thema Abnehmen hat mich jedoch weiter fasziniert, und da es im deutschsprachigen Raum nur wenig gute Informationen dazu gab, habe ich mich entschlossen, Medizin zu studieren. Gleichzeitig begann ich damit, anderen weiterzuhelfen. Damit hatte ich meinen beruflichen Weg eingeschlagen. #00:04:59-3#

Bereits während des Studiums gab ich Online Seminare und schrieb Artikel und Bücher. In meinem Ratgeber “Automatisch abnehmen” erkläre ich, wie man das Wissen rund ums Abnehmen im Alltag umsetzt, um Resultate zu erzielen. In dieser Zeit habe ich auch meine Doktorarbeit geschrieben.

Sie erforscht, wie man in die Umsetzung kommt und wie man eine neue Lebensweise fest in sein Leben integriert. Die wissenschaftlichen Fakten bringen nicht viel, wenn es an der Praxis scheitert. Der Grund für das Scheitern hat oft einen psychologischen Hintergrund, und ich möchte dabei helfen, Gewohnheiten zuverlässig umzustellen. #00:05:55-8#

Martin: Es gefällt mir, dass du aus eigener Erfahrung sprichst und die wertvolle Praxis in deine Arbeit einbringen kannst. Abnehmen ist zu 50 Prozent Psyche und zu 50 Prozent Gewohnheit. Eine 28-Tage-Slim-Shake-Diät bringt nichts, wenn man danach weitermacht wie bisher. Man muss an den Ursachen ansetzen und herausfinden, aus welchem Grund man zugenommen hat. Dann gilt es, den Alltag umzustrukturieren und ihn an die individuellen Bedürfnisse anzupassen. #00:06:46-4#

Bevor wir zu Mythen und Missverständnissen rund ums Abnehmen kommen, würde ich gerne von dir erfahren, wie ein ganz normaler Tag bei dir aussieht. #00:07:08-0#

Dominik: Ich gehe täglich eine Runde durch den Park laufen. Aufgrund der Veröffentlichung meines Buches führe ich zurzeit viele Gespräche, die mich auf Trab halten. Ich verbringe viel Zeit am Telefon und am Computer. Normalerweise esse ich morgens nichts, sondern trinke nur einen Kaffee. Mittags gibt es einen Snack, und meine Hauptmahlzeit nehme ich abends zu mir. Sie besteht hauptsächlich aus Eiweiß und Gemüse. Ab und zu gönne ich mir auch etwas, worauf ich Lust habe, auch wenn es nicht sehr gesund ist. #00:08:10-7#

Martin: Welche Abnehmtipps haben sich bei deiner Arbeit bewährt? #00:08:23-0#

Dominik: Das Wichtigste ist die Erkenntnis, dass Essverhalten nicht bewusst gesteuert wird, sondern situativ abläuft. Unser Gehirn legt alles daran, unser Überleben zu sichern, und es sorgt dafür, dass wir zu stark belohnenden Nahrungsmitteln greifen, wenn sie verfügbar ist. Dann ist der Schmerz gering und die Belohnung groß. Mein Tipp ist, dass man sich einen Ausrutscher vergibt, ihn akzeptiert und gleichzeitig einen Weg sucht, um ihn in Zukunft zu vermeiden. #00:09:26-1#

Martin: Damit hast du die Brücke zur Ernährungspsychologie geschlagen. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Großteil der Gewichtsprobleme in der Psychologie begründet sind. Die meisten Diätkonzept basieren auf Ernährung und Sport und vernachlässigen das Mentale. Warum sprechen wir nur selten über die psychischen Aspekte? #00:10:00-2#

Dominik: Zum einen sind es komplexe Abläufe, die im Gehirn passieren, und zum anderen ist es meist lästig, sich mit den eigenen Schwächen und Gefühlen auseinandersetzen zu müssen. Wenn man mit anderen Menschen darüber spricht, wird es einfacher. Viele Diät-Konzepte bestehen lediglich aus Ernährungs- und Sportplänen. Sie sind beliebt, weil sie eine einfache Struktur bieten, die ein schnelles Gelingen versprechen. Ein solcher Plan verkauft sich gut. Wer langfristig abnehmen will, muss sich darüber klar werden, dass eine Verhaltensänderung zwar aufwändig und schmerzhaft sein kann, dass aber nur sie nachhaltige Erfolge bringt. #00:11:35-4#

Martin: Damit haben wir ein Fass aufgemacht, in das wir tiefer eintauchen müssen. Hast du einen Tipp für uns, wie wir mit den eigenen Ängsten und mit Versagen umgehen können? #00:11:53-8#

Dominik: Mein Rat ist, alles aufzuschreiben, was einem durch den Kopf geht. Manchmal hat man verrückte Gedanken oder nimmt wichtige Eingebungen nicht wahr. Durch das Aufschreiben fließen die Gedanken aus uns heraus. Sie ermöglichen uns, einen objektiven Blick auf die Probleme zu werfen. Dadurch können wir mit der Situation viel besser umgehen. #00:12:47-1#

Martin: Das Aufschreiben übersetzt die Gedanken im Kopf auf Papier. Durch die bewusste Wahrnehmung der Stimme in meinem Kopf kann ich herausfinden, woher der Wunsch nach Essen kommt. #00:13:06-4#

Dominik: Das Notieren ist ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit mit meinen Klienten, denn es hilft ihnen, mit Ausrutschern umzugehen. Diese Methode beschreibe ich sehr ausführlich in meinem Buch. Wer über die Stränge schlägt, muss lernen, die Situation zu akzeptieren und sich selbst zu vergeben. Man sollte sich selbst wie seinen besten Freund behandeln. Oft sind Stress oder Traurigkeit die Auslöser für übermäßiges Essen. Es stellt sich außerdem die Frage, warum man Schokolade zu Hause vorrätig hat, wenn man sie eigentlich gar nicht essen möchte. #00:13:53-0#

Das emotionale Essen ist ein großes Thema. Wer zu viel isst, wird als undiszipliniert und inkonsequent abgestempelt. Im Grunde sind Verhaltensmuster daran schuld, die in unserem Kopf ablaufen. Aber auch die haben ihren Nutzen. Im Grunde ist es eine Schutzfunktion des Gehirns, die uns hilft, uns selbst zu trösten oder unseren Körper mit Energie zu versorgen, indem wir Zucker zu uns nehmen. Wenn man versucht, dagegen zu steuern, indem man sich zusammenreißt, dann geht man nicht auf das dahinterliegende Bedürfnis ein. Anstatt zu versuchen, dem Appetit mit Willenskraft und Disziplin zu trotzen, müssen wir den Anlass herausfinden und ihn behandeln. #00:15:05-8#

Martin: Das ist ein sehr interessanter Ansatz. Wir denken, wir müssten uns lediglich an die Regeln halten, um Erfolg zu haben. Die Beschäftigung mit den psychologischen Hintergründen kann lästig sein und sogar schmerzen, aber sie ist die Investition, von der wir langfristig profitieren. Jeder Mensch lebt in seinem persönlichen Mikrokosmos und erlebt den Alltag als die geltende Normalität. Es ist deshalb wichtig, über den Tellerrand zu schauen und zu erkennen, dass es noch andere Wege gibt. Sich selbst wie seinen besten Freund zu behandeln, das erscheint mir ein guter Weg zu sein. #00:17:13-4#

Dominik: Ja, das ist ein sehr wichtiger Punkt, der auch beim Aufschreiben der eigenen Gedanken hilft. Was würde ich einem guten Freund raten, der sich in derselben Situation befindet? Viele meiner Klienten gehen zu hart mit sich selbst ins Gericht, viel härter, als sie mit einem Freund umgehen würden. Sie schränken zum Beispiel ihre Kalorienzufuhr drastisch ein und setzen sich damit zu sehr unter Druck. Wenn man versucht, die eigene Situation von außen zu betrachten, ist sie weniger verzerrt. #00:17:56-6#

Martin: Warum tickt der Mensch so, dass er zu sich selbst härter ist als zu seinem besten Freund? #00:18:11-0#

Dominik: Menschen, die sehr streng zu sich selbst sind, behandeln oft auch andere mit großer Härte. Das betrifft vor allem Personen, die ihnen nahestehen. Sie wollen schließlich nur das Beste. Außenstehenden gegenüber sind sie wahrscheinlich milder gestimmt, weil die Bindung fehlt. Ich würde sagen, dass man nahestehende Personen eher behandelt wie sich selbst. #00:19:13-1#

Martin: Ich erkenne eine Parallele zur Meditation, bei der man sich auf eine einzige Sache konzentriert, nämlich auf die Atmung. Wenn man merkt, dass die Gedanken abschweifen, dann ist es die zentrale Aufgabe der Meditation, die Aufmerksamkeit wieder zurück auf die Atmung zu lenken. Man war kurz abgelenkt?

Kein Problem, dann macht man einfach weiter. So ähnlich scheint es mir mit deinem Konzept beim Abnehmen zu sein. Wir wollen unsere Gewohnheiten ändern, aber wenn wir schwach werden und etwas Falsches essen, dann machen wir einfach weiter, ohne uns abzuwerten. Das scheint mir der Knackpunkt zu sein, denn genau dieser Fokus fällt den meisten von uns schwer. Wie schafft man es, sich selbst zu verzeihen? #00:20:30-2#

Dominik: Jeder Ausrutscher ist eine Chance, es beim nächsten Mal besser zu machen. Das ist Teil des Änderungsprozesses. Es gehört dazu. Niemand ist perfekt und kann die Herausforderung sofort und problemlos meistern. Man muss den Fehltritt akzeptieren, anstatt ihn auszublenden. Vergebung ist die Lösung. Nur, wenn eine Schuld vergeben wird, löst sie sich auf. Dieses Prinzip gilt auch für Freundschaften und Partnerschaften. Vergebung ist eine Bewältigungsstrategie, um das Fehlverhalten eines anderen zu akzeptieren, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Das gilt auch für mich selbst. #00:22:04-2#

Oft handelt es sich um fest verankerte Wertvorstellungen. Zum Beispiel haben wir eine bestimmte Fehlerkultur oder das Essverhalten unserer Eltern übernommen. Die Psychotherapie beschäftigt sich sehr intensiv mit der Kindheit des Patienten, denn die Erlebnisse und Traumata aus dieser Lebensphase prägen unser Verhalten als Erwachsene. #00:22:54-9#

Martin: An dieser Stelle möchte ich einen Deckel auf die Ernährungspsychologie machen und zum Thema Achtsamkeit übergehen. Es gilt, die eigenen Dämonen im Zaum zu halten beziehungsweise zu lernen, mit ihnen zu leben. Fällt dir dazu ein Ratschlag ein? #00:23:31-8#

Dominik: Sehr oft wird der Schlaf unterschätzt, denn der wirkt sich auch auf den Appetit aus. Zu viel Licht, zu wenig Luft, Magnesiummangel und eine Umgebung, in der man sich nicht wohlfühlt, schaffen schlechte Voraussetzungen für unsere Erholung. Ich empfehle, das eigene Schlafverhalten genau zu untersuchen und zu prüfen, was man verbessern kann. Wer gut schläft, hat weniger Heißhunger. #00:24:38-5#

Diese Episode wird dir präsentiert von Lykon, einem Start-up aus Berlin, das sich auf Bluttests für zu Hause spezialisiert hat. Du musst nicht lange auf einen Termin beim Arzt warten und keine unnötigen Diskussionen führen, welche Blutwerte du messen möchtest und welche nicht. Die Tests von Lykon sparen dir Zeit, sind flexibel und günstig. Lass dir deinen Bluttest einfach nach Hause liefern und nimm mit einer kleinen Lanzette einige Tropfen Blut ab. Diese schickst du an ein Labor und erhältst die Ergebnisse innerhalb kurzer Zeit nach Hause geliefert. Es ist wirklich sehr viel einfacher und günstiger als bei der herkömmlichen Analyse. Mit unserem Rabattcode SEG15 sparst du ganze 15 Prozent auf alle Bluttests von Lykon. #00:25:19-2#

Besonders empfehlenswert sind die myHealth & Fitness Premium Tests, mit denen du wichtige Vitalparameter, Hormone und Nährstoffe untersuchen kannst. Ich persönlich empfehle außerdem die Nahrungsallergietests, mit denen du dich ganz unkompliziert auf Allergien untersuchen kannst. Das sind keine Pricktests, die du vielleicht vom Hals-Nasen-Ohren-Arzt kennst, sondern es wird geprüft, ob du Antikörper gegen Nahrungsmittel gebildet hast. Sehr wichtig sind auch die Einzeltests, mit denen du Testosteron, Cortisol oder deine Schilddrüsenhormone untersuchen lassen kannst. Hol dir die Tests ganz einfach nach Hause. Nimm Blut ab, schicke es ins Labor und erhalte innerhalb kurzer Zeit deine Ergebnisse. Gehe noch heute auf lykon.de, suche dir die passenden Tests aus und gib an der Kasse den Rabattcode SEG15 ein, um 15 Prozent Ermäßigung zu erhalten. #00:26:13-5#

Martin: Manche denken, sie könnten länger aktiv sein, wenn sie weniger schlafen. Du sagst jedoch, dass diese Strategie nach hinten losgeht. Schlafmangel schafft Probleme und äußert sich in Heißhunger und Fressattacken. #00:26:39-5#

Dominik: Diese zwei Stunden, die man vermeintlich gewinnt, lassen sich nicht produktiv nutzen, wenn man müde ist. Es wäre besser, zwei Stunden länger zu schlafen und die verbliebene Zeit effizient einzusetzen. Auf diese Weise erzielt man bessere Ergebnisse. Probiert es einfach mal eine Zeitlang aus und schaut, wie es euch damit geht. Entscheidet euch bewusst, länger zu schlafen. Geht früher zu Bett. Probiert diese kleine Verhaltensänderungen zunächst aus und trefft dann die bewusste Entscheidung, ob die frühere oder die neue Gewohnheit besser zu euch passt. #00:27:48-5#

Martin: Das erinnert mich an eine Studie, die das Schlafverhalten zweier Gruppen untersucht hat. Die Teilnehmer der ersten Gruppe schliefen sechs Stunden täglich, die andere acht Stunden. Beide betrieben Kraftsport und achteten auf ihre Kalorienzufuhr. Die Gruppe, die acht Stunden geschlafen hatte, verlor vier Kilo Fett in einem Monat, und die Gruppe, die nur sechs Stunden geschlafen hat, hatte nur ein Kilo Fett und zwei Kilo Muskelmasse verloren.

Sobald man Muskelmasse verliert, büßt man Vitalität und Kraft ein, und der Grundverbrauch sinkt. Schlaf ist vor allem bei einer Diät das Letzte, woran man sparen sollte. Ich habe gelesen, dass 70 Prozent aller Deutschen zu wenig schlafen. Was meinst du, warum die meisten Menschen zu wenig und zu schlecht schlafen? #00:29:13-6#

Dominik: Ich denke, dass viele Menschen Angst haben, Zeit zu vergeuden oder etwas zu verpassen. Es ist eine Art kindliches Verhalten, ein rebellischer Aufstand gegen das frühe Zubettgehen. Einerseits müssen sie am nächsten Morgen fit für die Arbeit sein, aber andererseits möchten sie den Abend nutzen, um einen spannenden Film zu schauen oder um Qualitätszeit mit dem Partner oder der Partnerin zu verbringen. Ähnlich wie beim Essen kann es hier sehr hilfreich sein, die Vor- und Nachteile bewusst abzuwägen. #00:30:06-8#

Martin: Leider führt das oft in einen Teufelskreis. Wenn man zu wenig schläft, ist man tagsüber müde. Abends ist man dann zu aufgedreht, um einzuschlafen, und man greift zur Chipstüte, um zusätzliche Energie zu tanken. Am nächsten Tag ist man noch müder als am Vortag. Das gleicht einem Kampf mit dem inneren Kind, der sich auch beim Abnehmen auftut. Es gibt sicher viele, die sich in diesem Schema wiedererkennen, und es wichtig, sich selbst mit diesem Problem zu konfrontieren. #00:31:16-3#

Zu einem guten Umgang mit sich selbst gehört auch, Fehler einzugestehen und Vergebung zu üben. Außerdem haben wir erklärt, warum der Schlaf besonders wichtig ist. Gibt es noch einen weiteren Aspekt, der oft unterschätzt wird? #00:31:23-3#

Dominik: Frauen unterschätzen oftmals die Wirksamkeit von Krafttraining und Eiweiß. Männer achten häufiger auf ihre Eiweißzufuhr, denn es ist ihnen wichtig, Muskeln aufzubauen. Sie essen außerdem mehr Fleisch als Frauen. Frauen haben auch Angst vor schweren Hanteln. 20 Kilo Kreuzheben erscheint ihnen sehr viel, obwohl sie schon beim ersten Training locker mit 40 bis 60 Kilo Gewicht starten könnten. #00:32:20-0#

Martin: Die wenigsten Frauen werden tatsächlich krasse Muskeln aufbauen können, denn sie sind von ihrer natürlichen Konstitution nicht dafür gemacht. Eiweiß ist ein Turbo für den Stoffwechsel, und Krafttraining bewirkt bei Frauen, dass sie kompakter werden. Frauen erzählen mir oft, dass sie Oberschenkel wie die von Beyoncé oder Kim Kardashian vermeiden wollen. #00:33:00-8#

Dominik: Man darf nicht vergessen, dass die Geschmäcker verschieden sind. Gerade an den Beinen befindet sich meist eine Fettschicht zwischen den Muskeln. Wenn man dieses Fett verliert, können sich gute Proportionen bilden. Bei meinen Klientinnen ist eher die Hosengröße ein entscheidender Faktor. Wenn man Muskeln aufbaut, sollte man gleichzeitig Fett verlieren, damit der Beinumfang nicht zunimmt. Wenn die Hose nicht mehr passt, ist ein kritischer Punkt erreicht. Die Muskeln wachsen nicht in gigantischen Mengen, aber sie vergrößern sich unter dem Fettgewebe, was zu einer Ausdehnung führen kann. #00:34:07-2#

Viele Männer haben eine höhere Toleranz für die Muskelmasse von Frauen als die Frauen selbst. Am Ende zählt, womit man sich wohlfühlt, solange es im gesunden Rahmen liegt. Muskelmasse lässt sich auch schnell wieder abbauen, und niemand muss befürchten, sein Aussehen dauerhaft zu beeinträchtigen. #00:35:12-8#

Martin: Welche Menge an Eiweiß ist empfehlenswert? Gibt es eine Faustregel? #00:35:22-3#

Dominik: Für den Muskelaufbau empfiehlt sich eine Aufnahme von 1,6 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht. Ich habe einen Artikel darüber geschrieben, wie man den Körperfettanteil misst. Wenn man übergewichtig oder gar adipös ist, passt die 1,6-Gramm-Regel nicht, denn dann müsste man gigantische Mengen an Eiweiß zu sich nehmen. Bei Normalgewichtigen sind die 1,6 Gramm Eiweiß pro Kilogramm eine gute Richtlinie. Wer abnehmen möchte, kann den Anteil auf 2 Gramm erhöhen. Eiweiß erhöht das Sättigungsgefühl und ist ein wichtiger Lieferant von Aminosäuren, aus denen unser Körper besteht. Das Entscheidende beim Abnehmen ist jedoch die Reduzierung der Kalorienzufuhr. #00:36:58-2#

Martin: 1,6 Gramm Eiweiß pro Kilo Körpergewicht, das dürften circa 80 bis 100 Gramm sein, bezogen auf die durchschnittliche Magermasse bei Frauen. Hier und da ein Joghurt reicht jedoch keinesfalls aus. Um 100 Gramm Eiweiß zu sich zu nehmen, sollten es Hühnerbrust, Fisch oder Eiweißshake sein. Es ist empfehlenswert, sich über die Eiweißwerte der verschiedenen Nahrungsmittel zu informieren, um die Menge ausrechnen zu können, die man benötigt. #00:38:09-2#

Dominik: Ich stimme dir zu, dass man den Eiweißgehalt seiner Nahrungsmittel analysieren und an den persönlichen Bedarf anpassen sollte. Schließlich stimmen wir auch im Training die Gewichte an mit unseren Zielen und Möglichkeiten ab. Auf diese Art und Weise erzielt man langfristige Fortschritte. #00:38:38-3#

Martin: Dein Buch hat den Titel “Automatisch abnehmen”. Welche Methode steckt dahinter? #00:38:55-8#

Dominik: Automatisch abnehmen, das ist zunächst ein Titel, der Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die Menschen sind beim Abnehmen mit vielen Probleme konfrontiert. Abnehmen geht nicht automatisch, sondern es erfordert Disziplin und Konsequenz. Wenn man dauerhaft abnehmen möchte, dann ist der entscheidende Punkt, die Ernährungsgewohnheiten so zu ändern, dass es einem möglichst leichtfällt. Natürlich nehme ich ab, wenn ich mich anstrenge und mir viel Druck mache, aber es ist einfacher, mir gute Gewohnheiten und automatisches Verhalten anzutrainieren. Wir können lernen, die richtigen Sachen einzukaufen und einen Zugang zu unseren Gefühlen zu finden. Wir können uns abgewöhnen, die “Gefühle zu essen”. #00:40:09-4#

Das gilt auch für typische Situationen, in denen man normalerweise zur Chipstüte greift. Darum geht es mir beim automatischen Abnehmen. Meine Methode ergänzt die Ratschläge, die die Psychologin Nadja Hermann in ihrem Buch „Fettlogik überwinden” gibt. Ihr Buch beschäftigt sich mit den Mythen der Diäten, aber mir war es wichtig, konkrete Tipps zur Verhaltensumstellung zu geben.

Ich habe immer wieder erlebt, dass die Menschen mit dem gängigen Konzept gescheitert sind, möglichst viele Kalorien einzusparen. Ihnen fehlte das Wissen um die grundlegenden Komponenten wie Eiweiß und Vitamine. Außerdem hatten sie keine Erfahrung im Umgang mit emotionalem Essen und Ausrutschern. Mit meinem Buch “Automatisch abnehmen” möchte ich die Leser in die Lage versetzen, sich selbst zu helfen. #00:41:30-3#

Martin: Das Buch “Fettlogik überwinden” habe ich auch gelesen. Ich habe dabei viel Neues gelernt, aber auch mir hat der psychologische Hintergrund gefehlt. Nur wenigen Menschen gelingt eine strikte Kalorienreduktion. Mit deinem Buch finden sie eine wertvolle Ergänzung. Wo bekommt man dein Buch? #00:42:11-5#

Dominik: Man findet mein Buch in allen Buchläden, auf der Random House Seite und auf Amazon. Dort gibt es auch viele Bewertungen. Auf meiner Webseite kann man die digitale E-Book-Version mit zusätzlichen Materialien und aktuellen Updates bestellen. Außerdem erscheint in Kürze eine Hörbuch-Ausgabe. #00:42:56-3#

Martin: Diese Informationen werden wir in die Show Notes dieses Podcasts packen. Kannst du uns einige Mythen rund um das Abnehmen nennen, die typischerweise in unseren Köpfen herumgeistern? #00:43:19-4#

Dominik: Ein Mythos ist, zu denken, dass man nicht abnehmen würde, weil der Stoffwechsel verlangsamt sei. Die Leute schränken sich ein und leiden, aber trotzdem nehmen sie nicht ab. Sie glauben, eine körperliches Fehlfunktion sei schuld daran. Dieses Problem schildert Nadja Hermann in ihrem Buch “Fettlogik überwinden” sehr ausführlich. Wir unterschätzen zum Beispiel, wie viele Kalorien in einem Salat drinstecken können.

Wenn es 1.500 Kalorien sind, dann muss man sich nicht wundern, dass man nicht abnimmt oder vielleicht sogar zunimmt, obwohl man sich gesund ernährt. Am Ende sind es immer die Kalorien, die darüber entscheiden, ob man ab- oder zunimmt. Das ist eine grausame Wahrheit, denn die meisten von uns essen gerne. #00:44:31-0#

Auch ich selbst esse sehr gerne, aber meinem kleinen Bruder wird es zum Beispiel übel, wenn er zu viel isst. Er war schon immer schlank, weil er nie einen großen Appetit hatte. Sein Stoffwechsel läuft nicht schneller, sondern er isst einfach weniger als andere. Sein Körper wehrt sich gegen größere Mahlzeiten. Es hat hormonell-genetische Gründe, wenn wir mehr essen als andere, und natürlich liegt es auch an unseren Gewohnheiten. #00:45:06-1#

Martin: Das ist eine spannende Erkenntnis. Erfahrungsgemäß unterschätzen wir die Menge, die wir essen. Andererseits überschätzen auch oft, wie viel Energie wir bei unseren sportlichen Aktivitäten verbrennen. Es ist sehr nützlich, sich den eigenen Grundverbrauch auszurechnen und darauf zu achten, wie viele Kalorien man an einem typischen Tag zu sich nimmt. Gerade Frauen haben meist einen niedrigeren Grundverbrauch, als sie denken. Gibt es weitere Mythen, die sich hartnäckig halten? #00:45:48-4#

Dominik: Ein weiterer Mythos ist, dass man unbedingt Sport machen muss, um abzunehmen. Einige meiner Klienten haben sich zu sehr unter Druck gesetzt, und mit ihnen führe ich gar kein Sportprogramm mehr durch. Der Kalorienverbrauch beim Sport wird tatsächlich oft überschätzt. Genauso gut kann man mit einem Brötchen eine ganze Stunde Sport zunichtemachen. Es ist einfacher, auf das Brötchen zu verzichten als sich täglich auszupowern. Zu viel Sport kann auch zu Nebenwirkungen wie beispielsweise Gelenkschmerzen führen.

Alles, was das Essen und den Sport betrifft, steht in einer Art Preis-Leistungs-Verhältnis zueinander. Die Herausforderung ist, eine gute Balance für die Verhaltensänderungen zu finden. Die Maßnahmen sollen nicht zu aufwändig sein, aber trotzdem etwas bringen. Viele Abnehmwillige schwören auf den Sport oder denken, sie hätten hormonelle oder genetische Störungen, die auf eine komplexe Art und Weise behandeln werden müssten. Als Erstes sollten sie ihre Ernährung über einen längeren Zeitraum hinweg beobachten. #00:47:29-5#

Ich hatte schon einige Klienten, die viele Jahre lang zwischen verschiedenen Methoden hin und her gewechselt sind, aber die Basics nicht kontrolliert umgesetzt haben. Sie strengen sich an und probieren vieles aus, aber nichts scheint zu funktionieren, weil sie die groben Schnitzer ihrer Herangehensweise übersehen. Es kann sehr ernüchternd sein, der Wahrheit ins Auge zu blicken und zu erkennen, dass man vieles falsch gemacht hat. Auf der anderen Seite erhält man dadurch endlich ein Resultat, das einen weiterbringt. #00:48:17-4#

Martin: Viele unserer Zuhörerinnen und Zuhörer werden jetzt erleichtert aufatmen, wenn sie hören, dass man sich nicht zum Joggen zwingen muss. Es geht auch ohne Sport oder vielleicht mit einer Aktivität, die einem Spaß macht. Auf jeden Fall ist eine individuelle Herangehensweise nötig, denn One-Size-fits-all-Diäten gibt es nicht. Ich finde es schön, dass wir über diese wichtigen Grundlagen sprechen, denn sie werden immer wieder unterschätzt. Wir begeistern uns eher für das Neue und Sensationelle. #00:49:07-2#

Wir haben heute über die wichtigen Grundlagen gesprochen, über Eiweiß, Krafttraining, den Schlaf und die eigenen Glaubenssätze. Außerdem haben wir herausgestellt, wie wichtig es ist, das eigene Essverhalten im Blick zu behalten. Genau um diese Grundlagen geht es beim Abnehmen, und ich finde es schön, dass wir deine wissenschaftlich-fundierte Sicht dazu gehört haben. Für diejenigen, die tiefer in die Thematik einsteigen wollen, empfehle ich die beiden erwähnten Bücher. Auf deiner Webseite drdotzauer.de findet man außerdem weiterführende Informationen. Dominik, möchtest du uns abschließend noch etwas mitgeben? #00:49:57-2#

Dominik: Vielleicht hast du schon vieles ausprobiert, aber nichts funktioniert? Wenn du denkst, du wärst ein hoffnungsloser Fall oder irgendwas würde mir dir nicht stimmen, dann melde dich bei mir. Gerne gebe ich dir meine kurze Einschätzung, einen Tipp oder eine Weiterempfehlung. #00:50:46-4#

Martin: Die Kontaktdaten werden wir in den Show Notes aufführen. Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wenn euch eine weitere Ausgabe mit Dominik gefallen würde, dann schreibt mir eine E-Mail an podcast@schnelleinfachgesund.de. Dieser Podcast lebt vom Austausch mit unseren Hörern.

Am liebsten berichten wir über die Themen, die ihr euch wünscht. Ich freue mich deshalb über eure Meinung. Erzählt uns, was euch gut oder weniger gut an unseren Interviews gefällt. Wenn ihr mehr über uns erfahren möchtet, dann besucht unsere Webseiten schnelleinfachgesund.de und drdotzauer.de. Wir sind thematisch sehr ähnlich aufgestellt. Vielen Dank für deine Zeit, lieber Dominik, und für die Einblicke, die du uns gegeben hast. #00:51:59-1#

Dominik: Danke dir, und bis bald. #00:52:00-3#

 

 

 

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