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Was Selbstmanagement mit Gesundheit zu tun hat – mit Thomas Mangold

von Martin Krowicki, M.A.
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Meal Prep in Glasschale mit Bambusbesteck auf Granitplatte

Dies ist ein Transkript des Podcast-Interviews von Martin Krowicki mit Thomas Mangold, Trainer, Autor und Speaker für Zeit- und Selbstmanagement und Gründer von selbstmanagement.rocks – vielen Dank an Thomas an der Stelle.

Hinweis: Hier kannst Du das vollständige Podcast-Interview hören (oder direkt zu Spotify gelangen):

 

Martin: Herzlich willkommen zu unserer heutigen Podcast Episode bei SchnellEinfachGesund. Mein Name ist Martin Krowicki. Ich habe einen ganz besonderen Gast bei mir, mit dem wir heute ein wichtiges Thema behandeln wollen: das Selbstmanagement. Mein Interviewpartner ist ein absoluter Experte auf diesem Gebiet. Er betreibt die größte Selbstmanagement Lernplattform im deutschsprachigen Raum mit dem Namen selbstmanagement.rocks. Ich begrüße Thomas Mangold! Er ist Trainer, Autor, Keynote Speaker für Zeit- und Selbstmanagement sowie Sport-Mentaltrainer. Thomas kommt aus Wien und ist Jahrgang 1975. Schön, dass du da bist, lieber Thomas. #00:02:59-7#

Thomas: Vielen Dank, Martin, ich freue mich über die Einladung zum Interview. #00:03:08-4#

Martin: Zu dieser Jahreszeit bin ich oft in Österreich im Urlaubsfeeling. Mit deinem heutigen Besuch erfüllst du ein wenig meine Urlaubssehnsucht während der Corona-Krise. Es ist wunderbar, deinen österreichischen Akzent zu hören. Schön, dass du heute hier bist. #00:03:19-4#

Thomas: Ich wäre auch gerne in Schladming Ski gefahren. Leider ist das zurzeit wegen des Lockdowns nicht möglich. #00:03:29-2#

Martin: Ich habe dich bereits vorgestellt, aber sag bitte noch ein paar Worte zu dir. Auf welcher Mission befindest du dich? #00:03:51-1#

Thomas: Bei mir dreht sich alles um Zeitmanagement und Selbstmanagement, um Produktivität, Effizienz und Effektivität. Manche Menschen zucken bei diesen Stichworten zusammen, aber keine Sorge, es geht nicht darum, sich zu Tode zu optimieren, sondern ich möchte, dass du mehr Zeit für dich selbst und für die wirklich wichtigen Dinge gewinnst.

Es gibt einige Stellschrauben, an denen man drehen kann. Wenn man in der Arbeit effizienter wird und mehr Aufgaben in weniger Zeit erledigt, und das alles in einem entspannten Zustand, dann schafft man sich eine Win-Win-Situation. Mit dem Einzug der Technik und des Internets mit seinen vielfältigen Möglichkeiten hat sich unser Arbeitsleben rasant beschleunigt. Es ist deshalb wichtig, dass man gelegentlich auf die Bremse drückt. #00:04:46-8#

Martin: Wenn man sich für unterschiedliche Dinge begeistert, viel in sein Leben hineinholt und irgendwann sogar eine Familie gründet, dann reichen die 24 Stunden, die wir täglich zur Verfügung haben, nicht mehr aus. Bei der Suche nach Selbstmanagementthemen landet man sehr schnell bei dir und bei deinen Angeboten. Dein Buch „Die Selbstmanagement-Formel“ hat mich sehr inspiriert. Das Wichtigste, was ich daraus gelernt habe, war die Anwendung des Evernote Programms, das sich zu einem zweiten Gehirn für mich entwickelt hat, in dem ich alles Mögliche speichere. #00:05:40-7#

Du bist einer der Experten, die viele gute Tipps auf Lager haben, und mit unserem heutigen Gespräch wollen wir einen Einstieg in das Thema Selbstmanagement finden. Das Selbstmanagement hilft uns, Zeit für die wirklich wichtigen Dinge zu finden. Das Wichtigste, was wir haben, ist unsere Gesundheit, und dazu kannst du unseren Hörerinnen und Hörern jede Menge Input geben. Du selbst bist eine vielseitige Persönlichkeit, bist Fußballer und hast viele Hobbys. Wie schaffst du es, genug Zeit für deine eigene Gesundheit zu finden? #00:06:17-4#

Thomas: Gesundheit und Sport hat bei mir Priorität Nr. 1. Das Erste, was bei mir in den Kalender für den nächsten Monat kommt, sind die Termine für meine persönlichen Angelegenheiten und für den Sport. Dabei halte ich drei Regeln ein. Diese Termine sage ich nur ab, wenn ich a) krank bin oder wenn b) ein Notfall in meinem engsten Freundes- und Familienkreis eintritt und wenn c) eine unglaubliche berufliche Chance auf mich zukommt.

Wenn der Spiegel anruft und mich auf die Titelseite bringen will, dann lasse ich ausnahmsweise die Sporteinheit aus (lacht). Ansonsten sind die Sporttermine für mich nicht verschiebbar. Das sind die drei wichtigen Punkte, und ansonsten ziehe ich mein Gesundheits- und Sportprogramm durch. #00:07:34-1#

Ich habe es mir zu einer Gewohnheit gemacht, meine Sport- und Gesundheitstermine als Erstes in den Kalender einzutragen, weil er sonst relativ flott mit anderen Terminen blockiert ist. Gesundheit ist für mich das wichtigste Thema, und deswegen hat es bei mir Priorität Nr. 1. Gesundheit ist unbezahlbar. #00:07:59-6#

Martin: Die Gesundheit ist das Wichtigste, und du planst sie als Erstes in deinen Monatskalender ein. Alles andere fügt sich dann. Interessant finde ich deine Regel, Ausnahmen nur bei Krankheit, Notfällen und beruflichen Chancen zuzulassen. Das ist ein sehr guter Ratschlag. Wie gelingt es dir, neue Gewohnheiten umzusetzen und einen Automatismus zu implementieren? #00:08:45-0#

Thomas: Der größte Fehler ist, sich zu viel auf einmal vorzunehmen. Das ist das typische Neujahrsproblem. Die ganzen guten Vorsätze, die man sich an Silvester vornimmt, sind spätestens nach zwei Wochen gescheitert. Das liegt meist daran, dass die Vorhaben viel zu groß sind. Wenn ich eine neue Gewohnheit implementiere, dann will ich sicherstellen, dass der Umfang der Aufgabe zu mir passt.

Kleine Schritte führen zum Ziel, und das muss nicht von heute auf morgen geschehen. Wir wollen alles in Super Speed haben, und deswegen versuchen wir, fünfzehn Dinge gleichzeitig zu machen. Wenn ich die Aufgaben hintereinander erledige, also seriell anstatt parallel, dann stehen mir viel mehr Möglichkeiten zur Verfügung. Die Herausforderung wird einfacher, und die Chance steigt, die Gewohnheit dauerhaft zu implementieren. #00:09:45-0#

Ob ich es dieses Jahr oder erst nächstes Jahr schaffe, meine tägliche Trainingseinheit auf eine ganze Stunde Sport zu steigern, das ist, aufs ganze Leben gesehen, egal. Hauptsache, ich schaffe es, eine Routine einzuführen. Gerade zu Anfang eines Jahres sind die Fitnessstudios überfüllt, weil die Menschen ihre guten Vorsätze verwirklichen wollen. Und als Trainer kann ich schon von Weitem erkennen, bei wem die Umsetzung scheitern wird. #00:10:37-7#

Der Schlüsselfaktor für die Einführung von Gewohnheiten ist der so genannte Trigger oder Auslöser. Der Termin im Kalender ist zwar ein guter Auslöser, aber wir alle wissen, dass oft etwas dazwischenkommt. Nehmen wir als Negativbeispiel die Lust aufs Rauchen. Nach dem Essen oder zum Kaffee verspürt man immer die Lust auf eine Zigarette.

Das sind Automatismen, die einen Auslöser haben, nämlich den Kaffee oder das Mittagessen. Und genauso kann ich positive Trigger setzen. Wenn ich den Auslöser mit einer Gewohnheit verknüpfen kann, dann schaffe ich es, sie dauerhaft zu implementieren. Das dauert in der Regel 30 bis 60 Tage. #00:11:38-4#

Niemand von uns muss sich einen Termin fürs Zähneputzen in den Kalender schreiben, denn das passiert automatisch. Wenn ich morgens mein Schlafzimmer verlasse, führt mich mein erster Weg ins Bad, wo die Hygiene erledigt wird. Wenn ich diese Punkte umsetzen kann, fällt leicht, sich neue Handlungen anzugewöhnen. Dazu gehört natürlich auch das große Thema Willensstärke, aber das ist klar. #00:12:13-3#

Martin: Ich fasse zusammen: Nicht zu viel auf einmal umsetzen, sich auf klare Aufgaben fokussieren und einen Auslöser für die neue Routine suchen. Was wäre ein guter Auslöser, um mich zum Sport zu motivieren? Wie schaffe ich es, regelmäßig ins Fitnessstudio zu gehen oder das Video mit dem Instructor einzuschalten? #00:12:36-0#

Thomas: Früher war mein Feierabend der Auslöser. Wenn ich das Büro verlassen habe, bin ich automatisch ins Fitnesscenter gegangen. Wäre ich stattdessen zuerst nach Hause gegangen, hätte die Couch ganz sicher magnetische Kräfte entwickelt und ich wäre nicht mehr zum Sport losgezogen. Ich kann mir vorstellen, dass dieser Trigger auch für viele unserer Hörerinnen und Hörer gut passt. Andere hingegen trainieren lieber vor der Arbeit, und auch das kann ein guter Auslöser sein.

Wichtig ist, dass ich die Reibung gering halte, dass ich also keine Couch in der Nähe habe, auf die ich mich setzen kann. Wenn ich negative Gewohnheiten loswerden möchte, dann erhöhe ich die Reibung, und bei Gewohnheiten, die ich implementieren will, fahre ich sie herunter. Ich nehme die Sporttasche mit ins Büro, und wenn ich das Büro verlasse, führt mein Weg direkt in Richtung Fitnessstudio. Damit habe ich die Reibung gering gehalten. #00:13:42-8#

Martin: Bleiben wir gedanklich im Fitnessstudio. Ich selbst habe zwei Jahre lang in einem sehr guten und hochpreisigen Studio gearbeitet. Es gibt diejenigen, die einen Vollzeitjob und drei Kinder haben und dreimal wöchentlich trainieren. Und es gibt die anderen, die theoretisch jede Menge Zeit haben, es aber nicht schaffen, regelmäßig ins Fitnesscenter zu kommen. Spätestens im März sieht man sie nicht wieder. Ist das ein Selbstmanagementproblem oder woran könnte es liegen? #00:14:31-7#

Thomas: Das ist zunächst ein Problem des Mindsets, bei dem die kurzfristige Befriedigung der langfristigen vorgezogen wird. Netflix zu schauen ist in diesem Moment befriedigender, als ins Gym zu gehen. Wenn ich es jedoch gewohnt bin, regelmäßig ins Gym zu gehen, dann weiß ich, dass es mich glücklicher macht als auf der Couch zu sitzen. Außerdem werden beim Sport Glückshormone ausgeschüttet. Ich muss mir deshalb immer wieder den langfristigen Erfolg vor Augen führen. Netflix zu schauen macht Spaß, aber Sport und Gesundheit machen langfristig mehr Spaß. #00:15:23-5#

Der zweite Punkt ist, dass viele Menschen ihre Willensstärke nicht mehr managen können. Willensstärke kann man sich wie einen Smartphone Akku vorstellen. Wenn der Akku über Nacht in der Steckdose hängt, dann ist er am nächsten Tag vollgeladen. Genauso ist es bei uns Menschen. Wenn wir gut schlafen und uns gut ernähren, dann ist der Willensstärke-Akku zu 100 Prozent geladen. Entladen wird er durch die Entscheidungen, die ich treffe.

Wenn ich mich am Morgen nicht entscheiden kann, ob die braunen Schuhe zur blauen Krawatte und zum schwarzen Blazer passen, dann habe ich schon 3 Entscheidungen verbraten, und der Willensstärkebarometer ist gesunken. Das war übrigens die Antwort von Steve Jobs auf die Frage, warum er immer die gleichen Klamotten trägt.

Er hat natürlich 20 verschiedene schwarze Rollkragenpullover gehabt, aber er musste lediglich einen davon aus dem Kleiderschrank herausholen, ohne nachzudenken. Steve Jobs hat im Laufe des Tages viele wichtige Entscheidungen treffen müssen, und er wollte seine Zeit nicht mit der Auswahl seiner Kleidung verschwenden. #00:16:28-3#

Der zweite Punkt ist, Versuchungen zu widerstehen. Jedes Mal, wenn ich einer Versuchung widerstehen muss, geht das zu Lasten des Willensstärke-Akkus. Wenn der Akku irgendwann nur noch bei 20 Prozent steht, dann gehe ich wahrscheinlich den Weg des geringsten Widerstands. Und damit sind wir wieder bei der kurzfristigen Befriedigung. #00:16:58-8#

Natürlich geht es auch hier wieder um die Gewohnheiten, die bereits fest implementiert sind und deshalb wenig Willensstärke verbrauchen. Das sind die drei Hauptkriterien, woran Selbstdisziplin scheitern kann. #00:17:07-5#

Martin: Das erklärt etwas ganz Wichtiges. Wenn wir einen anstrengenden Arbeitsalltag mit vielen Entscheidungen hinter uns haben, den Gang ins Fitnessstudio jedoch noch nicht automatisiert haben, dann fällt uns die Überwindung schwer. Wenn man über diesen Punkt jedoch hinweg ist, dann schafft man es locker, zum Sport zu gehen, auch wenn man einen sehr anstrengenden Tag gehabt hat. #00:17:34-4#

Thomas: Für Menschen, die viele wichtige Entscheidungen treffen müssen, ist es die schlauere Variante, vor der Arbeit zum Sport zu gehen, weil die Willenskraft dann noch frisch ist und man nicht durch ungeplante Termine abgehalten werden kann. #00:18:07-8#

Martin: Das ist auf jeden Fall ein sehr guter Ratschlag. Bei SchnellEinfachGesund sind wir ständig auf der Suche nach Neuigkeiten, aber wir gehen auch immer wieder gerne zurück zu den Basics wie guter Schlaf und gute Ernährung. In unserer Branche gibt es ständig neue Trends, neue Diäten, Tools und Fitnessprogramme. Das ist oft eine Überfrachtung, und die Menschen springen von Methode A zu Methode B. Gibt es mentale Filter, die verhindern, dass man von den vielen Trends mitgerissen wird? #00:19:02-7#

Thomas: Ich empfehle, einen Trend sechs bis zwölf Monate lang zu verfolgen. Dadurch sortiert sich vieles von selbst aus. Dieses Prinzip nenne ich „Ideenquarantäne“. Es gibt Menschen, die jeden neuen Trend sofort umsetzen, aber irgendwann lässt die Motivation nach. Man hat 100 offene Projekte, aber nichts wird fertig.

Wenn mir eine Idee gefällt, dann notiere ich sie in Evernote in meinem Ideen- und Inspirationen-Buch. Dort muss sie mindestens 14 Tage lang schlummern. Danach ist die „Quarantäne“ vorbei, und wenn ich wieder hineinschaue, denke ich mir oft, „um Gottes Willen, was habe ich mir denn dabei nur gedacht?“ und lösche den Eintrag. Wie geistig umnachtet muss ich gewesen sein, als ich diese Idee toll fand? #00:20:29-9#

In den Notizbüchern befinden sich sehr viele Ideen, die alle gegeneinander antreten. Wenn ich die vermeintlich beste herausziehe, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie zu einem Projekt wird, das ich durchziehen werde. Genauso würde ich es mit den neuesten Fitnessprogrammen und Ernährungstipps machen. Wenn der Hype nach einigen Monaten noch aktuell ist, dann würde ich mir den Trend näher anschauen.

Ansonsten lasse ich es gut sein. Das Intervallfasten war ein solches Projekt, das ich für mich implementiert habe. Es klang spannend, und ich wollte es gerne testen. Aber die meisten Trends lasse ich außen vor, denn oft verschwinden sie nach einigen Wochen in der Versenkung. #00:21:29-4#

Martin: Mir gefällt das Konzept der Ideenquarantäne. 14 Tage wegpacken und warten, was passiert. Hinter dem Intervallfasten, das es bereits früher schon einmal gab, stehen evolutionäre Gründe, die erklären, warum dieses Konzept gut für uns sein kann. Es lohnt sich, hinter die Fassade eines Trends zu schauen und zu prüfen, ob er zu uns passt. #00:22:06-6#

Thomas: Wenn ich etwas Neues umsetze, das meine Gesundheit betrifft, dann möchte ich umfassend darüber informiert sein. Lediglich einen Artikel in der Men’s Health zu lesen, das wäre mir zu wenig. Über das Intervallfasten habe ich richtig recherchiert und entsprechende Bücher gelesen. #00:22:35-6#

Martin: Wir fühlen uns manchmal fremdgesteuert und wandeln planlos durch den Alltag. Wie kann uns das Selbstmanagement bei der Organisation unseres Lebens helfen, und was ist deine Definition von Selbstmanagement? #00:23:00-2#

Thomas: Es ist eine Tatsache, dass wir oft sehr fremdgesteuert sind. Es gibt ein gutes Buch von Beat Bühlmann mit dem Titel „Werde der CEO deines Lebens“. Dieser CEO bist du selbst. Es bringt nichts, anderen die Schuld zu geben, sei es der böse Chef oder das unpassende Umfeld. Gutes Selbstmanagement zeugt davon, dass ich die Fäden selbst in der Hand halte. Das geht natürlich nicht zu 100 Prozent. Jeff Bezos und Elon Musk haben alles Geld der Welt, um tun und lassen zu können, was sie wollen, aber auch sie sind in gewisser Weise fremdgesteuert.

Trotzdem muss ich die wichtigsten Weichen selbst stellen und die Kontrolle über meine Handlungen haben. Vor allem sollte ich nicht von meinen Terminen getrieben sein. Wenn ich meine Sporttermine für den nächsten Monat vor allen anderen Verpflichtungen in den Kalender eintrage, dann bestimme ich selbst, was wichtig ist. #00:24:10-9#

Das Terminmanagement ist ein wichtiger Punkt. Wir nehmen das Interview heute an einem Freitag auf. Du hast in meinem Kalender gesehen, dass ich lediglich freitags Termine freigeschaltet habe. #00:24:16-5#

Martin: Stimmt, das ist mir aufgefallen. #00:24:16-2#

Thomas: Der Freitag ist mein Meeting- und Admin-Tag. Er hilft mir, meinen Kalender optimal zu steuern. Wenn man im Angestelltenverhältnis arbeitet, dann muss man sich natürlich nach dem Unternehmen richten, aber auch da kann man sich gewisse Freiheiten erarbeiten. #00:25:09-6#

Martin: Wie reagierst du, wenn etwas dazwischenkommt und deinen gut geplanten Kalender durcheinanderbringt? Angenommen, du hast an einem Tag keine Zeit für Fitness oder du fühlst dich nicht gut. Wie würdest du eine solche Intuition werten? Ordnest du sie als Willensschwäche ein, die es zu überwinden gilt oder hörst du auf deinen Körper? #00:25:43-3#

Thomas: Ich höre auf jeden Fall auf meinen Körper. Wenn ich sehr erschöpft bin, dann geht es eben nicht. Ich mache fünfmal pro Woche Sport, da ist es nicht so tragisch, wenn ich alle vier bis sechs Wochen einen Tag Pause einlege. Ich möchte lediglich vermeiden, dass der Sport aufgrund meines eigenen Verschuldens ausfällt. Auch das ist ein Aspekt von Freiheit. Viele denken, dass ich mich mit meinen Strategien, Regeln und Methoden selbst einschränken würde, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Wenn ich mich während meiner Arbeitszeit so gut wie möglich strukturiere, dann habe ich den Rest des Tages alle Zeit der Welt für meine persönlichen Anliegen. Ja, ich muss mich in gewisser Weise einschränken und Regeln befolgen, aber mit dem Ziel, in meiner Freizeit frei von eben diesen Strukturen zu sein. Das eine bedingt das andere. #00:27:08-1#

Auch ich lass mich ab und zu gerne berieseln oder schaue mir Fußball im Fernsehen an. Das ist kein Problem, denn ich mache es, wenn ich es mir zeitlich leisten kann. Keine wichtige Aufgabe leidet darunter. Struktur schaffen, um Zeit für Gesundheit und Zeit für sich selbst zu haben, das ist das Konzept. Das größte Problem ist, dass die Menschen keine Zeit mehr für sich selbst haben.

Das gilt sowohl für die psychische als auch für die körperliche Gesundheit. Wenn ich so k.o. bin, dass ich keinen Sport mehr machen kann, dann gönne ich meinem Körper eine Pause, lege mich auf die Couch und entspanne. Aber das kommt nicht oft vor. Man muss unterscheiden, ob das Problem im Kopf oder im Körper besteht, und diesen Unterschied kann man leicht wahrnehmen. #00:28:14-7#

Im Bereich Zeit- und Selbstmanagement gibt es kein System, das für alle gilt. Jeder muss selbst herausfinden, welche Methode zu den eigenen Bedürfnissen und zum eigenen Umfeld passt. Das kann ein hartes Stück Arbeit sein, vor der viele zurückschrecken. Aber der Erfolg belohnt uns. Der Weg lässt sich mit dem Aufbau unserer Altersvorsorge vergleichen. Wer im Ruhestand genug Geld haben möchte, muss früh beginnen, zu sparen und zu verzichten. Langfristig kann er sich über den Effekt des Zinseszinses freuen. Investieren, um später zu profitieren, damit sind wir wieder beim Prinzip der langfristigen Belohnung. #00:29:11-5#

Martin: Man muss lernen, die schnellen Befriedigungen links liegen zu lassen und das langfristige Ziel zu fokussieren. Das ist eine wichtige Grundlage. Die Anpassung meiner Tagesstruktur ist ein fortlaufender Prozess. Eine Zeitlang habe ich nicht mehr mit Evernote gearbeitet, aber jetzt nutze ich es wieder, um meine Ideen zu parken. Man muss den Mut haben, manchmal etwas wegzulassen. #00:29:53-5#

Thomas: Während des Corona Lockdowns bin ich überwiegend zu Hause geblieben. Meine Routinen waren zwangsläufig ausgesetzt, und das führte dazu, dass ich bereits um 10:00 Uhr morgens unproduktiv wurde. Ich stehe um 05:30 Uhr auf, und normalerweise gehe ich ins Fitnessstudio oder treffe mich mit der Familie und mit Freunden. Diese Wege, die ich immer zu Fuß zurückgelegt habe, sind im Lockdown weggefallen und haben dazu geführt, dass sich eine gewisse Lethargie ausgebreitet hat und ich unproduktiver geworden bin. Mir hat die Bewegung gefehlt. Ich begann damit, regelmäßig spazieren zu gehen, und das Problem hatte sich erledigt. #00:30:42-7#

Die Anforderungen und das Umfeld ändern sich, und man muss immer flexibel reagieren. Die Arbeit am Selbstmanagement ist nie zu Ende, aber wenn man erst einmal eine Grundstruktur geschaffen hat, dann ist es einfach, die Stellschrauben zu justieren. #00:30:52-8#

Martin: Das Reflektieren und die Selbstwahrnehmung sind das Wichtige dabei. Man muss auf die innere Stimme zu hören und sich nach ihr auszurichten. Ich war letztes Jahr zu Gast in deinem Podcast und durfte dort über Morgenroutinen sprechen. Das war übrigens meine erste Einladung in einen Podcast, und ich habe mich sehr darüber gefreut. Wie startest du selbst in den Tag? Wie sieht deine Morgenroutine aus? #00:31:31-7#

Thomas: Ich öffne das Fenster, nehme einige tiefe Atemzüge und gehe ins Bad. Danach nehme ich mir ein großes Glas Wasser, setze mich an den Schreibtisch und lege los. Das ist meine Morgenroutine. In der Früh bin ich energiegeladen und brauche keinen zusätzlichen Anschubser. Anstatt meine Energie für eine Morgenroutine aufzuwenden, nutze ich sie, um produktiv zu arbeiten. So passt es für mich, und so belasse ich es jetzt. Bei einem meiner Kollegen ist es umgekehrt. Erst, wenn er seine Morgenroutine absolviert hat, wird er produktiv. So sind die Menschen unterschiedlich, und jeder muss schauen, was er für sich herausholen kann und was nicht. #00:32:48-7#

Martin: Es ist gut, deine Perspektive zu hören. Demnach braucht man nicht unbedingt eine Meditation am Morgen, um in Fahrt zu kommen. Wenn man wie du genug Energie hat, kann man gleich loslegen. #00:33:10-2#

Thomas: Viel wichtiger ist für mich das Abendritual. Es hilft mir, gut einzuschlafen, und wahrscheinlich ist das der Grund, warum ich mich morgens besonders fit fühle. #00:33:24-2#

Martin: Du hast deinen Spaziergang erwähnt, der auch eine nachgelagerte Morgenroutine ist. #00:33:31-4#

Thomas: Man kann sagen, dass der Spaziergang zu meiner Vormittagsroutine dazugehört. Nach dem Spaziergang gehe ich eiskalt duschen und liege dann zehn Minuten auf meiner ShaktiMat, einer Akupressur-Matte. Das ist meine Meditationszeit. Je länger man draufliegt, desto angenehmer wird es. Danach bin ich wieder super konzentriert. Diese Rituale helfen mir, am späteren Vormittag nochmal Schwung zu holen. #00:34:12-8#

Martin: Die Shakti-Matte kommt sofort in meine Ideenquarantäne! #00:34:17-2#

Thomas: (Lacht) Wunderbar. #00:34:22-2#

Martin: (Lacht) Deine Idee wird sofort umgesetzt. Du siehst, ich habe bereits von dir gelernt. #00:34:25-4#

Thomas: Super! #00:34:29-3#

Martin: Welche Gewohnheit zur Unterstützung deiner Gesundheit ist für dich die wichtigste? #00:34:38-9#

Thomas: Das ist natürlich der Sport, denn ohne den geht es bei mir nicht. Wenn ich längere Zeit krank bin, was zum Glück selten vorkommt, oder wenn ich beim Badeurlaub die Seele baumeln lasse, dann fühle ich mich spätestens nach drei Tagen unwohl. Natürlich brauche ich auch Entspannung, um geistig abzuschalten, und dabei hilft mir eine Woche All-inclusive-Urlaub sehr. Aber ohne Sport halte ich es auch dort nicht lange aus. #00:35:33-1#

Martin: Es heißt auch hier wieder, auf die Intuition zu hören und herauszufinden, was du brauchst, um dauerhaft leistungsfähig zu sein. #00:35:39-9#

Thomas: Ja, definitiv. #00:35:39-6#

Martin: Du hast immer viele Ideen für neue und praktische Tools, Programme und Apps. Durch dich habe ich eine sehr hilfreiche App kennengelernt, mit der man sich in Podcasts bestimmte Stellen markieren kann. Wenn ich mir beispielsweise in unserem heutigen Podcast die Ideenquarantäne merken möchte, dann drücke ich an der entsprechenden Stelle auf den Knopf „merken“, und die App speichert die nächsten 30 Sekunden ab. Kannst du unseren Hörerinnen und Hörern Apps aus dem Themenbereich Gesundheit empfehlen? #00:36:25-5#

Thomas: Zur Umsetzung von guten Gewohnheiten ist es wichtig, Fortschritte zu messen. Das geht mit einer Tracking-App ganz einfach. Ich selbst tracke meine Trainingseinheiten und auch meine täglichen Schritte. Die empfohlenen täglichen 10.000 Schritte schaffe ich nicht, aber das ist nicht schlimm, weil ich außerdem noch jogge, Fahrrad fahre und schwimme. Mein Ziel sind 8.500 Schritte. Das Messen und Beobachten ist ein sehr wichtiges Feedback, und ich nutze dafür die Fitness- und Lauf-App Runtastic.#00:37:02-2#

Außerdem bin ich ein leidenschaftlicher Esser, und ich denke, dass das der Grund ist, warum ich so viel trainiere. Wenn ich beim Essen über die Stränge schlage und wenn das Gewicht in die Höhe schnellt, dann tracke ich meine Ernährung und zähle Kalorien. Das mache ich einige Tage lang, bis ich mein altes Gewicht wieder erreicht habe. #00:37:53-1#

Für das Thema Gewohnheiten gibt es so genannte Habit Tracker in unterschiedlichen Ausführungen. Um Gewohnheiten fest zu implementieren, sollte man sie so oft wie möglich nutzen. Gerade am Anfang hilft eine Tracking App besonders gut, denn ich kann mich daran erinnern lassen, die jeweilige Tätigkeit auszuführen. #00:38:27-9#

Martin: Das ist cool, denn zum Thema „Gesundheit messen“ nehme ich gleich noch einen Podcast mit Martin Auerswald auf. Dazu passen deine App-Empfehlungen perfekt. Die 10.000 Schritte täglich, die möchte ich mir auch gerne angewöhnen. Es motiviert mich sehr, im Tracker eine Aufgabe als „erledigt“ abzuhaken. Ich freue mich dann darüber, dass ich sie geschafft habe. Diese Selbstbelohnung zeugt von einem rudimentären Gehirn. #00:39:10-4#

Thomas: Das Belohnungszentrum im Gehirn ist sehr mächtig. Don’t brake the chain, bleib dran! Wenn du deine Aufgabe mit den 10.000 Schritten zwölf Tage hintereinander geschafft hast, dann möchtest du auch am 13. Tag keine Pause einlegen. Es ist psychologisch sehr spannend, wie einfach wir zu motivieren sind. Aber Hauptsache, es funktioniert. #00:39:38-4#

Martin: Apps, Tracking und Communities sind eine große Stütze bei der Umsetzung eines Ziels. #00:39:51-5#

Thomas: Es ist ein großer Motivator, Rechenschaft ablegen zu müssen. Ich beschließe nicht im stillen Kämmerlein, dass ich 10.000 Schritte gehen will, sondern ich schreie es am besten in die ganze Welt hinaus. Ich poste, wenn ich mein Ziel erreicht habe, und ich poste auch meine Misserfolge. Das ist ein wichtiger Faktor. #00:40:10-4#

Martin: Thomas, ich könnte dir noch stundenlang zuhören, aber ich weiß, dass du heute noch weitere Termine hast. Wie können unsere Hörerinnen und Hörer am besten Kontakt zu dir aufnehmen, ohne, dass sie nach Wien reisen müssen? #00:40:33-3#

Thomas: Am besten über meine Webseite www.selbst-management.biz. Dort findet man alle Links zu meinen Büchern, zur Academy, zu den Podcasts und zum YouTube Kanal. Da kannst du prüfen, ob mein Konzept zu dir passt und mich sehr gerne kontaktieren. #00:40:57-9#

Martin: Auf der Webseite findet man zu deinem Podcast und zu deinen Büchern. Du bietest Video-Kurse an und auch jede Menge freien Content. Darin kann man sich schnell drin verlieren, denn dort gibt es viele nützliche Ideen. Danke für deine Arbeit, du hast mich sehr inspiriert. #00:41:23-9#

Thomas: Das freut mich. #00:41:27-8#

Martin: Ich würde mich freuen, wenn ihr euch dort auch den Podcast zum Thema Morgenroutinen anhören würdet, den wir vor einem Jahr zusammen aufgenommen haben. #00:41:31-2#

Thomas: Aus diesem Podcast habe ich sehr viel mitnehmen können. Das war ein Top Content. #00:41:38-5#

Martin: Thomas, ich bedanke mich ganz herzlich bei dir. Liebe Hörerin, lieber Hörer, wenn dir das Interview gefallen hat, dann teile es gerne mit deinen Freunden und Bekannten, ganz besonders mit denen, die nie Zeit haben. Wir hoffen, dass euch die heutigen Tipps gefallen haben und dass ihr sie in eurem Alltag einbringen könnt. Es wäre super, wenn ihr mehr Zeit für die wichtigste Sache der Welt, nämlich eure Gesundheit, finden könntet. Alles Wichtige packen wir in die Show Notes unter diesem Podcast. Ich hoffe, dass wir uns bald wiederhören. Es hat mir viel Spaß gemacht. Vielen Dank, dass du mit dabei warst. #00:42:37-9#

Thomas: Ich bedanke mich für die Einladung und spreche gleich eine Gegeneinladung aus. Komm doch mal wieder in meinen Podcast! An alle Hörerinnen und Hörer: Ich wünsche euch viel Erfolg! Es ist gar nicht so schwer, wie es sich anhört. Ein bissen Wille, und dann geht es schon. #00:42:51-4#

Martin: Vielen Dank und bis zum nächsten Mal. #00:42:55-0#

Thomas: Danke und Ciao. #00:42:54-9#

Martin: Tschüss. #00:42:58-4#

 

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