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Sex, Weizen und andere unterschätzte Auslöser von Migräne

von Martin Auerswald, M.Sc.
Weiß leuchtendes Gehirn mit schwarzem Hintergrund

Zuletzt aktualisiert am 21. Oktober 2020 um 16:12

Migräne ist eine schwere und chronische Form des Kopfschmerzes, der Betroffene stark in der Lebensqualität einschränken kann. Die Ursachen und Auslöser sind nur wenigen bekannt – oft sind es sehr unterschätzte Auslöser für Migräne, die auch vielen Ärzten unbekannt sind. In diesem Beitrag stellen wir einige dieser Auslöser für Migräne vor.

Eine dieser Ursachen ist, das kann ich vorab verraten, Sex: Dass aufgrund von Kopfschmerzen lieber auf den Geschlechtsverkehr verzichtet wird, ist nicht unüblich. Allerdings kann es auch vorkommen, dass der Sex selbst Auslöser für Kopfschmerzen und sogar Migräne ist. Dieses Phänomen nennt man in medizinischen Kreisen Sexualkopfschmerz. Um diesen soll es zunächst gehen. Wie wirkt sich dieser aus, wie untersucht der Arzt und was kann dagegen getan werden?

1. Sexualkopfschmerz: Definition und Symptome

Während in wissenschaftlichen Studien [1] unter anderem erforscht wird, dass Sex gegen Migräne helfen kann, verhält es sich beim Sexualkopfschmerz genau umgekehrt. Der Geschlechtsakt gilt hier als der zugrunde liegende Auslöser für die Kopfschmerzen beziehungsweise die Migräne. Durch den Sex entstehen dabei häufig zuerst im Nacken Schmerzen, die dann plötzlich und anfallartig bis in Stirn und Schläfen ziehen. Nicht selten kommt es gleichzeitig zu Übelkeit, Erbrechen und Sehstörungen (flimmernde Blitze bis hin zu Gesichtsfeldausfällen).

Grundlegend unterscheiden Mediziner zwischen sogenannten Präorgasmus- und Orgasmus-Kopfschmerzen. Erstere treten schon im Laufe der sexuellen Aktivitäten auf und nehmen allmählich an Intensität zu. Letztere machen sich explosionsartig beim Orgasmus bemerkbar. In den meisten Fällen sind vor allem männliche Personen und Menschen mit einer Migränevorbelastung betroffen.

Wie Sex und Migräne zusammenhängen — was also genau im Körper passiert — ist bislang jedoch ungeklärt. Vermutet wird eine Durchblutungsstörung, die auch erektile Dysfunktionen begünstigt. Oftmals gesellen sich dann noch Nährstoffmängel hinzu, welche für eine gesunde Durchblutung benötigt werden: Magnesium, Zink, Folsäure, Vitamin B6 und Arginin sind die wichtigsten.

Allerdings gibt es Theorien, die zum Beispiel den erhöhten Blutdruck (Zusammenhang mit Durchblutungsstörung) beim Sex oder eine mögliche Verspannung in der Nackenmuskulatur als Gründe anführen.

 

Ärztliche Untersuchung und Diagnose

Normalerweise verschwindet der Sexualkopfschmerz nach einiger Zeit von selbst wieder. Betroffene, die öfter an starken Kopfschmerzen oder Migräne durch Sex leiden, sollten jedoch einen Allgemeinarzt aufsuchen. Dieser führt erste Untersuchungen durch und kann herausfinden, was hinter den Symptomen steckt.

Wichtig!
Das Phänomen des Sexualkopfschmerzes sollte ernst genommen werden, da es eine Frühwarnung für Bluthochdruck, Nährstoffmängel und erektile Dysfunktion sein kann.

Mithilfe eines Anamnesegesprächs (Fragen zur Krankengeschichte) und einer körperlichen Untersuchung wird zu Beginn überprüft, welche Beschwerden konkret vorliegen und inwiefern potenzielle Vorerkrankungen (beispielsweise Migräneanfälligkeit) zu den bestehenden Symptomen beitragen. Gegebenenfalls überweist der Arzt im Anschluss an einen Facharzt (etwa einen Neurologen oder Internisten).

Im Rahmen der weiteren Diagnosemaßnahmen durch einen Experten, kann es außerdem hilfreich sein, die Funktionalität des Großhirns und des Hirnstamms zu überprüfen. Beide Regionen gelten bei Migränepatienten als betroffene Areale, die durch nervliche Aktivitäten Aufschluss über die Erkrankung geben.

Darüber hinaus ist ein Besuch beim Arzt auch sinnvoll, um auszuschließen, dass ein Aneurysma im Gehirn (“Aussackung” von Blutgefäßen) mit möglicher Hirnblutung oder ein Schlaganfall vorliegt. Bei der Diagnose helfen bildgebende Verfahren, wie zum Beispiel die Magnetresonanz- oder die Computertomografie (MRT, CT).

 

Sex und Migräne: Was tun?

Wer unter den Folgen von Migräne durch Sex leidet, muss nicht automatisch komplett auf den Liebesakt verzichten. In den meisten Fällen verschwindet der Sexualkopfschmerz von allein wieder. Trotzdem ist während dieser Zeit eine Verringerung der sexuellen Aktivität möglich, da oftmals die Angst besteht, dass die Symptome erneut auftreten. Am besten ist es daher, offen mit dem Thema umzugehen und die Partnerin oder den Partner mit einzubeziehen.

 

Fruchtbarkeit steigern, Spermium und Eizelle

Sex als Auslöser von Migräne? Tatsächlich will Dir Dein Körper damit etwas sagen …

 

2. Schlechte Körperhaltung und Nackenschmerzen

Manche Betroffenen berichten zudem davon, dass besonders stehende oder sitzende Haltungen zu einer Verschlechterung der Kopfschmerzen führen. Verspannungen des Nackens können sich aufgrund der Dichte an Nervenfasern auf die Sehkraft und auf die Kopfschmerzen auswirken.

Wichtigste Ursachen sind eine schlechte Körperhaltung bei der Arbeit (sitzende Tätigkeiten), zu schwache Rückenmuskulatur und zu intensive Benutzung des Smartphones. Bei letzterem verspannt sich der Nacken nach bereits 20 Minuten Smartphone-Nutzung. Erfolg dies mehrmals täglich, können die Schmerzen chronisch werden. Hierbei wird empfohlen, die Smartphone-Benutzung einzuschränken oder es bewusster zu halten, sodass die Körperhaltung halbwegs natürlich ist.

Gegen schlechte Körperhaltung bei der Arbeit habe ich einige Tipps für Dich: Ein Stehtisch ist die optimale Lösung. Bei einem hochwertigen Anbieter wie Ergotopia kannst Du Stehtische erwerben, welche auf eine Sitz- und eine Steh-Höhe programmiert werden können. So kannst Du stündlich zwischen Stehen und Sitzen wechseln und stärkst damit ganz automatisch Rücken- und Beckenmuskulatur und Durchblutung.

Zur weiteren Kräftigung der Rückenmuskulatur wird, allein schon aus gesundheitlichen und ergonomischen Gründen, regelmäßiges Krafttraining empfohlen. Bereits einmal wöchentlich reicht, besser noch 2-3-mal. Gute Grundübungen, bei der der Rücken gestärkt wird, sind Kniebeuge, Klimmzüge und Kreuzheben. Mit Hilfe eines Trainers erlernst Du die Technik schneller – auch das hilft längerfristig gegen die Migräne.

Geheimtipp Yoga
Ein Geheimtipp gegen Stress, zur Verbesserung der Beweglichkeit, Durchblutung und gegen Migräne und Kopfschmerzen: Yoga! An die Herren der Schöpfung: Yoga wurde ursprünglich von und für Männer entwickelt, es ist kein Frauen-Sport!

 

3. Weizen-Unverträglichkeit: Dein täglich Brot gib uns heute

Immer mehr Menschen leiden unbewusst an einer Weizen-Unverträglichkeit. Dies kann eine leichte Weizen-Allergie (auf Proteine im Weizen wie Gluten) bis hin zu einer richtigen Weizen-Allergie sein. Viele Menschen denken, es gibt nur eine Art von Weizen-Unverträglichkeit, die Zöliakie. Doch diese Form ist eine Ausnahme und betrifft “nur” 1 % der Bevölkerung.

Eine Weizen-Unverträglichkeit ist wesentlich häufiger und betrifft schätzungsweise 30-40 % der Bevölkerung. Das Hauptproblem ist, dass Weizen heute nicht mehr so konsumiert wird wie früher: Früher wurde es immer vor-fermentiert oder gekeimt, bevor es verarbeitet wurde. Spricht: Sauerteig.

Beim Fermentationsprozess werden übliche Reizstoffe abgebaut und eine Allergie bzw. Unverträglichkeit entwickelt sich nur sehr unwahrscheinlich.

Da Sauerteig heute leider die Ausnahme darstellt, kommt es häufiger zu Unverträglichkeiten. Wenn Du Dich nach dem Verzehr von Weizen-Produkten (Brot, Kekse, Kuchen, Nudeln) nicht gut fühlst, teste einmal Sauerteigbrot oder verzichte einen Monat konsequent auf Weizen- und Dinkel-Produkte.

Wenn Du merkst, dass Dir das gut tut, weißt Du, dass diese Unverträglichkeit ein unterschätzter Auslöser von Migräne war.

Haferflocken, neben Nudeln, Brot, Reis und Keksen auf Holztisch

Schon mal an eine Weizen-Unverträglichkeit gedacht?

 

4. Chronische Entzündungen

Chronische Entzündungen betreffen die erschreckende Mehrheit aller Deutschen. Ungesunde Ernährung, Stress, chronische Infektionen, Zellalterung, Nährstoffmängel und Bewegungsmangel sind wichtige Ursachen dafür, dass Immunprozesse chronisch werden. Entzündungen gehören auch zu den unterschätzten Auslösern von Migräne.

Eine lokale Entzündung der Blut-Hirn-Schranke kommt bei bestimmten Infekten, Nährstoffmängeln [2] und Nahrungsunverträglichkeiten vor. Sie ist erwiesenermaßen eine Ursache für neurodegenerative Erkrankungen, Depressionen und auch Migräne. Eine Ernährung reich an entzündungshemmenden Lebensmitteln wird ebenso empfohlen wie die im Beitrag “Entzündungen im Körper” gegebenen Tipps.

 

5. Stress

Chronischer Stress ist eine Geisel, die fast jeden betrifft und es scheinbar kein Entrinnen gibt. Stress bewirkt eine Umverteilung der Nährstoffe, einen Anstieg des Blutdrucks, der Stress-Hormone Cortisol und Adrenalin und eine eingeschränkte Regeneration. Kein Wunder, dass Migräne-Anfälle besonders in stressigen Phasen häufig auftreten – gerade dann, wenn wir sie am wenigsten gebrauchen können.

Was hilft? Mehr Bewusstsein im Alltag – wo sind die wichtigsten Ursachen für Stress? Wie kann ich ihn meiden? Was kann ich aktiv für Stressreduktion tun? Diese Fragen stellen sich, und nur Du kannst sie beantworten.

Wegweiser mit Aufschrift Stress und Relax im Hintergrund blau-weißer Himmel

Meist will man es nicht hören, aber es stimmt: Stress ist ein Killer!

 

Fazit – Unterschätzte Auslöser von Migräne

Migräne ist kein Beschwerdebild, das einfach hingenommen werden sollte. Dein Körper möchte Dir damit etwas sagen, es fehlt ihm an etwas. Deine Aufgabe ist nun herauszufinden, was das genau ist. Die in diesem Beitrag geteilten Tipps für unterschätzte Auslöser von Migräne sind der Anfang. In den hinterlegten Artikeln kannst Du noch mehr darüber erfahren, was genau in Deinem Körper dabei passiert und was zu tun ist.

Im Beitrag “Tipps gegen Kopfschmerzen” findest Du außerdem hilfreiche Ratschläge bei Kopfschmerzen, die sich auch auf Migräne anwenden lassen.

Habe ich einen wichtigen Punkt vergessen? Möchtest Du gerne etwas ergänzen? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

 

Quellen
  1. Hambach, Anke, u.a.: The impact of sexual activity on idiopathic headaches: An observational study. In: Cephalalgia (33) 6; S. 384-389 2013. URL: https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0333102413476374  (05.02.2020).
  2. Virtanen JK, Giniatullin R, Mäntyselkä P, et al. Low serum 25-hydroxyvitamin D is associated with higher risk of frequent headache in middle-aged and older men. Sci Rep. 2017;7:39697. Published 2017 Jan 3. doi:10.1038/srep39697

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