Insekten essen – Die Vorteile auf einen Blick

Insekten essen

Unter Insekten verstehen die meisten Menschen Ungeziefer. Doch ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, Insekten sind eines der wichtigsten Nahrungsmittel für die Zukunft, neben Kartoffeln und Heilpilzen. Welche Vorteile Insekten essen hat und wie das in der Praxis aussehen könnte, erfährst Du hier in einem kurzen Überblick.

Warum sollten wir Insekten essen?

Bevor es richtig losgeht: Shrimps und Garnelen sind auch Insekten und werden von vielen Menschen gegessen. Schnecken gelten als Delikatesse, Jakobsmuscheln sowieso. Von Milch brauchen wir gar nicht erst reden…

Der Mensch isst viele auf den ersten Blick abstruse Dinge, die jedoch so etabliert sind, dass wir nicht viel darüber nachdenken. Beim Thema Insekten essen ist es genauso. 1-2 Milliarden Menschen essen Insekten auf nahezu täglicher Basis.

Blicken wir mal kurz hundert Jahre in die Zukunft: Die Erdbevölkerung wird wahrscheinlich bei 20-30 Milliarden Menschen liegen, das Klima hat sich bereits stark erhitzt, die Polkappen schmelzen, die Wüsten breiten sich aus, das Süßwasser wird knapp, genauso wie der Platz auf dem Festland. Immer mehr Menschen drängen sich auf immer kleinerem Raum.

Heute ist es noch möglich, 8 Milliarden Menschen zu ernähren, aber wie wird es in der Zukunft aussehen? Wenn wir viermal so viele Menschen sind? Wenn der Platz ausgeht, um immer mehr Nahrungsmittel anzubauen? Natürlich ist das Bevölkerungswachstum das zentrale Problem, dennoch sollten wir uns jetzt schon mal Gedanken machen, wie wir diese Menschen ernähren wollen.

Eine wichtige Rolle spielen Nahrungsmittel, die nur wenige Ressourcen brauchen, um produziert zu werden: Wenig „Dünger“, Energie, Wasser und Boden. Und gleichzeitig möglichst viele Nährstoffe und Kalorien liefern.

Möchtest Du wissen, was nach aktuellem Wissensstand die vier wichtigsten Nahrungsmittel sind, die ein Maximum liefern und nur minimal Ressourcen benötigen?

  1. Pilze
  2. Kartoffeln
  3. Algen
  4. Insekten

Wenn man etwas mehr darüber nachdenkt, ist diese Liste wenig überraschend. Pilze, Kartoffeln und Algen kennen wir alle – aber sollten wir wirklich Insekten essen? Rein ökologisch und ökonomisch betrachtet – ja.

Auch heute schon? Ja – ich zeige Dir, was für den Verzehr von Insekten spricht:

Insekten essen – 7 nicht zu leugnende Vorteile

Nach aktuellem Wissensstand bin ich ein großer Befürworter davon, Insekten zu essen. Lass mich Dir aufzeigen, was mich überzeugt hat:

Wenig H2O und CO2

Die Landwirtschaft ist einer der größten Produzenten des Treibhausgases Kohlendioxid. Die Produktion von Insekten in speziell dafür errichteten Hallen ist im Vergleich zur Anzucht von Schweinen oder Geflügel sehr effizient, was den CO2 Ausstoß betrifft. Um 1 kg Protein aus Insekten heran zu züchten, ist nur ein Bruchteil dessen nötig, was für die Produktion von 1 kg Protein aus Schweinefleisch benötigt wird. Insekten sparen CO2.

Gleichzeitig verbraucht die Anzucht von Insekten weitaus weniger Wasser, da Insekten nur wenig trinken und über Haut und Atemwege nur wenig Wasser verlieren.

In der Zukunft wird es immer wichtiger, die CO2-Emissionen zu minimieren, und den Wasserverbrauch effizienter zu gestalten. Hier zeigen sich Insekten als gute Alternative zur üblichen Massentierhaltung und aus Platzgründen auch zur Bio-Haltung.

Schnelles Wachstum

Modernes Geflügel ist innerhalb von 3-4 Wochen schlachtreif, was dank Massentierhaltung, Hormone, Antibiotika und Kraftfutter möglich ist und den Tieren gegenüber verachtungswürdig ist.

Insekten wachsen sehr schnell – so vergehen von der Larve zum ausgewachsenen Käfer, Heuschrecke oder was auch immer nur wenige Tage. Auch das ist ökonomisch.

Schmerzen?

Als direkten Vergleich ziehe ich hier immer wieder die Massentierhaltung heran, da ich nicht glaube, dass unsere Gesellschaft in den nächsten Jahren die Massentierhaltung abschaffen kann. Obwohl ich das sehr befürworten würde.

Was den Tieren in der Massentierhaltung angetan wird, ist eine der größten Sünden in der Menschheitsgeschichte. Insekten können nicht nur platzsparend gezüchtet werden, sie haben auch ein weitaus primitiveres Nervensystem als Säugetiere und sind demnach nicht in dem Ausmaß zu Schmerz oder Leid fähig, wie Tiere. Sofern sie überhaupt Schmerzen spüren.

Selbst wenn es in Zukunft so etwas wie Massentierhaltung für Insekten geben würde – Insekten können fliegen und Wände hochkrabbeln. Sie haben so wahrscheinlich immer noch mehr Platz, Nahrung und Ausflug zur Verfügung als die Tiere heute.

Platzsparend

Hatten wir bereits in Einleitung, möchte ich einfach noch einmal wiederholen: In einer 10.000 m² großen Halle kann weitaus mehr Biomasse an Insekten herangezüchtet werden, in noch kürzerer Zeit, als mit Säugetieren oder Geflügel. Das wird zukünftig wichtig sein.

Mager

Gesunde Fette sind wichtig in der menschlichen Ernährung, aber aus Fleisch aus Massentierhaltung erwächst nicht viel Gutes – das ist kein gesundes Fett. Einige Insekten wie die Wanderheuschrecke sind von Natur aus relativ fettarm und weisen kein Fettgewebe auf, in denen sich Giftstoffe ablagern könnten.

Darüber hinaus gibt es viele Menschen, die aus genetischen oder krankheitsbedingten Gründen nicht viel Fett essen können, wollen oder dürfen. Für die werden Insekten eine günstige und fettarme Proteinquelle sein. Apropos Protein:

Viel Protein und Ballaststoffe

Insekten bestehen quasi nur aus Protein und Ballaststoffen, und ein bisschen Wasser. Das sollte mal betont werden. Ähnlich wie Leinsamen werden Insekten als Nahrungsmittel noch sehr unterschätzt, obwohl mehr Ballaststoffe und mehr Protein für die meisten Menschen eine gute Sache wären.

Die Proteine sind tierisch und nicht pflanzlich, und weisen eine annehmbare biologische Wertigkeit auf. Die Ballaststoffe liegen als Chitin vor – für uns unverdaulich. Chitin (Poly-N-Acetyl-Glucosamin) ist dieser feste Stoff, aus dem Flügel und Panzer und die ganzen harten Bestandteile (das Exoskelett) von Insekten bestehen. Chitin findet sich auch in Pilzen und Weichtieren. Shrimps und Garnelen haben übrigens auch eine ordentliche Menge Chitin.

Nährstoffe

Neben den Proteinen und Ballaststoffen und je nach Art Fettsäuren (einfach und mehrfach ungesättigt) sind Speiseinsekten eine gute Quelle für einige Nährstoffe:

Kupfer, Eisen, B-Vitamine (in einigen Arten besonders Folsäure), Mangan, Phosphor, Selen und Zink wären da zu nennen (s. Rumpold, 2013).

Insekten essen
Frittierte Insekten auf einem Markt in Bangkok. Sieht so die Zukunft auf? Vielleicht …

Der Mensch ist absurd – und weigert sich, Insekten zu essen?

Hier möchte ich noch mal Bewusstsein schaffen. Wir Menschen sind Neuem gegenüber sehr skeptisch, sehr oberflächlich und es dauert immer sehr lange, bis sich etwas Neues in der Gesellschaft etabliert.

Wer „Insekten“ hört, denkt im ersten Moment Igitt. Auch ich habe anfangs dazu gehört. Auf den zweiten Blick denkt man dann mal nach: Wir Menschen essen und trinken viele absurde Dinge, viele davon machen aus gesundheitlichen, ethischen und ökologischen Gesichtspunkten absolut keinen Sinn. Aber wir weigern uns, Insekten zu essen…

Zur Erinnerung:

  • 1-2 Milliarden Menschen weltweit essen Insekten auf fast täglicher Basis. 95 % davon in Afrika, Asien und Mittelamerika. Krank werden die Menschen dadurch nicht – im Gegenteil: Es sind wichtige Proteinquellen.
  • Garnelen und Shrimps sind auch Insekten, und die essen wir. Das sind im Grunde „Insekten des Ozeans“. Aber diese sind schon länger etabliert, landen fertig geputzt auf unserem Teller, und erinnern optisch nicht mehr an Insekten. Aber es sind Insekten.
  • Jede menschliche Kultur hat irgendwelche kulinarischen Absurditäten, über die wir mit dem Kopf schütteln, die es aber gibt: irgendwo auf der Welt isst man Meerschweinchen, was mir persönlich einen Stich in‘s Herz versetzt. Auf der anderen Seite habe ich bereits Frösche und Kaviar (Fischeier) gegessen… Auch nicht ganz ohne, oder?
  • Noch etwas, mit dem die meisten von uns jeden Tag konfrontiert werden: Wir trinken die Muttermilch von anderen Tieren. Rein biologisch betrachtet ist das sowohl eklig als auch unsinnig. Wir nehmen einer Kuh das Kalb weg und ernten sozusagen die Muttermilch, um sie selber zu trinken. Aber Insekten essen? Furchtbar! (Ironie)

Ich will nicht hetzen, sondern nur aufklären und Bewusstsein schaffen. Denn angesichts einiger Absurditäten, die für uns normal sind, biologisch betrachtet aber schon sehr weit hergeholt, es ist gar nicht mehr so abwegig, Insekten zu essen. Zumal rational gesehen viel dafür spricht.

Was ist mit Insekten-Allergien?

Dazu ganz kurz: Es gibt Allergien gegen Krustentiere – also theoretisch auch gegen Speiseinsekten. 3 bekannte Allergene sind bekannt, darunter Tropomyosin und Argininkinase. Einzelne Menschen werden auf Speiseinsekten allergisch reagieren, aber das bedeutet keinen Grund zur Sorge (s. Ribeiro, 2018).

Welche Insekten kann man essen?

Natürlich gibt es Insekten, die von Natur aus giftig oder ungenießbar sind. Aktuell wird viel geforscht, und in vielerlei Hinsicht können wir uns im Futtermittelmarkt für Tiere umsehen, welche Insekten am wahrscheinlichsten für uns infrage kommen würden:

  • Heuschrecken
  • Mehlwürmer
  • Larven
  • Grillen
  • Buffalowürmer

Wie schmecken Insekten?

Zugegeben, das ist der Knackpunkt: Insekten schmecken anders. Sie schmecken erdig, intensiv, neu. Und einfach anders.

Ich habe in Thailand Insekten als Streetfood probiert, es waren Buffalowürmer und Heuschrecken. Die waren einfach nur in Öl angebraten und etwas gewürzt, dem Geschmack nach zu urteilen mit viel Chili. Sonderlich gut geschmeckt hat das nicht.

Natürlich könnte man sich daran gewöhnen – der erste Kaffee oder das erste Bier im Leben eines Menschen schmeckt in der Regel auch furchtbar, Insekten sind da nicht anders. Da bei den meisten Menschen zusätzlich dieser Ekelfaktor dazukommt, werden Insekten es – so zubereitet – schwer haben, sich zu etablieren.

Ich habe Mehlwürmer mal aus dem Futterhandel bestellt (mit Bio-Zertifizierung und frei von Schadstoffen), und versucht, sie lecker zuzubereiten:

In der Pfanne mit Olivenöl, Knoblauch und Gewürzen… Zermahlen und zu Frikadellen geformt… Als Rührei-Zusatz… Der erdige Geschmack ist sehr stark und überwiegt. Ich habe es nicht geschafft, diesen Geschmack zu neutralisieren (auch nicht mit viel Ketchup) und die Mehlwürmer so zuzubereiten, dass sie wirklich lecker waren. Aber ich bin auch kein Koch.

Daher wird es zunächst an der Gastronomie und Nahrungsmittelunternehmen liegen, Insekten so zuzubereiten, dass sie optisch halbwegs ansprechend und geschmacklich lecker sind.

Gleichzeitig hoffe ich, durch Beiträge wie diesen zu einer gesteigerten Aufmerksamkeit und einer gesteigerten Nachfrage nach Insekten beitragen zu können. Ist die Nachfrage da, wird das Angebot rasch folgen. So funktioniert Marktwirtschaft.

Dennoch kann es nicht schaden, sie jetzt schon lecker zuzubereiten. Da gibt es bereits ein kleines Angebot, wie Heuschrecken-Schokoade, und diverse andere Knabber-Insekten-Snacks, aber die sind unbeschreiblich teuer. Da muss sich also auch noch was tun.

Brutkästen, mit denen sich jeder zuhause Insekten selber anzüchten, ähnlich wie Sprossen oder Sauerkraut, gibt es auch schon. Vielleicht setzen die sich auch mal durch, mal sehen 😊 .

Ein großes Problem: Die Zulassung von Insekten als Nahrungsmittel

In der EU sind Speiseinsekten noch nicht vollumfänglich als Nahrungsmittel zugelassen. Deswegen ist auch noch eine zu geringe Nachfrage. Das könnte sich aber sehr bald ändern: In den USA sind Insektenriegel bereits etabliert (Bsp: Exoprotein), dort sind Insekten als Nahrungsmittel zugelassen. Wenn die EU sieht, dass es in den USA klappt, wird es in der Regel maximal fünf Jahren auch hier ankommen.

Ich hoffe daher, dass sich da sehr bald was tut, Insekten als Nahrungsmittel zugelassen werden, das Angebot größer und günstiger wird, und die Nachfrage steigt.

Denn das würde bedeuten, dass Insekten eine interessante Proteinquelle für die breite Masse werden, dadurch der Fleischverzehr sinkt, und ein wichtiger Schritt Richtung Zukunft beschritten wird.

Insekten als Futtermittelzusatz

Wenn Speiseinsekten nicht als Nahrungsmittel für die Menschen taugen, dann könnten sie zumindest als Futtermittelzusatz wichtig werden – für Masttiere würden sie auch eine gute Proteinquelle darstellen. In der Fischzucht werden sie heute schon erfolgreich eingesetzt, vielleicht auch bald in der Tierzucht (vgl. van Huis, 2016)?

Zusammenfassend – Insekten essen könnte ein ganz großes Ding werden

Dieser heutige Beitrag ist viel Theorie mit ein bisschen Praxis. Das muss auch mal sein. Ich hoffe, dass sich Insekten als Nahrungsmittel in der nahen Zukunft etablieren und für die Probleme der Menschheit im 21. Jahrhundert zumindest Teilhilfe leisten können. Ich bin gespannt, wie sich das Feld in der nahen Zukunft entwickelt. Die Zucht von Pilzen und besonders Heilpilzen schwappt so langsam nach Europa über, Insekten könnten bald folgen.

Wie ist Deine Erfahrung und Meinung zum Thema Insekten essen? Möchtest Du gerne etwas hinzufügen? Welchen Punkt siehst Du kritisch?

Ich freue mich über Deinen Kommentar!

Quellenverzeichnis

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