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Was hilft bei Mundgeruch? (Halitosis)

von Martin Auerswald, M.Sc.
Veröffentlicht: Zuletzt bearbeitet:
Zahnbürste mit Pulvergefäß und Minzblättern auf Holztisch

Mundgeruch (Halitosis) ist immer unangenehm – für alle Beteiligten. Doch was kann man tun, um den Ausdünstungen entgegenzuwirken? Was hilft bei Mundgeruch? In diesem Beitrag gebe ich Dir einen Überblick über die wichtigsten Ursachen für Mundgeruch und was hilft – alkoholische Mundspülungen gehören nicht dazu.

 

Was ist Mundgeruch (Halitosis)?

Kommt es zu unangenehmen Gerüchen aus dem Mund, spricht man in der Medizin von Mundgeruch. Es kommt überraschend häufig vor, ist unserer Gesellschaft aber ein absolutes Tabuthema und wird mit schlechter Mundpflege und sogar Faulheit oder Hygienemangel assoziiert.

Übelriechende Lebensmittel strömen aus weit geöffnetem Mund

Das perfekte Sinnbild für schlechten Mundgeruch…

 

Entsprechend spricht niemand gerne über Mundgeruch.

Ich kann Dir jetzt schon einmal sagen: Mundgeruch hat nicht immer mit schlechter Hygiene zu tun und kann auch andere Gründe und Ursachen haben, welche Du angehen und somit Dir und Deinen Mitmenschen etwas Gutes zu tun kannst.

Sehen wir uns zunächst die wichtigsten Ursachen für Mundgeruch an, bevor wir dann in die Praxis übergehen:

 

Ursachen und Gründe für Mundgeruch

Mundgeruch hat Gründe – irgendwo muss das Aroma ja herkommen. Du wirst sehen, dass es auch die Ursachen sein können, die wir weniger auf dem Schirm haben:

Mundhygiene

Mangelnde Mundhygiene ist womöglich die häufigste Ursache für Mundgeruch. Zwar lernen wir als Kinder, wie man ordentlich die Zähne putzt (und wie lange und wie oft), aber zu einer guten Mundhygiene gehört noch mehr dazu als zweimal täglich mit einer Zahnbürste und einer industriell gefertigten Zahncreme darüber zu schrubben.

Neben der richtigen Zahnbürste, Zahncreme, Frequenz, Dauer und Technik sind für eine gute Mundhygiene ebenfalls wichtig: Mundflora, Essensreste zwischen den Zähnen und Zungenbelag. Dein Mund besteht schließlich aus mehr als nur Zähnen.

Essensreste

Essensreste zwischen den Zähnen können erkannt und gezielt mit der Zahnbürste, Zahnstocher oder Zahnseide beseitigt werden. Doch was ist mit den Essensresten auf Deiner Zunge? Diese werden nur selten beachtet, tragen jedoch stärker zu Mundgeruch bei, als die Zähne selbst. Auf der Zunge sammeln sich Essens- und Getränkereste und Speichelreste. So ist sie ein idealer Tummelplatz für Mikroorganismen, welche diese Reste dann fröhlich verzehren. Ihre Ausscheidungen tragen wesentlich zum Mundgeruch bei.

Junge Frau benutzt Zahnseide in Nahaufnahme

Essensreste zwischen den Zähnen zu entfernen, ist ein wichtiger Bestandteil der Dentalhygiene.

Mundflora

Auf jeder Schleimhaut und Barriere hast Du eine einzigartige Flora aus verschiedenen Mikroorganismen. So, wie Dein Darm eine Darmflora und Deine Haut ein eigenes Mikrobiom hat, so hat auch Dein Mund eine eigene Mundflora. Diese zeigt sich auf den Zähnen, dem Zahnfleisch, den Schleimhäuten und auf der Zunge.

Eine ungünstige Mundflora trägt zu Karies und Parodontitis bei – und natürlich zu Mundgeruch. Auch die Mundflora sollte beachtet werden.

Magen

Gärungen im Magen können über die Speiseröhre aufsteigen und zu Mundgeruch beitragen. Wichtigster Grund ist hier ein untersäuerter Magen, der die Verweildauer von Essen im Magen deutlich erhöht und die Vergärung durch Bakterien begünstigt. Hierbei kann ich Dir den Natron-Test von Medumio empfehlen, um zu überprüfen, ob Dein Magen sauer genug ist oder nicht. Dem könntest Du dann mit Bitterstoffen begegnen.

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Verminderter Speichelfluss

Manche Menschen haben von Natur aus oder krankheitsbedingt einen verminderten Speichelfluss. Speichel wirkt im Mundraum erfrischend und leicht desinfizierend – ein verminderter Speichelfluss kann daher mehr Mundgeruch zur Folge haben. Bei manchen Autoimmunerkrankungen, wie dem Sjögren Syndrom oder Lupus Erythematodes, kommt dies häufiger vor, oder im Alter.

Ketose

Die Ketose ist ein Stoffwechselzustand, bei dem die Leber aus Fettsäuren kleine Ketonkörper produziert. Diese fungieren in Zeiten von Nahrungsknappheit (Fasten) oder Kohlenhydrat-Armut als Alternative zu Glucose für Herz, Muskeln und Nervenzellen.

Bei der Ketose kommt es auch zur Bildung von Aceton, welches über die Lunge ausgeatmet wird. Wer in der Ketose ist, hat häufig einen leicht nach altem Obst riechenden Mundgeruch, der aber auch übertüncht werden kann, da die Ketose viele Vorteile bereithalten kann.

 

Was nicht hilft: Alkoholische Spülungen

Was ich dauerhaft nicht empfehlen kann gegen Mundgeruch, sind alkoholische Mundspülungen. Ohne jetzt hier bestimmte Produkte oder Markennamen zu nennen.

Alkohol kann zwar vorübergehend helfen, mit etwas Minzaroma den Mund erfrischen und die Bakterien eindämmen, bietet jedoch langfristig mehr Nachteile: Regelmäßige alkoholische Mundspülungen sind für den Mund, was Antibiotika für Deinen Darm sind. Die natürliche Mundflora wird völlig ausradiert und muss sich dann wieder neu einpendeln.

Dies begünstigt die Fehlbesiedlung mit krankmachenden, kariesbegünstigenden Keimen und sogar Hefepilzen, was sehr unangenehm ist.

Junge Frau gießt Mundspülung in Becher vor Badezimmerspiegel

Alkoholische Mundspülungen können leider mehr schaden als nützen.

Nach jeder Alkohol-Mundspülung besteht ein gewisses Risiko für eine Fehlbesiedlung – für akute Fälle kann man das mal machen, dauerhaft würde ich es nicht empfehlen. Da empfehle ich eher, zu natürlichen Methoden zu greifen, um eine gesunde Mundflora zu etablieren.

Was gegen Mundgeruch wirklich hilft, erfährst Du im Anschluss:

 

Was hilft bei Mundgeruch? 14 wichtige Tipps, die sofort helfen

Im Anschluss findest Du 14 wichtige Tipps gegen Mundgeruch, die Du sofort anwenden kannst und die Dir helfen, eine gesunde Mundhygiene und Mundflora aufzubauen.

Infographik zu Mundgeruch

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#1 Zähneputzen: Dos and Dont’s

Regelmäßiges Zähneputzen sollte für jeden Pflicht sein, denn es befreit die Zähne vor einer übermäßigen bakteriellen Besiedlung und beseitigt Essensreste. Zwei- bis dreimal täglich für 2-3 Minuten ist eine gute Faustregel.

Die Zahnbürste sollte nicht zu hart und nicht zu weich sein. Die Zahnpasta sollte möglichst hochwertig sein – ich empfehle hier entweder eine naturkosmetische Zahnpasta mit ätherischen Ölen und Xylit, oder eine qualitativ hochwertige Zahncreme aus der Drogerie für > 4 €.

Günstige Zahnpasta um 1 € pro Packung enthält zu viele Süßstoffe, künstliche Aromen, Schaummittel, Schwermetalle wie Titandioxid, Tenside und andere Stoffe, die in Deinem Mund nichts verloren haben und nicht zur Zahnsäuberung beitragen.

#2 Ölziehen

Regelmäßiges Ölziehen hilft dabei, ungünstige Mikroorganismen einzudämmen. Ich persönlich mache Ölziehen immer, wenn ich Zahnschmerzen habe, was meist durch zu viel Zucker und Fruchtsäuren, sowie durch ein bakterielles Ungleichgewicht verursacht wird.

Zum Ölziehen eignen sich Kokosöl, Olivenöl und Sesamöl besonders gut. Nimm dazu 1 EL Öl in den Mund, ziehe es 10-15 Minuten durch die Zähne, spucke es aus und spüle mit viel Wasser hinterher. Tue das bis zu zweimal täglich.

Becher mit Öl zum Ölziehen und Zungenschaber

Bekannt aus der Ayurveda-Lehre: Ölziehen und Zungenschaber

#3 Selbstgemachte Mundspülung

Du musst nicht auf eine alkoholische Mundspülung zurückgreifen – Du kannst sie auch selbst herstellen. Mische dazu 2 Teelöffel Natron in 200 ml Wasser, gib 20 Tropfen ätherisches Pfefferminzöl hinzu und mische es vor der Verwendung immer ordentlich.

Etwas Natron in Wasser hilft auch so gegen Mundgeruch, aber mit ätherischem Öl ist es noch effektiver und schmeckt auch besser.

#4 Zungenschaben

Immer nach dem Zähneputzen, verwende ich einen Zungenschaber, und kann es Dir auch sehr ans Herz legen. Das Zungenschaben stammt ursprünglich aus dem Ayurveda, aber auch in Europa können wir davon profitieren: Der Zungenschaber aus Kupfer wird verwendet, um die Zunge zu säubern. Du wirst überrascht sein, was sich da so ansammelt.

Ziehe dazu den Zungenschaber einmal von ganz hinten nach vorne – nicht zu weit hinten, das kann den Würgereiz aktivieren. Ein Zungenschaber kostet etwa 6 € und hält für 5-10 Jahre.

#5 Orale Probiotika

Bei einer bakteriellen Fehlbesiedlung im Mund helfen auch orale Probiotika. Diese kannst Du in der Apotheke als Pulver erwerben. Sie enthalten eine breite Mischung aus günstigen Milchsäurebakterien für den Mund. Löse sie in einem kleinen Glas Wasser und ziehe das 1-2x täglich durch den Mund und gurgle damit. Nach wenigen Tagen bis Wochen wird sich das sehr positiv auf Deine Mundhygiene auswirken.

#6 Bitterstoffe

Bitterstoffe helfen bei der Verdauung und können einen untersäuerten Magen veranlassen, mehr Magensäure zu produzieren. Vor großen Mahlzeiten können sie daher die Verdauung entscheidend verbessern und haben auch sonst viele positive Vorteile für Deine Gesundheit, wie eine Senkung des Cholesterinspiegels.

Empfehlenswert sind Bittertropfen, aber auch Reishi, Artischocken, Mariendistel und Kurkuma-Extrakt haben sich bewährt.

Was sind Artischocken

Artischocken sind nicht nur wunderschön anzusehen, sondern enthalten auch wertvolle Bitterstoffe.

#7 Mehrere kleine Mahlzeiten

Wenn die Ausdünstungen aus Deinem Magen kommen, könnte es helfen, mehrere kleine Mahlzeiten täglich einzunehmen, als 2-3 große. Probiere es einfach mal aus und beobachte, wie es sich auf Dein Wohlbefinden und den Mundgeruch auswirkt.

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#8 Zitronensaft & Apfelessig

Zitronensaft und Apfelessig können den Speichelfluss im Mund anregen (und die Verdauungssäfte im Magen-Darm-Trakt). Ein Grund, warum wir morgens ein wenig davon empfehlen.

Nimm dazu 1-2x täglich einen Spritzer Zitronensaft oder naturtrüben Apfelessig, verdünne es in viel Wasser, gurgle ganz kurz damit und trinke es dann.

#9 Petersilie

Petersilie ist ein Klassiker – ob pur gegessen oder in Gerichten verwendet, vermag es Mundgeruch zu lindern. Gut, dass Petersilie fast überall in der Küche hinzugefügt werden kann!

Petersilie und zwei Zitronen auf hellem Untergrund

Zwei gegen Mundgeruch auf einen Streich: Zitronensaft und Petersilie

#10 Pfefferminze & -tee

Pfefferminze hat sich ebenfalls bewährt. Die ätherischen Öle senken die Menge an schadhaften Bakterien im Mundraum und binden Geruchstoffe. Pfefferminztee schmeckt gut, fördert die Verdauung und hat noch viele weitere Vorteile. Gleiches gilt übrigens auch für Kamillentee sowie Fenchel-Anis-Kümmel-Tee.

#11 Kaffeebohnen

Kaffeebohnen kauen, hat auch schon vielen geholfen. Es schmeckt vielleicht nicht jedem, aber regt den Speichelfluss und die Verdauungssäfte an. Lass Dich aber besser nicht von Mitarbeitern dabei erwischen, sonst hast Du schnell einen Ruf als „Kaffee-Junkie“ 😊

#12 Viel trinken

Eine wichtige Grundregel: viel trinken! Viele von uns, besonders Frauen, trinken generell zu wenig. 2 Liter täglich dürfen es schon sein. Wasser hilft dabei, Essensreste zu lösen und fortzuspülen, genauso wie ungünstige Mikroorganismen.

Wasser mit Zitrone

Es gibt viele gute Gründe, mehr zu trinken.

#13 Kaugummi kauen

Kaugummi kauen regt den Speichelfluss an und bringt Bewegung in den Mund. Auch das hilft gegen Mundgeruch – am besten ein Kaugummi ohne 1000 Zusatzstoffe und E-Nummern, sondern mit ätherischen Ölen oder zumindest Menthol.

#14 Ingwer

Ingwer ist ebenfalls eine Geheimwaffe gegen Mundgeruch. Du kannst ihn als Ingwertee genießen, oder Dir gelegentlich eine kleine Scheibe geschälten Bio-Ingwer abschneiden und wie einen Kaugummi kauen. Dies hat noch weitere gesundheitliche Vorteile, die Du in unserem Ingwer-Beitrag nachlesen kannst.

frischer Ingwer und Ingwerpulver auf Holztisch

Was kann Ingwer eigentlich nicht? 😉

 

Zusammenfassung und Fazit

Mundgeruch hat Ursachen, die Du angehen und beseitigen kannst. Natürlich kann hin und wieder eine alkoholische Mundspülung helfen, aber mit natürlichen Methoden tust Du Dir längerfristig den größeren Gefallen.

Was ist Dein Lieblingstipp gegen Mundgeruch? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

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5 Kommentare

Ursula 15. September 2021 - 21:14

Lieber Martin, danke für deine wertvollen Tipps, vor allem, was die alkoholische Mundspülung betrifft.Ich nehme sie zwar nicht, werde es aber meinem Mann weitergeben. Liebe Grüße Ursula

Antworten
Irene Moschinski 15. September 2021 - 22:54

Hallo Martin, ich habe eine Frage. Könnte es sein, wenn man nicht richtig entgiften kann, dass man dann stärker unter Mundgeruch leidet? Mir und meinem Sohn fehlt das Gen zur für die 2.Phase der Entgiftung komplett. Der Körper hat ja nur noch die Möglichkeit über die Schleimhäute, Haut und Lunge zu entgiften. Ich selber riche es nicht bei meinem Sohn. Vielleicht habe ich den gleichen Geruch beim Ausatmen . Ich habe das Gefühl, dass es am stärksten morgens nach dem Kaffee beim intermittierendem Fasten ist.

Antworten
Martin Auerswald, M.Sc. 24. September 2021 - 10:13

Hi Irene,
Möglich wäre es ja, weil dann vermehrt über Haut, Urin und Lunge entgiftet werden muss. Habt ihr schon mal eine Fastenkur oder “Keto” gemacht und da auch eine Verstärkung gespürt?
Liebe Grüße,
Martin

Antworten
Sabine 16. September 2021 - 22:41

Hallo Martin,
Inhaltlich finde ich deinen Beitrag super.
Nur bei #1 schlage ich dir folgende Schreibweise vor:
Dos and Don’ts
Das Apostroph schreibt man nur bei Namen in der Genitivform hin, und eigentlich nur im Englischen/Amerikanischen, z. B.: Martin’s blog post, aber Martins Blogbeitrag.
Bei Dos and Don’ts gibt das angehängte s den Plural an, wie in stars and stripes.
Bei Don’ts ersetzt das ‘ das o im Wort not…
Ansonsten finde ich, man braucht außer deiner Website keine andere, wenn man sich für gesunde Ernährung und gesunde Lebensführung interessiert 🙂
Viele Grüße Sabine

Antworten
Martin Auerswald 17. September 2021 - 15:46

Hallo Sabine,

vielen Dank für Dein Feedback, das haben wir gleich abgeändert. Schön, dass Dir unsere Seite so gefällt – das freut uns sehr 🙂

Viele Grüße zurück, Martin mit Team

Antworten

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