Was hilft bei Bluthochdruck?

von Martin Auerswald, M.Sc.
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Bluthochdruck ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen und betrifft etwa 40 Millionen Menschen in Deutschland. Die konventionelle Medizin antwortet darauf mit ß-Blockern, die jedoch Nebenwirkungen und Langzeitschäden verursachen können. Was hilft bei Bluthochdruck?

In diesem Beitrag möchte ich Dir eine nachhaltige und natürliche Strategie vorstellen, die Medikamente nicht mehr notwendig, sondern optional machen können. Eine gesunde Lebensführung ist aus meiner Sicht der beste Weg – doch viele wissen nicht, was wirklich hilft, sich bewährt hat und wissenschaftlich als gesichert gilt.

Daher werden wir uns über Ursachen und Linderungsstrategien unterhalten.

 

Was ist Bluthochdruck?

Der Blutdruck ist der innere Druck, den das Blut auf die Blutgefäße auswirkt. Der Druck wird als physikalische Kraft gemessen und auf mm-Quecksilber umgerechnet. 120 mm entspricht im Grunde einer 120 mm (12 cm) hohen Quecksilber-Säule mit einem Durchmesser von 1 cm. Je größer dieser Wert, desto „schwerer“ die Säule, desto größer die Kraft, die auf die Blutgefäße wirkt.

Bis 120/80 gilt als normal und gesund. Spätestens ab 140/100 gilt der Blutdruck als Bluthochdruck – denn wird der Druck auf die Blutgefäße zu groß, steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Vorkommnisse, wie z.B.:

  • Schäden an der Gefäßwand, die zu einer Fraktur (Riss eines Blutgefäßes führen können)
  • Dies führt zu inneren Blutungen, welche tödlich sein können. Im Gehirn nennt man dies eine Hirnblutung.
  • Teile der Gefäßwand können sich lösen und Blutgerinnsel bilden – was Thrombosen zur Folge haben kann, oder Schlaganfälle (im Gehirn) oder Herzinfarkt (wenn die Gerinnsel die Herzkammern blockieren)
  • Ein hoher Blutdruck geht mit verengten Blutgefäßen einher. Das bedeutet, die Durchblutung ist eingeschränkt und er Körper wird weniger mit Sauerstoff, Energie und Nährstoffen versorgt.

Besonders erstaunlich ist, dass jeder zweite Mensch in Deutschland unter Bluthochdruck leidet und damit eine tickende Zeitbombe in sich trägt.

Die konventionelle Medizin setzt hier ß-Blocker ein, um den Blutdruck auf ein gesundes Level zu senken. Werte von > 180/120 sind keine Seltenheit. ß-Blocker hemmen die Wirkung von Adrenalin und Noradrenalin an den ß-adrenergen Rezeptoren der Blutgefäße – dort sollen unsere Stresshormone wirken und die Blutgefäße verengen, um im Falle eines Kampfes schneller agieren zu können.

Indem ß-Blocker dies verhindern, verengen sich die Blutgefäße weniger – und bleiben weiter – was den Blutdruck geringer ausfallen lässt.

Dies hilft bei akuten Fällen und stark erhöhtem Blutdruck – sollte jedoch nicht die dauerhafte Lösung sein. Ich empfehle, die Ursachen anzugehen und zu beseitigen, da die Gesundheit auf vielerlei Weise davon profitiert. Wir haben nur eine Gesundheit, diese gilt es zu schützen, sie ist unser höchstes Gut.

 

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Systole und Diastole werden bei der Blutdruckmessung bestimmt.

 

Warum gibt es zwei Werte?

Der Herzschlag wird in zwei Abschnitte unterteilt: Systole und Diastole.

Die Systole (der erste Wert) ist die Pumpbewegung, bei der sich das Herz zusammenzieht und das sich in den Herzkammern befindliche Blut (Venenblut, in der Lunge mit Sauerstoff angereichert) in den Körper pumpt. Da diese Bewegung sehr kraftvoll ist, ist der Wert (die eingesetzte Kraft) höher als bei der Diastole.

Die Diastole ist die Weitung der Herzkammern – nach der Systole (Leerung) und mit der Weitung der Kammern entsteht ein Unterdruck, der frisches Blut in die Herzkammern fließen lässt. Dieser Wert ist entsprechend niedriger, da die eingesetzte Kraft niedriger ist.

 

Einteilung der Blutwerte

  • Optimaler Blutdruck: < 120/80
  • Normaler Blutdruck: 120-129/80-84
  • Normal-erhöhter Blutdruck: 130-139 und/oder 85-89
  • Hypertonie Grad 1: 140-159 und/oder 90-99
  • Hypertonie Grad 2: 160-179 und/oder 100-109
  • Hypertonie Grad 3: > 179 und/oder >109

 

Meine Geschichte mit Bluthochdruck

Kaum zu glauben, aber auch ich hatte mal Bluthochdruck. Nur eine kurze Zeit, aber als ich es bemerkte, war ich doch sehr erschrocken.

Es war während meiner Doktorarbeit in der Uniklinik – etwa 30 Minuten vor einem wichtigen Termin mit meinem Chef (dem damaligen Klinikleiter) haben wir im Labor zum Spaß unseren Blutdruck gemessen – ich hatte einen Wert von 140/110.

Wie war es dazu gekommen? Mit Blick auf meinen damaligen Alltag eigentlich kein Wunder:

  • Wenig Schlaf
  • Dennoch fast jeden Tag Sport zum Ausgleich von der Arbeit
  • Viel zu viel Kaffee (5-6 Tassen täglich)
  • Viel Stress auf der Arbeit und besonders vor Treffen mit meinem Chef
  • Das Gefühl, am falschen Ort zu sein (auch ein Stressor)
  • Schlechte Nährstoffversorgung (v.a. Magnesiummangel und Omega 3-Mangel waren mit hoher Wahrscheinlichkeit im Spiel)

Wenig Schlaf, viel Stress, Stimulanzien, überforderter Körper – Bluthochdruck war die Quittung. Als ich wenig später die Doktorstelle kündigte und mich selbstständig machte, war der Blutdruck auch wieder normal.

Der erhöhte Blutdruck war ein Warnsignal für mich, jetzt schleunigst etwas ändern zu müssen.

Stressreduktion am Arbeitsplatz

Glücklichsein sieht anders aus 🙂

 

Die wichtigsten Ursachen von Bluthochdruck im Überblick

Aus meiner Geschichte kannst Du bereits viele Ursachen von Bluthochdruck herauslesen. Einige mehr sollten noch erwähnt werden – und was dabei im Körper passiert:

 

Übergewicht

Übergewicht ist der wohl wichtigste Auslöser von Bluthochdruck und kann dies bereits ohne weitere Ursachen tun. Denn: Übergewicht führt zu chronischen Entzündungen im Körper, indem Immunzellen in das immer größer werdende Fettgewebe einwandern und Entzündungsbotenstoffe bilden.

Außerdem bildet das Fettgewebe (als hormonaktives Gewebe) das Angiotensin II. Dieses Hormon hat vier Aufgaben:

  • die Blutgefäße verengen (Blutdruck steigt)
  • die Nierenleistung modulieren
  • Fettzellen reifen lassen (= weitere Vermehrung des Fettgewebes)
  • Glukoneogenese (Neubildung von Zucker) in der Leber anregen (= Anstieg des Blutzuckers, Insulinresistenz)

Die Natur hat Übergewicht und Fettleibigkeit in dem Ausmaß, wie wir es heute erleben, nicht vorgesehen – Bluthochdruck als Fehlregulation des Fettgewebes ist eine direkte Folge.

Etwa 70 % der Erwachsenen in Deutschland sind übergewichtig, 30 % sind fettleibig.

 

Schlafmangel

Schlafmangel erhöht automatisch die Stresshormone im Körper, was den Blutdruck ansteigen lässt. Außerdem erholen wir uns weniger, denn Schlaf ist zur Regeneration da. Schlafen wir zu wenig und ist die Regeneration nachts nicht abgeschlossen, kommt es zu immer mehr Mikroentzündungen im Körper – auch diese lassen als Stress-Signal den Blutdruck ansteigen.

 

Stress

Eigentlich logisch: Stress ist ein Überlebensreiz, unser Körper fühlt sich bedroht. Er bildet neben Cortisol die sehr aktiven Adrenalin und Noradrenalin, welche den Blutfluss zu den Kampf-oder-Flucht-Geweben (z.B. Muskeln) sicherstellen wollen.

Stress ist für die meisten Menschen zum Dauerzustand geworden und nicht mehr Ausnahme – die Gründe dafür können vielfältig sein.

Innere Glaubenssätze, Überzeugungen, Perfektionismus, Nicht-Nein-sagen-können, zu viel Arbeit, ein fremdbestimmtes Leben führen, direkte Stressoren in der Familie oder auf der Arbeit, Trauma – finde heraus, was bei Dir der Grund sein könnte, warum Du Dich ständig bedroht fühlst.

 

Stimulanzien

Einige Stimulanzien haben es an sich, dass sie zur Bildung von Noradrenalin und Adrenalin (bei hohen Mengen) führen können. Kaffee und Nikotin sind hier die wichtigsten Stimulanzien in unserem Alltag – der Konsum von Kaffee sollte kontrolliert sein, in hoher Qualität – und er sollte nicht Stress, Müdigkeit oder Schlafmangel kompensieren. Ähnliches gilt für Nikotin.

Manche Medikamente und Smart Drugs erhöhen den Stresspegel – Ritalin, Modafinil, Racetame gehören dazu.

Kaffeeunverträglichkeit

Wie viel Kaffee darf es pro Tag für Dich sein?

 

Salz

Salz ist lebenswichtig, doch es gibt ein Zuwenig und ein Zuviel. Steigt der Natrium-Wert im Blut zu stark an, hemmt das Natrium ein Enzym namens eNOS (endotheliale Stickoxid-Synthase). Stickoxid ist das Hormon, das unsere Blutgefäße weitet und den Blutdruck reduziert.

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Wird dieses Enzym gehemmt, steigt der Blutdruck – das ist in etwa bei über 8-10 g Salz täglich der Fall. Das ist der Grund, warum ein Zusammenhang zwischen Salz und Bluthochdruck besteht.

Die Menge von > 8-10 g Salz täglich ist über einen regelmäßigen Konsum von Brot, Wurst, Käse, Fertigsauce und verarbeiteten Produkten zu erreichen – beim Selbst-Würzen mit Salz eher schwierig.

 

Entzündungsprozesse

Chronische Entzündungen im Körper sind ein Stress-Signal – Stress erhöht den Blutdruck. Chronische Entzündungen sind eine weitere wichtige Ursache für Zivilisationserkrankungen. Schaffst Du es, diese zu lindern oder gar auszuschalten, wirkt sich das auch positiv auf Deinen Blutdruck und Deine allgemeine Gesundheit und Lebensqualität aus. Dazu findest Du bei uns viele Beiträge im Magazin.

 

Was hilft bei Bluthochdruck? Meine Tipps für Dich

Nun, was hilft bei Bluthochdruck? Natürlich ist die Beseitigung der Ursachen fundamental. Wenn dies geschafft ist (oder parallel dazu) kann ich Dir diese Tipps empfehlen, um den Blutdruck weiter auf ein gesundes Maß zu senken:

 

Weniger Stimulanzien

Gut, diese Ausnahme musst Du mir gewähren – Stimulanzien sind für viele von uns so ein Ding. Sie treiben uns an, wir fühlen uns gut, energetisch, spüren uns mehr – aber auch nicht. Denn zu viel Stimulanzien führen eher zu einer Betäubung des Körpers.

Bei Kaffee muss ich mir selbst immer mal wieder an die Nase fassen, wenn ich mehr als 2 Tassen täglich trinke und spüre, dass das eigentlich zu viel ist. Mittlerweile trinke ich an den meisten Tagen Pu-Erh-Tee und kein Kaffee mehr – was ist Dein „Kryptonit“? Mit welchen Stimulanzien überforderst Du Dich vielleicht bewusst oder unbewusst?

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Meditation

Meditation entspannt und beruhigt das Nervensystem. Wir bleiben mehr in unserer Mitte, bleiben bei uns – und werden stresskompetenter.

Stresskompetenz ist die Fähigkeit, mit Stress umzugehen, denn Stress als Reiz ist meist neutral, weder gut noch schlecht. Unsere Bewertung führt zu Stress – Meditation führt dazu, dass wir bewusster entscheiden können, wie wir Reize bewerten. 10 Minuten am Tag reichen bereits (s. Meditieren lernen).

 

Bewegung

Durch Bewegung weiten sich die Blutgefäße, die Durchblutung steigt, der Blutdruck sinkt. Die Blutgefäße werden trainiert und elastischer – was Dir in vielerlei Hinsicht zugutekommt.

 

Wechselduschen

Eine kalte Dusche am Morgen erfrischt für den kommenden Tag. Kalt duschen oder Wechselduschen führt ebenfalls wie Sport zu elastischeren Blutgefäßen und zu besserer Stresskompetenz. Eine tägliche Gewohnheit, von der Du ein Leben lang profitierst, denn es kann auch die Schilddrüse und das Immunsystem stärken.

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Kann die kalte Dusche auch Spaß machen? Probier es aus!

 

Nährstoffe

Damit das Enzym eNOS gut arbeiten kann, benötigt es reichlich Nährstoffe. Einige dieser Nährstoffe sind klassische Mangelnährstoffe in Deutschland – ein weiterer Grund für die hohe Verbreitung von Bluthochdruck in der Bevölkerung.

Diese Nährstoffe benötigt die eNOS:

  • Arginin & Citrullin (als Stickoxid-Quelle)
  • Vitamin C
  • Folsäure
  • Zink

Eine gesunde Ernährung oder zielgerichtete Nahrungsergänzung (z.B. durch Citrullin-Malat, Vitamin C, Vitamin B-Komplex und Zinktropfen) hilft hierbei.

 

Rote Beete Saft

Einer meiner Favoriten: Rote Beete Saft ist nicht nur reich an Antioxidantien, sondern auch an Nitrat. Dieses wird im Körper zu Nitrit und dann zu Stickoxid reduziert und vermag den Blutdruck effektiv zu senken. Hierzu gibt es interessante Studien mit Bluthochdruck-Patienten – ein Glas Rote-Beete-Saft (z.B. aus dem Bio-Supermarkt oder frisch gepresst) am Tag reicht bereits und schmeckt frisch aus dem Kühlschrank zudem angenehm süß.

 

OPC

OPC ist ein gutes Antioxidans, wenn es um das Herz-Kreislauf-System geht. 500-1500 mg täglich helfen dabei, den Blutdruck in einem gesunden Bereich zu halten.

 

Vitalpilze

Auch Reishi und Chaga helfen dabei, den Blutdruck gesund zu halten. Sie sind reich an Antioxidantien, lindern Stress und enthalten sogenannte Triterpene, welche die Blutgefäße entspannen.

Shiitake und Maitake enthalten einen Stoff namens Ergothionein, welcher scheinbar auch den Blutdruck senken kann – doch Reishi und Chaga (auch als Chaga Tee) sind meine Favoriten.

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Ingwer & Knoblauch

Ingwer und Knoblauch – als Lebensmittel, als Ingwertee oder als Extrakt – bringen „Pepp“ in den Alltag und helfen dabei, den Blutdruck zu senken, sollte er erhöht sein. Sie sind zudem eine gute Kombination, wenn es um Entzündungsprozesse und das Immunsystem geht, denn sie unterstützen sich gegenseitig. In Südostasien enthalten viele Gerichte sowohl Ingwer als auch Knoblauch – in Studien wurde ein Synergie-Effekt zwischen beiden bestätigt.

Diese Beobachtung habe ich mit nach Europa gebracht und kann sie sehr empfehlen.

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Zwei unserer absoluten “Gesundheits-Lieblinge”: Knoblauch und Ingwer!

 

Omega 3-Fettsäuren

Omega 3-Fettsäuren halten die Blutgefäße elastisch, die roten Blutkörperchen sind flexibler und Entzündungsprozesse werden gelindert.

Omega 3-Fette sind der Nummer 1 Mangelnährstoff in Deutschland mit einer Rate von 90-95 % – Du benötigst 1-2g Omega 3-Fette täglich (aus Fischöl oder Algenöl), um einen Omega 3-Index von über 7,5 % zu erreichen.

Auch dies fördert Deine Gesundheit auf vielerlei Weise.

 

Magnesium

Magnesium entspannt die Blutgefäße, lindert Stress und hemmt den Einstrom von Calcium-Ionen in die Endothelzellen der Blutgefäße. Dies führt zu besagter Entspannung und Blutdruck-Linderung.

Solltest Du viel Stress, wenig Schlaf und viele Stimulanzien in Deinem Alltag haben, betrifft Dich höchstwahrscheinlich auch ein Magnesiummangel.

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Zusammenfassung und Fazit

Ein erhöhter Blutdruck betrifft jeden zweiten Menschen in Deutschland. ß-Blocker helfen lindernd, aber beseitigen nicht die Ursachen. In diesem Beitrag habe ich Dir die wichtigsten Ursachen und die besten Tipps zur Frage „Was hilft bei Bluthochdruck“ mitgegeben.

Ich wünsche Dir viel Erfolg bei der Umsetzung und alles Gute für Deine Gesundheit!

 

 


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