Startseite Nachhaltige Gesundheit Bewegungsmangel: Mögliche Folgen und Risiken

Bewegungsmangel: Mögliche Folgen und Risiken

von Martin Auerswald, M.Sc.
Veröffentlicht: Zuletzt bearbeitet:
Junger Mann sitzt mit Laptop auf Ledersofa

Mit dem Auto zur Arbeit, dort vor dem Bildschirm sitzen, zurück nach Hause und zum Abschluss ein entspannter Abend auf dem Sofa: So sieht der Alltag vieler Menschen aus. Für unseren Körper ist das jedoch Gift: Zu wenig Bewegung kann verheerende gesundheitliche Folgen mit sich bringen. Was bei einem Bewegungsmangel im Körper passiert, welche Auswirkungen er hat und was Du tun kannst, erfährst Du hier.

 

Welche Folgen kann Bewegungsmangel haben?

Bewegen, bewegen, bewegen – das hören wir bei jedem Arztbesuch und von jedem ambitionierten Sportler. Was viele nervt, ist aber absolut richtig.

Der Mensch ist nicht dafür ausgelegt, für längere Zeit zu sitzen oder liegen. Unsere Vorfahren haben in den vergangenen Generationen immer ein hohes Maß an Bewegung im Alltag aufgewiesen. Seit etwa 50 Jahren, seit Wohlstand und Digitalisierung unseren Alltag bestimmen, verbringen wir den Großteil des Tages sitzend und nicht mehr gehend und stehend.

Ein Bewegungsmangel kann eine Reihe gesundheitlicher Folgen mit sich bringen. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Verdauungsprobleme
  • Abnehmende Knochendichte bis hin zu Osteoporose
  • Verspannungen im Rücken und Nacken
  • Herz-Kreislauf-Probleme
  • Stoffwechselerkrankungen wie Typ 2 Diabetes und Bluthochdruck
  • Sinkende Entgiftungsleistung durch reduzierten Lymphfluss

 

Langes Sitzen

Als besonders schädlich gilt das Sitzen. In dieser Position fährt der Kreislauf herunter, die Insulinsensitivität sinkt und es kommt langsam zum Blutstau im unteren Bereich des Körpers. Folglich nimmt die Durchblutung ab, der Stoffwechsel verlangsamt sich und der Körper erhält weniger Sauerstoff (s. richtig atmen). Das wirkt sich auch negativ auf die Verdauung aus, da die beteiligten Organe ausreichend Blut zum Arbeiten benötigen.

Studien haben gezeigt, dass die Insulinsensitivität bereits nach 60 Minuten stark sinkt und die Körperzellen Blutzucker nicht mehr so gut verwerten können. Außerdem beginnt der Körper dann sehr schnell, Körperfett an ungünstige Stellen – wie Herz und Leber – einzulagern. Dies erhöht das Risiko für Stoffwechselerkrankungen sehr stark.

 

Osteoporose-Risiko

Wir müssen unsere Knochen fordern, damit sie widerstandsfähig bleiben. Knochen müssen, ähnlich wie Muskeln, ständig den Reiz bekommen, dass sie benötigt werden. Durch Bewegung werden die Knochen der Schwerkraft ausgesetzt und bekommen die Information, stark und stabil zu bleiben. Wenn nicht, droht Osteoporose. Wenn Du Dich jetzt fragst: „Was ist eine Osteoporose„, erfährst Du hier mehr dazu.

 

Verspannungen drohen

Sind die Muskeln in den Beinen längere Zeit inaktiv, bilden sie sich auf lange Sicht zurück. Im Gegenzug sind durch die immer gleiche Haltung im Sitzen Teile der Muskulatur im Oberkörper dauerhaft beansprucht, weshalb oftmals Verspannungen im Rücken und Nacken resultieren. Auch das Herz ist ein Muskel, der regelmäßig beansprucht werden will, um gut zu funktionieren. Passiert dies nicht, können Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen.

Zu möglichen Folgen eines Bewegungsmangels gehört auch Diabetes Typ 2. Die häufigsten Ursachen für diese Form der Erkrankung sind unzureichende Bewegung, ungesunde Ernährung und infolgedessen Übergewicht. Nach Schätzungen ist ein Bewegungsmangel bei sieben Prozent der Betroffenen in der europäischen Region ursächlich.[1] Übergewicht, das häufig auch Folge geringer Bewegung ist, gilt in 65 bis 80 Prozent der Erkrankungen als Auslöser.[2]

 

Symptome: Was sind die ersten Anzeichen eines Bewegungsmangels?

Bewegungsmangel schleicht sich meist leise und langsam in unseren Alltag und so bleiben auch die ersten Symptome oft lange unbemerkt. An folgenden Anzeichen kannst Du dennoch erkennen, ob Du an Deiner alltäglichen Fitness arbeiten solltest:

  • Du bist bei normaler körperlicher Belastung wie einem Spaziergang oder Treppensteigen relativ schnell außer Atem?
  • Verspannungen und Schmerzen im Rücken- und Nackenbereich erschweren Dir den Alltag?
  • Dein Blutdruck steigt schnell und stark an, sobald Du Dich sportlich betätigst?
  • Du fühlst Dich schlapp und antriebslos, obwohl Du gesund bist?

Hegst Du den Verdacht, dass sich auch bei Dir der Bewegungsmangel heimlich eingeschlichen hat, solltest Du handeln.

 

Was Du gegen Bewegungsmangel tun kannst

Um einem Bewegungsmangel vorzubeugen oder dagegen anzugehen, kannst Du einige Maßnahmen in Deinen Alltag integrieren. Es geht darum, gesunde Gewohnheiten zu etablieren und mit der Zeit mehr und mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren:

Junger Mann auf Fahrrad auf belebter Straße

  • Tausche das Auto öfter mal durch ein Rad oder einen strammen Spaziergang aus.
  • Wähle die Treppen statt den Aufzug.
  • Achte darauf, jeden Tag etwa 10.000 Schritte zu gehen. Das ist eine gute Faustregel.
  • Steige in den öffentlichen Verkehrsmitteln eine Station früher aus und laufe die letzte Etappe.
  • Früh nach dem Aufstehen einen kurzen Spaziergang unternehmen. Vielleicht sogar in den nächsten Wald. So wird auch Dein Kreislauf viel angenehmer und natürlicher wach.
  • Zum nächsten Supermarkt laufen statt das Auto nehmen.

Wenn Du einen Bürojob hast, solltest Du außerdem folgende Tipps umsetzen:

  • Regelmäßig (alle 60 Minuten) aufstehen und ein paar Schritte gehen.
  • Abwechselnd im Sitzen und Stehen arbeiten (wenn möglich). Ein höhenverstellbarer Stehtisch bietet sich an.
  • Alle ein bis zwei Stunden strecken und dehnen.
  • In der Mittagspause eine Runde spazieren gehen.
  • Nach Feierabend gelegentlich Yoga, Qi Gong oder Pilates in Erwägung ziehen, um die Beweglichkeit zu erhöhen.

Junge Frau rollt Yogamatte auf

Zu Beginn mag es schwer vorkommen, diese Tipps zu realisieren. Sind sie aber zur Gewohnheit geworden, bemerkst Du sie gar nicht mehr. Dein Körper wird es Dir danken.

 

 

Weitere interessante Beiträge gefällig?


  1. WHO-Regionalbüro für Europa: Bewegungsmangel und Diabetes. URL: http://www.euro.who.int/de/health-topics/noncommunicable-diseases/diabetes/news/news/2015/11/physical-inactivity-and-diabetes (06.09.2019).
  2. Ebd.

Ähnliche Beiträge