Es gibt Lebensmittel, die kein gutes Image haben – obwohl sie eigentlich sehr gesund sind.
Teilweise haben Ereignisse dazu geführt, dass bestimmte Lebensmittel nur mit Vorsicht genossen werden. In anderen Fällen wurden falsche Ernährungsempfehlungen ausgesprochen oder sogar ein Konsumverbot verhängt. Eine weitere Ursache: Wir „zivilisierten Menschen“ trauen natürlichen Lebensmitteln manchmal nicht mehr über den Weg, weil wir befürchten, sie wären „unrein“.
In diesem Beitrag möchte ich Dich von solchen Sorgen befreien, Vorurteile entkräften und Dir Lebensmittel vorstellen, die zu Unrecht verpönt sind.
Der Mensch im 21. Jahrhundert
Prof. Cordain veröffentlichte 2005 eine Studie [1], in der er hochrechnete, wie weit sich der moderne Mensch ernährungstechnisch von der Natur entfernt hat. Konkret: Wie hoch ist der Anteil verarbeiteter, künstlicher oder „neuartiger“ Lebensmittel, die der Mensch heutzutage konsumiert?
Das Ergebnis: 70 %. Hierzu zählen Tiefkühlpizza, Süßigkeiten, Brötchen, Kuchen und gesüßte Getränke. Ebenso Quark und Käse. Beides isst der Mensch in Mitteleuropa erst seit wenigen Jahrtausenden.
Lediglich 30 % der Lebensmittel auf unserem täglichen Speiseplan sind noch unverarbeitet, natürlich und nährstoffreich. Zum Beispiel: Obst, Gemüse, Pilze, Beeren, Nüsse, Samen, Kräuter, Fleisch, Fisch und Eier.
Das Problem: Viele Lebensmittel aus der zweiten Gruppe sind oft verschrien. Jedoch zu Unrecht.
Der Höhepunkt der Entfremdung – „Angst“ vor der Natur
Leider hört man immer wieder, dass man nichts essen sollte, was „auf dem Boden oder in der Natur zu finden ist“. Egal, ob Kräuter, Beeren oder Pilze – ist das betreffende Nahrungsmittel wild gewachsen und nicht das Produkt einer Monokultur oder Fabrik, bekommt es schnell das Etikett „unrein“ verliehen. Oder das Lebensmittel gilt als „bedenklich“, wenn es nicht steril in Plastik verpackt ist, denn viele sorgen sich wegen etwaiger Giftstoffe, Abgase oder Parasiten.
Hier ein paar Gegenfragen: Was ist mit Weizen voller Pestizide? Was ist mit Billigfleisch und Milch, die vor Antibiotika, Wachstumshormonen und entzündungsfördernden Stoffen nur so strotzen? Sind das nicht die eigentlich problematischen Lebensmittel?
Seltsamerweise gilt trotzdem: Was nicht aus dem Supermarkt stammt, ist nicht rein. Mit unberechtigten Gedanken wie diesen entfremdet sich der Mensch zusehends von der Natur. Darum ist es an der Zeit, darüber aufzuklären, dass Lebensmittel aus der Natur oder bestimmte unverarbeitete Lebensmittel kein Problem darstellen.
Im Gegenteil: Sie können Deine Gesundheit sogar besser unterstützen als die meisten abgepackten Nahrungsmittel aus dem Supermarkt. In vielen Fällen sind diese Lebensmittel außerdem sehr günstig und überzeugen auch geschmacklich.
10 Lebensmittel, die besser sind als ihr Ruf
Die folgenden Lebensmittel enthalten nicht nur jede Menge Nährstoffe, sie wurden auch schon von unseren Vorfahren verzehrt.
Knochen
Schon vor der BSE-Krise in den 90er-Jahren verloren Knochen an Beliebtheit, denn im Laufe der letzten 100 Jahre ging der Trend zunehmend in Richtung „Edelteile“. Bevorzugt wurde weiches Fleisch ohne Knochen und Sehnen, weil es sich schnell zubereiten ließ, wie z. B. Gulasch, Schnitzel, Filet und Hackfleisch.
Dann kam die BSE-Krise, und man vermutete auch in Knochen Prionen, die den gefürchteten Rinderwahn auslösen. Für einige Zeit wurde der Import von Rinderprodukten aus Großbritannien verboten und es wurden stärkere Reglementierungen bezüglich Rinderknochen und -gehirn durchgesetzt.
Seitdem haben Tierknochen, sofern sie als Lebensmittel verwendet werden, ein Imageproblem. Dabei weiß man heute, dass Knochen aus Deutschland nicht betroffen waren. Dennoch haben viele Menschen Bedenken, weil BSE noch immer in den Köpfen präsent ist.
Viele haben außerdem schlichtweg vergessen oder verlernt, was man aus Knochen machen kann: Knochenbrühe. Knochen sind kein Wegwerfprodukt, kein Schlachtabfall, sondern ein hochwertiges Ausgangsmaterial für eine nahrhafte Brühe.
Einfach die Knochen in einem großen Topf mit Wasser bedecken, etwas Apfelessig, Nelken, Lorbeer und Wacholderbeeren dazugeben, für 3 bis 4 Stunden köcheln lassen und dann in ausgekochte Einmachgläser abfüllen. Fertig ist die Knochenbrühe!
Sie ist sehr reich an Kollagen und Glycin, aber auch an Schleimstoffen, die Darm und Haut dringend benötigen: Hyaluronsäure, Chondroitinsulfat, N-Acetyl-Glucosamin.
Knochenbrühe ist nicht nur gesund, sondern auch sehr lecker: Viele genießen sie pur, doch sie verfeinert auch Suppen und Eintöpfe.

Gute Knochenbrühe ist günstig, ergiebig und sehr gesund
Innereien
Ich weiß, viele schaudert es allein beim Gedanken an Innereien, aber Leber, Herz & Co. enthalten mehr Protein und Nährstoffe als jedes andere Stück Fleisch.
Insbesondere Leber gilt als Multivitamin. Sie enthält Vitamin A, B, C, E, K2, Eisen, Kupfer, Mangan, Zink und Selen.
Auch im Fall von Innereien gilt: Viele Menschen wissen nicht mehr, wie man sie auf köstliche Weise zubereiten kann. Hier lohnt sich der Blick in ein traditionelles Kochbuch.
Früher war vielen Menschen daran gelegen, das ganze Tier zu verwerten. „Nose to tail“ – so sagt man heute. Wenn das ganze Tier Verwendung findet, ist sein Tod nicht umsonst. Außerdem bleiben so alle Nährstoffe erhalten.
Ich möchte Dich deshalb ermutigen, Dich nicht nur auf die edlen Teile zu beschränken. Innereien und Knochen sind außerdem deutlich günstiger als Fleisch, haben ein markanteres Aroma und sind ausgesprochen gesund.
Falls Dir Bedenken wegen der Leber kommen: Die Leber ist kein Speicherort für Giftstoffe. Studien haben ergeben, dass Leber nicht mehr Giftstoffe enthält als Hackfleisch oder Gulasch. Es stimmt, dass Giftstoffe in der Leber verarbeitet werden – gespeichert werden sie dort jedoch nicht. Dazu ist das Fettgewebe da.
Eier
Eier erhöhen den Cholesterinspiegel und begünstigen Herz-Kreislauf-Erkrankungen … so dachte man 50 Jahre lang. Heute weiß man, dass Eier von Hühnern aus artgerechter Haltung kein Gesundheitsrisiko darstellen [2], sondern viele wertvolle Nährstoffe enthalten, die in anderen Lebensmitteln eher rar sind. Dazu gehören Vitamin A, Vitamin E und Cholin.
Eier sättigen mehr als die meisten anderen Lebensmittel und eignen sich auch sehr gut zum Abnehmen [3].
Wichtig ist, dass Eier aus Freiland- oder Bio-Haltung stammen. Im Idealfall kaufst Du sie direkt beim Bauern, damit Du sehen kannst, wie die Tiere gehalten werden.
Verzehren solltest Du Eier allerdings nur in Maßen. 2 bis 3 am Tag sind für die meisten Menschen kein Problem. Mehr sollten es nicht sein, weil der Cholesterinspiegel andernfalls steigen kann oder sich eine Ei-Allergie einstellt.
Gelegentlich ein Frühstücksei oder Spiegeleier sind kein Problem.

Butter
Warum Margarine aus Raps- und Sonnenblumenöl besser sein soll als Weidebutter, war mir schon immer ein Rätsel. Margarine ist ein Kunstprodukt, das voller entzündungsfördernder Omega-6-Fettsäuren steckt, während Butter viele ungesättigte Fettsäuren (auch Omega-3-Fettsäuren), Vitamin K2 und Vitamin A enthält.
Ich empfehle Butter sogar zum Kochen, als Ergänzung zum Olivenöl. Immer in Maßen wohlgemerkt.
Studien scheinen es zu bestätigen: Vorsichtig wird zurückgerudert [4]. Butter wird noch nicht aktiv empfohlen, aber gewarnt wird auch nicht mehr vor ihr.
Pilze
Es gibt hunderte essbare Pilze auf unserem Planeten. Früher war es noch gängig, in die „Schwammerl“ zu gehen oder auf dem eigenen Kompost Pilze zu züchten. Heute macht man das seltener. Stattdessen bevorzugt man vor allem weiße Champignons aus dem Supermarkt.
Das ist schade, denn in der medizinischen Forschung wird zunehmend deutlich, wie wertvoll Pilze für unsere Gesundheit sind, insbesondere „Vitalpilze“ (auch Heilpilze). Hierzu zählen Reishi, Shiitake, Maitake, Löwenmähne und Mandelpilz.
Vor Pilzen aus dem Wald wird generell gewarnt. Schließlich könntest Du einen giftigen Pilz erwischen oder er könnte noch radioaktiv verseucht sein. Es ist richtig, dass Pilze nicht nur Nährstoffe, sondern auch Giftstoffe aus dem Boden anreichern. Darunter Schwermetalle und radioaktive Stoffe. Besonders radioaktives Cäsium137 ist immer wieder im Gespräch.
Um es kurz zu machen: Was die Radioaktivität angeht, können essbare Wildpilze in Deutschland bedenkenlos verzehrt werden; die einzige Ausnahme stellt Bayern dar. Dort sind Waldpilze in seltenen Fällen noch stark belastet. In seltenen Fällen – bei 21 Proben von Maronenröhrlingen war ein einziger Pilz über dem Grenzwert.

Schön anzusehen, lecker und sehr gesund: Pilze
Darüber hinaus ist alles, was wir essen, radioaktiv. Jedes Obst, Gemüse, jedes Stück Brot und auch wir Menschen selbst sind radioaktiv. Bis zu einem gewissen Grad ist das natürlich.
Wenn wir von radioaktiv belasteten Pilzen in Bayern sprechen, ist der Grenzwert für Radioaktivität nicht viel höher als die natürliche Radioaktivität. Daher halte ich es für unnötig, vor Wildpilzen zu warnen.
Wenn Dir das Sammeln von Wildpilzen dennoch zu heikel ist, dann greife zu Bio-Pilzen oder zu Pilz-Extrakten. Mit diesen Produkten bist Du auf der sicheren Seite.
Wenn Du Pilze sammeln möchtest, aber unerfahren bist, nimm einen Pilzführer mit oder gehe in Begleitung einer erfahrenen Person.
Wildfleisch
Insbesondere Wildschweinen begegnet man mit Skepsis, denn sie sollen ebenfalls mit Radioaktivität belastet sein. Die gute Nachricht: Jedes geschossene Wildschwein wird in Deutschland auf Parasiten und Radioaktivität untersucht. Tiere, die Grenzwerte überschreiten oder belastet sind, werden nicht zum Verzehr freigegeben. Hirsche, Rehe und andere Wildtiere sind kaum bis gar nicht davon betroffen.
Wildfleisch enthält im Vergleich zu Schwein oder Rind sehr viele Omega-3-Fettsäuren, hochwertiges, mageres Protein sowie reichlich Spurenelemente. Der Grund dafür ist, dass Wildtiere ursprünglich (bzw. artgerecht) leben und sich von natürlicher Nahrung (Nüsse, Samen, Insekten, Gräser, Kräuter) ernähren. Auf diese Weise reichern sie Nährstoffe an, die wir im Industriefleisch vergebens suchen.
Pluspunkt: Wildfleisch schmeckt köstlich.
Wilde Beeren
Wilde Beeren, die auf dem Boden wachsen, sind mit dem Fuchsbandwurm belastet. Daher auf keinen Fall essen!
Tatsächlich kommt der Fuchsbandwurm nur noch selten vor. 2016 wurden in ganz Deutschland lediglich 26 Fälle gemeldet [5]. Das Risiko ist also kaum der Rede wert – die Angst vor Parasiten jedoch fest verankert.
Rein statistisch betrachtet, brauchst Du Dir wegen des Fuchsbandwurms keine Sorgen zu machen, sodass Du beim Fund wilder Beeren ruhig zugreifen kannst. Solltest Du dennoch Bedenken haben, reicht es, die gesammelten Beeren gründlich zu waschen.
Wilde Beeren enthalten im Vergleich zu ihren „modernen“ Artgenossen deutlich weniger Zucker, aber mehr Gerbstoffe, Ballaststoffe und Antioxidantien.
Schwarzer Holunder und Hagebutten sind übrigens auch essbar und sehr gesund.

Eine Handvoll Blaubeeren versorgt Dich mit reichlich Antioxidantien
Wilde Kräuter
Im Frühling und Sommer bringe ich vom Joggen im Wald immer Wildkräuter mit – besonders gern mag ich Löwenzahn. Aber auch Spitzwegerich, Vogelmiere und Sauerampfer sind genießbar und köstlich.
Viele Menschen möchten keine Kräuter essen, weil sie Verschmutzung befürchten. Wenn Du die Kräuter gut wäschst, brauchst Du Dich nicht zu sorgen. Unmittelbar nach einem Regenguss kannst Du sie sogar direkt genießen.
Wildkräuter enthalten im Vergleich zu grünem Gemüse ein Vielfaches mehr an Nährstoffen. So bergen Löwenzahn und Brennnessel im Vergleich zu Spinat etwa das Fünffache an Magnesium und im Vergleich zu Karotten das Zwanzigfache an ß-Carotin.
Wenn Du Dir unsicher bist, welche Kräuter essbar sind, empfiehlt sich ein Wildkräuterbuch. Der Kauf lohnt sich, denn Kräuter runden jeden Salat ab. Doch auch blanchiert und als Spinatersatz eignen sich die meisten Wildkräuter gut, denn sie sind äußerst aromatisch.

Giersch – für die einen Unkraut, für die anderen ein leckerer Spinatersatz
Fermente
Fermentierte, probiotische Lebensmittel wie Kombucha, Kefir, Essig, Joghurt und milchsauer vergorenes Gemüse zählten bis vor 200 Jahren zu den Grundnahrungsmitteln. Damals gab es noch keine Kühlschränke oder Konserven. Deshalb mussten die Lebensmittel, gerade im Hinblick auf die kalte Jahreszeit, haltbar gemacht werden.
Heutzutage trauen sich viele Menschen nicht an Fermente heran, aus Angst, sie könnten verderben. Wie schade, denn diese Lebensmittel können mit einfachen Mitteln selbst hergestellt werden. Zudem macht Fermentation Spaß, kostet nicht viel und ist sehr gesund.
Fermente enthalten wertvolle Probiotika für Deine Darmflora und sind sehr bekömmlich. Darüber hinaus produzieren die Mikroorganismen während der Fermentation Vitamine. So enthält Kombucha genauso viel B-Vitamine wie Fleisch und so viel Vitamin C wie eine Orange.
Bei falscher Handhabung können Fermente tatsächlich verderben. Doch mit der richtigen Anleitung und Fürsorge kommt das nur selten vor.
Sprossen und Keimlinge
Vielleicht erinnerst Du Dich: Vor ein paar Jahren waren bestimmte Sprossen aus dem Supermarkt mit EHEC-Keimen belastet. Dieser Vorfall sollte jedoch kein Grund sein, für immer auf Sprossen zu verzichten.
Unsere Empfehlung: Sprossen und Keimlinge selbst ziehen. Das ist nicht nur simpel, sondern es macht auch Freude, den Pflänzchen beim Wachsen zuzusehen.
Keimlinge sind ausgesprochen nährstoffreich; besonders Vitamin C, E und Folsäure wären hier zu nennen. Ähnlich wie Wildkräuter bereichern sie jeden Salat oder Du nutzt sie als Topping bei heißen Gerichten.
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Fazit – diese Lebensmittel sind Teil einer gesunden Ernährung
Weg von Industrienahrung und zurück zur nährstoffreichen Ernährung unserer Vorfahren. Das ist der Weg, den wir auf SchnellEinfachGesund gehen und auf den wir auch Dich führen möchten.
Die 10 genannten Lebensmittel sind deutlich besser als ihr Ruf. Obendrein schmecken sie nicht nur köstlich, sondern sind auch günstig, vielseitig einsetzbar und wahre Nährstoffbomben.
Integriere sie nach und nach in Deinen Speiseplan, um Deine Ernährung natürlicher und ursprünglicher zu gestalten. Berichte uns gerne von Deinen Erfahrungen!
Habe ich ein wichtiges Lebensmittel vergessen? Möchtest Du gerne etwas ergänzen? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!














