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Risikofaktoren für Stoffwechselerkrankungen

von Martin Auerswald, M.Sc.
Veröffentlicht: Zuletzt bearbeitet:
Risikofaktoren Stoffwechselerkrankungen Mann greift sich an den dicken Bauch

Der menschliche Organismus arbeitet Tag und Nacht. In den Zellen laufen ständig lebensnotwendige Stoffwechselprozesse ab. Bestimmte Einflüsse können diese Vorgänge behindern, sodass der gesamte Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht gerät. Dann spricht man von einer Stoffwechselstörung.

Dauern die Beschwerden über einen längeren Zeitraum an, wird eine Stoffwechselerkrankung diagnostiziert. In diesem Beitrag möchte ich Dir einige wichtige Risikofaktoren für Stoffwechselerkrankungen zeigen, so dass Du diese frühzeitig erkennen und reagieren kannst, ehe es zu einer manifesten Erkrankung kommt.

 

Unser Stoffwechsel: Kraftwerk des menschlichen Körpers

Der Begriff Stoffwechsel begegnet uns häufig, wenn es um Themen wie Abnehmen oder Fitness geht. Dabei ist zum Beispiel die Rede, wie man den Stoffwechsel ankurbeln oder beschleunigen kann, um möglichst schnell überflüssige Pfunde zu verlieren. Stoffwechsel wird deshalb oft fälschlicherweise mit Verdauung gleichgesetzt, tatsächlich werden darunter aber sämtliche biochemischen Vorgänge zusammengefasst, um den Organismus kontinuierlich mit Energie und Nährstoffen zu versorgen.

 

So funktioniert der Stoffwechsel

Ganz gleich, ob wir wach sind oder schlafen – im Körper laufen permanent zahlreiche Prozesse ab, für deren ordnungsgemäßen Ablauf Energie und Nährstoffe benötigt werden. Zugeführt werden sie über die Nahrung. Im Magen-Darmtrakt wird sie mechanisch zerkleinert und mittels Enzyme weiter aufgespalten, so dass die für den Körper wichtigen Bestandteile über die Darmschleimhaut aufgenommen werden können. Dort gelangen sie als erstes über die Blutbahn in die Leber, die das „Stoffwechsel-Zentrallabor“ darstellt.

Aufgabe der Leber ist die weitere Verarbeitung von Zucker, Fetten und Eiweißen sowie die Produktion neuer Eiweiße aus einzelnen Aminosäuren. Hinzu kommt der Abbau von Abfall- und Giftstoffen, damit diese dann über Galle oder Niere ausgeschieden werden können.

Die Nährstoffe werden über den Blutkreislauf im gesamten Körper verteilt, so dass jede einzelne Zelle entsprechend ihren Bedürfnissen versorgt wird. In den Zellen wird über spezielle Stoffwechselwege Energie gewonnen und einzelne Baustoffe wie z. B. Aminosäuren oder Fette je nach Zelltyp entsprechend verarbeitet. Abfallstoffe werden wieder an die Blutbahn abgegeben und anschließend ausgeschieden. Das bei der Energiegewinnung anfallende CO2 wird über die Lunge abgeatmet.

Die einzelnen Stoffwechselwege werden durch zahllose Enzyme realisiert und geregelt. Auf-, Um- und Abbauprozesse befinden sich im gesunden Körper in einem fein regulierten Gleichgewicht.

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Was genau ist eine Stoffwechselerkrankung?

Der Stoffwechsel bzw. Metabolismus ist die Basis aller vitalen Körperfunktionen und verantwortlich für die Energiegewinnung und -verarbeitung des menschlichen Körpers. Er ist ein komplexes System von Prozessen, die Nährstoffe und chemische Substanzen, die über die Nahrung aufgenommen werden, in die Zellen leiten.

Dort werden sie umgesetzt und wieder abgebaut und für die Ausscheidung vorbereitet. Wenn diese Prozesse gestört werden, kommt es zu Stoffwechselerkrankungen.

Einige Beispiele:

  • Typ 2 Diabetes
  • Gicht
  • Schilddrüsenüber- und -unterfunktion
  • Hypercholesterinämie
  • Metabolisches Syndrom bestehen aus
    • Bluthochdruck
    • Hyperlipidämie
    • Adipositas
    • Hyperglykämie

Die Ursachen können genetisch bedingt und angeboren sein. Sie können sich allerdings auch durch Umwelteinflüsse wie eine falsche Ernährung und eine ungesunde Lebensweise einstellen. Oft liegt eine Kombination der Ursachen vor, wenn der Stoffwechsel nicht richtig arbeitet.

 

Störungen des Stoffwechsels

Funktioniert die Verwertung der Nährstoffe nicht richtig oder kommt eine Substanz nicht dort an, wo sie gebraucht wird, kann das sorgfältig aufeinander abgestimmte System schnell aus der Balance geraten. Je nachdem, an welcher Stelle der Stoffwechsel gestört ist, können unterschiedlichste Erkrankungen entstehen.

Bekannt sind mittlerweile mehr als 500 Krankheiten, die erworben oder genetisch bedingt sein können. Zu den häufigsten Stoffwechselerkrankungen, die im Laufe des Lebens erworben werden, gehören Diabetes mellitus, die Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse und Gicht. Bestimmte Risikofaktoren wie eine zucker- oder fettreiche Ernährung, mangelnde Bewegung und starkes Übergewicht oder der Konsum von Genussmitteln wie Alkohol und Nikotin können die Entwicklung von Stoffwechselerkrankungen begünstigen. Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge kann auch Schichtarbeit und die daraus resultierende Störung der „inneren Uhr“ zur Entstehung von metabolischen Krankheiten beitragen.

 

Angeborene Stoffwechselerkrankungen

Bei einem Großteil der angeborenen Stoffwechselkrankheiten handelt es sich um seltene Erkrankungen, die auf einem genetischen Defekt beruhen. Sie können bereits bei Säuglingen und Kindern, aber auch erst im Erwachsenenalter auftreten. Häufig machen sie sich anfänglich durch unspezifische Symptome bemerkbar, die auf andere Krankheiten hinweisen können und damit eine verlässliche Diagnose erschweren oder deutlich verzögern.

Zur frühzeitigen Erkennung bestimmter Stoffwechselerkrankungen wie beispielsweise Mukoviszidose, Phenylketonurie oder der Ahornsirupkrankheit werden in vielen Ländern Neugeborenen-Screenings angeboten. In Deutschland erfolgt bei Neugeborenen aktuell in den ersten Lebenstagen ein freiwilliger Test auf insgesamt 12 angeborene Stoffwechselstörungen.

Zu den seltenen Stoffwechselerkrankungen mit einer komplexen Symptomatik zählt auch Morbus Wilson. Die Erbkrankheit beruht auf einer Störung im Kupferstoffwechsel. Dabei wird überschüssiges Kupfer nicht wie bei gesunden Menschen über die Galle ausgeschieden, sondern lagert sich stattdessen in verschiedenen Organsystemen ab. Man spricht deshalb auch von der Kupferspeicherkrankheit. Tritt Morbus Wilson bereits im Kindesalter in Erscheinung, ist in erster Linie die Leber geschädigt. Bei einem Ausbruch nach der Pubertät und im späteren Erwachsenenalter dominieren neurologische Symptome wie Muskelzittern und Bewegungsstörungen. Von den Kupferansammlungen können zudem die Psyche, Knochen und Gelenke, Herz, Augen und Haut betroffen sein.

Wie vielschichtig sich Stoffwechselstörungen auf den menschlichen Organismus auswirken können, zeigt auch die Hypophosphatasie, kurz HPP. Aufgrund eines genetisch bedingten Fehlers im Bauplan eines Enzyms, der alkalischen Phosphatase (AP), können Kalzium und Phosphat nicht oder nur unzureichend in die Knochen eingebaut werden.

Folge der mangelnden Mineralisierung sind weiche, instabile Knochen, die leicht brechen können. Die Brüche heilen nicht richtig oder nur langsam aus. Die Erkrankung kann sich zudem durch Muskelschwäche, Gelenkschmerzen und einen frühzeitigen Zahnverlust äußern sowie Nieren und Magen-Darm-System erheblich belasten. Bei Säuglingen ruft HPP schwerwiegende Krankheitsanzeichen in Gehirn und Lunge hervor.

Liegt ein genetisch bedingter Mangel am Enzym LAL (Lysosomale saure Lipase) vor, hat das eine komplexe Störung des Fettstoffwechsels zur Folge. Der Abbau von Fetten in den Zellen ist beeinträchtigt, so dass es zu einer Einlagerung von Fetten in den Körperzellen kommt und durch die Fehlsteuerung in der Leber verstärkt Cholesterin hergestellt und an das Blut abgegeben wird.

Die als LAL-D (Lysosomale saure Lipase-Defizienz) bezeichnete Erkrankung kann zu einer schweren Schädigung der Leber führen. Weitere mögliche Symptome sind eine Verkalkung der Arterien, ein Mangel an roten Blutkörperchen und Blutplättchen durch eine Beeinträchtigung der Milz und Beschwerden im Magen-Darm-Trakt wie Durchfall und Erbrechen. Sind Säuglinge und Kinder betroffen, zeigen sich Gedeihstörungen und Wachstumsdefizite.

Angeborene Stoffwechselerkrankungen sind zwar nicht heilbar, aber einige sind mittlerweile dank der Entwicklung innovativer Medikamente weitgehend gut behandelbar. Welcher Therapieansatz infrage kommt, hängt vom jeweiligen Defekt und den akuten Symptomen ab.

Risikofaktoren für Stoffwechselerkrankungen Infographik

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Was kann eine Stoffwechselerkrankung beeinflussen? Weitere Risikofaktoren im Überblick

Bei einer Stoffwechselerkrankung werden die Nährstoffe, welche der Körper durch die Nahrung aufnimmt, nicht richtig verarbeitet. Dadurch kommt es zu Mangelerscheinungen oder es reichern sich die nicht verarbeiteten Nähr- und Energiestoffe im Körper an.

Die häufigsten Stoffwechselerkrankungen sind Diabetes, Gicht und die Schilddrüsenüber- bzw. -unterfunktion. Diese Krankheitsbilder entstehen teilweise durch genetische Vorbelastungen – falsche Ernährungs- und Lebensgewohnheiten sowie akute Situationen (z.B. Trauma, Verletzung, Infektion, Stress) können die Erscheinungen verstärken.

 

Ernährung

Dabei sind vor allem der Verzehr von übermäßig viel Zucker und entzündungsfördernden Omega 6-Fettsäuren zu nennen. Auch eine Ernährungsweise, welche sich hauptsächlich aus verarbeiteten Lebensmitteln (Stichwort Fast Food) zusammensetzt, sind einem regulierten Stoffwechselprozess abträglich. Dabei tritt in der Regel die Fettsucht (Adipositas) in Erscheinung.

 

Schadstoffe

Neben der falschen Ernährungsweise beeinflussen Rauchen und Alkoholmissbrauch den Stoffwechsel negativ. Unter den vielen Schadstoffen, welcher der Tabakrauch enthält, scheinen etliche zu sein, welche sich auf den Stoffwechsel auswirken. Zwar sind hierzu die Hintergründe noch nicht eindeutig geklärt, aber es wurde festgestellt, dass Raucher doppelt so oft an Diabetes leiden, wie Nichtraucher.

Bei übermäßigem Alkoholgenuss lagert sich verstärkt Fett in der Leber an. Zudem wird die Produktion von Glukose vermindert und es bildet sich verstärkt Harnsäure aus, wodurch Gichtanfällen Vorschub geleistet wird.

Zudem wird beobachtet, dass Schichtarbeiter anfällig für Stoffwechselerkrankungen sind. Es wird angenommen, dass die Störungen des Biorhythmus und der “inneren Uhr” den Stoffwechsel, Hormonproduktion und Immunsystem negativ beeinflussen.

Medikamente weiße Pillen auf einem blauen Tisch und eine rote Leber

Medikamente können eine vorübergehende Hilfstellung geben, sollten längerfristig aber nicht die einzige Behandlungs-Intervention sein.

 

Umweltgifte

Umweltgifte wie Schwermetalle, synthetische Hormone oder Mikroplastik können sich ebenso im Körper anreichern und körpereigene Prozesse behindern.

Etwa, indem sie Enzyme blockieren und das Enzym so ihrer Funktion berauben. Immer mehr Menschen sind heute mit Umweltgiften belastet, aufgrund der Anreicherung derselben in der Nahrungskette (Stichwort Quecksilber im Fisch), durch Rauchen und Feinstaub, Trinkwasserbelastung, Nahrungszusatzstoffe oder die Einnahme von Medikamenten.

 

Stress und Schlafprobleme

Alles, was unsere Regeneration stört, beeinträchtigt am Ende auch den Stoffwechsel. Stress und Schlafprobleme/zu wenig Schlaf gehören auf jeden Fall auch dazu. Studien zufolge erhöht chronischer Schlafentzug (weniger als 7 Stunden pro Nacht) oder Schlafprobleme wie Schlafapnoe das Risiko für Stoffwechselerkrankungen ebenso wie für Immunerkrankungen.

Bei Stress ist es ähnlich: Stress ist für unseren Körper eine Überlebenssituation und sollte nicht chronisch sein, da es unseren Körper auslaugt und dafür sorgt, dass Ressourcen (Nährstoffe, Energie, Konzentration) anders verteilt werden. Auch das bringt unseren Stoffwechsel durcheinander.

 

Bewegungsmangel

Dass sich etwas anreichert, kann auch daran liegen, dass der Verbrauch zu gering ist. Bei Bewegungsmangel kann es daher zur Anreicherung von Energie-Stoffen kommen, was sich in Übergewicht niederschlägt. Auch eine geringe Durchblutung der Gelenk-Schleimhäute durch Bewegungsmangel kann Probleme wie Gicht begünstigen.

Regelmäßige und natürliche Bewegung ist daher für jeden relevant und wichtig.

Ungesundes Fast Food auf einem Tisch

Die Ernährung nimmt eine zentrale Rolle ein und sollte bei der Prävention und Behandlung im Vordergrund stehen.

 

Nährstoff-Defizite

Nährstoffe sind die Motoren in unserem Stoffwechsel, ohne die Enzyme nicht arbeiten, Hormone nicht gebildet und chemische Reaktionen nicht stattfinen können. Die Mikronährstoff-Therapie wird in der Medizin sträflich missachtet, obwohl die wissenschaftliche Evidenz und die Erfahrung fast schon erdrückend ist. Nahezu jede Stoffwechselerkrankung hängt auch mit Nährstoffmangel zusammen.

Häufige Nährstoffe, die in Deutschland im Defizit liegen und so zu Problemen führen können, sind:

  • Vitamin A
  • Vitamin D
  • Omega 3-Fettsäuren
  • B-Vitamine
  • essenzielle Aminosäuren
  • Zink
  • Selen
  • Eisen
  • Jod

Kommen diese Nährstoffe in Deiner Ernährung ausreichend vor?

 

Symptome einer Stoffwechselerkrankung

Stoffwechselprozesse sind für viele Körperfunktionen verantwortlich. Dementsprechend sind auch die Symptome, die bei Erkrankungen des Stoffwechselsystems auftreten können, vielfältig. Die Erscheinungen reichen von einer Gewichtszu- und -abnahme über Bauchschmerzen, Erschöpfungszuständen und Übelkeit bis hin zu Hautproblemen. Auch chronische Entzündungen im Körper können auftreten und sich über Jahre ziehen.

Von ihrem Erscheinungsbild her sind die Symptome vieler Stoffwechselkrankheiten eher unspezifisch. Das heißt, sie werden auch bei anderen Krankheiten beobachtet. Daher steht bei der Diagnose das Ausschlussverfahren anderer Krankheiten im Vordergrund. Danach werden anhand von Blutuntersuchungen die Hormonwerte bestimmt und die Blutzuckerwerte im Urin sowie der Harnsäurewert gemessen.

 

Behandlungsmöglichkeiten für Stoffwechselerkrankungen

Die Behandlung der diversen Krankheitsbilder hängt stark von der Art und Ausprägung derselben ab. Bei seltenen Stoffwechselkrankheiten ist der heutige Wissensstand eher noch begrenzt. Die bekannteren und vor allem genetisch bedingten lassen sich meist durch eine entsprechende Medikation behandeln. Dies gilt für die Gicht und den Diabetes ebenso wie für Fettstoffwechselstörungen und Fehlfunktionen der Schilddrüse.

Eine Behandlung der Ursachen, welche in der Lebensführung liegen, sollte an erster Stelle liegen – dem haben wir uns bei SchnellEinfachGesund verschrieben.

Dazu wird eine Umstellung des Ernährungsplanes empfohlen sowie regelmäßige Bewegung verordnet. Die Patienten profitieren vor allem von der damit einhergehenden Gewichtsreduktion. Zudem kann einigen Krankheiten wie etwa der Mukoviszidose mit physiotherapeutischen Maßnahmen begegnet werden.

 

 


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