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Alles über den Zunderschwamm und was ihn so wertvoll macht

von Martin Auerswald, M.Sc.
Veröffentlicht: Zuletzt bearbeitet:
Zunderschwamm an einem Baumstamm

Der Zunderschwamm (Fomes fomentarius) ist ein in Europa, Nordamerika und Asien heimischer Baumpilz, der aufgrund seiner gesundheitlichen Vorzüge auch zu den Heilpilzen (Vitalpilzen) gezählt wird. Seine Verwendung in der Naturheilkunde geht wahrscheinlich einige Jahrtausende zurück.

Seine Extrakte und Tinkturen werden seit jeder bei verschiedenen gesundheitlichen Zielsetzungen verwendet, wie Immunstärkung, Entgiftung, Verdauung, Entzündungen, Parasiten, Infektionen, und viele mehr. Als Zunder wird er bereits seit der Steinzeit verwendet.

Erfahre in diesem Beitrag alles Wichtige über den Zunderschwamm, seine Vorteile und wie Du ihn im Alltag für die Gesundheit nutzen kannst.

 

Der Zunderschwamm – Aussehen und Biologie

Der Zunderschwamm (Fomes fomentarius), auch Donnerpilz genannt, ist ein auch bei uns verbreiteter Baumpilz. Zusammen mit dem Birkenporling und der Schmetterlingstramete gehört er zu den häufigsten Baumpilzen in deutschen Wäldern. Er fühlt sich besonders auf Buchen, Laubbäumen und selten auf Nadelbäumen wohl.

Als Mitglied der Stielporlingsverwandten besiedelt er geschwächte Laubbäume und bildet an den Stämmen dicke, ledrige Fruchtkörper, die bis zu 30 Jahre alt und bis 30-40 cm im Durchmesser erreichen können.

Der Zunderschwamm ist ein Weißfäule-Pilz, der den Holzstoff Lignin abbaut. Da er die weiß gefärbte Zellulose zurücklässt, wurde der Begriff der Weißfäule-Pilze geprägt.

Er wird gerne mit anderen Porlingen verwechselt. Eindeutig kann er durch einen chemischen Test identifiziert werden: der Pilz hat außen eine graue, in Abstufungen bis schwarze Kruste. Der Farbstoff Fomentariol ist hier sehr präsent – mit Kaliumhydroxid färbt sich diese Kruste blutrot.

Das Innere nennt man Trama – daraus wurde früher der Zunder gewonnen (Erklärung folgt).

Zunderschwamm an einem Baumstamm

 

Namensherkunft und Historie

Der Name Zunder-Schwamm impliziert bereits, wo seine urtümlich wichtigste Anwendung bestand: aus seinem Trama (dem „Innenleben“) wurde bis in die frühe Neuzeit, bis zur Erfindung der Streichhölzer, Zunder hergestellt.

Bis ins 19. Jahrhundert war der Beruf des Zundermachers gängig, in großen Manufakturen wurde der Zunder hergestellt. In einem aufwändigen Verfahren wurde die Tramaschicht eingeweicht, gekocht, geklopft, chemisch verarbeitet (in Salpetersäure oder Urin) und getrocknet. Die entstehende Masse ist leicht entzündbar.

Auch außerhalb dieser „Verarbeitung“ hatte und hat der Pilz eine wichtige Funktion: Wenn ein großer Fruchtkörper ausgehöhlt wird, kann in ihm Glut (für Feuer) transportiert oder gespeichert werden. Bei heute noch nomadisch lebenden Naturvölkern kann dies beobachtet werden.

Das älteste Beweisstück für den Zunderschwamm in Europa ist die Gletschermumie Ötzi. Ötzi (um ca. 3000-3300 v.Chr.) hatte ein paar Lappen Zunder-Schwamm bei sich, wohl zum Feuermachen, oder für gesundheitliche Anwendungen.

 

Zunderschwamm – Inhaltsstoffe

Bevor wir zu den wichtigsten gesundheitlichen Vorteilen des Vitalpilzes kommen, werfen wir einen Blick auf die Inhaltsstoffe. Was macht den Pilz so wertvoll und so gesund?

Seine wichtigsten Inhaltsstoffe sind:

  • ß-Glukane (ß-1,3-1,6-Glukan)
  • Chitin & Chitosan
  • Melanine
  • Hyaluronsäure
  • Ballaststoffe

 

ß-Glukane

ß-Glukane sind für die Darmflora und für das Immunsystem wertvolle Ballaststoffe. Die in Pilzen gängigen sehr großen ß-Glukan-Moleküle sind als bioaktiver und effektiver einzuschätzen, als die in Getreide vorliegenden Varianten.

Von den ß-Glukanen ist bekannt, dass sie das Immunsystem modulieren und regulieren können, ihnen wird eine tumorpräventive Wirkung nachgesagt, sie senken den Cholesterinspiegel, helfen beim Schutz vor Infektionen, fördern die Wundheilung und eine gesunde Verdauung.

 

Chitin und Chitosan

Chitin und Chitosan sind Polymere aus N-Acetyl-Glucosamin und D-Glucosamin. Chitosan ähnelt molekular gesehen der Cellulose, während Chitin variabler ist und neben Pilzen auch im Exoskelett von Insekten vorkommt.

Beide Stoffe konnten in Studien folgende Vorteile zeigen:

  • Regenerierend auf Haut und Wunden
  • Wachstumsförderung von Nervenzellen und Blutgefäßen
  • Anti-Aging
  • Förderung der Darmgesundheit
  • Fettbindende Wirkung (wird daher gerne zum Abnehmen verwendet)
  • Antioxidativ
  • Blutzuckerregulierend

In der Medizin wird auf Chitin und Chitosan bei offenen Wunden und Verletzungen zurückgegriffen. Chitosan absorbiert dabei an Entzündungssstellen freigseetzte Protonen, während Chitin einen Entzündungsstoff namens Bradykinin neutralisiert.

In der Abnehm-Branche werden viele Fatbinder-Präparate auf Basis von Chitin & Chitosan verkauft. Diese Anwendung empfehle ich jedoch nicht – nachhaltig und schnell abnehmen geht anders und natürlicher.

 

Melanine

Melanine sind eine Klasse von natürlichen, dunklen Pigmenten, die zum Schutz vor UV-Licht gebildet werden. Auch wir Menschen bilden Melanin, wenn wir regelmäßig in die Sonne gehen, und kehren daher aus dem Sommerurlaub braun zurück.

In Heilpilzen wie Reishi, Chaga und dem Zunderschwamm kommen Melanine auch vor, mit demselben Zweck.

Sie hören zu den stärksten Antioxidantien in der Natur und sind für uns von unschätzbarem Wert, wenn wir zu diesen Nahrungs(ergänzungs)mitteln greifen, denn auch unser Körper kann sie verwerten und nutzen.

Sie schützen den Körper auch vor radioaktiver Strahlung und möglicherweise auch vor elektromagnetischer Strahlung (WLAN & Co.).

Ihre Bindeeigenschaften hinsichtlich Schwermetalle und Umweltgiften wird bereits länger genutzt, um Wasser zu reinigen – aktuell gibt es sogar Experimente in Kläranlagen und Krankenhaus-Abwässern.

 

Hyaluronsäure

Diesen Stoff werden viele hier unerwartet sehen, doch er konnte im Zunderschwamm nachgewiesen werden. Hyaluronsäure ist ein Polymer mit starken wasserbindenden Eigenschaften, die für unsere Haut, Knorpel und Gelenke wichtig sind. Daher wird die Hyaluronsäure verbreitet im Anti-Aging-Bereich, jedoch auch bei Gelenkbeschwerden eingesetzt.

 

Ballaststoffe

Weitere Ballaststoffe im Zunderschwamm mit vorteilhaften Eigenschaften für die Gesundheit sind Cellulose und Hemicellulose sowie α-Glukane. Sie helfen bei der Regulation eines gesunden Cholesterinspiegels, fördern die Darmflora, sättigen, sind gut für Entgiftung und Galle, und lassen nach einer Mahlzeit den Blutzucker weniger rasant ansteigen.

Zunderschwamm auf umgestürztem Baumstamm

Ein älteres, aber schön anzusehendes Exemplar.

 

Gesundheitliche Vorteile des Zunderschwamms

Aus der traditionellen chinesischen Medizin und der europäischen Naturheilkunde sind viele gesundheitsfördernde Eigenschaften des Zunderschwamms überliefert. Diese werden durch moderne wissenschaftliche Studien immer mehr bestätigt und ergänzt.

Er ist sicherlich nicht so gut untersucht wie der bekanntere Reishi oder Cordyceps, aber es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass der Zunderschwamm gesund und wertvoll eingesetzt werden kann.

Während er in der chinesischen Medizin bei Magen- und Leberproblemen sowie bei Entzündungen eingesetzt wurde, verwendeten ihn die amerikanischen Ureinwohner als Diuretikum, Abführmittel, Beruhigungsmittel und bei rheumatischen Erkrankungen.

In Europa ist er als Naturheilmittel bekannter und wird aufgrund seiner blutstillenden und entzündungshemmenden Wirkung geschätzt. Als Wundverband oder -kompresse wirkt er lindernd, abschwellend, blutungsstillend und desinfizierend in einem.

Innerlich eingesetzt, kann von folgenden Vorteilen ausgegangen werden, die in Studien und der klinischen Praxis bekannt sind:

  • Fördert die Immunabwehr
  • Reguliert Blutzucker und Cholesterinspiegel
  • Antibakteriell
  • Antiviral
  • Antioxidativ
  • Entzündungshemmend
  • Schmerzlindernd
  • Entgiftend
  • Thrombolytisch (löst Blutgerinnsel auf)
  • Bindet Umweltgifte und Schwermetalle

Zusammengefasst ist der Zunderschwamm ein gesundes Hausmittel, das akut und dauerhaft bei verschiedenen Zielsetzungen eingesetzt werden kann.

Die meisten Anwender schätzen ihn für seine vielfältigen Vorteile, die nur wenige Heilpilze vereinen.

 

Anwendung im Alltag: Tee, Tinktur, Extrakt

Den Zunderschwamm im Wald zu entdecken, ist mit einem guten Pilzführer und geübtem Auge nicht schwer. Junge Exemplare können mit einem Messer entfernt, getrocknet und geschnitten oder vermahlen werden. Ältere Exemplare sind meist zu holzig dafür.

Rohe Pilzpulver einzunehmen, wird nicht empfohlen, da Pilze in keiner Naturmedizin der Welt roh eingenommen wurden, sondern nur verarbeitet. Bei der Extraktion oder Erhitzung steigt die Bioverfügbarkeit der Inhaltsstoffe an, da durch den Prozess die Pilzzellen aufgeschlossen werden – unser Verdauungsapparat kann das leider nicht.

Außerdem werden beim Erhitzen oder Extrahieren mögliche Parasiten oder Wurmeier abgetötet (ab 60°C) – diese sind zwar sehr selten, aber es kann vorkommen.

Zur Einnahme eigens gesammelter Exemplare empfiehlt sich täglich 1-2 Tassen eines Suds/Tees aus Zunderschwamm (1-2 TL Pulver/Stücke in 500-800 ml Wasser, 20-30min. geköchelt), oder eines guten Extrakts (z.B. GFP-Komplex). Der Tee kann mit Ingwer und Honig verfeinert werden.

Für eine Tinktur kann das Pulver oder Pilz-Stücke in ein großes Einmachglas gefüllt werden. Alles mit 70 % Ethanol oder DMSO übergießen und oben mindestens 2 Zentimeter Flüssigkeit lassen (beugt Schimmel vor). Eine DMSO-Tinktur sollte mindestens 2 Wochen, eine Alkohol-Tinktur mindestens 12 Wochen an einem ruhigen und geschützten Ort durchziehen. Täglich dann 1-2 Teelöffel Tinktur in Wasser geben und trinken.

Hydrolate aus dem Zunderschwamm und Birkenporling werden auch hier und da hergestellt, sind aber selten (jedoch sehr effektiv).

Vitalpilze können zwar problemlos längerfristig eingenommen werden – da in der Natur und im Körper alles in Zyklen verläuft, wird empfohlen, nach 8 Wochen Einnahme eine Pause von 1-2 Wochen einzulegen.

 

Zunderschwamm-Produkte – Der GFP-Komplex

Neben der Firma Zunderschwamm-Naturprodukte GmbH, welche den Pilz im Frankenwald züchtet und verarbeitet, gibt es noch ein weiteres erwähnenswertes Produkt:

Ein sehr gutes und etabliertes Produkt mit Zunderschwamm-Extrakt ist der GFP-Komplex der Firma Good Feeling Products.

Der Zunderschwamm wird dabei in Deutschland wild geerntet und schonend verarbeitet und extrahiert. Dabei werden die Ballaststoffe und Melanine aus der äußeren Zellschicht der Pilzzellen extrahiert – das fertige Produkt ist ein braunes, fluffiges Pulver, das in Wasser eingerührt angenehm erdig schmeckt.

Der GFP-Komplex ist reich an ß-Glukanen (40 %), Melaninen (ca. 20-25 %) und weiteren Ballaststoffen und Antioxidantien.

Wer das Produkt testen möchte, kann gerne mit Lydia Dust (lydia.dust@t-online.de) Kontakt aufnehmen oder hier bestellen. Die Einnahme wird über einen Zeitraum von 2-3 Monaten empfohlen, um Langzeiteffekte spüren zu können.

Neben dem GFP-Komplex gibt es auch Naturkosmetik mit dem Zunderschwamm (lindernd, regenerierend, Anti-Aging).

 

Fazit

Der Zunderschwamm ist ein bei uns verbreiteter Baumpilz, der auch für seine gesundheitlichen Eigenschaften geschätzt wird. Seine Anwendungsgebiete umfassen Immunstärkung, Verdauung, Entgiftung, Schadstoffbindung, Antioxidation und Anti-Aging.

Bereits Ötzi trug Zunderschwamm und Birkenporling bei sich – ein Zufall? Eher nicht.

Der Pilz kann zu einem Tee, Sud oder Tinktur verarbeitet oder als Extrakt eingenommen werden.

Wie sind Deine Erfahrungen mit dem Zunderschwamm? Habe ich etwas Wichtiges im Beitrag vergessen? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

 

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