Der Zunderschwamm (Fomes fomentarius) ist ein in Europa, Nordamerika und Asien heimischer Baumpilz, der aufgrund seiner potenziellen gesundheitlichen Vorzüge zu den Heil- bzw. Vitalpilzen gezählt wird. Seine Verwendung in der Naturheilkunde reicht vermutlich mehrere Jahrtausende zurück.
Seine Extrakte und Tinkturen werden seit jeher für verschiedene gesundheitliche Zwecke eingesetzt, unter anderem zur Unterstützung des Immunsystems, der Entgiftung und Verdauung sowie bei Entzündungen, Parasiten und Infektionen. Als Zunder wird der Pilz bereits seit der Steinzeit genutzt.
In diesem Beitrag erfährst Du alles Wichtige über den Zunderschwamm, seine potenziellen Vorteile und wie Du ihn im Alltag für Deine Gesundheit nutzen kannst.
Der Zunderschwamm – Aussehen und Biologie
Der Zunderschwamm (Fomes fomentarius), auch Donnerpilz genannt, ist ein auch bei uns weit verbreiteter Baumpilz. Zusammen mit dem Birkenporling und der Schmetterlingstramete gehört er zu den häufigsten Baumpilzen in deutschen Wäldern. Er wächst vor allem auf Buchen und anderen Laubbäumen, seltener auf Nadelbäumen.
Als Mitglied der Stielporlingsverwandten besiedelt er geschwächte Laubbäume und bildet an den Stämmen dicke, ledrige Fruchtkörper, die bis zu 30 Jahre alt werden und einen Durchmesser von 30 bis 40 cm erreichen können.
Der Zunderschwamm ist ein Weißfäulepilz, der den Holzbestandteil Lignin abbaut. Da er die weiß gefärbte Zellulose zurücklässt, entstand die Bezeichnung „Weißfäulepilz“.
Er wird häufig mit anderen Porlingen verwechselt. Eindeutig identifizieren lässt er sich unter anderem durch einen chemischen Test: Der Pilz besitzt außen eine graue bis schwarze Kruste. Der Farbstoff Fomentariol ist dort in hoher Konzentration enthalten. Bei Kontakt mit Kaliumhydroxid färbt sich die Kruste blutrot.
Das Innere des Pilzes wird Trama genannt. Daraus wurde früher Zunder hergestellt (mehr dazu später).

Namensherkunft und Historie
Der Name Zunderschwamm verrät bereits seine ursprünglich wichtigste Verwendung: Aus seiner Trama (dem „Innenleben“) wurde bis in die frühe Neuzeit – also bis zur Erfindung der Streichhölzer – Zunder hergestellt.
Bis ins 19. Jahrhundert war der Beruf des Zundermachers weit verbreitet, und in großen Manufakturen wurde Zunder hergestellt. In einem aufwendigen Verfahren wurde die Tramaschicht eingeweicht, gekocht, geklopft, chemisch behandelt (mit Salpetersäure oder Urin) und anschließend getrocknet. Die daraus entstehende Masse ist leicht entzündlich.
Auch unabhängig von dieser Verarbeitung hatte und hat der Pilz eine wichtige Funktion: Wird ein großer Fruchtkörper ausgehöhlt, kann darin Glut zum Entzünden oder Erhalten eines Feuers transportiert und aufbewahrt werden. Bei heute noch nomadisch lebenden Naturvölkern lässt sich dies teilweise noch beobachten.
Der älteste Nachweis des Zunderschwamms in Europa stammt von der Gletschermumie Ötzi. Ötzi (ca. 3300 v. Chr.) trug mehrere Stücke Zunderschwamm bei sich – vermutlich zum Feuermachen oder für gesundheitliche Anwendungen.
Zunderschwamm – Inhaltsstoffe
Bevor wir zu den wichtigsten gesundheitlichen Vorteilen des Vitalpilzes kommen, werfen wir einen Blick auf die Inhaltsstoffe. Was macht den Pilz so wertvoll und gesund?
Seine wichtigsten Inhaltsstoffe sind:
- ß-Glukane (ß-1,3-1,6-Glukan)
- Chitin & Chitosan
- Melanine
- Hyaluronsäure
- Ballaststoffe
ß-Glukane
ß-Glukane sind wertvolle Ballaststoffe für die Darmflora und das Immunsystem. Die in Pilzen vorkommenden, sehr großen ß-Glukan-Moleküle gelten als bioaktiver und wirksamer als die Varianten, die in Getreide enthalten sind.
Von ß-Glukanen ist bekannt, dass sie das Immunsystem modulieren und regulieren können. Ihnen werden zudem tumorpräventive Eigenschaften zugeschrieben. Außerdem können sie den Cholesterinspiegel senken, vor Infektionen schützen, die Wundheilung fördern und eine gesunde Verdauung unterstützen.
Chitin und Chitosan
Chitin und Chitosan sind Polymere aus N-Acetylglucosamin bzw. D-Glucosamin. Chitosan ähnelt molekular der Cellulose, während Chitin variabler aufgebaut ist und neben Pilzen auch im Exoskelett von Insekten vorkommt.
Beide Stoffe konnten in Studien folgende Vorteile zeigen:
- Förderung der Regeneration von Haut und Wunden
- Förderung des Wachstums von Nervenzellen und Blutgefäßen
- Anti-Aging-Effekte
- Förderung der Darmgesundheit
- Fettbindende Wirkung (weshalb sie häufig zum Abnehmen eingesetzt werden)
- Antioxidative Eigenschaften
- Regulierung des Blutzuckers
In der Medizin werden Chitin und Chitosan bei offenen Wunden und Verletzungen eingesetzt. Chitosan absorbiert dabei an Entzündungsstellen freigesetzte Protonen, während Chitin den Entzündungsmediator Bradykinin neutralisiert.
In der Abnehmbranche werden zahlreiche Fatbinder-Präparate auf Basis von Chitin und Chitosan verkauft. Diese Anwendung empfehle ich jedoch nicht – nachhaltig und gesund abzunehmen funktioniert anders.
Melanine
Melanine sind natürliche, dunkle Pigmente, die zum Schutz vor UV-Licht gebildet werden. Auch wir Menschen produzieren Melanin, wenn wir regelmäßig in die Sonne gehen, und kehren deshalb nach dem Sommerurlaub mit gebräunter Haut zurück.
Auch Heilpilze wie Reishi, Chaga und der Zunderschwamm enthalten Melanine – mit demselben Zweck.
Sie gehören zu den stärksten Antioxidantien der Natur und sind für uns von großem Wert, wenn wir diese Nahrungs(ergänzungs)mittel konsumieren, da unser Körper sie ebenfalls verwerten und nutzen kann.
Außerdem schützen sie den Körper vor radioaktiver Strahlung und möglicherweise auch vor elektromagnetischer Strahlung (WLAN & Co.).
Ihre Bindungseigenschaften gegenüber Schwermetallen und Umweltgiften werden bereits seit Längerem zur Wasseraufbereitung genutzt. Aktuell gibt es sogar Experimente in Kläranlagen und mit Krankenhausabwässern.
Hyaluronsäure
Viele werden diesen Stoff im Zunderschwamm nicht erwarten, doch er konnte darin nachgewiesen werden. Hyaluronsäure ist ein Polymer mit einer hohen Wasserbindungsfähigkeit, die für Haut, Knorpel und Gelenke wichtig ist. Deshalb wird Hyaluronsäure häufig im Anti-Aging-Bereich, aber auch bei Gelenkbeschwerden eingesetzt.
Ballaststoffe
Weitere Ballaststoffe im Zunderschwamm mit vorteilhaften Eigenschaften für die Gesundheit sind Cellulose, Hemicellulose sowie α-Glukane. Sie tragen zur Regulation eines gesunden Cholesterinspiegels bei, fördern die Darmflora, sorgen für ein lang anhaltendes Sättigungsgefühl, unterstützen Entgiftung und Gallenfunktion und lassen den Blutzucker nach einer Mahlzeit weniger stark ansteigen.

Ein älteres, aber schön anzusehendes Exemplar
Gesundheitliche Vorteile des Zunderschwamms
Aus der Traditionellen Chinesischen Medizin und der europäischen Naturheilkunde sind viele gesundheitsfördernde Eigenschaften des Zunderschwamms überliefert. Diese werden durch moderne wissenschaftliche Studien zunehmend bestätigt und ergänzt.
Er ist zwar nicht so gut untersucht wie die bekannteren Heilpilze Reishi oder Cordyceps, dennoch kristallisiert sich immer deutlicher heraus, dass der Zunderschwamm gesundheitsfördernd und vielseitig eingesetzt werden kann.
Während er in der Traditionellen Chinesischen Medizin bei Magen- und Leberbeschwerden sowie Entzündungen eingesetzt wurde, verwendeten ihn die amerikanischen Ureinwohner als Diuretikum, Abführmittel, Beruhigungsmittel und bei rheumatischen Erkrankungen.
In Europa ist er vor allem als Naturheilmittel bekannt und wird aufgrund seiner blutstillenden und entzündungshemmenden Eigenschaften geschätzt. Als Wundverband oder -kompresse wirkt er lindernd, abschwellend, blutstillend und desinfizierend.
Innerlich angewendet werden ihm auf Grundlage von Studien und klinischen Erfahrungen unter anderem folgende Eigenschaften zugeschrieben:
- Förderung der Immunabwehr
- Regulierung von Blutzucker und Cholesterinspiegel
- Antibakterielle Wirkung
- Antivirale Wirkung
- Antioxidative Wirkung
- Entzündungshemmende Wirkung
- Schmerzlindernde Wirkung
- Entgiftende Eigenschaften
- Thrombolytische Wirkung (Auflösung von Blutgerinnseln)
- Bindung von Umweltgiften und Schwermetallen
Zusammengefasst ist der Zunderschwamm ein vielseitiges Naturheilmittel, das sowohl akut als auch langfristig bei verschiedenen gesundheitlichen Zielsetzungen eingesetzt werden kann.
Die meisten Anwender schätzen ihn wegen seiner vielfältigen Eigenschaften, die nur wenige Heilpilze in dieser Kombination vereinen.
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Anwendung im Alltag: Tee, Tinktur, Extrakt
Den Zunderschwamm im Wald zu entdecken, ist mit einem guten Pilzführer und etwas Übung nicht schwer. Junge Exemplare lassen sich mit einem Messer entfernen, trocknen und anschließend schneiden oder zu Pulver vermahlen. Ältere Exemplare sind dafür meist zu holzig.
Rohes Pilzpulver einzunehmen wird nicht empfohlen, da Pilze in keiner Naturheilkunde der Welt roh verwendet, sondern stets verarbeitet wurden. Durch Extraktion oder Erhitzung steigt die Bioverfügbarkeit der Inhaltsstoffe, weil dabei die Pilzzellen aufgeschlossen werden – unser Verdauungssystem kann das nur eingeschränkt leisten.
Außerdem werden beim Erhitzen oder Extrahieren mögliche Parasiten oder Wurmeier abgetötet (ab 60 °C). Diese kommen zwar nur sehr selten vor, können jedoch vorkommen.
Zur Einnahme selbst gesammelter Exemplare empfehlen sich täglich ein bis zwei Tassen eines Suds bzw. Tees aus Zunderschwamm (1–2 TL Pulver oder Stücke auf 500–800 ml Wasser, 20–30 Minuten köcheln lassen) oder ein hochwertiger Extrakt (z. B. GFP-Komplex). Der Tee kann mit Ingwer und Honig verfeinert werden.
Für eine Tinktur können das Pulver oder die Pilzstücke in ein großes Einmachglas gefüllt werden. Anschließend alles mit 70%igem Ethanol oder DMSO übergießen und darauf achten, dass oberhalb des Pilzmaterials mindestens zwei Zentimeter Flüssigkeit stehen bleiben, um Schimmelbildung vorzubeugen. Eine DMSO-Tinktur sollte mindestens zwei Wochen, eine Alkoholtinktur mindestens zwölf Wochen an einem ruhigen und geschützten Ort ziehen. Anschließend täglich ein bis zwei Teelöffel der Tinktur in Wasser geben und trinken.
Hydrolate aus Zunderschwamm und Birkenporling werden ebenfalls vereinzelt hergestellt. Sie sind jedoch selten, gelten aber als sehr effektiv.
Vitalpilze können zwar problemlos über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Da jedoch in der Natur und im Körper vieles in Zyklen verläuft, empfiehlt es sich, nach acht Wochen Einnahme eine Pause von ein bis zwei Wochen einzulegen.
Zunderschwammprodukte: GFP-Komplex
Neben der Firma Zunderschwamm-Naturprodukte GmbH, die den Pilz im Frankenwald züchtet und verarbeitet, gibt es noch ein weiteres erwähnenswertes Produkt: den GFP-Komplex der Firma Good Feeling Products.
Der Zunderschwamm wird dabei in Deutschland wild geerntet sowie schonend verarbeitet und extrahiert. Dabei werden Ballaststoffe und Melanine aus der äußeren Zellschicht der Pilzzellen gewonnen. Das fertige Produkt ist ein braunes, fluffiges Pulver, das angenehm erdig schmeckt, wenn es in Wasser eingerührt wird.
Der GFP-Komplex ist reich an ß-Glukanen (40 %), Melaninen (ca. 20–25 %) sowie weiteren Ballaststoffen und Antioxidantien.
Die Einnahme wird über einen Zeitraum von 2 bis 3 Monaten empfohlen, um Langzeiteffekte spüren zu können.
Neben dem GFP-Komplex gibt es auch Naturkosmetik mit dem Zunderschwamm (lindernd, regenerierend, Anti-Aging).
Fazit
Der Zunderschwamm ist ein bei uns weit verbreiteter Baumpilz, der auch für seine gesundheitlichen Eigenschaften geschätzt wird. Zu seinen Anwendungsgebieten zählen unter anderem die Unterstützung des Immunsystems, der Verdauung und Entgiftung sowie die Bindung von Schadstoffen. Darüber hinaus werden ihm antioxidative und Anti-Aging-Eigenschaften zugeschrieben.
Bereits Ötzi trug Zunderschwamm und Birkenporling bei sich – Zufall? Eher nicht.
Der Pilz kann zu Tee, Sud oder Tinktur verarbeitet oder als Extrakt eingenommen werden.
Welche Erfahrungen hast Du mit dem Zunderschwamm gemacht? Habe ich etwas Wichtiges in diesem Beitrag vergessen? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!
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- Gesund mit Heilpilzen: Immunsystem stärken, Krankheiten heilen und Beschwerden lindern Mit den 22 wichtigsten Pilzen – von Cordyceps bis Shiitake von Philip Rebensburg und Andreas Kappl | 22. Januar 2020
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