Die Schilddrüse ist ein kleines, schmetterlingsförmiges Organ im vorderen Halsbereich, das zahlreiche Stoffwechselprozesse im Körper steuert und dabei auch den Kreislauf, die Verdauung und die Psyche beeinflusst.
Bei einer Überfunktion der Schilddrüse – auch Hyperthyreose genannt – produziert die Schilddrüse zu viele Hormone. In der Folge steigen die Spiegel der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) im Blut stark an, was den Stoffwechsel auf Hochtouren bringt. Die Erkrankung kann sich durch verschiedene Symptome äußern. Zu den typischen Beschwerden zählen: Schlafstörungen, Nervosität und ungewollter Gewichtsverlust.
In seltenen Fällen kann eine Hyperthyreose zu einer thyreotoxischen Krise führen. Das ist eine sehr schwere Form einer Schilddrüsenerkrankung, bei der die Schilddrüse plötzlich eine gefährlich hohe Menge an Hormonen freisetzt. Diese Krise wird meist durch Faktoren wie Infektionen, Herzinfarkte, Schlaganfälle, chirurgische Eingriffe oder starken Stress ausgelöst. Eine thyreotoxische Krise ist ein medizinischer Notfall und sollte sofort medizinisch behandelt werden.
In diesem Beitrag gebe ich Dir einen ersten Überblick über die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten dieser häufigen, aber oft unterschätzten Erkrankung.
Ursachen einer Hyperthyreose
Morbus Basedow
Die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenüberfunktion ist die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow. Bei dieser Schilddrüsenerkrankung bildet der Körper Antikörper gegen die eigene Schilddrüse [2]. Diese Antikörper stimulieren den sogenannten TSH-Rezeptor auf den Schilddrüsenzellen. Die Antikörper, auch TRAK (TSH-Rezeptor-Antikörper) genannt, docken in der Schilddrüse an den selben Rezeptorenwie das schilddrüsenstimulierende Hormon TSH an. Das Hormon TSH wird von der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) zur Steuerung der Hormonproduktion in der Schilddrüse gebildet. Indem die TRAK an die TSH-Rezeptoren binden, ahmen sie die Wirkung des körpereigenen TSH nach. Sie regen die Produktion der Schilddrüsenhormone an, und zwar unabhängig von der regulierenden Kontrolle des Gehirns. Infolgedessen kommt es zu einer Überfunktion der Schilddrüse und einer Erhöhung der Schilddrüsenhormone T3 und T4 im Blut.

Schilddrüsenautonomie
Bei der Schilddrüsenautonomie entzieht sich das Schilddrüsengewebe der Steuerung durch übergeordnete Hirnzentren wie den Hypothalamus und die Hypophyse. Das bedeutet: Die Hormonproduktion erfolgt unkontrolliert, also unabhängig vom tatsächlichen Bedarf des Körpers.
Fachleute unterscheiden drei Formen der Schilddrüsenautonomie:
- Disseminierte Schilddrüsenautonomie: In der gesamten Schilddrüse befindet sich autonomes Gewebe, das unkontrolliert Hormone bildet.
- Unifokale Schilddrüsenautonomie: Die autonome Hormonproduktion geht von einem einzigen gutartigen Knoten aus, dem sogenannten autonomen Adenom. Dieser Knoten wird als heißer Knoten bezeichnet, da er vermehrt Hormone produziert und damit die Schilddrüse übermäßig stimuliert.
- Multifokale Schilddrüsenautonomie: Es bestehen mehrere autonome, gutartige Knoten, die unabhängig vom Gehirn Schilddrüsenhormone freisetzen. Diese Knoten sind ebenfalls als heiße Knoten bekannt.
Im Gegensatz dazu produziert ein kalter Knoten keine Schilddrüsenhormone und ist in der Regel nicht an der Überproduktion von Hormonen beteiligt.
Als Ursache einer Schilddrüsenautonomie werden Mutationen diskutiert, wobei das Auftreten solcher Mutationen durch einen Jodmangel begünstigt werden kann.
Weitere Ursachen einer Schilddrüsenüberfunktion
Neben Morbus Basedow und der Schilddrüsenautonomie kann eine Überfunktion durch folgende Ursachen bedingt sein:
- Entzündung der Schilddrüse (Thyreoiditis).
- Schilddrüsenkrebs: In seltenen Fällen kann ein bösartiger Tumor zu einer Überproduktion von Hormonen führen.
- Übermäßige Jodzufuhr: Zum Beispiel durch jodhaltige Medikamente wie Amiodaron (gegen Herzrhythmusstörungen) oder jodhaltige Kontrastmittel bei bildgebenden Verfahren.
- Gutartiger Tumor der Hypophyse (Hypophysenadenom): Dieser kann zu einer erhöhten Produktion von TSH führen, was die Schilddrüse übermäßig stimuliert.
- Überdosierung von Schilddrüsenhormonen: Eine zu hohe Einnahme von L-Thyroxin, etwa bei der Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion, kann ebenfalls eine Überfunktion auslösen.
Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion
Ein Überschuss an Schilddrüsenhormonen beschleunigt die Stoffwechselprozesse in zahlreichen Organen und Körpersystemen. Entsprechend vielfältig und unspezifisch können die Symptome einer Überfunktion der Schilddrüse ausfallen. Folgende Beschwerden können auftreten:
- Nervosität und/oder Gereiztheit
- Zittern
- Warme/feuchte Haut und Schweißausbrüche
- Überempfindlichkeit gegenüber Wärme
- Schlaflosigkeit
- hoher Blutdruck
- Herzrasen, manchmal auch Herzrhythmusstörungen
- Kurzatmigkeit
- Gewichtsabnahme (trotz Heißhunger)
- Häufiger Stuhlgang, Durchfall
- Haarausfall, brüchige Nägel
- Schwäche, Müdigkeit, Leistungsabfall
- Muskelschwäche, Kraftlosigkeit
Bei Morbus Basedow können neben den typischen Symptomen einer Hyperthyreose noch weitere, charakteristische Beschwerden auftreten. Dazu zählen:
- Exophthalmus (hervortretende Augen)
- Sehstörungen
- Fremdkörpergefühl in den Augen
- Lichtscheu, Tränenfluss
- Druckgefühl, Rötung der Augenbindehaut
- Lidschwellungen
- Vergrößerung der Schilddrüse (Struma)

Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion bei Frauen
Männer und Frauen können bei einer Schilddrüsenüberfunktion ähnliche Symptome zeigen, wie zum Beispiel Gewichtsverlust, Nervosität, erhöhte Herzfrequenz und vermehrtes Schwitzen. Es gibt jedoch auch einige geschlechtsspezifische Unterschiede, die bei der Symptomatik auftreten können. Tendenziell sind Frauen häufiger von einer Schilddrüsenüberfunktion betroffen als Männer.
Bei einer Schilddrüsenüberfunktion bei Frauen kann es zu Menstruationsstörungen kommen, die bis zum Ausbleiben der Menstruation (Amenorrhö) führen können.
Zudem kann eine Schilddrüsenüberfunktion auch die Fruchtbarkeit der Frau beeinträchtigen. Zusätzlich besteht ein erhöhtes Risiko für Schwangerschaftskomplikationen, wie zum Beispiel Bluthochdruck, Präeklampsie und Wachstumsstörungen des Fötus.
Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion bei Männern
Bei Männern äußert sich eine Schilddrüsenüberfunktion häufig durch die gleichen klassischen Symptome wie bei Frauen, allerdings können einige Beschwerden bei Männern anders ausgeprägt sein oder seltener erkannt werden. Zu den männerspezifischen Symptomen zählen:
- Libidoverlust (vermindertes sexuelles Verlangen)
- Erektionsstörungen, Ejakulationsstörungen
- Gynäkomastie (vergrößertes Brustdrüsengewebe) – bei 10 bis 40 % aller betroffenen Männer
- Muskelschwund, oft unterschätzt und fälschlich als altersbedingt angesehen
- psychische Veränderungen, die als Depression oder Burnout fehlinterpretiert werden können
Die Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion entwickeln sich oft schleichend und werden bei Männern selten frühzeitig mit einer Schilddrüsenüberfunktion in Verbindung gebracht.
Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion bei Kindern
Bei Kindern tritt eine Schilddrüsenüberfunktion nur sehr selten auf. Die Symptome der Hyperthyreose hängen vom Alter des Kindes ab.
Bei Neugeborenen können folgende Symptome auftreten:
- schnelle Herzfrequenz
- beschleunigte Atmung
- Reizbarkeit des Säuglings
- verstärkter Appetit jedoch geringe Gewichtszunahme
- kleiner Kopf
- Gedeihstörungen
- Erbrechen, Durchfall
- hervortretende Augen
Bei Kindern und Jugendlichen kann es zu folgenden Beschwerden kommen:
- geringe Konzentrationsfähigkeit
- Hyperaktivität
- Schlafstörungen
- Schwitzen
- Erschöpfung und Müdigkeit
- Gewichtsabnahme
- Herzrasen und Bluthochdruck
- Häufiger Stuhlgang
- Zittern
- Kropf (vergrößerte Schilddrüse)
- Hervorgetretene Augen
Therapie bei einer Schilddrüsenüberfunktion
Die Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung, der zugrunde liegenden Ursache sowie den individuellen Bedürfnissen und Wünschen des Patienten. Auch Schwangerschaft und Stillzeit beeinflussen die Wahl der Therapie maßgeblich: In diesen Fällen ist eine Radiojodtherapie kontraindiziert, da das radioaktive Jod das ungeborene Kind oder den Säugling schädigen könnte. Bei einer Schilddrüsenautonomie kommt häufig die Radiojodtherapie zum Einsatz, da sie gezielt das überaktive Gewebe zerstört.
Ist die Schilddrüse hingegen stark vergrößert (Struma) oder liegen mechanische Beschwerden vor, wird in der Regel zu einer Operation geraten.
Bei Morbus Basedow kann zunächst eine medikamentöse Behandlung über etwa ein Jahr ausreichen, um die Schilddrüsenfunktion zu normalisieren. In vielen Fällen ist jedoch im Anschluss eine definitive Therapie wie eine Radiojodtherapie oder Operation notwendig, um einen Rückfall zu verhindern und die Hormonproduktion dauerhaft zu regulieren.
Medikamentöse Therapie
Bei einer Schilddrüsenüberfunktion stellt die medikamentöse Senkung der Hormonproduktion in der Regel den ersten therapeutischen Schritt dar. Zum Einsatz kommen sogenannte Thyreostatika. Diese Medikamente verhindern in der Schilddrüse die Aufnahme von Jod in die Schilddrüsenhormone und verlangsamen dadurch deren Neubildung.
Radiojodtherapie
Bei der Radiojodtherapie wird radioaktives Jod in Kapselform eingenommen. Es reichert sich gezielt in der Schilddrüse an und zerstört dort die überaktiven Zellen, die zu viele Hormone produzieren. Da Patienten während der Behandlung radioaktives Jod auch über Urin, Schweiß und Speichel ausscheiden, erfolgt die Therapie unter stationärer Isolation. Damit wird der Strahlenschutz für andere Personen gewährleistet. Die Radiojodtherapie wird vor allem bei Patienten mit einer mäßig vergrößerten Schilddrüse und ausgeprägter Knotenstruktur angewandt.
Eine häufige Folge der Behandlung ist eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Das resultiert daraus, dass das Schilddrüsengewebe durch das radioaktive Jod dauerhaft geschädigt wird und anschließend weniger Hormone produziert. [1]
Operation
Das operative Verfahren ermöglicht eine dauerhafte und schnelle Entfernung des krankhaften Gewebes. Ein Vorteil dieser Methode ist, dass neben der Hormonüberproduktion auch andere krankhafte Befunde wie Knoten und Zysten gleichzeitig behandelt werden können.
Die Schilddrüsenoperation bei Überfunktionszuständen sollte jedoch nur nach einer Normalisierung der Hormonproduktion durch Medikamente, meist durch die Gabe von Thyreostatika, durchgeführt werden. Dies minimiert das Risiko von Komplikationen.
Ist nur ein einzelner autonomer Knoten (Adenom) für die Schilddrüsenüberfunktion verantwortlich, reicht es in der Regel aus, nur diesen Knoten oder die betroffene Hälfte der Schilddrüse zu entfernen. Ist hingegen die gesamte Schilddrüse vergrößert und von autonomem Gewebe oder mehreren Knoten durchsetzt, wird das Organ meist komplett oder bis auf einen kleinen Rest entfernt.
Wird bei einer Basedow-Krankheit eine operative Behandlung notwendig, erfolgt in der Regel eine komplette Entfernung der Schilddrüse, um eine dauerhafte Normalisierung der Hormonproduktion zu gewährleisten.
Alternative Therapiemöglichkeiten
Als Alternative zur Radiojodtherapie oder Operation können bei bestimmten Befunden auch sogenannte lokale nicht-operative Behandlungsverfahren zur Anwendung kommen. Lokale Therapien kommen nur bei lokal begrenzten krankhaften Veränderungen der Schilddrüse zum Einsatz. Das sind z. B. symptomatische Schilddrüsenknoten, Schilddrüsenzysten oder hormonell aktive Schilddrüsenadenome. Bei Erkrankungen der gesamten Schilddrüse (z.B. Morbus Basedow) oder krebsverdächtigen Knoten können die lokalen Therapien nicht angewendet werden.
Allen Methoden liegt das gemeinsame Prinzip zugrunde, das krankhafte Gewebe gezielt zu zerstören – sei es chemisch, etwa durch Alkoholinjektion, oder thermisch, beispielsweise mittels Thermoablation.
Durch die gezielte Schädigung wird ein körpereigener Reparaturprozess ausgelöst. Dabei wird das veränderte Gewebe nach und nach abgebaut. Die eigentliche Behandlung sowie die physikalische Einwirkzeit sind in der Regel kurz. Der gewünschte Therapieeffekt tritt jedoch oft erst nach Wochen bis Monaten ein, da der Gewebeabbau Zeit benötigt.
- Deutsches Schilddrüsenzentrum. (2025, 16. Juli). Radiojodtherapie | Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen. https://www.deutsches-schilddruesenzentrum.de/wissenswertes/behandlung/radiojodtherapie/
- Lee, S. Y. & Pearce, E. N. (2023). Hyperthyroidism. JAMA, 330(15), 1472. https://doi.org/10.1001/jama.2023.19052
- Lee, S. Y. & Pearce, E. N. (2023). Hyperthyroidism. JAMA, 330(15), 1472. https://doi.org/10.1001/jama.2023.19052










![GABA – stoppt das Gedankenkarussell [5 effektive Tipps]](https://schnelleinfachgesund.de/media/a3/91/1f/1736254919/Titelbild-Gaba.webp)

![Lebensfreude finden – eine wirksame, kleine Anleitung [+ 7 Tipps]](https://schnelleinfachgesund.de/media/02/g0/fd/1714730784/Lebensfreude-finden-Titelbild.jpg)

