Unerfüllter Kinderwunsch – mögliche Ursachen und Behandlungen

von Martin Auerswald, M.Sc.
Veröffentlicht: Zuletzt bearbeitet:
Unerfüllter Kinderwunsch junges Paar Hände haltend beim Arzt

Ein unerfüllter Kinderwunsch kann Paare sehr belasten. Vor allem, wenn sich bei bekannten oder befreundeten Paaren Nachwuchs ankündigt oder „die Uhr tickt“, ist der Frust groß.

Selbstzweifel und Ängste sind oftmals Begleiter dieser turbulenten Zeit. Manchmal stecken tiefer gehende medizinische Ursachen hinter der scheinbaren Unfruchtbarkeit. In anderen Fällen sind es jedoch weitaus harmlosere Gründe, die eine Empfängnis verhindern. So oder so gibt es viele Dinge, die ihr versuchen könnt, um eure Chancen zu erhöhen.

In diesem Beitrag erfahrt ihr einige davon.

 

Was hat es mit Fruchtbarkeit auf sich?

Viele Paare unterschätzen es, wie lange es natürlicherweise dauert, schwanger zu werden. Sie werden unruhig, obwohl es noch gar keinen Grund dafür gibt – was den weiteren Prozess allerdings erschweren kann.

Bei heute noch lebenden Naturvölkern ist der folgende Umstand bekannt, bei uns „zivilisierten Menschen“ weniger: Selbst bei viel Sex kommt es nur alle 1 bis 3 Jahre zu einer Schwangerschaft, nämlich dann, wenn der Körper bereit dazu ist und die Lebensumstände passen.

Selbst, wenn der Zyklus läuft wie ein Uhrwerk und regelmäßig Geschlechtsverkehr zur Zeit des Eisprungs stattfindet, liegen die Chancen einer Befruchtung nur bei 15 bis 20 Prozent.

Rein statistisch gesehen dauert es also ohnehin etwa 4 bis 6 Monate, bis es zu einer Schwangerschaft kommt. Bei manchen geht es schnell, bei anderen dauert es etwas länger. Vorausgesetzt, die Bedingungen sind optimal.

Kommen weitere Erschwernisse hinzu, wie ein unregelmäßiger Zyklus, eine Gelbkörperschwäche oder Potenzprobleme, kann dies die Empfängnis deutlich verzögern. Schließlich ist es nur an wenigen Tagen des Zyklus möglich, überhaupt schwanger zu werden.

 

Zyklusbeobachtung

Um die fruchtbaren Tage genau zu bestimmen, ist es hilfreich, eine Zyklusbeobachtung durchzuführen. Die Methode dafür nennt sich natürliche Familienplanung und wird von vielen Paaren auch zur hormonfreien Verhütung eingesetzt.

Dafür wird jeden Morgen nach dem Aufwachen die Basaltemperatur über die vaginale Messmethode bestimmt und anschließend in eine Übersicht eingetragen. Während des Eisprungs steigt der Wert an, in den darauffolgenden Tagen fällt er wieder. Zusätzlich können noch der Zervixschleim sowie die Lage und Härte des Muttermundes untersucht werden. Anhand dieser Merkmale ist es mit etwas Erfahrung zuverlässig möglich, den Eisprung vorherzusagen.

Außerdem können auf diese Weise der Zyklus in seiner Gesamtheit gut im Auge behalten und mögliche Unstimmigkeiten aufgedeckt werden. Stellt sich der Zyklus als unregelmäßig heraus, helfen manchmal bereits sanfte pflanzliche Mittel wie Mönchspfeffer, Frauenmantel oder Maca dabei, ihn zu regulieren.

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Ähnliches gilt andererseits für einen niedriger Testosteronspiegel, der die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen kann. Mit einigen Mitteln lassen sich der Testosteronspiegel positiv beeinflussen und sowohl Libido als auch Fruchtbarkeit verbessern. Erst wenn diese relativ unkomplizierten Maßnahmen fehlgeschlagen sind, ergibt es Sinn, weitere Schritte einzuleiten.

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Unerfüllter Kinderwunsch? Psychosoziale Faktoren und Krankheiten

Manchmal kann es psychosoziale Ursachen haben, dass die erwünschte Schwangerschaft ausbleibt. Zu diesen zählen beispielsweise ein hohes Stresslevel oder Depressionen. Auch Essstörungen können eine Schwangerschaft erschweren. Bei Betroffenen, die ein sehr niedriges Gewicht aufweisen, findet teilweise gar kein Eisprung mehr statt. Andere leiden unter sexuellen Funktionsstörungen wie Vaginismus oder Erektionsstörungen.

Doch all diese Probleme sind in vielen Fällen behandelbar. Lasst euch daher frühzeitig von einem Arzt oder einer Ärztin beraten. Durch Stressmanagement, Maßnahmen zur schnelleren Regeneration, Psychotherapie sowie verschiedene natürliche oder synthetische Mittel gegen Erektionsstörungen steht der Schwangerschaft hoffentlich bald nichts mehr im Wege.

Davon abgesehen gibt es natürlich auch diverse körperliche Ursachen für einen ausbleibenden Kinderwunsch (dazu gleich mehr).

Eine Regel besagt: Wenn der Kinderwunsch etwa ein Jahr unerfüllt geblieben ist, ist es sinnvoll, Untersuchungen durchzuführen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Dies erfolgt entweder beim Frauenarzt oder in speziellen Kinderwunschzentren. Dort werden beispielsweise Ultraschalluntersuchungen, Spermiogramme und Zyklusmonitoring durchgeführt.

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Bestimmte Umstände wie Stress können es erschweren, schwanger zu werden.

 

Ursachen für Unfruchtbarkeit und unerfüllten Kinderwunsch

Ein entzündeter Körper paart sich nicht gern. Die Umstände müssen also passen, damit der Körper bereit für eine Empfängnis und Schwangerschaft ist. Im Idealfall besteht kein Stress, liegen keine Krankheiten vor und es sind ausreichend Fettreserven und Nährstoffe vorhanden.

Besonders chronische Entzündungen sind ein Faktor, die einer Schwangerschaft im Weg stehen können. Diese können still sein oder merklich. Von daher ist es ratsam, Entzündungswerte überprüfen zu lassen und nach möglichen Ursachen für chronische Entzündungen im Körper zu suchen.

 

Nährstoffversorgung

Einige Nährstoffe sollten ausreichend vorhanden sein, um eine Schwangerschaft zu ermöglichen. Besonders wichtig sind Omega-3-Fettsäuren, Jod, Vitamin D und B-Vitamine. Überlege, ob sie durch Deine Ernährung ausreichend gedeckt werden, und lasse gegebenenfalls eine Blutuntersuchung durchführen.

 

Schilddrüsenprobleme

Bei einer starken Schilddrüsenunterfunktion oder Hashimoto Thyreoiditis kann aufgrund mangelnder „Energie“ die Fruchtbarkeit eingeschränkt sein. Schilddrüse und Sexualorgane stehen in engem Austausch. Deshalb kann es sein, dass es mit der Schwangerschaft plötzlich klappt, sobald die Schilddrüse wieder reibungslos funktioniert.

 

Elektromagnetische Felder

Studien zufolge hat sich die Spermiendichte in den letzten 40 Jahren halbiert und geht immer weiter zurück [1]. Grund dafür: elektromagnetische Felder wie Handys und WLAN. Spermien sind sehr empfindlich und reagieren auf die Strahlung und die dadurch freigesetzte Wärme.

Daher: LAN statt WLAN und Handy nicht den ganzen Tag in der Hosentasche tragen!

 

Kinderwunschbehandlungen

Kinderwunschzentren und -kliniken können spezielle Kinderwunschbehandlungen durchführen. Allerdings sind die oft mit finanziellem Aufwand verbunden und äußerst kräftezehrend. Aus diesem Grund kommen sie bei vielen Paaren erst infrage, wenn alle anderen Versuche fehlgeschlagen sind.

Am Anfang steht oft eine Hormontherapie. Sie kommt zum Einsatz, wenn ein hormonelles Ungleichgewicht die Ursache für die unfreiwillige Unfruchtbarkeit ist und dieses nicht mit natürlichen Methoden behandelt werden kann.

Liegt die ausbleibende Schwangerschaft darin begründet, dass die Spermien zu schwach oder zu langsam sind, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Samen aufzubereiten.

Weitaus komplexer ist die sogenannte In-vitro-Fertilisation (IVF). Dabei werden einige Eizellen entnommen, die außerhalb des Körpers mit den Spermien des Partners befruchtet werden. Anschließend setzt man die Embryonen in die Gebärmutter ein.

Künstliche Befruchtungen erhöhen die Erfolgschancen um ein Vielfaches, können jedoch erhebliche Kosten nach sich ziehen. In-vitro-Fertilisationen werden von den meisten Krankenkassen nur zur Hälfte übernommen und auch das nur für einen bestimmten Zeitraum. Außerdem ist diese Übernahme an gewisse Voraussetzungen gebunden. Daher ergibt es Sinn, dass ihr euch frühzeitig mit der jeweiligen Krankenkasse in Verbindung setzt, um potenzielle Leistungen abzufragen.

 

Fazit

Ein unerfüllter Kinderwunsch kann belastend sein, hat aber meist Ursachen, die angegangen werden können. Mal klappt es gleich, mal etwas später – in jedem Fall ist es ratsam, sich nicht verrückt zu machen und zu überlegen, was die Gründe sein können.

In diesem Beitrag wollte ich euch einen Überblick geben – habe ich etwas Wichtiges vergessen? Ich freue mich auf Kommentare!

NVC WB

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Quellen
[1] Levine, H., Jørgensen, N., Martino-Andrade, A., Mendiola, J., Weksler-Derri, D., Mindlis, I., Pinotti, R., & Swan, S. H. (2017). Temporal trends in sperm count: a systematic review and meta-regression analysis. Human reproduction update, 23(6), 646–659. https://doi.org/10.1093/humupd/dmx022

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