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Der Hormonhaushalt bei Männern: Ein Überblick

von Martin Auerswald, M.Sc.
Veröffentlicht: Zuletzt bearbeitet:
Hormonhaushalt bei Männern, Drei junge hübsche Geschäftsleute in Freizeitkleidung, die lachen, sprechen und Kaffee trinken, während sie im Büro stehen

Hormone wurden in der Vergangenheit gerne einzig für Stimmungsschwankungen und potenzielle Probleme bei Frauen verantwortlich gemacht. Doch Hormone haben auch bei Männern einen großen Einfluss auf den Körper und sorgen in der richtigen Balance für Wohlbefinden und eine gesunde Sexualität. Dies rückt immer mehr in das Bewusstsein vieler Menschen – ein guter Schritt in die richtige Richtung.

Denn nur so lassen sich Symptome, die auf einen falschen Hormonhaushalt zurückzuführen sind, richtig deuten. Im besten Fall lässt sich ein hormonelles Ungleichgewicht gut behandeln. Reichen bei vielen Mangelerscheinungen bereits ein gesünderer Lebensstil oder eine angepasste Ernährung, sind einige Hormonstörungen lediglich mit einer Mischung aus Medikamenten und gesunder Lebensführung zu beheben.

Erfahre hier einen Überblick über die wichtigsten „Männlichkeits-Hormone“, die Stoffwechsel, Wachstum, Regeneration, Sexualität, Fruchtbarkeit und ein gutes Lebensgefühl bestimmen.

 

Hormone – Was ist das eigentlich?

Hormone sind Botenstoffe, die Dein Körper bildet, um Signale und Informationen zu transportieren. Dein Körper ist ein großes Meisterwerk mit vielen verschiedenen Abteilungen. Jede Abteilung (Organe, Gewebe, Zellen) hat eigene Aufgaben, steht aber zu jeder Zeit mit dem Rest des Körpers in Kontakt.

Wir Menschen haben viele Arten der Kommunikation, um Informationen auszutauschen, Befehle oder Aufgaben weiterzureichen und Neuigkeiten zu verkünden. Unser Körper regelt das biochemisch – über das Nervensystem, Messenger-Zellen und Hormone.

Es gibt Hormone, die Einfluss nehmen auf die Zelle, die sie gebildet haben (autokrin). Manche wirken auf die benachbarten Zellen im jeweiligen Gewebe (juxtakrin, z.B. Wachstumshormone). Andere wirken auf ein anderes Gewebe im Körper (endokrin, z.B. Insuln). Und wiederum andere werden vom Körper ausgeschieden und beeinflussen unsere Umwelt (exokrin, z.B. Pheromone).

So lassen sich Hormone in viele Unterklassen einteilen. Sie werden zudem unterschiedlich gebildet: Einige werden aus Fettsäuren gebildet, andere aus Aminosäuren, oder aus Proteinen.

Du weißt sicher, was in einem Unternehmen passiert, wenn die Kommunikation nicht mehr läuft. Wenn eine Abteilung sich abkapselt und nicht mehr arbeitet, oder die Führung eine ganze Abteilung feuert. Dann herrscht Chaos, dann kommt es zu Ungleichgewichten.

So auch im menschlichen Körper. Hormone fallen nicht auf, wenn sie ihre Arbeit verrichten. Aber sobald sie im Ungleichgewicht vorliegen, kann es zu Problemen kommen.

Bei Frauen genauso wie bei Männern. Heute sehen wir uns mal die wichtigsten Hormone im männlichen Stoffwechsel und ihre Aufgaben an:

 

Das Männlichkeitshormon: Testosteron

Das vorwiegend in den Hoden gebildete Testosteron gilt als wichtigstes männliches Geschlechtshormon. Es steuert die Libido und sorgt auch für die Potenz. Darüber hinaus fördert es die Eiweißsynthese, die wiederum für den Muskelaufbau verantwortlich ist. Auch für Fettabbau an Hüften und Bauch ist das vielseitige Hormon verantwortlich.

Die Psyche von Männern ist eng an den Testosteronspiegel gebunden – es macht unter anderem kraftvoll, energisch und durchsetzungsfähig. Es macht kein Alpha-Tier-Gehabe, sondern eine positive und kraftvolle Lebenseinstellung und Ausstrahlung. Nicht zuletzt wirkt es sich positiv auf die Koordination sowie das Gedächtnis aus.

 

Testosteronmangel – Häufiger als Man(n) glaubt!

So vielfältig wie die Auswirkungen des Hormons, so vielfältig sind folglich auch die Symptome, die ein Testosteron Mangel mit sich bringen kann. Einen Mangel beobachten wir immer häufiger, auch schon bei Männern im jungen Alter!

Zu den Symptomen, die eher unspezifisch sind und auch zahlreiche andere Auslöser haben können zählen vor allem eine generelle Antriebslosigkeit und Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen, die bis zur Depression reichen können. Auch Hitzewallungen mit starker Schweißproduktion lassen nicht sofort einen Rückschluss auf einen unausgeglichenen Testosteronhaushalt zu.

Eindeutiger – auch wenn hier Faktoren wie beispielsweise Stress ebenfalls eine Rolle spielen können – sind die Symptome, die sich auf das Körperbild und die Sexualität auswirken. Ein Anzeichen kann eine verminderte Libido sein, d.h. dass die Lust auf Sex stark abnimmt.

Durch eine eingeschränkte Hodenfunktion kann es zudem auch zu Erektionsstörungen kommen. Durch einen zu niedrigen Spiegel kommt es zudem zur Abnahme von Muskelmasse und Kraft und im Gegenzug auch zur Gewichtszunahme sowie der Einlagerung von Bauchfett. Auch Haarausfall sowie ein Ausbleiben von Bartwuchs und Schambehaarung können vorkommen.

 

Ursachen von Testosteronmangel

Die wichtigsten Ursachen von Testosteronmangel liegen in der Lebensführung begründet:

  • Übergewicht an sich ist ein Risikofaktor, da das Fettgewebe zunehmend Testosteron in Östrogen umwandelt (über ein Enzym namens Aromatase).
  • Viel Stress, wenig Schlaf und damit ein hoher Cortisolspiegel und Leptinmangel spielen auch mit hinein.
  • Chronische Entzündungen im Körper sind ebenfalls häufige Ursache, da ein entzündeter und damit gestresster Körper in einen Zustand des Energiesparens übergeht und Testosteron ein Energie- und Fortpflanzungshormon ist.
  • Die Schilddrüse hat auch mitzureden: Bei einer Schilddrüsenunterfunktion wird auch weniger Testosteron gebildet.
  • Nährstoffmängel sind ebenfalls häufiger Grund, da dem Körper die Bausteine für die Testosteronbildung fehlen: Vitamin A, Vitamin D, Vitamin K2, Zink und Magnesium sind besonders hervorzuheben.

 

Testosteron auf natürliche Weise steigern

Doch zum Glück kannst Du bereits durch kleine Veränderungen im Alltag Dein Testosteron steigern. Ausreichend Schlaf, Stressabbau, Spaziergänge und weniger Medienkonsum können bereits den gewünschten Effekt erzielen.

Doch auch über die Ernährung lässt sich die Testosteronproduktion steigern: Innereien wie gute Leber, Bio-Eier, hochwertiges Fleisch, Meeresfrüchte, Algen oder fetter Fisch bilden eine gute Grundlage. Auch Ingwer, Bockshornklee, Cordyceps und Ashwagandha sind bekannte natürliche Möglichkeiten.

Reichen diese Effekte nicht, dann sind spezielle Gels oder Pflaster in der Apotheke auf Rezept erhältlich. Auch die bioidentische Hormonersatztherapie mit Testosteron-Injfektionen ist bei Männern im mittleren Alter eine valide Option.

Als Nebenwirkung von Testosteron Spritzen – ärztlich kontrolliert und gut durchgeführt – wurde bei Männern lediglich eine vermehrte Lust auf Luxus festgestellt.

Gesundheit junger Mann vor tollem Himmel

Testosteron steht für Lebensfreude und Energie!

 

Auch Männer haben Östrogene

Östrogen gilt gemeinhin als weibliches Hormon, doch es kommt auch im männlichen Körper vor und wird teilweise ebenso wie Testosteron in den Hoden gebildet. Bei Männern umfasst der Östrogenspiegel im Normalfall nur etwa ein Zehntel von dem der Frauen.

Dennoch spielt das Hormon eine nicht unbedeutende Rolle im männlichen Organismus. Es sorgt für stabile Knochen und schützt so vor Osteoporose. Zudem schützt es die Blutgefäße und kann helfen, einem Herzinfarkt vorzubeugen.

Ein Mangel äußert sich bei Männern vor allem durch starke Gewichtszunahme, vor allem auch Bauch, ist jedoch selten. Auch eine Fettleber oder eine beginnende Diabetes können mit dem Hormon im Zusammenhang stehen.

Ein erhöhter Östrogenwert bei Männern kann durch Übergewicht, Nährstoffmangel, Testosteronmangel und bestimmte Umweltgifte (z.B. Weichmacher) begünstigt werden. Mehr dazu unter dem Punkt „Testosteronmangel“ weiter oben im Text.

 

LH und FSH regeln die Spermienproduktion

Die Entwicklung und Reifung der Spermien geschieht in den Hoden, erst nach drei Monaten sind die Spermien funktionsfähig und wandern in die Nebenhoden. Damit dieser Reifeprozess stattfindet und kontrolliert abläuft, sind Hormone notwendig.

Maßgeblich beteiligt sind LH und FSH. Beide werden in der Hypophyse, der sogenannten Hirnanhangsdrüse, gebildet. Auch hier kann ein Mangel auftreten, der sich in einer stark verringerten Libido oder sogar Potenzverlust niederschlagen kann. Wichtige Koordinatoren dabei sind das Leptin und die Schilddrüsenhormone TSH und fT3.

 

DHEA: Das Vorläuferhormon

Dieses Hormon wird in der Nebennierenrinde produziert und gilt als Vorläuferhormon, da es je nach Bedarf sowohl in Östrogen als auch in Testosteron umgewandelt werden kann.

Es wird häufig als Stressabwehrhormon oder auch als Jungbrunnenhormon bezeichnet. Es selbst sorgt ähnlich wie auch Testosteron für den Aufbau von Muskeln, für eine gesteigerte Gedächtnisleistung sowie auch für die ordnungsgemäße Verbrennung von Fett.

Darum kann sich ein Mangel auch in vergleichbaren Symptomen niederschlagen: Verlust der Libido, Konzentrationsstörungen oder häufige Infekte können die Folge eines DHEA-Mangels sein.

Als Ursache gilt eine Nebennierenunterfunktion, die natürlich behandelbar ist. Eine DHEA-Konzentration sollte vor allem bei Männern ab 30 bei entsprechenden Symptomen getestet werden, da ab diesem Alter die Produktion kontinuierlich abnimmt.

Ein erhöhter DHEA-Wert wird in der Naturheilkunde als Stressmarker wahrgenommen und fällt bei chronischer Erschöpfung (Nebennierenerschöpfung) schlagartig ab.

unterschätzte Auslöser von migräne (1)

Meist will man es nicht hören, aber es stimmt: Stress bringt vieles im Körper durcheinander, auch die Hormone

 

Das Human Growth Hormon (hGH) sorgt für Wachstum und Regeneration

Die Wirkungsweise des sogenannten Wachstumshormons ist mit der von Testosteron und DHEA vergleichbar. Es lässt Fettpolster schmelzen und sorgt zudem für das Wachstum der Muskeln, Knochen und Knorpel – es wird darum auch zur Leistungssteigerung bzw. Doping und als Anti-Aging-Hormon verabreicht.

Weitere Effekte durch das Human Growth Hormon sind eine straffe Haut und eine positive Stimmung. Auch dieses Hormon wird mit fortschreitendem Alter immer weniger im Körper produziert.

Der Körper bildet hGH überwiegend nachts und früh – ist also ein Fastenhormon, das nachts unsere Regeneration fördert und im Fastenzustand (s. Intervallfasten) verhindert, dass wertvolle Muskelmasse verloren geht.

 

Weitere wichtige Hormone im Körper

Neben diesen vorgenannten Hormonen, die vor allem im männlichen Organismus eine Rolle spielen, gibt es unzählige weitere Hormone, die kurz angesprochen werden sollen. Auch wenn sich ihre Funktionsweise stark unterscheidet, kann ein Mangel teilweise für die gleichen Symptome sorgen.

Ähnlich einem Testosteronmangel kann sich beispielsweise eine Unterfunktion der Schilddrüse äußern: Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Gewichtszunahme und psychische Verstimmungen und Depressionen können als Folge eines Mangel der Schilddrüsenhormone Triiodthyronin (fT3) und Tetraiodthyronin (fT4) sein.

Den Fett- und Zuckerstoffwechsel hingegen regeln bei Mann und Frau die Hormone Leptin und Insulin. Ein unausgeglichener Haushalt kann zu schweren Erkrankungen führen und sollte bei entsprechenden Symptomen zeitnah abgeklärt werden.

Weitere bekannte Hormone sind beispielsweise das Glückshormon Serotonin. Dieses sorgt für eine positive und zufriedene Grundeinstellung, ein Mangel hingegen kann sich in Depressionen, Kopfschmerzen und Schlafstörungen niederschlagen.

Dopamin ist ein weiteres Glückshormon, das eher für kurzfristige und unerwartete Überraschungen zuständig ist. Es macht extrovertiert und charismatisch. Dopamin kann auf natürliche und gesunde Weise gebildet werden und gibt einen kurzen Glücksrausch – etwa bei einer Massage, Sport oder Sex. Es kann auch künstlich angeregt werden und damit süchtig machen: Kaffee, Zucker, Zigaretten und Glücksspiel sind nur einige Beispiele. Hier ist ein natürliches Gleichgewicht besonders wichtig.

 

Fazit – Hormone regeln auch die männliche Gesundheit

Frauenhormone stehen häufig im Fokus – doch auch bei Männern kommt es immer häufiger zu hormonellen Ungleichgewichten und Mangelzuständen. Da die Hormone immer besser erforscht werden, können diese Zustände gut erkannt und behandelt werden – durch eine gesunde Ernährung und Lebensführung, notfalls mit medikamentöser Hilfe.

 

 

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