Die Schilddrüsenunterfunktion – eine weit verbreitete Erkrankung
Ein häufig auftretendes Krankheitsbild in der westlichen Welt ist die Schilddrüsenunterfunktion, auch als Hypothyreose bekannt. Dabei produziert die Schilddrüse aus unterschiedlichen Gründen nicht ausreichend Hormone (T3 und T4), was den Stoffwechsel verlangsamt und den Körper in einen Zustand anhaltenden Energiemangels versetzt. In der Folge können verschiedene Beschwerden auftreten, darunter Verstopfung chronische Müdigkeit sowie vermehrter Haarausfall.
Die Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion sind
ebenso vielfältig wie individuell.
Sie reichen von Autoimmunerkrankungen und hormonellen Ungleichgewichten bis hin zu Nährstoffmängeln. Doch keine
Sorge: Es gibt viele Möglichkeiten, wie Du selbst aktiv zur Verbesserung Deiner
Schilddrüsengesundheit beitragen kannst.
Ob durch eine gezielte Ernährungsumstellung, die bedarfsgerechte
Ergänzung wichtiger Mikronährstoffe oder unterstützende
medikamentöse Therapien – eine ganzheitliche Herangehensweise kann helfen, Dein
Wohlbefinden nachhaltig zu verbessern.
Ursachen für eine Hypothyreose
Die Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion lassen sich in
angeborene und im Laufe des Lebens erworbene Störungen der Schilddrüse
unterteilen.
Zudem wird die Hypothyreose in primäre, sekundäre und tertiäre Formen
unterschieden. Die primäre Form tritt hier am häufigsten auf.
Primäre Hypothyreose
Bei der primären Form wird das Schilddrüsengewebe aus verschiedenen Gründen geschädigt. Ein Grund hierfür ist eine Hashimoto-Thyreoiditis. Hierbei handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die zu einer Entzündung der Schilddrüse führt. Bei einer Autoimmunerkrankung ist das Immunsystem fehlgeleitet und greift körpereigene Strukturen, in diesem Fall die Schilddrüse, an. Wird das Gewebe der Schilddrüse angegriffen, kann diese auf Dauer weniger Hormone bilden.
Epstein-Barr-Virus als möglicher Mitverursacher?
In Untersuchungen von geschädigtem Schilddrüsengewebe konnte
dasEpstein-Barr-Virus
(EBV), ein Mitglied der Herpesvirus-Familie, nachgewiesen werden. [1]
Ob und in welchem Ausmaß das Epstein-Barr-Virus an der Entstehung der Hashimoto-Thyreoiditis beteiligt ist oder den Verlauf der Krankheit beeinflusst, ist derzeit noch
Gegenstand wissenschaftlicher Forschungen.
Wenn Du an Hashimoto leidest, kann es sinnvoll sein, die EBV-Antikörper mittels einer Blutuntersuchung bestimmen zu lassen, um Hinweise auf eine aktive oder reaktivierte Infektion zu erhalten.
Kommt es zu einer Reaktivierung des Virus, z. B. infolge von Stress oder einer anderen Infektion, kann eine ganzheitliche Therapie helfen, das Immunsystem zu stabilisieren und die Schilddrüse zu entlasten.
Virenreaktivierung durch SARS-CoV-2
Immer häufiger wird auch das Coronavirus
SARS-CoV-2 mit der Reaktivierung sogenannter latenter Viren in
Verbindung gebracht – darunter das Epstein-Barr-Virus (EBV) und das
Varizella-Zoster-Virus (Herpes Zoster). [2]
Diese Viren verbleiben oft über Jahre unbemerkt im Körper, werden aber
bei geschwächtem Immunsystem wieder aktiv – was u. a. auch die
Schilddrüsengesundheit beeinflussen kann. [3]
Weitere Ursachen einer primären Schilddrüsenunterfunktion
Neben Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto gibt es noch weitere mögliche Auslöser:
- Chronischer Jodmangel (Jod ist essenziell für die Bildung der Schilddrüsenhormone T3 und T4) [4]
- Operative Entfernung der Schilddrüse (bei Schilddrüsenüberfunktion oder Schilddrüsenkrebs)
- Therapie mit Radiojod (bei der Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion mittels radioaktivem Jod)
- Medikamente wie z.B. Thyreostatika (zur Hemmung der Hormonproduktion) oder Amiodaron (ein Mittel zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen)
- angeborene Hypothyreose (seltene genetische Defekte, die die Hormonbildung in der Schilddrüse von Geburt an beeinträchtigen)
Sekundäre Hypothyreose
Eine seltene Form der Schilddrüsenunterfunktion entsteht
durch eine Störung in der Hirnanhangsdrüse, der sogenannten Hypophyse.
Diese Drüse steuert über das Hormon TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) die
Produktion der Schilddrüsenhormone. Kommt es zu einer Erkrankung der
Hypophyse, wird das Hormon TSH weniger
produziert. Der Schilddrüsenwert TSH im Blut sinkt und das Signal für die
Schilddrüse bleibt aus. Somit produziert die Schilddrüse weniger Hormone.
Tertiäre Hypothyreose
Die tertiäre Form der Schilddrüsenunterfunktion hat ihren
Ursprung im Hypothalamus – einer zentralen Steuerzentrale im Gehirn.
Ist dieser Bereich beispielsweise durch eine Entzündung oder
einen Tumor geschädigt, kann er nicht ausreichend TRH
(Thyreotropin-Releasing-Hormon) produzieren. TRH wiederum ist notwendig, um die
Hypophyse zur Ausschüttung von TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon)
anzuregen. Fehlt dieses Signal, wird in weiterer Folge auch die Schilddrüse
nicht ausreichend zur Hormonproduktion stimuliert – was letztendlich zu einem
Mangel an Schilddrüsenhormonen führt.

Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion
Ein Mangel an Schilddrüsenhormonen führt zu einer Verlangsamung des Stoffwechsels – und kann dadurch eine Vielzahl körperlicher Symptome nach sich ziehen, darunter:
- Kropfbildung,
- Unerklärliche Gewichtszunahme
- Müdigkeit
- Schlafprobleme
- Erhöhtes Schlafbedürfnis
- ständiges Frieren und geringere Kältetoleranz
- Depressionen
- Antriebsarmut
- Konzentrationsschwäche
- Libidoverlust
- Niedriger Puls
- Haarausfall
- Verstopfung
- Trockene Haut
- Schwellungen im Gesicht, an Armen und Beinen
- Zyklusprobleme und eingeschränkte Fruchtbarkeit (bei Frauen)
- Brüchige Nägel
- Heiserkeit und Husten
- Erhöhter Cholesterinspiegel
- Erhöhter Triglyzerid-Spiegel
- Mangel an Gallensäuren
Neben einer Unterfunktion kann die Schilddrüse auch an einer
Überfunktion erkranken.
Was genau hinter einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) steckt und
welche typischen Symptome damit einhergehen, erfährst Du in folgendem Artikel.
Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion bei Frauen
Frauen sind von einer verminderten Schilddrüsenfunktion bis zu 9-mal häufiger betroffen als Männer. [5]
Gerade bei Frauen bleiben die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion oft über längere Zeit unentdeckt. Nicht selten werden die Beschwerden als „typisch weibliche“ Befindlichkeitsstörungen, Stresssymptome oder sogar als Anzeichen der Wechseljahre fehlgedeutet. Dadurch verzögert sich die richtige Diagnose für die Patienten – und mit ihr die gezielte Behandlung. Die Beschwerden betreffen den gesamten Körper, weil die Schilddrüsenhormone neben den Einfluss auf den Stoffwechsel auch noch Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System und auf die Psyche haben.
Bei Frauen können zusätzlich folgende Symptome auftreten:
- Durchblutungsstörungen
- Starke Menstruation
- Zyklusstörungen
- Verlust der Libido
- Unfruchtbarkeit
- Fehl- und Frühgeburten
Schilddrüsenprobleme können bei Frauen in der Schwangerschaft das erste Mal auftreten. Neben der Unterfunktion der Schilddrüse zählen insbesondere während der Schwangerschaft und in der Zeit nach der Geburt folgende Krankheiten der Schilddrüse zu den häufigsten:
- Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
- Kropfbildung und/oder Knoten in der Schilddrüse
- Entzündungen der Schilddrüse nach der Geburt (Postpartum-Thyreoiditis
Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion bei Männern
Männer sind im Vergleich zu Frauen seltener von einer Schilddrüsenunterfunktion betroffen, doch auch sie können weitreichende Symptome körperlich wie auch psychisch verspüren. Einige Beschwerden ähneln denen bei Frauen, andere treten bei Männern etwas spezifischer oder ausgeprägter auf.
Folgende männerspezifische Symptome können im Rahmen einer Schilddrüsenunterfunktion auftreten:
- Verminderte Konzentrationsfähigkeit ("Gehirnnebel")
- Müdigkeit
- Reizbarkeit, depressive Verstimmungen oder Stimmungsschwankungen
- Libidoverlust
- Erektile Dysfunktion
- Geringere Testosteronproduktion (verminderte Muskelmasse, Antriebslosigkeit und Stimmungsschwankungen)
- Fruchtbarkeitsprobleme: z.B. verringerte Spermienqualität oder -anzahl
- Zunahme von Körperfett bei gleichbleibender Ernährung
- Kälteempfindlichkeit
- Verlangsamter Puls und/oder niedriger Blutdruck
- Trockene Haut
- Haarausfall
- Schwellungen im Gesicht (Myxödem)
Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion bei Kindern
Die Schilddrüse spielt eine zentrale Rolle in der
körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung von Kindern.
Sie produziert lebenswichtige Hormone und gibt diese in den Blutkreislauf ab.
Besonders im Wachstum sind Schilddrüsenhormone entscheidend – sie fördern die
Zellreifung im Gehirn, regulieren den Energiestoffwechsel und beeinflussen die
Funktion von Herz und Kreislauf maßgeblich.
Eine Erkrankung der Schilddrüse kann bereits bei einem Fötus im Mutterleib auftreten. Aber auch bei Neugeborenen, Kinder und Jugendlichen kann sich eine Schilddrüsenunterfunktion entwickeln.
Schilddrüsenerkrankungen äußern sich im Kindes- und Jugendalter sehr unterschiedlich – je nach Alter und Entwicklungsstand.
Typische Beschwerden bei einer Schilddrüsenunterfunktion verändern sich altersabhängig und unterscheiden sich zum Teil deutlich von denen, die bei Erwachsenen auftreten.
Bei Neugeborenen können folgende Symptome auftreten:
- Appetitlosigkeit
- Teilnahmslosigkeit
- Verlängerte Gelbsucht
- Langsamer Puls
- Geringe Muskelspannung
- Vergrößerte Fontanelle
- Verstopfung
- Hörverlust
- Heiseres Schreien
- Vergrößerte Zunge
Bei Kleinkindern und Kindern können unter anderem folgende Beschwerden auftreten:
- Verstopfung
- Blasse Haut
- Verzögerte Sprachentwicklung
- Erhöhte Infektanfälligkeit
- Langsames Wachstum
- Verspätete Zahnbildung
Jugendliche hingegen zeigen häufiger:
- Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
- Heiserkeit oder eine auffallend raue Stimme
- Schwellungen
(Ödeme) um die Augen
Weitere mögliche Anzeichen in allen Altersgruppen sind:
- Trockene Haut
- Schlaffe oder schwache Muskulatur
- Emotionale Veränderungen, die an depressive Verstimmung oder Angstzustände erinnern
Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion bei Senioren und Seniorinnen
Grundsätzlich können ältere Menschen mit einer Unterfunktion der Schilddrüse die gleichen Symptome entwickeln wie jüngere Erwachsene. Gerade bei älteren Menschen werden die Symptome oft übersehen, da sie schleichend verlaufen und leicht mit altersbedingten Veränderungen verwechselt werden
Während bei einer latenten Schilddrüsenunterfunktion zunächst keine oder nur unspezifische Beschwerden auftreten, kann ein stärkerer Hormonmangel den gesamten Stoffwechsel deutlich verlangsamen und zu einer Vielzahl teils belastender Symptome führen.
Typische Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion im Alter können sein:
- Anhaltende Müdigkeit, erhöhtes Schlafbedürfnis, Antriebslosigkeit
- Verlangsamte Reflexe
- Starkes Kälteempfinden
- Konzentrations- und Gedächtnisschwäche, depressive Verstimmungen
- Gewichtszunahme trotz unveränderter Ernährung
- Erhöhte Blutfettwerte, insbesondere Cholesterin
- Teigige Schwellungen im Unterhautbindegewebe (v. a. an Armen, Beinen, Gesicht)
- Vermehrter Haarausfall
- Heisere Stimme, verlangsamte oder verwaschene Sprache
- Muskelschwäche, trockene und blasse Haut
- Ödeme an den Augenlidern
- Langsamer Herzschlag in Kombination mit erhöhtem Blutdruck
- Verkalkung der Herzkranzgefäße (Arteriosklerose)
- Beginnende Herzmuskelschwäche
Die genannten Symptome treten vor allem bei einer manifesten
Schilddrüsenunterfunktion auf – also dann, wenn die Hormonproduktion
bereits deutlich verringert ist.
Bei einer latenten Hypothyreose zeigen sich diese meist deutlich
abgeschwächt oder gar nicht.
Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion
Bei einer Schilddrüsenunterfunktion erhält der Patient in
der Regel geeignete Medikamente, die die fehlenden Hormone ersetzen sollen.
Die Behandlung erfolgt meist lebenslang mit synthetisch hergestelltem
Schilddrüsenhormon wie Levothyroxin.
Der Wirkstoff Levothyroxin – auch bekannt als L-Thyroxin
– wird im Körper in seine aktive Form umgewandelt.
Dadurch kann sich der Hormonspiegel im Blut nach und nach normalisieren. Erste
Verbesserungen der Symptome zeigen sich meist innerhalb von zwei bis drei
Monaten – vorausgesetzt, die Dosierung der Medikamente ist individuell gut
abgestimmt.
Ob eine Schilddrüsenerkrankung dauerhaft oder nur vorübergehend behandelt werden muss, hängt von ihrer Ursache ab.
Halten sich Patientinnen und Patienten konsequent an die empfohlene Einnahme, sind Nebenwirkungen selten. In einigen Fällen kann es vorübergehend zu Beschwerden wie innerer Unruhe oder Nervosität kommen – insbesondere, wenn die Dosierung zu hoch ist.
Wichtig:
Sobald die optimale Dosis gefunden wurde, sollte sie mindestens einmal
jährlich ärztlich überprüft werden. Der Hormonbedarf kann sich im Laufe des
Lebens – etwa durch Alter, Gewichtsschwankungen oder andere Erkrankungen –
verändern. Eine regelmäßige Blutkontrolle stellt sicher, dass die Therapie
weiterhin gut wirkt und optimal vertragen wird.
Neben Medikamenten spielen auch bestimmte Nährstoffe eine wichtige Rolle für die Schilddrüsengesundheit. Besonders Jod, Selen, Eisen, Zink sowie die Vitamine A, D und B12 unterstützen die Hormonproduktion und den Stoffwechsel. Eine gezielte Versorgung mit diesen Mikronährstoffen – über die Ernährung oder in Form von Nahrungsergänzungsmitteln – kann die medikamentöse Therapie sinnvoll ergänzen. Hierzu erfährst Du mehr in folgendem Artikel.
- Dittfeld, A., Gwizdek, K., Michalski, M. & Wojnicz, R. (2016). A possible link between the Epstein-Barr virus infection and autoimmune thyroid disorders. Central European Journal Of Immunology, 3, 297–301. https://doi.org/10.5114/ceji.2016.63130
- Tarasco, M. C., Iacomino, N., Mantegazza, R. & Cavalcante, P. (2025). COVID-19, Epstein-Barr virus reactivation and autoimmunity: casual or causal liaisons? Journal Of Microbiology Immunology And Infection. https://doi.org/10.1016/j.jmii.2025.03.014
- Hamed, H. S., Khodary, R. E., Lotfy, S. M., Sakr, M. M. H. & Saied, M. W. (2025). Impact of Covid-19 infection on thyroid functions. Egyptian Journal Of Bronchology, 19(1). https://doi.org/10.1186/s43168-025-00366-6
- Van Veggel, K. M., Ivarson, D. M., Rondeel, J. M. M. & Mijnhout, G. S. (2022). Iodine Deficiency in Patients with Hypothyroidism: A Pilot Study. Journal Of Thyroid Research, 2022, 1–6. https://doi.org/10.1155/2022/4328548
- Chiovato, L., Magri, F. & Carlé, A. (2019). Hypothyroidism in Context: Where We’ve Been and Where We’re Going. Advances in Therapy, 36(S2), 47–58. https://doi.org/10.1007/s12325-019-










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