Morbus Basedow ist eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse. Bei dieser Erkrankung bildet der Körper Antikörper gegen
das Schilddrüsengewebe. Durch diese Antikörper wird die Schilddrüse angeregt,
vermehrt Hormone zu produzieren und zu wachsen. Dadurch kann sich
typischerweise eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
entwickeln und es kommt zur Bildung eines Kropfes (Struma). Die sich hieraus
ergebende gesteigerte Stoffwechselaktivität führt zu einer übermäßigen
Beschleunigung physiologischer Prozesse. Darunter auch eine Erhöhung der
Herzfrequenz – was langfristig den gesunden Funktionsrhythmus des Körpers
stören kann. Oft tritt diese Autoimmunerkrankung in Zusammenhang mit Diabetes
mellitus Typ I auf.

Ursachen von Morbus Basedow
Die genauen Ursachen für die Entstehung dieser Erkrankung
sind in der Medizin noch nicht vollständig geklärt. Es sind jedoch mehrere Risikofaktoren
und Auslöser bekannt:
Genetische Veranlagung
Eine familiäre Veranlagung erhöht das Risiko, an Morbus Basedow zu erkranken, deutlich. Häufig treten auch weitere Autoimmunerkrankungen in der Familie auf.
Chronischer Stress ist ein bekannter Risikofaktor für zahlreiche Gesundheitsprobleme. Weniger bekannt ist, dass er die hormonelle Regulation beeinträchtigen und dadurch immunologische Fehlreaktionen begünstigen kann. Dadurch kann es zum Auftreten von Autoimmunerkrankungen wie Morbus Basedow oder Hashimoto-Thyreoiditis kommen. [2]
Hormonelle Umstellungen
Morbus Basedow betrifft Frauen etwa sechsmal so häufig wie Männer. [3] Ein möglicher Grund dafür ist die Wechselwirkung zwischen Schilddrüsenhormonen und weiblichen Geschlechtshormonen wie Östrogen und Progesteron.
Besonders während hormoneller Umbruchphasen wie Schwangerschaft, Geburt oder den Wechseljahren kann das Immunsystem aus dem Gleichgewicht geraten und zu Fehlfunktionen führen.
Auch hormonelle Verhütungsmittel werden als möglicher
Einflussfaktor diskutiert. [4]
Diese hormonellen Schwankungen könnten erklären, warum eine autoimmunbedingte
Schilddrüsenüberfunktion häufig bei Frauen zwischen dem 30. und 50.
Lebensjahr diagnostiziert wird.
Infektionen und Umweltfaktoren
In der Forschung wird vermutet, dass äußere Einflüsse wie Virusinfektionen oder Umweltgifte eine Rolle bei der Entwicklung von Autoimmunerkrankungen spielen könnten.
Viren, insbesondere das Epstein-Barr-Virus (EBV), stehen im Verdacht, Autoimmunprozesse im Körper anzustoßen. Studien zeigen, dass Infektionen mit EBV gehäuft bei Patient:innen mit Autoimmunerkrankungen auftreten – ein Hinweis auf einen möglichen Zusammenhang. [5]
Ein besonders gut belegter Risikofaktor ist das Rauchen. Es beeinflusst das Immunsystem nachweislich negativ und kann die Schilddrüse zusätzlich belasten. Bei Rauchern ist das Risiko, an Morbus Basedow zu erkranken, deutlich erhöht – insbesondere in Verbindung mit einer bestehenden genetischen Prädisposition. [6]
Auch chemische Umweltgifte, etwa Pestizide, Lösungsmittel oder Schwermetalle, werden in diesem Zusammenhang diskutiert. Zwar gibt es Hinweise aus Tiermodellen und Beobachtungsstudien, doch bisher fehlen eindeutige wissenschaftliche Beweise für einen kausalen Zusammenhang beim Menschen. [7]
Häufige Symptome
Die Symptome dieser Erkrankung sind zu Beginn oft unspezifisch und werden daher leicht übersehen. Im weiteren Verlauf zeigen sich jedoch zunehmend die typischen Anzeichen und Auswirkungen einer Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose).
Dazu zählen unter anderem:
- Entzündung der Schilddrüse
- Tachykardie (erhöhter Puls)
- Herzrhythmusstörungen
- Hitzewallungen und vermehrtes Schwitzen
- Durchfall
- Ungewollter Gewichtsverlust trotz normalem oder gesteigertem Appetit
- Nervosität, innere Unruhe, Reizbarkeit
- Schlafstörungen
- Zittern der Hände (feinschlägiger Tremor)
- Muskelschwäche
- Haarausfall oder feines, dünnes Haar
- Augensymptome (bei endokriner Orbitopathie), z. B.:
- Druck- oder Fremdkörpergefühl in den Augen
- Augenschmerzen
- Lichtempfindlichkeit
- Tränende, trockene oder gerötete Augen
- schwere Schwellungen an den Augen
- Doppelbilder oder Sehverschlechterung
- Hervortreten
der Augen (Exophthalmus)

Morbus Basedow tritt deutlich häufiger bei Frauen als
bei Männern auf.
Symptome von Morbus Basedow bei Frauen
Die Symptome der Erkrankung bei Frauen ähneln grundsätzlich denen der Männer. Allerdings können sie sich bei Frauen durch hormonelle Einflüsse und zyklusbedingte Veränderungen teils anders äußern bzw. stärker auftreten.
Frauen leiden typischerweise unter folgenden Symptomen:
- Zyklusstörungen (z. B. unregelmäßige oder ausbleibende Menstruation)
- PMS-Beschwerden
- Verminderte Fruchtbarkeit (50% der Frauen haben Schwierigkeiten schwanger zu werden)
- Verstärkter Haarausfall, brüchige Nägel, trockene Haut
- Verstärkte emotionale Reaktionen, z. B. Stimmungsschwankungen, Angstzustände
Morbus Basedow während der Schwangerschaft
Die Erkrankung kann während der Schwangerschaft besondere
Herausforderungen mit sich bringen. Wird die Krankheit nicht ausreichend
behandelt, kann es zu Komplikationen wie Fehl- oder Frühgeburten,
Wachstumsverzögerungen beim Fötus oder Bluthochdruck in der Schwangerschaft
kommen. Eine gute Einstellung der Schilddrüsenfunktion – idealerweise schon vor
der Empfängnis – ist daher entscheidend.
Symptome von Morbus Basedow bei Männern
Da die Krankheit bei Männern seltener auftritt, werden die Beschwerden häufig übersehen und die Erkrankung somit erst später erkannt. Durch die gesteigerte Produktion von Schilddrüsenhormonen können Männer an einem Libidoverlust und einer eingeschränkten Fruchtbarkeit leiden. Zudem treten bei Männern ähnliche Symptome auf wie bei Frauen. Oft sind die Beschwerden an den Augen sogar stärker ausgeprägt als bei Frauen.
Symptome von Morbus Basedow bei Kindern
Neugeborene
Bei Neugeborenen tritt die Krankheit sehr selten auf, jedoch kann sie ohne Behandlung sehr gefährlich sogar tödlich verlaufen. Dies tritt vor allem auf, wenn die Mutter des Kindes bereits an Morbus Basedow erkrankt ist.
Zu den typischen Symptomen bei Neugeborenen zählen:
- schneller Herzschlag
- beschleunigte Atmung
- Gewichtsabnahme bei gleichzeitigen gesteigertem Appetit
- Erbrechen
- Durchfall
- angeborener Kropf (Struma)
Kinder und Jugendliche
Bei über 90% der Kinder und Jugendlichen mit Hyperthyreose ist Morbus Basedow die zugrunde liegende Ursache. Die Erkrankung tritt in der Regel nicht vor dem 5. Lebensjahr auf. Auffällig ist, dass die Häufigkeit mit dem Einsetzen der Pubertät deutlich ansteigt und ihren Höhepunkt zwischen dem 10. und 15. Lebensjahr erreicht. In dieser Lebensphase finden zahlreiche hormonelle und immunologische Veränderungen statt, die möglicherweise zur Krankheitsentstehung beitragen.
Die Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion zeigen sich vor allem in einer allgemeinen Beschleunigung der Körperfunktionen. Der Stoffwechsel läuft auf Hochtouren, was sich in zahlreichen körperlichen und psychischen Beschwerden äußern kann.
Hierzu zählen:
- Konzentrationsprobleme
- Schlafstörungen
- Hyperaktivität
- Schwitzen
- Erschöpfung
- Gewichtsverlust
- Hoher Puls und erhöhter Blutdruck
- Häufige Stuhlgänge
- Tremor (Zittrigkeit)
Diagnose der Erkrankung: Morbus Basedow
Bei Verdacht auf Morbus Basedow oder eine andere Schilddrüsenerkrankung wird der Arzt zunächst eine körperliche Untersuchung vornehmen, bei der die Schilddrüse abgetastet wird. Daran schließen sich in der Regel eine Blutuntersuchung sowie eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse an. Im Rahmen der Ultraschalluntersuchung erkennt der Arzt Veränderungen im Gewebe der Schilddrüse.
Die Basedow-Erkrankung lässt sich laborchemisch zuverlässig durch den Nachweis spezifischer Antikörper im Blut diagnostizieren. Dadurch kann die Erkrankung klar von einer nicht-autoimmunbedingten Schilddrüsenüberfunktion (z. B. bei funktioneller Autonomie) abgegrenzt werden.
Ein besonders wichtiger Marker ist der Thyreotropinrezeptor-Antikörper (TRAK). Dieser ist bei rund 90 % der Betroffenen erhöht und gilt daher als spezifischer Laborparameter für Morbus Basedow. [8] Diese Antikörper aktivieren den TSH-Rezeptor der Schilddrüse dauerhaft, sodass es zu einer erhöhten Produktion von Schilddrüsenhormonen kommt.
Darüber hinaus lassen sich häufig auch mikrosomale Antikörper (MAK, auch TPO-Antikörper genannt) sowie sogenannte Thyreoglobulin-Antikörper (TAK) nachweisen. Diese sind Hinweise auf eine autoimmune Beteiligung der Schilddrüse. Sie treten jedoch auch bei anderen Autoimmunerkrankungen wie der Hashimoto-Thyreoiditis auf und sind daher weniger spezifisch.
Die Kombination dieser Schilddrüsenwerte – insbesondere das supprimierte TSH sowie erhöhte fT3- und fT4-Werte – ermöglichen in der Medizin eine differenzierte und sichere Diagnose.
Detaillierte Informationen zu relevanten Werten im Rahmen einer Untersuchung des Blutes zur Diagnose von Schilddrüsenerkrankungen findest du im folgenden Artikel.
Therapie bei Morbus Basedow
Bei Patienten mit Morbus Basedow zielt die Behandlung darauf ab, die übermäßige Hormonproduktion der Schilddrüse zu kontrollieren und langfristig eine normale Stoffwechselfunktion wiederherzustellen. Um die Erkrankung wirksam zu behandeln, stehen drei etablierte Therapieoptionen zur Verfügung:
Medikamentöse Therapie
Da es im Rahmen der Erkrankung zu einer erhöhten Produktion von Hormonen der Schilddrüse kommt, kann der Patient mit Medikamenten behandelt werden, die den Hormonspiegel senken. Hier kommen Schilddrüsenblocker, auch sogenannte Thyreostatika zum Einsatz, die den Einbau von Jod in der Schilddrüse hemmen. Hierdurch wird die Produktion von Schilddrüsenhormonen gebremst. Während der Behandlung wird die Schilddrüsenfunktion im Blut der Patienten regelmäßig kontrolliert.
Durch die Einnahme von Thyreostatika kann sich die endokrine Überfunktion der Schilddrüse in vielen Fällen normalisieren. Diese Medikamente hemmen die Hormonproduktion der Schilddrüse und werden in der Regel über einen Zeitraum von 12 bis 18 Monaten eingesetzt. [9]
Allerdings kommt es bei etwa der Hälfte der Betroffenen nach dem Absetzen der Medikamente zu einem Rückfall – der Hormonspiegel steigt erneut an. In solchen Fällen kann eine dauerhafte Therapieform notwendig werden.
Zur langfristigen Behandlung stehen dann zwei Möglichkeiten zur Verfügung: Zum einen die Radiojodtherapie, bei der überaktives Schilddrüsengewebe gezielt durch radioaktives Jod zerstört wird, zum anderen die operative Entfernung der Schilddrüse (Thyreoidektomie). Dabei wird das erkrankte Schilddrüsengewebe teilweise oder vollständig im Rahmen einer Operation entfernt.
Beide Verfahren zielen darauf ab, die überaktive Hormonproduktion dauerhaft zu stoppen und so langfristig eine gesunde Stoffwechsellage wiederherzustellen.
Operative Entfernung der Schilddrüse
Es besteht ebenfalls die Möglichkeit im Rahmen einer Operation das erkrankte Schilddrüsengewebe des Patienten zu entfernen. Durch die teilweise oder komplette Entfernung der Schilddrüse kommt es im Anschluss zu einer Unterfunktion der Schilddrüse, wodurch eine lebenslange Einnahme von Schilddrüsenhormonen (L-Thyroxin) erfolgen muss.
Radiojodtherapie
Bei der Radiojodtherapie nimmt der Patient radioaktives Jod oral ein. Das Jod lagert sich im Anschluss in der Schilddrüse ein und zerstört das überaktive Schilddrüsengewebe. Durch die Zerstörung der kranken Schilddrüsenzellen kommt es auch gleichzeitig zu einer Verkleinerung der Schilddrüse.
Die Methode ist gut verträglich und wird häufig bei Rückfällen oder nach erfolgloser medikamentöser Therapie eingesetzt. Sie ist jedoch in der Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert. Zudem darf diese Therapie nicht bei Kindern angewendet werden. [10]
Behandlung der endokrinen Orbitopathie
Je nach Schweregrad der endokrinen Orbitopathie kann die Behandlung unterschiedlich ausfallen. In milderen Fällen werden häufig entzündungshemmende Medikamente, wie zum Beispiel Kortison, eingesetzt. Damit wird die akute Entzündungsreaktion im Augenbereich gedämpft.
Bei ausgeprägten/schweren Befunden oder anhaltenden Beschwerden können augenärztliche operative Maßnahmen notwendig sein – etwa zur Druckentlastung der Augenhöhle, zur Korrektur von Doppelbildern oder zur Lidoperation.
Als weitere therapeutische Option kann bei fortgeschrittenem Exophthalmus (hervortretende Augen) auch eine gezielte Bestrahlung der Augenhöhle (Retrobulbärbestrahlung) in Betracht gezogen werden, um die Entzündung zu reduzieren und das Gewebevolumen zu beeinflussen.
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- Deutsches Schilddrüsenzentrum. (2025, 16. Juli). Radiojodtherapie | Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen. https://www.deutsches-schilddruesenzentrum.de/wissenswertes/behandlung/radiojodtherapie/










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