Wildpflanzen im Herbst – gesunde Lebensmittel sammeln

von Martin Krowicki, M.A.
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Wildpflanzen im Herbst

Der frühe Herbst kann zu den schönsten Jahreszeiten zählen, nicht nur aufgrund der goldenen Blätter, die sanft zu Boden fallen – sondern auch aufgrund der saisonalen Lebensmittel, die es im Herbst zu sammeln gibt.

Der Oktober ist einer der ertragreichsten Monate für Wildpflanzen wie Hagebutten, Walnüsse, Haselnüsse, Äpfel, Birnen und viele verschiedene Pilze.

Hast Du Lust auf einen kleinen Sammelausflug in der schönen Natur? Dann lass uns mal gemeinsam schauen, was es zu finden gibt!

Notiz: Du hast selbst auch noch Tipps, Tricks und Ergänzungen zu Beitrag? Dann nutze gern die Kommentarfunktion und teile Deine Ideen anderen Leser:innen mit.

Saisonale Lebensmittel im Herbst – was macht sie so gesund?

In Mitteleuropa wird unser Lebenszyklus sehr stark durch die vier Jahreszeiten bestimmt. Was für viele Menschen oft zum Leid wird (ja, der Herbst kann auch nass und kalt sein), ist tatsächlich sehr gesund.

Unser Körper liebt Zyklen: Zyklen der Energie, der Ruhe, des Wachstums, des Stillstandes, der Wärme oder der Kälte – Polaritäten sorgen für Anpassungsmechanismen in unserem Körper und stärken zum Beispiel unseren Stoffwechsel und unser Immunsystem.

In Bezug auf Lebensmittel ist die Saisonalität eine gute Möglichkeit Deinen Körper ganzjährig mit einer Vielfalt an Vitaminen, Mineralien und sekundären Pflanzenstoffen zu versorgen.

  • Im Frühjahr wachsen vor allem Wildkräuter, die unsere Entgiftung fördern.
  • Im Sommer wachsen Obst, Beeren und Gemüsesorten, die uns mit zahlreichen sekundären Pflanzenstoffen, Vitaminen und Mineralien für Lebensenergie versorgen.
  • Im Herbst wachsen ebenfalls reichlich Wildpflanzen, die besonders nährstoffdicht sind (z.B. Pilze & Nüsse) und gut haltbar gemacht werden können (Fermentation).
  • Für den Winter eignen sich Vorräte aus Sommer und Herbst. Es gibt aber auch noch frische Lebensmittel wie Hagebutten oder Grünkohl für ein starkes Immunsystem.
Herbst Nahrungsmittel

Der goldene Herbst ist eine der schönsten Jahreszeiten.

Gerade der Herbst ist eine der ertragreichsten Jahreszeiten und Du kannst allerhand Lebensmittel sammeln, verarbeiten und haltbar machen.

Hier findest Du verschiedene Lebensmittel, die Du je nach Region im September, Oktober oder November sammeln kannst.

Im Artikel beschränken wir uns vorwiegend auf wilde Lebensmittel (Wildpflanzen). Im Garten gibt es natürlich noch zusätzliche Möglichkeiten.

 

Lebensmittel im Herbst sammeln – die besten 11 Ideen

Bist Du bereit für einen herbstlichen Spaziergang? Dann schnappe Dir einen Sammelkorb und durchstreife die Natur nach etwas Essbarem.

Diese Lebensmittel kannst Du im Herbst sammeln.

 

Walnüsse

Walnüsse sind ein hervorragendes Beispiel dafür, dass die Natur sehr durchdacht ist (von wem auch immer ☺ ). Die Nüsse sind durch ihre gesunden Fettsäuren ein guter Energielieferant, sie enthalten viel Proteine und sowie gute Mengen an Magnesium, Kalium und Omega-3 Fettsäuren.

Walnussbäume versorgen nicht nur Wildtiere mit guter Energie für den Winter – auch Du kannst Sie sammeln, trocknen und einlagern.

Achte darauf, dass die Nüsse selbst vom Baum fallen, sammle sie tagfrisch ein. Schwarze Walnüsse sind meist von der Walnussfruchtfliege befallen – diese solltest Du liegen lassen.

Walnüsse Herbst Wildpflanzen

Wer sammelt schneller – Du oder das Eichhörnchen? Sei nett und lass ihm einige Küsschen übrig.

 

Haselnüsse

Haselnüsse sind von Mitte September bis Ende Oktober in Hülle und Fülle vorhanden. Auch diese Nüsse sollten frisch eingesammelt werden, damit sie nicht schimmeln.

Wie Walnüsse sollten auch sie an belüfteten, warmen Orten zwischen 20 bis 25 Grad getrocknet werden. Hierfür eigenen sich Netze, Weidekörbchen oder Obstkisten.

Haselnüsse enthalten ebenfalls reichlich Proteine, gute Fettsäuren sowie Kalium, Magnesium und Ballaststoffe.

Tipp: Nüsse enthalten Antinährstoffe wie Phytinsäure und Oxalsäure. Weitere Verarbeitungen wie Trocknen und Einweichen (circa sechs bis acht Stunden) reduzieren diese Stoffe deutlich und erhöhen damit den Gesundheitswert.

 

Brennnesselsamen

Die Brennnessel ist ein unterschätzter Nahrungslieferant in unseren Breiten. Sie ist sehr vielfältig und vor allem nährstoffreich. Im Frühjahr und Frühsommer sind vor allem die frischen Triebe sehr lecker.

Im Herbst sind Brennnesselsamen ein leckerer und gesunder Snack. Sie enthalten reichlich Eiweiß, ätherische Öle und Vitamin E.

Brennnesselsamen sind gut haltbar und schmecken angenehm nussig. Du kannst sie frisch in der Natur essen oder für Smoothies und Müsli sammeln.

Die Samen der weiblichen Brennnessel sollen besonders nährstoffreich sein, sie hängen rispenartig von den Pflanzen. Ernten kannst Du sie, indem Du die Rispen mit einer Schere abschneidest oder mit den Fingern ausstreichst (wenn Du empfindlich bist, dann ziehe Handschuhe an).

Kurze Story am Rande: Als wir mit dem SchnellEinfachGesund Team auf einer geführten Kräuterwanderung waren, fragte ich nach einem „Kraut“ welches besonders gut für Männer ist. Mit einem verschmitzten Lächeln antwortete unsere Kräuterführerin: „Brennnesselsamen erhöhen das Testosteron und sind ein gutes Aphrodisiakum.“ Und zack… fanden sich alle männlichen Teammitglieder an der nächsten Brennnessel ein, um Brennnesselsamen zu naschen.

 

Weißdorn

Der Weißdorn ist ein Strauch, den ich erst in diesem Jahr wahrgenommen und identifiziert habe. Dabei ist er schon immer eine geschätzte Heilpflanze.

Die Blüten, Blätter und Früchte der Pflanze haben einen hohen medizinischen Nutzen. Dies liegt Inhaltsstoffen wie Flavonoiden, biogenen Aminen und oligomeren Procyanidinen (Antioxidantien).

Während die Blüten und Blätter von Mai bis Juni geerntet werden sollten, sind im Herbst die Weißdornbeeren reif. Diese Beeren sind eher mehlig und schmecken frisch vom Strauch nicht so besonders.

Sie sind daher gut geeignet, um zu Marmelade, Gelee, Kompott oder Sirup verarbeitet zu werden – dann entfalten sie ein süß-säuerliches Aroma. Häufig werden sie dabei mit Sanddorn, Holunder oder Äpfeln kombiniert.

Weißdorn sammlen herbst

Weißdorn ist sehr vielfältig. Nutze seine Blätter, Blüten und Beeren.

 

Bucheckern

Das Bucheckern essbar sind, ist für viele Menschen überraschend. Die hübschen Nüsse der Rotbuche gibt es vor allem im Oktober zum Sammeln.

Die Erntemenge ist wie bei den meisten Pflanzen abhängig vom vorherigen Klima im Sommer. Außerdem tragen die Bäume meist nur alle fünf bis sieben Jahre wirklich viele Früchte – aber auch in den anderen Jahren ist genug zum Sammeln vorhanden.

Bucheckern sammeln ist häufig wie Lose ziehen, denn es gibt viele Nieten – sogenannte taube Nüsse, die keine Kerne enthalten.

Bucheckern sind im rohen Zustand leicht giftig und sie sollten weiterverarbeitet werden. Durch Rösten und heißes Aufbrühen mit Wasser werden die Giftstoffe Fagin und Blausäure neutralisiert. Danach sind die Früchte essbar.

Das Rösten hast auch den Vorteil, dass die Bucheckern danach ihren typischen aromatischen Geschmack bekommen.

 

Esskastanien

Esskastanien sind eines meiner liebsten Nahrungsmittel im Herbst. Die zu den Buchen gehörenden Bäume, wachsen leider nicht in allen Regionen. In Deutschland sind sie vor allem im Schwarzwald und in Bayern zu finden.

Ab Ende September bis hinein in den Dezember kannst Du diese leckeren Edelkastanien sammeln.

Esskastanien enthalten Kalium, Magnesium und einige B-Vitamine. Der Protein- und Fettgehalt ist mit je 2 Gramm pro 100 Gramm sehr gering. Sie enthalten knapp 41 Gramm Kohlenhydrate und 8 Gramm Ballaststoffe.

Die Nüsse werden am besten geröstet und/oder gekocht. Sie können auch zu Püree verarbeitet werden (wie Kartoffelpüree).

Tipp: Nach dem Sammeln erkennst Du frische Früchte daran, dass sie im lauwarmen Wasser zu Boden sinken.

 

Hagebutten

Wer kennt sie nicht: Die Bilder der schönen Hagebuttenzweige, deren Früchte vom Frost der ersten kalten Herbstnächte eingedeckt sind – geflutet vom Licht der aufgehenden Morgensonne! Hach, ich liebe diese Jahreszeit.

Hagebutte Herbst sammeln

Nach dem ersten Frost am besten – die Hagebutte.

 

Hagebutten sind am leckersten, wenn sie bereits vom ersten Frost berührt wurden. Dann entwickeln sie einen süßlichen Geschmack.

Doch auch vor den ersten kälteren Nächten kannst Du sie roh direkt vom Strauch naschen (entferne vorher die Kerne, ich fahre einmal mit dem Daumennagel durch die halbierten Früchte). Sie sind dann zwar sehr bissfest und noch nicht so süß, aber man schmeckt ihre Vitalität – sie sind reich an sekundären Pflanzenstoffen und Vitamin C.

Nach dem ersten Frost kannst Du sie auch direkt vom Strauch pflücken, zwischen drei Finger nehmen und am Stielansatz ausdrücken, wodurch ihr rotes und süßes Gelee nach außen dringt – lecker und gesund.

Ansonsten kannst Du sie natürlich für alle weiteren Verarbeitungsschritte nutzen: Hagebuttenpulver, Gelee, Marmelade, Säfte und vieles mehr.

Die Hagebutte ist übrigens eine Geheimwaffe gegen Arthritis. Du findest hier einen Beitrag dazu.

 

Wildkräuter

Auch im Herbst kannst Du noch immer viele Wildkräuter ernten und genießen. Löwenzahn, Gänseblümchen, Spitzwegerich, Gundermann, Beinwell oder Brennnessel sind noch immer überall verfügbar.

Sie sind reich an Bitterstoffen, Magnesium und Vitamin C.

Wie wäre es mit einem herbstlichen Wildkräutersalat mit ein paar gerösteten Bucheckern und Brennnesselsamen als Toping – sei kreativ und bereite Dir eine wahre Nährstoffbombe zu. Dann kommst Du auch besser durch die Grippesaison.

 

Äpfel

Äpfel aus Neuseeland? Das macht wirklich keinen Sinn.

Aktuell müsstest Du fast mit Helm über die Streuobstwiesen laufen, so viele Äpfel fallen gerade vom Baum.

Konventionelle Äpfel aus dem Supermarkt sind eher nährstoffarm und Pestizid-belastet. Der Spruch „An apple a day, keeps the doctor away“ hat heutzutage eher ausgedient.

Wenn der Spruch zutrifft dann wohl in dieser Jahreszeit. Selbst gesammelte, frische Äpfel sind nährstoffreich und enthalten noch wertvolle Vitamine – vor allem die älteren Apfelsorten wie Berlepsch, Boskoop oder Cox Orange sind sehr gesund.

Besonders nährstoffreich sind frische Äpfel – doch es wäre schade, die vielen Früchte liegen zu lassen. Daher kannst Du sie zu Saft, Apfelmus oder Apfelringen weiterverarbeiten.

 

Birnen

Wie bei den Äpfel sind auch die heimischen Birnen, die im September und Oktober zu ernten sind, reich an Vitaminen.

Im Prinzip sind sie genauso vielseitig wie Äpfel – ihre Haltbarkeit ist jedoch meist etwas kürzer.

 

Pilze

Pilze sind das Aushängeschild des Herbstes und zu keiner Jahreszeit tummeln sich so viele Menschen in unseren Wäldern.

Zu dieser Jahreszeit wird sichtbar, wie sehr wir Menschen die Natur mögen und brauchen. Auf den sozialen Medien sind freudestrahlende Gesichter von Menschen zu sehen, die Pilze in allen Formen und Farben präsentieren – prächtig gefüllte Pilzkörbe, die Appetit auf eine leckere Pilzpfanne machen.

Pilze sammeln im Herbst

Frische Waldpilze sind ein Genuss!

 

Wer sich den Korb zu voll gemacht hat, der darf danach putzen, waschen und schneiden – was meditativ sein kann oder auch anstrengend.

Gleichzeitig ist auch Vorsicht geboten, da einige Pilze ungenießbar oder sogar giftig sind. Der Fliegenpilz ist daher nicht mehr als ein schönes Fotomotiv.

Pilze haben viel sekundäre Pflanzenstoffe und wertvolle Ballaststoffe wie Beta-Glucan).

Übrigens: Ein leckeres Pilz-Ragout findest Du hier.

 

In eigener Sache

Ist es nicht toll, wie viele Wildpflanzen der Herbst bietet? Da ich dies so spannend finde, habe ich ein “Jagen und Sammeln im Herbst“ Mikroabenteuer-Video auf meinem privaten YouTube Kanal eingedreht.

Hier streife ich durch die herbstliche Natur und gehe Jagen und Sammeln. Schau gern mal vorbei und begleite mich auf der Suche nach einem vollen Teller.
Vorwarnung: Es enthält viel nützliche Infos, aber auch einiges an Witz – ich nehme mich dabei nicht allzu ernst.

Auf dem Kanal findest Du wöchentlich ein neues Mikroabenteuer in der Natur, auf dem Rad, zu Fuß oder im Wasser – ich freue mich, wenn Du vorbeischaust und den Kanal abonnierst.

 

Weitere Nüsse, Früchte und Beeren zum Sammeln im Herbst

Das waren schon 11 verschiedenen Nahrungsmittel, die Du im Herbst sammeln kannst – kostenlos, frisch und verbunden mit einem tollen kleinen Mikroabenteuer.

Weitere Lebensmittel, welche Dir diese ertragreiche Zeit bietet sind:

  • Schlehen
  • Ebereschenbeeren
  • Heidelbeeren
  • Holunderbeeren
  • Zwetschgen
  • Berberitzen
  • Kornelkirschen

Übrigens sind zu dieser Jahreszeit auch Wurzeln interessant, da die Pflanzen ihre Nährstoffe zu dieser Jahreszeit dahin zurückziehen:

  • Blutwurz
  • Beinwell
  • Baldrian
  • Löwenzahn
  • Wegwarte
Lebensmittel Herbst sammlen

Wie voll wird Dein Sammelkorb?

 

Weitere Tipps um Wildpflanzen zu finden und zu erkennen

Unsere heimische Natur hat so viel zu bieten. Vieles davon ist uns oft verborgen, da wir es nicht kennen oder nicht wissen, wo wir es finden. Hierfür helfen mir die folgenden beiden Apps:

  • Mundraub.org hat die Mission Menschen und Obstbäume zusammen zu bringen. Die kostenlose browserbasierte App zeigt Dir, wo Du Nüsse, Beeren und Früchte in Deiner Region findest.
  • Pflanzenscanner wie Plantnet sind hilfreich um unbekannte Pflanzen per Foto zu scannen und danach zu suchen. Die App erkennt Blätter, Blüten oder Früchte und liefert Dir gute Ergebnisse. So habe ich zum Beispiel Weißdorn entdeckt und sehe ihn nun an jeder Ecke.

 

Fazit – Wildpflanzen im Herbst

Ich bin mir sicher, Du bist bereits gedanklich auf dem Weg in die Natur, um nach den goldenen Schätzen des Herbstes zu suchen.

Das Sammeln von Lebensmitteln im Herbst ist nicht nur aus nährstofftechnischer Sicht gesund. Es trägt auch dazu bei, zu unseren menschlichen Wurzeln und Instinkten zurück zu kehren. Die Suche und der Aufenthalt in der Natur ist gut für unsere Augen, stärkt das Immunsystem, reduziert Stress und macht uns bewusster und demütiger.

Ich wünsche Dir nun eine tolle Zeit im Freien – danach schmeckt der warme Wildkräutertee oder eine schöne warme Kürbissuppe doch umso besser – gepaart mit Deinen frisch gesammelten Snacks.

 

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