Kritik am Nutri-Score – was läuft hier schief?

Der Nutri-Score ziert seit 2021 viele der Lebensmittel in unserem Supermarkt. Die neue Lebensmittelampel mit den Werten A bis E soll den steigenden Zahlen von Fettleibigkeit in unserer Bevölkerung entgegenwirken.

… ein ehrwürdiges Vorhaben unserer Ernährungsbehörden.

Doch zuletzt wurde der Nutri-Score stark in die Mangel genommen – gar zerfetzt. Viele Ernährungs- und Gesundheitsexperten zeigen dem Lebensmittel-Navigationssystem die kalte Schulter.

Leider werden oft nur einige Wissenshäppchen über die schnelllebigen sozialen Medien verteilt, sodass wir der Thematik etwas mehr Raum und Hintergrundwissen geben möchten.

In diesem Artikel erfährst Du, was der Nutri-Score ist, wie er berechnet wird sowie Vor- und Nachteile.

Außerdem erfährst Du, warum es eigentlich bizarr ist, dass wir ein derartiges System überhaupt benötigen.

 

Der Nutri-Score: Wie konnte es soweit kommen?

Ich möchte zunächst etwas herauszoomen und das Bild etwas größer malen, damit wir uns danach auf die Feinheiten stürzen können.

Große Frage: Wie konnte es soweit kommen, dass wir Lebensmittel bewerten müssen?

Was ist passiert, dass sich so viele Menschen im Dschungel der zahlreichen Supermarkt-Lebensmittel verlaufen und scheinbar so oft danebengreifen? … mit der Konsequenz von Fettleibigkeit, Bluthochdruck oder Diabetes.

Haben wir verlernt, auf unsere Instinkte zu hören und zu erkennen, was unser Körper wirklich benötigt?

Ja, für viele Menschen trifft das leider zu!

Die Lebensmittelindustrie hatte lange Zeit freies Spiel und ein Schlemmerland aus Tütensuppen, Fertigpizza, Trinkmahlzeiten und Softdrinks gezaubert.

Das Rezept dafür ist einfach:

Man nehme billige Zutaten wie Zucker, Sonnenblumenöl, oder Weizen …

… paniert diese mit einem ausgeklügelten Marketing,

… hüllt sie in eine lebendige, emotionale Geschichte und

… packt sie auf Augenhöhe in das Supermarktregal.

Und fertig ist ein Produkt, welches unsere Instinkte ausschaltet. Zum Beispiel in Form einer so gesunden Milchschnitte, welche dann suggeriert, sie hätte den Klitschko-Brüdern zu ihrer erfolgreichen Sportler-Karriere verholfen.

Wiederholt man dies für 90 % unserer im Supermarkt verfügbaren Lebensmittel, dann hat man das Desaster.

 

Ein weiteres Problem an dieser Instinkttäuschung ist das verspätete Eintreten der Konsequenzen.

Unsere Vorfahren haben schnelles Feedback erhalten und mussten daher klüger agieren:

Wer am Fliegenpilz genascht hat, der hat sofort die Konsequenzen tragen müssen – in Form von tagelangen Bauchkrämpfen oder sogar dem frühzeitigen Ableben.

Der „moderne“ Mensch wird so schnell nicht darunter leiden, wenn er von seinem neuzeitlichen Jagen-und-Sammeln Ausflug mit einem Snickers-Riegel zurückkehrt und diesen freudestrahlend verdrückt.

Die Quittung dafür erhält er erst, wenn er über Jahre hinweg immer wieder zugreift und sich Erkrankungen wie eben Übergewicht und Co. über Jahre einschleichen (er ist ja schließlich nicht er selbst, wenn er kein Snickers isst).

Kritik Nutri Score

Unsere Vorfahren mussten selbst entscheiden. Was würde hier wohl der Nutri-Score sagen?

 

Und genau das ist das Big Picture (deutsch: Gesamtbild)!

Und zoomen wir wieder herein:

Was in den letzten Jahrzehnten entgleist ist, soll nun wieder geradegebogen werden – mit dem Ersatz-Instinkt-System des Nutri-Scores?!

Wie Du gleich sehen wirst, ist der Nutri-Score nur ein kleiner Baustein im großen Ganzen. Das Problem ist weit größer und komplexer.

Der Nutri-Score ist eben deshalb geschaffen, da Homo sapiens verlernt hat, auf seine eigenen Instinkte zu hören und sich zu weit von seiner Natur entfernt hat – ein Problem der nächsten Jahrzehnte.

… soweit der Vorrede – das musste mal raus.

 

Was ist der Nutri-Score?

Der Nutri-Score soll dem Verbraucher helfen, Lebensmittel nach ihrem Nährwert einschätzen zu können. Damit soll dieser Nährwert sofort sichtbar sein und klassische Nährwerttabellen vereinfachen und ergänzen.

Durchgesetzt wurde das Bewertungssystem von der Europäischen Union. Hierzulande wird das System vom BMEL (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) überwacht.

Wikipedia gibt folgende Definition des Nutri-Scores:

Der Nutri-Score (lat. nutritio „Ernährung“, engl. score „Auswertung“) ist ein System zur Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln. Eine fünfstufige Farb- und Buchstabenskala soll einen Überblick über die Nährwertbewertung eines Produktes liefern. Ziel des Systems ist es, eine Orientierung beim Kauf von Lebensmitteln zu geben und dadurch das Bewusstsein hinsichtlich einer ausgewogenen Ernährung zu steigern.

Falls Du nicht ausschließlich auf dem Hofladen oder dem Wochenmarkt einkaufst, sind Dir die neuen Kennzeichnungen sicher schon im Supermarkt aufgefallen.

Sie bestehen aus:

  • den typischen Ampelfarben Grün, Gelb und Rot sowie
  • den Buchstaben A, B, C, D und E.

Das Label sieht dann folgendermaßen aus:

Nurti Score neutral

Dabei hat es den Vorteil der einfachen Erkennung durch eine prominente Platzierung auf dem jeweiligen Produkt.

Derartige Kennzeichnungen zur Lenkung von Verbrauchern sind wir ja bereits gewöhnt:

  • Energieeffizienzklassen,
  • Umweltplaketten oder
  • abschreckende Bilder auf Zigarettenpackungen

… sind ähnliche Bewertungsmuster, um Verbraucherentscheidungen mit meist positiver Absicht zu lenken.

 

Wie berechnet sich der Nutri-Score?

Die Berechnung des Nutri-Scores erfolgt in drei Schritten:

 

Schritt 1: Zuordnen zu einer Lebensmittelgruppe sowie Ermittlung von Punkten für Eigenschaften des Lebensmittels

Grundsätzlich wird beim Nutri-Score zwischen Lebensmitteln und Getränken unterschieden. Beide werden ähnlich bewerten, jedoch mit anderen Punktzahlen.

Entscheidend sind dabei bestimmte Inhaltsstoffe der Produkte, dazu zählen:

Weniger positive Inhaltsstoffe:

  • Energie
  • Gesamtzucker
  • Gesättigte Fettsäuren
  • Salz (Natrium)

Positive Inhaltsstoffe:

  • Proteine
  • Ballaststoffe
  • Ausgewählte Öle*, Nüsse, Obst und Gemüse (*Rapsöl, Olivenöl, Walnussöl)

Notiz: Die zugrundeliegende Berechnung für Schritt 1 ist noch wesentlich kleinteiliger und es würde den Rahmen sprengen, es hier bis ins Detail aufzuschlüsseln. Dennoch möchte ich Dir einen Einblick geben.

Auszug aus Wikipedia:

Folgende Tabelle zeigt die Zuteilung negativer Punkte (N) für 100 g Lebensmittel. Der Natriumgehalt wurde berechnet, indem man den Salzgehalt durch 2,5 geteilt hat.

Zuteilung negativer Punkte (N) pro 100 g
PunkteEnergie

(kJ)

Zucker

(g)

Gesättigte Fettsäuren

(g)

Natrium

(mg)

0≤ 335≤ 4,5≤ 1≤ 90
1> 335> 4,5> 1> 90
2> 670> 9> 2> 180
3> 1005> 13,5> 3> 270
4> 1340> 18> 4> 360
5> 1675> 22,5> 5> 450
6> 2010> 27> 6> 540
7> 2345> 31> 7> 630
8> 2680> 36> 8> 720
9> 3015> 40> 9> 810
10> 3350> 45> 10> 900

Du siehst in der linken Spalte die jeweilige Punktzahl der weniger positiv zählenden Inhaltsstoffe. Je mehr Punkte, desto negativer ist die Auswirkung auf die Gesundheit bewertet (z.B. bedeuten > 45 Gramm Zucker auf 100 g Lebensmittel einen höchst negativen Wert von 10 Punkten).

 

Für die positiven Inhaltsstoffe sieht die zugrundeliegende Bewertung so aus:

Zuteilung positiver Punkte (P) pro 100 g
PunkteGemüse, Hülsenfrüchte, Schalenfrüchte,

Raps-, Walnuss- und Olivenöl

(%)

Ballaststoffe

(g)

Protein

(g)

0≤ 40≤ 0,9≤ 1,6
1> 40> 0,9> 1,6
2> 60> 1,9> 3,2
3> 2,8> 4,8
4> 3,7> 6,4
5> 80> 4,7> 8,0

Schritt 2: Berechnung der Gesamtpunktzahl

Der Score ergibt sich dann aus einer einfachen Rechnung:

Weniger positive Inhaltsstoffe – positive Inhaltsstoffe = Nutri-Score

 

Bewertung des Nutri-Scores. Bildquelle: BMEL

 

Schritt 3: Ableitung des Nutri-Score

Im letzten Schritt wird der Nutri-Score zur Klassifizierung nach Ampelfarben und Buchstabenwertung genutzt und kann nun auf das Produkt aufgebracht werden (das ist übrigens freiwillig für Hersteller).

Soweit – so gut. Die Berechnung des Nutri-Score scheint relativ transparent und einfach, wenn man sich etwas damit auseinander setzt.

 

Kommen wir nun zur Interpretation unseres Instinkt-Ersatzsystems!

Wir nehmen uns einige Aussagen unter die Lupe und schauen auf einige Beispielprodukte um festzustellen, was das System taugt.

 

Kritik am Nutri-Score: 3 Aussagen unter der Lupe

Nun ist es Zeit, den Nutri-Score einmal selbst zu bewerten und unter die Lupe zu nehmen. Lass uns mit einigen Aussagen zum Ziel und Nutzen des Bewertungssystems starten.

 

#1 Der Nutri-Score sagt nichts über gesund oder ungesund?

Auf den Seiten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft finden wir folgende Aussage:

Der Nutri-Score sagt nichts darüber aus, ob ein Lebensmittel gesund oder ungesund ist…“

Diese Art der Relativierung macht die Interpretation des Scores schon wieder verwirrend.

Nicht jeder Verbraucher wird die zugrundeliegende Bewertung im Detail hinterfragen. Er wird in den Supermarkt gehen, ein rotes E oder grünes A sehen und danach bewerten, ob das Lebensmittel gesund ist oder nicht.

Warum das fatal ist, wirst Du in den Produktbeispielen sehen.

… erklärt diese Aussage, warum hochwertiges, natives Olivenöl ein rotes E als Klassifizierung erhält? Es ist per se nicht ungesund, hat aber laut Score wenig Nährwert … hmmm … keine runde Sache – später mehr dazu.

 

#2 Nur gesundheitlich unbedenkliche Produkte?

Bei Punkt 2 besteht eine deutliche Diskussion zwischen dem, was das BMEL und moderne Ernährungsexperten als „gesundheitlich unbedenklich“ einstufen:

„… nur gesundheitlich unbedenkliche Lebensmittel in den Verkehr gebracht werden dürfen“

Okay, das schließt schon mal aus, dass wir im Vergleich zu unseren Vorfahren keine Fliegenpilze mehr in den Sammelkorb legen.

Doch was ist mit „gesundheitlich unbedenklich“ gemeint? Als treue/r SchnellEinfachGesund Leser/in ist Dir sicher unsere Stellungnahme zu Rapsöl in einem unserer letzten Beiträge aufgefallen. Wir finden schon, dass es gesundheitlich bedenkliche Lebensmittel gibt.

Sie wirken nicht so schnell wie der Fliegenpilz, aber dafür verzögert mit chronisch-negativen Konsequenzen.

… und bizarr ist die Klassifizierung von Rapsöl als positiver Inhaltsstoff im Rahmen der Nutri-Score Bewertung. Autsch!

Ja, Rapsöl bringt uns nicht direkt um – aber im Wörtchen „unbedenklich“ steckt zumindest “Denken” – und über Rapsöl als Lieblings-Öl der Deutschen sollten wir wohl mal nachdenken. (Mehr: Ist Rapsöl gesund?)

Und dass Pizza, Cola und Co. nicht unbedenklich sind, sehen wir ja an den Raten von Fettleibigkeit und Diabetes.

 

#3 Vergleich innerhalb einer Produktgruppe? Finde die beste Pizza!

Eine weitere Aussage des BMEL ist folgende:

[Der Nutri-Score …] ermöglicht den ernährungsphysiologisch sinnvollen Vergleich von Lebensmitteln innerhalb einer Produktgruppe.“

Diese Aussage unterstreicht das Ansinnen der Ernährungsbehörden nicht zwischen gesund und ungesund klassifizieren zu wollen, sondern den Vergleich innerhalb einer Produktgruppe zu vereinfachen.

Nutri Score Kritik

Finde die beste Pizza. Bildquelle: BMEL

Wie ist das zu interpretieren?

Der Verbraucher kann nun innerhalb einer Produktgruppe dasjenige mit dem besten Nährwert finden: das beste Müsli, die beste Pizza, das beste Pesto.

Natürlich ist der Gedanke löblich und ich gehe davon aus, dass die Ernährungsbehörden einen wirklichen Mehrwert bieten wollen.

Doch es darf die Frage gestellt werden, ob wir dem Problem der verlorenen Instinkte und Fettleibigkeit damit auf die Sprünge helfen, wenn Lieschen Müller nun eine Weizen-Zucker-Rapsöl-Pizza mit einem grünen A statt orangen D verdrückt?

Wie gesagt, dieser Punkt ist gut gedacht, aber am Ende auch schwammig. Das Pizza Beispiel folgt gleich hier.

 

Kritik am Nutri-Score: 3 Produkte im Detail

Lass uns nun ganz praktisch auf das Bewertungssystem schauen und einige Produkte forcieren:

 

Wagner Steinofen Pizza Spinat – Nurti-Score A

Ich unterstelle dies nun nochmal: Wenn ein großes grünes A auf einem Produkt erscheint, dann werden die meisten Verbraucher davon ausgehen, dass es gesund ist … auch wenn es von den „Nutri-Score Wissenschaftlern“ anders gedacht ist.

In diesem Falle erscheint die Bewertung der schönen grünen Nutri-Score A Steinofen Pizza doch sehr zwielichtig.

Hier die Zutatenliste:

WEIZENMEHL, zerkleinerte Schältomaten (21%), Blattspinat (18%), EDAMER (15%), Wasser, pflanzliches Öl (Raps), VOLLMILCH, Zwiebeln (1%), FRISCHKÄSE DOPPELRAHMSTUFE (1%), Hefe, Zucker, Speisesalz, Kräuter und Gewürze, WEIZENSAUERTEIG getrocknet, Maisstärke, Knoblauch, Dextrose, Gewürzextrakte. KANN ENTHALTEN: EI, FISCH, LUPINE, SELLERIE, SENF UND SOJA.

… Du siehst: Die Grenzen des Nutri-Scores werden hier deutlich: Weizen, Rapsöl, Dextrose, Zuckerwo bleibt da der NÄHRwert?

Was wiederum ebenfalls nicht erfasst wird: Die Pizza mit extra knusprigem Rand wird nach dem zweiten Backvorgang in Lieschen Müllers Backofen noch zusätzlich voller AGE’s sein (s. Advanced Glycation Endproducts) und dann nicht nur das Risiko für Fettleibigkeit erhöhen, sondern auch Demenz.

… eine Sackgase!

 

Olivenöl – Nutri-Score C bis E

Große Diskussionen gab es hinsichtlich der Bewertung von Olivenöl, welches mittlerweile etwas relativiert wurde. So prangerte auf hochwertigen Ölen von den sonnigen Olivenhainen in Griechenland ein drohendes rotes E.

… ein Lebensmittel, welches voller sekundärer Pflanzenstoffe ist, entzündungshemmend wirkt und im Vergleich zu Rapsöl einfach deutlich natürlicher ist. (Mehr: So gesund ist Olivenöl – das flüssige Gold)

Notiz: Mittlerweile wurden die Bewertungen relativiert und die meisten Olivenöle sind jetzt mit einem neutralen C gekennzeichnet. Dem Nutri-Score ist es also gleich, ob Du Rapsöl oder Olivenöl nutzt. Autsch!

 

Neste Cornflakes „Nesquik“ – Nutriscore A

Große Welle machte zuletzt ein Instagram Beitrag unseres Kollegen Tim Böttner (@thinkflowgrow), der folgenden Text schrieb:

„Warum Du etwas Bildung und Eigenverantwortung brauchst: Navigationssystem Nurti-Score sollte den Pfad leichter machen. Aber der Einzige, der sich freut, ist der lustige Nestle Hase“

Nutri Score Problem

Da freut sich der Nestlé-Hase über ein grünes A. Ein Wolf im Schafspelz – beachte die Zutaten! Sollen das unsere Kinder essen?

 

Sehr treffende Aussage!

Hier ein Blick auf die Zutaten-Liste der Cerealien mit wohl gutem Nährwert:

53,1% Vollkornweizenmehl, Zucker, 17,2% Maisgrieß, Glukosesirup, 5,6% fettarmer Kakao, Calciumcarbonat, enthält Sonnenblumenöl und/oder Palmöl, Salz, natürliche Aromen, Eisen, Niacin, Pantothensäure, Vit. D, Vit. B6, Thiamin (Vit. B1), Riboflavin (Vit. B2), Folsäure.

Und im Kontarst noch einmal die offizielle Zielstellung des Nutri-Scores:

„Eine fünfstufige Farb- und Buchstabenskala soll einen Überblick über die Nährwertbewertung eines Produktes liefern. Ziel des Systems ist es, eine Orientierung beim Kauf von Lebensmitteln zu geben und dadurch das Bewusstsein hinsichtlich einer ausgewogenen Ernährung zu steigern.“

Ein „Lebensmittel“ mit solch einer künstlichen Zutatenliste erhält dann ein grünes A? Ich denke, ich muss dies nicht weiter ausführen.

Nein danke!

 

Weitere Produkte:

Die Liste kann nun unendlich fortgeführt werden, mit dem Fazit, dass der Nutri-Score einfach nicht durchgängig funktioniert und den Fliegenpilz für Homo Sapiens nicht zuverlässig sichtbar macht.

  • Cola-Light: Nutri-Score B
  • Edeka Früchte Müsli: Nutri-Score A
  • Fruchtzwerge: Nutri-Score A
  • Einige Toastbrot-Sorten: Nutri-Score A

Um dem Nutri-Score abschließend etwas Positives abzugewinnen, gibt es auch einige Treffer:

  • Nutella: Nutri-Score E
  • Normale Coca-Cola: Nutri-Score E (na zum Glück gibt es Light-Produkte)
  • Blumenkohl: Nutri-Score A
  • Heinz-Ketchup: Nutri-Score D
Tipps zur Bewertung von Lebensmitteln

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Tipps für die eigene Bewertung von Lebensmitteln

Leider kann das Navigationssystem Nutri-Score derzeit nicht helfen, unsere verlorengegangenen Instinkte zu ersetzen. Es bleibt also in unserer eigenen Verantwortung, echte und vitalstoffreiche Lebensmittel zu finden.

Hierzu noch einige abschließende Tipps:

  • Nutze unverarbeitete Lebensmittel: Die Wahrscheinlichkeit von unnötigen Zusatzstoffen reduziert sich, wenn Du naturbelassene Lebensmittel nutzt. Obst, Gemüse, Beeren, Pilze, Eier, Weidefleisch, Fisch aus Wildfang. Das sind LEBENSmittel.
  • Lerne Nährwerttabellen und Zutaten zu lesen: Dennoch ist es okay, zu verarbeiteten Lebensmitteln zu greifen. Ich kaufe auch Pesto und Co. im Supermarkt. Es ist hilfreich, wenn Du lernst, die Tabellen und Zutatenlisten der Rückseite selbst zu interpretieren. Im Beispiel von Pesto, macht es einen großen Unterschied eines mit nur 5 Zutaten (inkl. Olivenöl) statt 10 Zutaten (inkl. Sonnenblumenöl) zu wählen.
  • Denke in Vitaminen & Mineralstoffen: Der Nutri-Score bezieht leider keine Vitamine, Mineralstoffe oder gesunde Fettsäuren ein. Lerne nährstoffdichte Lebensmittel zu finden.
  • Kaufe nur das Nötigste im Supermarkt: Nährstoffreiche Lebensmittel sind frisch, saisonal und regional. Die höchste Wahrscheinlichkeit dafür, diese Kriterien zu erfüllen hast Du, wenn Du direkt beim Erzeuger kaufst. Im Supermarkt kaufst Du dann nur das Nötigste.
  • Lerne auf Deine Instinkte zu hören: Der wohl wichtigste Tipp ist es, dass wir wieder lernen sollten auf unsere Instinkte zu hören. Unsere Augen, unser Geschmack und unser Gefühl können uns zeigen, was gut für uns ist. Dafür müssen wir uns aber den künstlichen Lock- und Geschmacksstoffen sowie dem Marketing der Lebensmittelindustrie entziehen.
Nutriscore Tabelle

Auch verarbeitete Produkte können gut sein. In diesem Falle gibt es keinen Nutri-Score. Lerne, die Zutatenlisten zu interpretieren. Links die Marke mit dem Großteil billigem Sonnenblumenöl. Rechts die bessere Wahl mit wenig Zutaten, hauptsächlich Basilikum und gutem Olivenöl!

 

Fazit: Ein D für den Nutri-Score

Der Nutri-Score hat grundsätzlich ein gutes, ehrenwertes Ziel und ist zumindest ein Schritt in Richtung mehr Transparenz, der sich ja noch entwickeln darf. Bei vielen Lebensmitteln trifft der Score ins Grüne und kann hilfreich sein.

Doch es gibt so viele Ausreißer und erschreckende Fehlinterpretationen, die einfach zu schwer wiegen. Die Zielgruppe des Scores sind Verbraucher, denen die Auswahl guter Lebensmittel schwer fällt – der Nutri-Score lockt sie dabei selten auf den richtigen Weg.

Das große Problem bleibt weiterhin eine Profit-gesteuerte Lebensmittelindustrie und der dahinter stehende Lobbyismus! (das Nestle-Häschen ist aber auch niedlich)

In diesem Artikel war es uns wichtig, Dir zunächst Zielstellung und die Berechnung des Scores darzulegen. Teil 2 des Artikels ist eine Einschätzung unsererseits. Diese darfst und sollst Du natürlich hinterfragen.

Was ist Deine Meinung zum Nutri-Score? Was würdest Du ändern?

 

Kommentarbereich
Bisherige Kommentare

Diese Ampel ist völlig überflüssig und nutzlos. Da ich immer meine Lebensmittel am Bauernmarkt oder Biomarkt frisch einkaufe und fast keine Fertigprodukte, brauche ich diese seltsame Ampel sowieso nicht. Ich lese mir die Zutaten durch und entscheide dann, ob ich das Produkt kaufe. Gilt im Biomarkt genauso. Auch mein Pesto mache ich immer frisch, weil es besser schmeckt. Liebe Grüße Ursula

Ursula

Ein Artikel, bei dem ich nur laut JAAAA sagen kann. Danke, für diese so eingängige Übersicht. Ich sag mal: gesunde Ernährung in einem Artikel zusammengefasst. Es könnte so einfach sein!

Maren Bucec

Hallo,
Da ich selbst für einen grossen Lebensmittelkonzern arbeite eine kleine Rückmeldung.
Nicht alle Hersteller sind glücklich mit diesem Nutiscore. Doch sie müssen Labeln. Tun sie es nicht wird es Ihnen negativ ausgelegt. Verbraucherschutz und Kunden legen das fehlen als negative Bewertung aus. Ihre Inhaltsstoffe haben sich nicht verändert. Und wie ihr es so treffend beschrieben habt war und ist es ein muss die Inhaltsstofflisten zu lesen.
Die Einführung des Nutriscore hat die Firmen viel Geld gekostet. Gefordert wurde dies nicht von den Lebenmittelherstellern. Im Gegenteil.
Für mich läuft hier eher eine Manipulation von anderer Stelle. Ansonsten ist die unlogische Bewertungsgrundlage nicht erklärlich.
Viele Grüße

Gabriele Fritzsche

Danke für den hilfreichen Beitrag! Beim Einkaufen sind mir auch schon einige Produkte aufgefallen, wo ich mich ernsthaft gefragt habe, wie da ein “A” draufstehen kann. Dies hier bestätigt das leider…

Robert

Der Nutriscore ist ein weiteres Beispiel für die Realitätsferne von Politik und Inkompetenz seitens Politik. Man traut den mündigen Bürgern nicht ein mal mehr zu eigenständig in der Lage zu sein sich zu ernähren, also muss der Nannystaat mal wieder einspringen… das dass nach hinten losgehen muss ist doch klar wenn Menschen mit Fakeabschlüssen und Größenwahn das Leben der Bürger bis ins kleinste Detail regulieren und überwachen muss.
Peinlich und Lächerlich.

Wayne

Ich halte den Nutri-Score sogar für gefährlich. Bisher hatte ich mich nicht informiert, und wenn ich mit meiner 4jährigen Tochter einkaufen gehe, erkläre ich ihr natürlich, warum wir was kaufen. So hab ich ihr bei der Müsli-Auswahl auch erklärt, dass auf den Haferflocken ein grünes A drauf ist, auf dem Schoko-Müsli aber nicht. Und natürlich entdeckt meine 4jährige den Nestle-Hasen mit dem grünen A! Was soll ich denn dann als Mutter sagen? Ok, das stimmt so nicht, wir müssen jetzt erst mal die Zutatenliste durchlesen? Die für eine 4jährige völlig unverständlich ist? Nachdem ich ihr den Nutri-Score aber einmal gezeigt habe, entdeckt sie ihn überall – und jetzt dauernd zu erklären, warum es doch nicht stimmt, ist nicht so einfach!
Ich halte ihn also – leider – doch für schädlich, weil er eine Information suggeriert, die von einer entsprechenden Bevölkerungsgruppe für wahr gehalten wird und NICHT ÜBERPRÜFT WERDEN KANN!!! Wenn man nicht in der Lage ist, die Zutatenliste zu verstehen, und der Nutri-Score die einzige verständliche Information ist, kann er ganz schön Schaden anrichten. Gut, 4jährige Kinder gehen nicht alleine einkaufen, aber es gibt Leute, die alleine einkaufen gehen, und denen die Zutatenliste zu kompliziert ist. Und die anderen trauen dem Nutri-Score eh nicht, wenn er Blödsinn suggeriert.
Fazit: ganz, ganz, ganz dringend nachbessern – sonst richtet man nur Schaden an.
P.S. Natürlich haben wir das Nestle-schoko-Müsli nicht gekauft, sondern ein anderes Schoko-Müsli mit Bewertung “C” als Topping zu den Haferflocken, was aber sinnvollere Zutaten enthält.

nicpiano
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