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Placebo Effekt: Die Kraft der Vorstellung

von Moritz Penne
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Placebo Effekt - Viele bunte lustige Kapseln

Hast Du schon mal gehört, dass Patienten auf wundersame Weise genesen? Und zwar ohne zusätzliche Behandlung durch einen Arzt? Menschen können kurz nach einer Knie-OP wieder laufen, ein Tumor entwickelt sich zurück oder eine Schwangerschaft ist auf einmal doch möglich! Heute möchte ich Dir einen tiefen Einblick in den Placebo Effekt geben und Dir zeigen, was wirklich dahintersteckt.

Was bedeutet der Placebo Effekt?

Placebo Effekt bedeutet, dass eine Wirkung eintritt, obwohl gar nichts gemacht bzw. kein Medikament (meist eine Zuckerpille) verabreicht wurde. Die Wirkung tritt nur ein, weil Du sie erwartest. Wie ist das möglich?

Kennst Du das? Dein Gehirn ist auf eine bestimmte Sache konditioniert, sodass Du gar nicht darüber nachdenken musst, wie es funktioniert?

Ein Beispiel: Du hast Grippe, also fühlst Du Dich schwach, ausgelaugt, müde usw. Aber sicherlich kennst Du Kinder, die noch vor 5 Minuten krank waren und nun wieder durch die Gegend hüpfen? Sie haben kurz vergessen, dass sie krank sind, weil sie kein inneres Regelwerk (NLP) aufgebaut haben. Sie entscheiden selber – überspitzt formuliert –, wann sie sich krank fühlen und wann nicht. Was wir von Kindern alles lernen können …

Diese Konditionierungen laufen bewusst und unterbewusst ab. Es gibt bestimmte Trigger (Auslöser), auf die dann eine bestimmte Reaktion folgt.1 Hast Du schon mal etwas „instinktiv“ getan? Genau das ist damit gemeint: ein Auslöser – eine bestimmte Reaktion.

 

Der Placebo Effekt ist eine Konditionierung

Mit dem Placebo Effekt wird eine Kombination aus bewusster Wahrnehmung und automatisch gesteuerter Reaktion beschrieben. Ein Konditionierungseffekt. Dieser läuft instinktiv, automatisch und unflexibel ab. Der Erfahrungseffekt auf der anderen Seite läuft bewusst, flexibel und adaptiv ab.

Das bedeutet, dass Du durch Deine bisherigen Erfahrungen bereits eine bestimmte Reaktion erwartest.

Ein Beispiel: Die klassische Packung Ben & Jerry’s vor dem Fernseher. Vielleicht hast Du als kleines Kind gerne Eis gegessen? Immer, wenn die Sonne schien und Du mit Deinen Freunden draußen gespielt hast, gab es ein großes Eis (Konditionierung).

Wenn Du mit Deinen Freunden spielst, empfindest Du Spaß, Gemeinschaft und Freundschaft. Heute vor dem Fernseher möchtest Du genau dasselbe wieder spüren, nur sind Deine Freunde gerade nicht da.

Die Lösung: ein großes Eis. Weil Du in Deiner Kindheit bereits darauf konditioniert wurdest, Gemeinschaft, Freundschaft und Spaß mit einem Eis zu verbinden, kannst Du die gleichen Gefühle jetzt noch einmal hervorrufen (bewusste Wahrnehmung).

Das Problem dabei: Jeden Abend eine Packung Ben & Jerry’s tut Dir und Deiner Gesundheit nicht gut.

Aber was wäre, wenn ich Dir jetzt etwas geben würde, das aussieht wie Ben & Jerry’s , schmeckt wie Ben & Jerry’s, aber tatsächlich nur Wasser ist? Die Wirkung wäre trotzdem die gleiche, oder?

Dieser Effekt – die Konditionierung und die Reaktion auch ohne echten Auslöser – ist der Placebo Effekt. Er funktioniert bei Medikamenten genau wie bei dem Eis. Schauen wir uns doch mal an, wie vielfältig diese Wirkungen ausfallen können.

 

3 unglaubliche Beispiele für den Placebo Effekt

Placebo und Parkinson

Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der ein Dopaminmangel entsteht. Dieser Neurotransmitter ist für die Informationsübertragung zwischen den Zellen zuständig. Wenn Du gesund bist, ist Dopamin Dein Antriebshormon bzw. Dein Glückshormon. Kennst Du das beflügelte Gefühl beim Essen, Zocken, Sport oder Shoppen? Genau das ist Dopamin.

Fehlt Dopamin, fehlt Dir auch die Laune. Im Fall von Parkinson sind die Konsequenzen noch viel schlimmer: Typische Symptome sind langsame bis keine Bewegung (Akinese), Muskelstarre (Rigor) und Zittern (Tremor) ².

Nun kommt der Placebo Effekt ins Spiel. In einer Metastudie3 aus dem Jahr 1999 wurde herausgefunden, dass Scheinmedikamente bei 9–59 % der Patienten die Symptome verbessern³. Und das ganz ohne Wirkstoff!

Wie das geht? Allein durch die Erwartung, dass Dir etwas hilft, wird bereits Dopamin freigesetzt. So konnte festgestellt4 werden, dass die bloße Erwartung, dass ein Medikament wirkt, das Belohnungssystem aktiviert. Und Belohnungssystem bedeutet nichts anderes als Dopaminausstoß.4

Das heißt: Weil die Patienten dachten, es würde ihnen bald besser gehen, kam es zu einem Dopaminausstoß. Dadurch wirkten sie den Symptomen der Krankheit (Dopaminmangel) entgegen und es ging ihnen besser.

 

Placebo beim Sport

Jetzt denkst Du Dir vielleicht: „Wow, tolle Sache, dass man Parkinson-Patienten so einfach helfen kann.“ Aber es kommt noch besser: Auch für gesunde Menschen lässt sich der Placebo Effekt nutzen. Zum Beispiel im Sport:

Im Jahre 2000 wurde Powerliftern (die menschlichen Maschinen, die 500 kg heben können) ein Steroid für gesteigerte Leistung versprochen, aber gegeben wurde ihnen lediglich ein Placebo.5 Das Resultat: Alle Athleten verbesserten Ihre Leistung mit dem Placebo (sie waren schließlich in der Lage, 550 kg anzuheben); ohne Placebo fiel ihre Leistung wieder ab.5

Und nicht nur Leistungssportler können von der richtigen Erwartung profitieren. Gewöhnlichen Studenten6 wurde eine Placebo-Tablette aus Milchzucker verabreicht und versprochen, dass sie damit viel mehr Bankdrücken können.

Und tatsächlich: Die Studenten konnten ihre Leistung deutlich steigern. Heißt für Dich: Du brauchst keine teuren Wunderheilmittel oder gar Steroide, um Dich im Sport zu verbessern. Wenn Du glaubst, dass eine Sache funktioniert, wird sie in den meiste Fällen auch funktionieren.6 Bei der Homöopathie verhält es sich übrigens genauso.

Am wichtigsten für die Wirkung ist der feste Glaube an das Resultat. In einer weiteren Studie7 wurde Profi-Radfahrern während des Trainings entweder ein Kohlenhydrat-Präparat oder ein Placebo gegeben. Einer Gruppe wurde gesagt, dass sie ein Placebo bekommt (obwohl es das Kohlenhydrat-Präparat war), der anderen Gruppe, dass sie Kohlenhydrat-Präparate erhalten (obwohl es ein Placebo war), eine dritte Gruppe bekam mit einer 50:50 Chance ein Placebo oder ein Kohlenhydrat-Präparat.7

Wie Du Dir schon denken kannst, verbesserte die Gruppe, der erzählt wurde, sie bekäme Kohlenhydrate, ihre Leistung um 4 % – obwohl es lediglich ein Placebo war. Und die Gruppe, die dachte, sie bekäme ein Placebo, tatsächlich aber Kohlenhydrate erhielt? Wie zu erwarten: keine Besserung!

Das Interessante: Keinerlei Verbesserung zeigte die Gruppe, die eine 50:50 Chance für ein Placebo oder ein Kohlenhydrat-Präparat hatte. Das bedeutet, Unsicherheit ist der Irrweg, der an Deinen Zielen vorbeiführt.

 

Placebo und Allergien

Genauso, wie Du Dein Gehirn darauf konditionierst, bestimmte Gefühle zu erzeugen, konditionierst Du auch Dein Immunsystem. Denn beide interagieren miteinander. Hast Du beispielsweise eine Pollenallergie, wird Dein Immunsystem reagieren, wenn Pollen im Anflug sind. Folglich bekommst Du Schnupfen, Migräne oder Husten.

Wiederholt sich dieses Spiel oft genug, kann es sein, dass Du sogar dann eine allergische Reaktion zeigst, wenn gar keine Pollen in der Nähe sind. Beispielsweise kann Dir ein Freund während eines Spaziergangs sagen, dass wieder viele Pollen unterwegs sind (Auslöser). Abends fühlst Du Dich dann schlapp und hast Husten. Doch in der Luft waren eigentlich gar keine Pollen messbar.8

In einer Studie an Krebspatienten konnte gezeigt werden, dass die typischen Symptome nach der Chemotherapie,  Erbrechen und Übelkeit, durch die Krankenhausumgebung hervorgerufen werden.10

Als Patient wird man bereits vorher darauf konditioniert, die Symptome zu zeigen. Anhand einer Vergleichsgruppe, die zu Hause behandelt wurde, konnte nachgewiesen werden, dass die Symptome nicht auftreten müssen (keine Konditionierung).

Somit bieten sich für zukünftige medizinische Anwendungen viele Möglichkeiten, den Placebo Effekt zu integrieren. Damit könnte der Gebrauch von teilweise gesundheitsschädlichen Pharmazeutika reduziert werden. Im Rahmen der Homöopathie wird der Placebo Effekt schon lange genutzt, um das Immunsystem entsprechend reagieren zu lassen. Wenn Du mehr über das Immunsystem erfahren möchtest, klicke hier: Immunsystem stärken.

 

Wie Du Dein Gehirn auf Heilung konditionierst

Jetzt denkst Du Dir: Sehr spannend, aber wie kann ich das Wissen über den Placebo Effekt für mich nutzen?

Zum einen würde ich Dir empfehlen, meinen Artikel über NLP zu lesen. Auch wenn dieses System etwas anders funktioniert, geht es darum, Dir jeden Tag ausführlich vorzustellen, Dich gesund oder noch leistungsfähiger zu fühlen.

Außerdem solltest Du über Deine Regeln reflektieren. Ein Beispiel. Du sagst Dir bereits bei einem kleinen Schnupfen: „Oh, man, ich bekomme eine Grippe.“ Und nun stell Dir die Frage: Wie oft hattest Du anschließend tatsächlich eine Grippe?

Änderst Du die Regeln, die Du Dir selbst aufstellst, änderst Du auch Deine Immunreaktion. Das bedeutet: mehr Gesundheit, mehr Freude, mehr Leistung.

Ein weiteres nützliches Tool neben neuen Regeln: Meditation. Meditieren lernen ist simpel. Jeder ist dazu in der Lage; im hinterlegten Beitrag erfährst Du, wie das funktioniert. Wenn Du Dir Deine Gesundheit bildlich ausmalen kannst, wird Dein Körper entsprechend darauf reagieren. Denn Dein Gehirn kann nicht unterscheiden zwischen dem, was Du Dir bildlich vorstellst und dem, was wirklich passiert.

 

Dr. Joe Dispenza: Tipps und Tricks eines Placebo-Profis

Dr. Joe Dispenza ist ein amerikanischer Wissenschaftler, Berater, Autor, Trainer der Selbstheilung und der Beeinflussung unseres Gehirns. Mit der Kombination aus Neurowissenschaften, Epigenetik und Quanten-Physik untersucht Dispenza mit seinen Kollegen mit neuesten wissenschaftlichen Methoden die Zusammenhänge zwischen Gedanken, Gehirn und Immunsystem.

In seinem Buch: You‘re the Placebo, beschreibt er eindrucksvoll, welche Erfahrungen die Menschen mit seinen Methoden gemacht haben und welche unglaublichen Heilungen erzielt werden konnten. Tumore bei Krebspatienten verschwanden, Querschnittsgelähmte konnten wieder laufen und eine Trainerin war in der Lage, mit geschlossenen Augen 360° um sich herumzuschauen.

Wenn Dich das Thema interessiert, kann ich Dir das Buch (Du bist das Placebo – Bewusstsein wird MaterieIr?t=schnelleinf04 21&l=am2&o=3&a=3867282633)* sehr empfehlen.

Außerdem beginnt Dr. Dispenza in diesem Jahr mit einwöchigen Workshops, die Du auf seiner Seite (http://www.drjoedispenza.com/) findest. Darüber hinaus kannst Du dort viele Online-Kurse, Webinare und weitere Bücher entdecken.

 

Fazit – Der Placebo Effekt ist mächtig

Ich finde den Placebo Effekt hochinteressant und nutze ihn selbst in meinem Alltag. Mit zwölf Jahren hatte ich mal Fußwarzen und kein Medikament hat geholfen. Die Mutter eines Freundes hat die Warzen dann „besprochen“ und das einzige, was ich machen musste, war, 20 Minuten bei mir zu Hause auf der Couch sitzen. Ob die Mutter meines Freundes wirklich etwas gemacht hat? Keine Ahnung. Auf jeden Fall waren die Warzen nach zwei Wochen weg.

Ich glaube, dass wir mit der wissenschaftlichen Erforschung der Zusammenhänge auf dem richtigen Weg sind und dass durch Menschen wie Dr. Joe Dispenza und Methoden wie Meditation vielen Menschen geholfen werden kann, ohne dass Pharmazeutika (mit vielen, vielen Nebenwirkungen) zum Einsatz kommen müssen.

 

Die wichtigsten Punkte heute

  • Placebo Effekt bedeutet eine bestimmte Gehirn- oder Immunreaktion auf einen bestimmten Auslöser (Trigger), ohne das Vorhandensein des ursprünglichen Grundes.
  • In dutzenden Studien konnte gezeigt werden, dass Placebo-Präparate sowohl Krankheiten heilen als auch die sportliche Leistung verbessern können.
  • Um selbst durchzustarten, fang am besten damit an, zu meditieren, glaube fest an die Wirkung der Methode, die für Dich funktioniert und nutze weitere Informationen wie im Buch (Du bist das Placebo – Bewusstsein wird MaterieIr?t=schnelleinf04 21&l=am2&o=3&a=3867282633)* von Dr. Joe Dispenza, um den Placebo Effekt für Dich zu nutzen.

PS: Was hältst Du vom Placebo Effekt? Wendest Du ihn selber an? Welche Erfahrungen hast du gemacht?

 

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Quellenverzeichnis
  1. Placebo Hrsg./Bearb.: Benedetti, Fabrizio, Enck, Paul, Frisaldi, Elisa, Schedlowski, Manfred, Verlagsort, Verlag, Jahr: Berlin [u.a.], Springer, 2014, S. 4
  2. Placebo Hrsg./Bearb.: Benedetti, Fabrizio, Enck, Paul, Frisaldi, Elisa, Schedlowski, Manfred, Verlagsort, Verlag, Jahr: Berlin [u.a.], Springer, 2014, S. 140
  3. https://www-ncbi-nlm-nih-gov.eaccess.ub.tum.de/pubmed/?term=Shetty+N%2C+Friedman+JH%2C+Kieburtz+K%2C+Marshall+FJ%2C+Oakes+D+(1999)+The+placebo+response+in+Parkinson%E2%80%99s+disease.+Parkinson+Study+Group.+Clin+Neuropharmacol+22(4)%3A207%E2%80%93212
  4. https://www-ncbi-nlm-nih-gov.eaccess.ub.tum.de/pubmed/?term=Scott+DJ%2C+Stohler+CS%2C+Egnatuk+CM%2C+Wang+H%2C+Koeppe+RA%2C+Zubieta+JK+(2008)+Placebo+and+nocebo+effects+are+de%EF%AC%81ned+by+opposite+opioid+and+dopaminergic+responses.+Arch+Gen+Psychiatry+65+(2)%3A220%E2%80%93231
  5. https://e-space.mmu.ac.uk/13266/
  6. https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/10413200601123736
  7. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=Clark+VR%2C+Hopkins+WG%2C+Hawley+JA%2C+Burke+LM+(2000)+Placebo+effect+of+carbohydrate+feedings+during+a+40-km+cycling+time+trial.+Med+Sci+Sports+Exerc+32%3A1642%E2%80%931647
  8. Placebo Hrsg./Bearb.: Benedetti, Fabrizio, Enck, Paul, Frisaldi, Elisa, Schedlowski, Manfred, Verlagsort, Verlag, Jahr: Berlin [u.a.], Springer, 2014, S. 166
  9. https://www.academia.edu/11972432/Brain_immune_interactions_and_the_neural_basis_of_disease-avoidant_ingestive_behaviour?ends_sutd_reg_path=true
  10. https://www.academia.edu/11972432/Brain_immune_interactions_and_the_neural_basis_of_disease-avoidant_ingestive_behaviour?ends_sutd_reg_path=true

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