Welche Rolle spielt die Schilddrüse bei unerfülltem Kinderwunsch?

Ein unerfüllter Kinderwunsch wird häufig ausschließlich mit Problemen der Fortpflanzungsorgane in Verbindung gebracht. Doch auch hormonelle Störungen im Körper, insbesondere der Schilddrüse, können eine wichtige Rolle spielen. Hierbei können sowohl eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) wie auch eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) einen Einfluss auf die Fruchtbarkeit von Frauen, als auch Männern, haben.


Einfluss der Schilddrüse auf die männliche Fruchtbarkeit

Auch beim Mann kann eine gestörte Schilddrüsenfunktion die Zeugungsfähigkeit beeinträchtigen. Leider wird bei unerfülltem Kinderwunsch selten an eine Schilddrüsenfunktionsstörung beim Mann gedacht. Jedoch hat die Schilddrüse eine entscheidende Rolle für die männliche Fruchtbarkeit. Sowohl eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) als auch eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) können die Spermienqualität, den Hormonhaushalt sowie die Libido negativ beeinflussen. [1]

Eine Schilddrüsenunterfunktion beim Mann führt oft zu Libidoverlust, Erektionsproblemen und Fruchtbarkeitsstörungen. Zudem hat eine Hypothyreose einen Einfluss auf die Form und Struktur der Spermien. Gleichzeitig kann eine Unterfunktion zu einem verringerten Testosteronspiegel, einer reduzierten Spermienbeweglichkeit und selteneren Ejakulationen führen.

Eine Schilddrüsenüberfunktion hingegen kann bei Männern zu einer deutlich verringerten Spermienzahl und damit zu eingeschränkter Fruchtbarkeit führen. [2]

Wird die Funktionsstörung der Schilddrüse frühzeitig erkannt und richtig behandelt, normalisiert sich die Spermienqualität in den meisten Fällen und die Zeugungsfähigkeit des Mannes erhöht sich wieder. 


Einfluss der Schilddrüse auf die weibliche Fruchtbarkeit

Schilddrüsenhormone stehen in enger Wechselwirkung mit Sexualhormonen wie z.B. Östrogen und beeinflussen damit den weiblichen Zyklus sowie die Eizellreifung. Gerät der Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht, hat dies direkte Auswirkungen auf den Zyklus, die Eizellreifung und damit auf die Fortpflanzungsfähigkeit. Frauen mit Schilddrüsenstörungen werden oft seltener schwanger. Ungefähr zehn Prozent der Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch leiden an einer Schilddrüsenfunktionsstörung. [3] Kommt es dennoch zur Empfängnis, erhöht insbesondere eine Schilddrüsenüberfunktion in den ersten Schwangerschaftswochen das Risiko für eine Fehlgeburt. [4] Daher ist es besonders wichtig, dass Frauen, die sich ein Kind wünschen, ihre Schilddrüsenwerte regelmäßig überprüfen lassen.

Eine rechtzeitige Diagnose und individuell angepasste Therapie können die Chancen auf eine Schwangerschaft deutlich verbessern.


Schilddrüsenerkrankungen vor der Schwangerschaft – rechtzeitig erkennen und behandeln

Schilddrüsenwerte bei unerfülltem Kinderwunsch: Welche Blutwerte wichtig sind

Zu den wichtigsten Schilddrüsenwerten zählen:

  • TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon): Dies ist ein Protein-Hormon, das in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet wird. Es reguliert die Schilddrüsenfunktion, indem es die Schilddrüse zur Produktion der Schilddrüsenhormone – insbesondere freies Thyroxin (fT4) – anregt.
    • empfohlener Zielwert bei Familienplanung: zwischen 0,4 und 2,5 µIU/ml
    • ein zu hoher TSH-Wert kann auf eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) hinweisen

  • fT4 (freies Thyroxin) & fT3 (freies Trijodthyronin): Diese aktiven Schilddrüsenhormone geben Aufschluss über die tatsächliche Hormonverfügbarkeit im Körper. Auch bei normalem TSH-Wert können sie Hinweise auf eine beginnende Störung liefern.
    • Referenzwert fT4: 9 - 18 pg/ml (Idealwert im oberen Drittel)
    • Referenzwert für fT3: bei 1,8 - 4,3 pg/ml (optimaler Wert bei 3,5-4,3 pg/ml)


  • Antikörper gegen Schilddrüsengewebe: Erhöhte Werte können auf eine Autoimmunerkrankung wie Hashimoto-Thyreoiditis hindeuten – auch ohne akute Symptome. Diese Form der Schilddrüsenentzündung kann langfristig die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.
    • TRAK/MAK (Antikörper gegen den TSH-Rezeptor) < 1
    • TPO-AK (Antikörper gegen die Thyreoperoxidase) < 35 IU/ml
    • TG-AK (Antikörper gegen das Schilddrüsenprotein Thyreoglobin) < 100 U/ml

Weitere Informationen zu den wichtigsten Schilddrüsenwerten, wie du sie messen kannst und vor allem, wie du diese optimieren kannst, findest du in folgendem Artikel.


Tipps zur Vorbereitung auf eine Schwangerschaft bei Schilddrüsenproblemen

  • Jodzufuhr gezielt anpassen:
    • bei gesunder Schilddrüse: moderate Supplementierung mit Kombipräparaten (z. B. Jod + Folsäure)
    • bei Autoimmunerkrankungen wie Morbus Basedow oder einer bestehenden Überfunktion sollte auf hochdosiertes Jod verzichtet werden – hier ist eine individuelle Rücksprache mit dem Arzt entscheidend. 

  • Nährstoffspeicher auffüllen:
    Die Schilddrüse benötigt nicht nur Jod, sondern auch Selen, Eisen, Zink, Vitamin D, B-Vitamine und Tyrosin zur optimalen Hormonproduktion. Eine gezielte Blutuntersuchung hilft, Mängel rechtzeitig zu erkennen und zu beheben.

  • Ernährung schilddrüsenfreundlich gestalten:
    Eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung unterstützt die Schilddrüse und den Hormonhaushalt. Auch das Reduzieren von verarbeiteten Lebensmitteln, Gluten (bei Hashimoto) und übermäßigem Stress kann positiv wirken.

  • TSH-Wert und Schilddrüsenhormone überprüfen lassen:
  • Vor einer geplanten Schwangerschaft ist eine ärztliche Untersuchung der Schilddrüsenwerte wie TSH, fT3 und fT4 empfohlen, um mögliche Störungen frühzeitig zu erkennen.


Weitere Informationen zu den wichtigsten Schilddrüsenwerten, wie du sie messen kannst und vor allem, wie du diese optimieren kannst, findest du in folgendem Artikel.


Endlich schwanger: Schilddrüsenprobleme und Symptome während der Schwangerschaft

Eine Schwangerschaft stellt für die Schilddrüse eine besondere Herausforderung dar. In den ersten Wochen muss sie deutlich mehr Hormone produzieren, da die Mutter nicht nur ihren eigenen Bedarf deckt, sondern die Schilddrüsenhormone auch über die Plazenta an den Fötus weitergibt. Erst ab etwa der zwölften Schwangerschaftswoche produziert die fetale Schilddrüse, eigenständig Hormone. Die Entwicklung von Organen und Nervensystem ist in der Frühschwangerschaft stark von einer ausreichenden Versorgung mit Schilddrüsenhormonen abhängig. Ein Mangel kann das Risiko für gefährliche Fehlbildungen und neurologische Schäden beim ungeborenen Kind deutlich erhöhen. Daher sollte der TSH-Wert regelmäßig kontrolliert werden, um Unter- oder Überfunktionen rechtzeitig zu erkennen.

Häufige Symptome bei Schilddrüsenunterfunktion und Schilddrüsenüberfunktion

Aus diesem Grund solltest Du einen Arzt aufsuchen, wenn du unter folgenden Symptomen in der Schwangerschaft leidest:

  • Schwellung am Hals
  • Depressionen
  • Vermehrtes Schwitzen
  • Konzentrationsprobleme
  • Trockene Haut
  • Trockene Haare
  • Durchfall oder Verstopfungen
  • hoher oder niedriger Puls
  • Kälte- oder Wärmeempfindlichkeit

Schwangere Frau sitzt ausgelauft auf einer Couch

Während der Schwangerschaft können verschiedene Schilddrüsenprobleme auftreten oder sich verschärfen. Hier ist ein Überblick über die häufigsten Schilddrüsenerkrankungen in der Schwangerschaft.


Schilddrüsenunterfunktion während der Schwangerschaft

Eine Unterfunktion entsteht oft durch eine Autoimmunerkrankung wie Hashimoto-Thyreoiditis oder einen Nährstoffmangel (Eisen, B-Vitamine, Selen oder Jod). Sie kann das Risiko für Fehlgeburten, Präeklampsie und Frühgeburten erhöhen. [5] Auch die gesunde Entwicklung des kindlichen Gehirns ist auf eine ausreichende Versorgung mit Schilddrüsenhormonen angewiesen. Typische Symptome bei der Mutter sind Müdigkeit, Gewichtszunahme oder depressive Verstimmungen. Die Behandlung erfolgt meist mit dem Medikament L-Thyroxin, wobei der TSH-Wert regelmäßig kontrolliert und unter 2,5 µIU/ml gehalten werden sollte.

Weitere Informationen zum Thema Schilddrüsenunterfunktion oder Hashimoto-Thyreoiditis findest du hier.


Schilddrüsenüberfunktion während der Schwangerschaft

Die häufigste Ursache für eine Überfunktion in der Schwangerschaft ist Morbus Basedow, eine Autoimmunerkrankung. Eine unkontrollierte Überfunktion kann das Risiko für Fehlgeburten, schweren Wachstumsverzögerungen beim Kind oder Frühgeburten erhöhen. [4] Symptome wie Herzrasen, Nervosität oder Gewichtsverlust sollten daher ernst genommen werden. Eine Behandlung mit niedrig dosierten Thyreostatika und regelmäßiger ärztlicher Kontrolle ist oft notwendig.

Weitere Informationen zum Thema Schilddrüsenüberfunktion oder Morbus Basedow findest du hier.


Schwangerschaftsbedingte Schilddrüsenveränderungen (Gestationsthyreotoxikose):

In den ersten Wochen der Schwangerschaft kann es durch das Hormon hCG vorübergehend zu einer leichten Überfunktion kommen. Diese sogenannte Gestationsthyreotoxikose ist in der Regel harmlos, tritt vor allem bei starker Schwangerschaftsübelkeit auf und normalisiert sich meist von selbst. Eine medikamentöse Behandlung ist selten erforderlich.


Schilddrüsenerkrankungen nach der Schwangerschaft

Nach der Geburt richten sich Aufmerksamkeit und Energie meist ganz auf das Neugeborene – dabei gerät die Gesundheit der Mutter oft in den Hintergrund. Doch gerade in der Zeit nach der Entbindung kann es bei Frauen zu hormonellen Veränderungen kommen, die die Schilddrüse betreffen. Schilddrüsenprobleme nach der Schwangerschaft sind keine Seltenheit und werden häufig übersehen, da ihre Symptome – wie Erschöpfung, Stimmungsschwankungen oder Gewichtsschwankungen – oft fälschlich als normale Begleiterscheinungen des Wochenbetts interpretiert werden.

Eine der häufigsten Ursachen ist die sogenannte postpartale Thyreoiditis, eine Entzündung der Schilddrüse, die meist schubweise verläuft und sowohl eine Über- als auch eine Unterfunktion verursachen kann. Unbehandelt kann sie langfristige Folgen haben – auch für die weitere Familienplanung.

Die Erkrankung verläuft typischerweise in zwei Phasen:

  1. Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose):
    In den ersten Wochen oder Monaten nach der Geburt kommt es zu einer gesteigerten Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen, da entzündete Schilddrüsenzellen zerstört werden. Symptome können Nervosität, Schlafstörungen, starkes Schwitzen, Herzrasen oder Gewichtsverlust sein.

  2. Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose):
    Nach der Überfunktionsphase folgt oft eine Unterfunktion, weil die Schilddrüse durch die Entzündung in ihrer Hormonproduktion beeinträchtigt ist. Typische Beschwerden sind Erschöpfung, depressive Verstimmungen, Konzentrationsstörungen, Gewichtszunahme und Kälteempfindlichkeit.

Die Behandlung richtet sich nach der Phase und dem Schweregrad der Erkrankung:

  • In der Überfunktionsphase ist häufig keine spezifische Therapie nötig, manchmal werden Betablocker zur Linderung der Symptome eingesetzt.

  • In der Unterfunktionsphase kann eine Behandlung mit dem Medikament L-Thyroxin erforderlich sein – insbesondere, wenn Beschwerden stark ausgeprägt sind oder der Wunsch nach einem weiteren Kind besteht.

In vielen Fällen heilt die postpartale Thyreoiditis nach einigen Monaten vollständig aus. In anderen Fällen kann sie in eine dauerhafte Schilddrüsenunterfunktion übergehen, die regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls dauerhaft behandelt werden muss.

Schilddrüsenveränderungen nach der Schwangerschaft sind häufig, werden aber oft unterschätzt. Eine frühzeitige Diagnose kann helfen, Beschwerden wirksam zu lindern und langfristige Folgen zu vermeiden. Frauen mit Schilddrüsenproblemen in der Vorgeschichte oder mit unerklärlichen Symptomen nach der Geburt sollten ihre Schilddrüsenwerte regelmäßig kontrollieren lassen.


Fazit: Vom Kinderwunsch bis zur Stillzeit: Gut versorgt durch alle Phasen – trotz Schilddrüsenerkrankung

Eine ausgewogene Nährstoffversorgung ist vor der Schwangerschaft wichtig, um optimale Voraussetzungen für die Empfängnis zu schaffen. Während der Schwangerschaft und in der Stillzeit unterstützt sie die Gesundheit von Mutter und Kind und hilft, den erhöhten Bedarf sowie die Hormonbalance auszugleichen.

Besonders bei bestehenden Schilddrüsenerkrankungen wie einer Unter- oder Überfunktion kommt es auf eine gezielte Zufuhr von Jod, Selen, Eisen, Vitamin D, B-Vitaminen und weiteren Mikronährstoffen an. In Kombination mit einer individuell abgestimmten Therapie und regelmäßigen Kontrollen kann der Körper so optimal unterstützt werden.

Auch mit einer Schilddrüsenerkrankung ist eine gesunde und unkomplizierte Schwangerschaft möglich. Viele Frauen erleben – mit der richtigen medizinischen Begleitung – eine ganz normale Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit. Lass Dich nicht entmutigen: Hol dir Unterstützung, sorge gut für Deinen Körper und vertraue auf Deinen Weg zum Wunschkind.


Schwangere Frau malt ein glückliches Gesicht auf ihren Baby Bauch


  1. Krajewska-Kulak, E. & Sengupta, P. (2013). Thyroid function in male infertility. Frontiers in Endocrinology, 4. https://doi.org/10.3389/fendo.2013.00174
  2. ] La Vignera, S. & Vita, R. (2018). Thyroid dysfunction and semen quality. International Journal Of Immunopathology And Pharmacology, 32. https://doi.org/10.1177/2058738418775241
  3. Wali, A. A.-E.-D., Abdelfattah, W., Abd-El-Fatah, S. M., Department of Obstetrics and Gynecology & Department of Clinical and Chemical pathology. (2020). Prevalence of thyroid dysfunction and thyroid autoimmunity in infertile women [Article]. Department Of Obstetrics And Gynecology. https://ebwhj.journals.ekb.eg/article_125777_249160a47e3ba9c1f890857d2d837b78.pdf?utm_source=chatgpt.com
  4. Andersen, S. L., Olsen, J., Wu, C. S. & Laurberg, P. (2014). Spontaneous Abortion, Stillbirth and Hyperthyroidism: A Danish Population-Based Study. European Thyroid Journal, 3(3), 164–172. https://doi.org/10.1159/000365101
  5. Crnčić, T. B., Ćurko-Cofek, B., Batičić, L., Girotto, N., Tomaš, M. I., Kršek, A., Krištofić, I., Štimac, T., Perić, I., Sotošek, V. & Klobučar, S. (2024). Autoimmune Thyroid Disease and Pregnancy: The Interaction Between Genetics, Epigenetics and Environmental Factors. Journal Of Clinical Medicine, 14(1), 190. https://doi.org/10.3390/jcm14010190