Leinöl gilt als gesund. Besonders überzeugend ist sein hoher Gehalt an pflanzlichen Omega-3-Fettsäuren, nur überboten von Leindotteröl. Außerdem birgt es viel Vitamin E. Doch welche Leinöl Nebenwirkungen gibt es? Und wie kann man sie vermeiden?
Was ist Leinöl?
Leinöl entsteht durch die Kaltpressung von Leinsamen. Diese werden in Deutschland und Frankreich angebaut und müssen nicht wie Chiasamen aus Südamerika importiert werden. Kontrollierter Bio-Anbau und ökologischer Transport können bei Leinsamen deutlich leichter bewerkstelligt werden als bei ihren südamerikanischen Verwandten.
Die Vorteile von Leinöl
Ehe ich auf Leinöl Nebenwirkungen eingehe, möchte ich kurz einige Vorteile thematisieren. Spoiler: Diese wiegen schwerer als die Nachteile. Behalte das bitte im Hinterkopf.
#1 Hoher Gehalt an Omega-3-Fettsäuren
Leinöl gehört zu den Lebensmitteln mit dem höchsten Gehalt an Omega-3-Fettsäuren. Es birgt allerdings nur pflanzliche Varianten. Der Körper kann diese zwar in tierische (EPA & DHA) umwandeln, aber der Prozess ist sehr ineffizient.
Während die tierischen als Baustoff benötigt werden, zeigen die pflanzlichen eine entzündungshemmende Wirkung. Der Konsum lohnt sich also trotzdem.
#2 Hoher Vitamin-E-Gehalt
Vitamin E ist in Zellmembranen das wichtigste Antioxidans. Es ist in der Zellhülle verankert und schützt diese vor freien Radikalen – aggressiven Molekülen, die durch Stoffwechselprozesse und chronische Entzündungen entstehen. Vitamin E entschärft sie und schützt die Zelle.
Fettreiche Nüsse und Samen sind reich an Vitamin E, Leinöl ist jedoch besonders reichhaltig. Schon ein Esslöffel des Öls deckt bereits einen guten Teil des Tagesbedarfs an Vitamin E.
#3 Hemmt chronische Entzündungen
Chronische Entzündungen sind ein massives Gesundheitsproblem. Sie stecken hinter Autoimmunerkrankungen, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Arthritis und sogar Krebs.
Durch seinen hohen Gehalt an gesunden Fetten, Vitamin E und einigen Antioxidantien wirkt Leinöl entzündungshemmend. Gut für jeden, der unter chronischen Entzündungen und viel Stress leidet.
Das waren die wichtigen Vorteile von Leinöl. Bitte behalte sie im Hinterkopf, wenn wir uns nun den Nebenwirkungen zuwenden.
Hat Leinöl Nebenwirkungen?
Um zu ermitteln, welche Leinöl Nebenwirkungen es gibt, müssen wir erneut die Inhaltsstoffe unter die Lupe nehmen. Besonders die mehrfach ungesättigten Fettsäuren.
#1 Könnte Entzündungen verschlimmern
Erhitzt man Leinöl, kann es problematisch werden. Dabei oxidieren die wertvollen Omega-3-Fettsäuren und werden in Transfette oder Epoxide umgewandelt. Beide Stoffklassen sind unnatürlich und können vom Körper nur unzureichend verstoffwechselt werden. Folglich sammeln sie sich im Stoffwechsel an und sabotieren diesen. Darüber hinaus lagern sie sich in Blutgefäßen, Leber und Zellen ab.
Transfette sind bekanntermaßen in Margarine, Pommes und Hamburgern enthalten. Bei falscher Verwendung kann auch Leinöl zur Transfett-Quelle werden. Also bitte nicht mit Leinöl kochen.
#2 Kann keine gesunde Ernährung ersetzen
Was meine ich damit? Leinöl ist sehr empfindlich. Werden die wertvollen Fettsäuren falsch behandelt – etwa beim Erhitzen – entstehen schädliche Abbauprodukte wie Epoxide oder oxidierte Fettsäuren. Genau deshalb sollte Leinöl ausschließlich kalt verwendet werden.
Auch im Körper gilt: Wenn wir ungesund leben, steigt die Belastung mit freien Radikalen. Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum, Stress, Bewegungsmangel und eine nährstoffarme Ernährung fördern chronische Entzündungen und damit die Bildung oxidativer Stoffe. Diese greifen die empfindlichen Fettsäuren des Leinöls an – auch wenn sie schon in unseren Zellmembranen eingebaut sind.
Leinöl ist also kein Freifahrtschein. Wer hofft, damit eine ungesunde Lebensweise auszugleichen, schadet sich im Zweifel sogar. Betrachte Leinöl deshalb als Baustein einer insgesamt gesunden Ernährung, nicht als ultimative Lösung.
#3 Könnte östrogenartig wirken
Leinsamen enthalten sogenannte Lignane. Das sind Pflanzenstoffe, die im Körper ähnlich wie schwache Östrogene wirken – deshalb nennt man sie auch Phytoöstrogene. Erste Studien deuten darauf hin, dass Lignane das Risiko für bestimmte Krebsarten senken können und bei Frauen in den Wechseljahren hilfreich sind. Ganz eindeutig ist die Studienlage zwar noch nicht, aber die Hinweise sprechen für einen positiven Effekt.
Wichtig dabei: Im Leinöl stecken von Natur aus kaum Lignane. Nur wenn es als spezielles „High-Lignan-Leinöl“ gekennzeichnet ist, wurde der Presskuchen des Samens beigemischt. Der eigentliche Nutzen von Leinöl kommt also durch die wertvollen Omega-3-Fettsäuren, nicht durch die Lignane.
Wenn Du unter hormonabhängigen Problemen leidest (z. B. einer Östrogendominanz), empfehle ich Dir, die Mengen im Alltag im Rahmen zu halten – also etwa ein bis zwei Esslöffel Leinöl oder Leinsamen pro Tag. So profitierst Du von den Vorteilen, ohne dass es zur Belastung für Deinen Hormonhaushalt wird.

Natürliche Lignane, die auch in Leinöl vorkommen. Ar = Arylgruppe. Aus Rodriguez-Garcia et al. (2019)
Fazit – mögliche Nebenwirkungen von Leinöl
Die Nebenwirkungen von Leinöl sind überschaubar. Achte darauf, dass es nicht ranzig ist, erhitze es nicht und verwende es nicht im Übermaß. Als Teil einer gesunden Ernährung und entfaltet es Vorteile.
- Rodríguez-García C, Sánchez-Quesada C, Toledo E, Delgado-Rodríguez M, Gaforio JJ. Naturally Lignan-Rich Foods: A Dietary Tool for Health Promotion?. Molecules. 2019;24(5):917. Published 2019 Mar 6. doi:10.3390/molecules24050917
- Mason JK1, Thompson LU. Flaxseed and its lignan and oil components: can they play a role in reducing the risk of and improving the treatment of breast cancer? Appl Physiol Nutr Metab. 2014 Jun;39(6):663-78. doi: 10.1139/apnm-2013-0420. Epub 2013 Dec 23.
- Hazafa A. et al. (2019): Nutr Cancer. 2019 Jul 9:1-12. doi: 10.1080/01635581.2019.1637006. [Epub ahead of print] The Role of Polyphenol (Flavonoids) Compounds in the Treatment of Cancer Cells.
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