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Judasohr (Auricularia polytricha) – Der Pilz für die Durchblutung!

von Martin Auerswald, M.Sc.
Judasohr Auricularia polytricha

Zuletzt aktualisiert am 21. Januar 2020 um 15:27

Das Judasohr (Auricularia polytricha), auch bekannt als Waldohr, Holunderschwamm und chinesischer Morchel, ist ein in der traditionell Chinesischen Medizin sehr geschätzter Heilpilz. Dort wird er besonders für seine durchblutungsfördernden Eigenschaften geschätzt. Im europäischen Mittelalter war er einer der bekanntesten und begehrtesten Pilze, der bei verschiedenen Leiden gegeben wurde. Erfahre hier alles Wichtige über das Judasohr.

 

Was ist das Judasohr?

Das Judasohr (Auricularia polytricha) ist ein leckerer Speisepilz, der seit Jahrtausenden in China kultiviert wird. Auch in Europa und Nordamerika ist er heimisch und wird als Speise- und Vitalpilz geschätzt.

Er ist auch unter den Namen Mu-Err, Waldohr, Holunderschwamm und chinesischer Morchel bekannt. Die meisten Deutschen kennen ihn tatsächlich unter letzterem Namen: Denn das Judasohr ist der typische, schwarz-schleimige Morchel, der sich in vielen chinesischen Gerichten, etwa den „Zehn Köstlichkeiten“, findet. Damit sind die zehn Köstlichkeiten – mal abgesehen vom meist billigen Speiseöl – doch gesünder, als es den Anschein macht.

Die Namen Judasohr und Holunderschwamm haben geschichtliche Hintergründe: So ist überliefert, dass sich Judas Ischariot, nachdem er Jesus verraten hat, an einem Holunderbaum erhängt hat. Der Pilz ist vornehmlich auf altersschwachen Holunderbäumen zu finden und hat in freier Wildbahn tatsächlich das Aussehen eines Ohrs.

Der Pilz ist, wie auch Reishi, Chaga oder Shiitake, ein klassischer Primärzersetzer. Er befällt alte und geschwächte Bäume und ernährt sich parasitär von ihnen.

Das Judasohr wächst vornehmlich in März und April in feuchten Laubwäldern mit Holunderbestand. Viele Pilzfreunde sammeln ihn in dieser Jahreszeit – jedoch ist das Auftreten sehr unterschiedlich. Mal wächst er haufenweise, mal gar nicht (auch nicht unter besten Bedingungen).

 

Die Geschichte des Judasohrs

Es ist bekannt, dass das Judasohr seit Jahrtausenden in China kultiviert und verzehrt wird. In der chinesischen Medizin spielt er als „Pilz für die Durchblutung“ eine wichtige Rolle, wird jedoch auch für seine entzündungslindernden und antibakteriellen Eigenschaften geschätzt.

In Europa wird er auch bereits länger für seine vitalisierenden Eigenschaften geschätzt. Für Galenos von Pergamon, einen der großen Heilkundigen der Antike, ist das Waldohr gar eines der wichtigsten Naturmedikamente überhaupt. In diesem Zusammenhang wurde überliefert, dass der Pilz bei Augenentzündungen wertvoll ist: Man weicht den getrockneten Pilz über Nacht in Wasser ein und reibt sich die Einweichflüssigkeit vorsichtig auf die Augen. Wissenschaftlich ist dies jedoch nicht bestätigt und es wird empfohlen, dies nur bei Bio-Pilzen aus heimischem Anbau bzw. Ernte zu tun.

 

Judasohr: Gesundheitliche Vorteile und Wirkungen

Nach diesen allgemeinen Fakten soll es nun um die Vorteile und Wirkungen des Judasohrs gehen. Was kann man sich vom regelmäßigen Verzehr des Pilzes, Pulvers oder Sud’s erhoffen?

Im Anschluss folgt eine Auflistung der aus der Wissenschaft und klinischen Erfahrung bekannten Vorteile und Wirkungen:

 

5 Vorteile, die alle Heilpilze zeigen

  1. Immunstärkung
  2. Regulierung der Darmflora
  3. Darmstärkung
  4. Entzündungslinderung
  5. Antitumoral

Diese 5 Vorteile sind bekannt und gut untersucht und sind dem geschuldet, dass diese Pilze alle ß-Glucane und Triterpene in ansprechender Menge enthalten. Sie treffen auch auf das Judasohr zu. Mehr Informationen zu diesen fünf Wirkungen hier: Heilpilze Wirkung.

 

Einzigartige Vorteile des Judasohrs

Der Auricularia polytricha ist DER Pilz für die Durchblutung. Jeder Heilpilz scheint einen bestimmten Schwerpunkt bzw. Anwendungsbereich im Körper zu haben. Beim Judasohr scheint dies die Durchblutung zu sein: Sowohl im großen Sinne (Blutdruck), wie auch im kleinen Sinne (Mikrozirkulation und Regeneration).

1. Aphrodisierend

In einer Rattenstudie konnte gezeigt werden, dass der regelmäßige Verzehr von A. polytricha zu einer deutlichen aphodisierenden Wirkung geführt hat1. Mit dem biologischen Hintergrund, dass eine gesteigerte Durchblutung wie eine Art Viagra wirkt, könnte das auch beim Menschen Sinn ergeben.

2. Schmerzlindernd

Eine Studie aus dem Jahr 1982 untersuchte bestimmte Inhaltsstoffe aus dem Judasohr und verglich die schmerzstillende Wirkung mit der von Aspirin3. Das Ergebnis war sehr überzeugend: Die einzelnen Inhaltsstoffe (überwiegend Ceramide und Cerebroside) und der reine Extrakt war in etwa so stark schmerzstillend wie Aspirin.

Das ergibt auch Sinn, wenn Schmerz oftmals einem lokalen Bluthochdruck gleichkommt, der auf umgebende Schmerzrezeptoren drückt. Auricularia beseitigt diesen lokalen Bluthochdruck.

3. Blutdruckregulation

Es gibt noch keine groß-angelegte und überzeugende wissenschaftliche Studie für eine blutdrucksenkende Wirkung vom Judasohr. Und doch ist dies aus der TCM seit Jahrtausenden bekannt – wissenschaftliche Studien wird es also wahrscheinlich schon sehr bald geben.

Dies deckt sich auch mit meiner Erfahrung: Judasohr weitet die Blutgefäße und verbessert die Durchblutung, bei Bluthochdruck könnte dies zu einer Senkung des Blutdrucks führen.

4. Geeignet für Sportler

Die gefäßerweiternde und entzündungshemmende Wirkung könnte für Sportler interessant sein: Beim Sport sind die Gefäße weiter und können damit mehr Sauerstoff und Energie zu den Muskeln transportieren. Ein ähnlicher Effekt, wie er aus Spinat und rote Beete bekannt ist.

5. Regenerierend

Bleiben wir bei Sportlern: Durch eine gesteigerte Mikrozirkulation (Durchblutung der kleinen Blutgefäße, von denen wir mehrere Millionen haben) ist eine verbesserte Regeneration zu erwarten.

Meine Erfahrung ist, dass ich eine enorm verbesserte Regeneration habe, wenn ich nach einem harten Krafttraining ein Gericht mit 50 g Judasohr (Trockengewicht) esse. Soll heißen: Am nächsten Tag 90-100 % weniger Muskelkater (!).

6. Antiviral (?)

Eine Reagenzglasstudie konnte zeigen, dass ein Extrakt aus Judasohr ein wichtiges Enzym im HI-Virus hemmt5. Dadurch konnte sich das Virus nicht mehr vermehren. Ob dies auch auf den Menschen und auf andere Viren übertragen werden kann, muss noch geklärt werden.

7. Antithrombotisch

Eine sehr neue Studie, die im angesehenen Magazin „Nutrients“ erschienen ist, untersuchte die anti-thrombotische Wirkung verschiedener Heilpilze und verglich sie mit Aspirin4. Der Austernpilz und das Judasohr waren die zwei Pilze, die hier deutlich herausstachen und deren anti-thrombotische Wirkung im Reagenzglas mit der von Aspirin vergleichbar war.

8. Cholesterinsenkend

Eine sehr interessante Rattenstudie untersuchte die cholesterinsenkende Wirkung von Judasohr. Den Ratten wurde dabei eine Ernährung verabreicht, die zu einer Steigerung des Cholesterinspiegels führt. Eine Gruppe der Ratten erhielt daraufhin Auricularia-Extrakt in hohen Mengen. Ergebnis: Senkung des Cholesterinspiegels um durchschnittlich 35 % (!)7.

Dies sind die wichtigsten bekannten Vorteile und Wirkungen des Judasohrs. Sie machen ihn zu einer wahren Allzweckwaffe und sind der Grund dafür, warum er so häufig und vielseitig eingesetzt werden kann. Diese Vorteile sind überwiegend wissenschaftlich gut beschrieben.

Nun soll es in die Praxis gehen: Wann bietet sich die Einnahme an?

 

Mögliche Anwendungen des Judasohrs

Aus den Vorteilen und der klinischen Erfahrung sind viele Anwendungen des Judasohrs bekannt. Bei den folgenden Zuständen bietet sich die Einnahme an:

 

Inhaltsstoffe des Judasohrs

Die Inhaltsstoffe des Judasohrs sind nicht so gut untersucht, wie bei anderen Pilzen. Die ß-Glukane im Pilz sind einzigartig und bilden in Wasser eine Art Hydrogel, was sicher für viele der Eigenschaften verantwortlich ist. Auch der hohe Gehalt an Ceramiden und Cerebrosiden (wichtigen Signalstoffen im Körper) ist zu nennen.

ß-Glukane sind in allen Pilzen enthalten, nicht nur im Judasohr. Besonders hervorzuheben ist, dass die ß-Glukane aus Pilzen (ß-1,3-1,6) effektiver sind als aus Getreide (ß-1,3). Das bedeutet, sie aktivieren das Immunsystem stärker und bereits in geringerer Dosis. Daher wirkt sich eine geringe Menge Pilze – gleichmäßig und längerfristig konsumiert – so positiv auf das Immunsystem aus.

 

Meine Erfahrung mit Judasohr

Der chinesische Morchel ist – neben dem Maitake und Austernpilz – mein kulinarischer Lieblingspilz. Er hat eine leicht-glibberige Konsistenz, die ich sehr mag. Außerdem saugt er sich, wenn er in Wasser eingelegt wird, sehr mit Flüssigkeit voll und nimmt dann schnell das 10- bis 30-fache seines Trockenvolumens an.

Er ist nicht ganz so aromatisch wie andere Pilze. Aber die Konsistenz und seine Wirkung auf meine sportlichen Leistungen, meine Denkfähigkeit und die Regeneration nach dem Sport sind so stark, dass ich mittlerweile jede Woche 1-2-mal diesen Pilz zubereite.

 

Der chinesische Morchel als Speisepilz

Wie gesagt: Aromatisch ist er nicht so sehr, eher geschmacksneutral. Aber Konsistenz und Wirkung machen ihn zu einem meiner Lieblingspilze in der Küche.

Er kann in jedem asiatischen Lebensmittelgeschäft sowie im Internet erworben werden. Da nur wenig Pilz für eine ordentliche Mahlzeit nötig ist (50 g pro Person maximal), reicht eine 1kg-Packung sehr lange und ist relativ kostengünstig.

Da die meisten Pilze leider noch aus China stammen, muss er gut gewaschen und eingeweicht werden. Ich empfehle, ihn zuerst gründlich zu waschen und dann doppelt einzuweichen (2-mal hintereinander). Das Einweichwasser sollte immer weggeschüttet werden. Danach erst wird er gekocht – 20 Minuten reichen dann völlig aus.

Am liebsten verzehre ich ihn im Rahmen eines Eintopfes oder Suppe oder in einem meiner Lieblingsgerichte nach dem Kraftsport: Mit Reis, Bohnen, etwas Hühnerbrust, Kokosöl, Ingwer, Kurkuma, Zimt. Sehr lecker!

Judasohr Mu-Err chinesischer Morchel

Judasohr nach dem Einweichen und bereit für den Kochtopf!

 

 

Das Judasohr in Deutschland – Wildfunde

Das Judasohr wächst auch in Deutschland und ist in März und April in feuchten Laubwäldern häufiger zu sehen. Er wächst besonders gerne auf Holunderbäumen:

Judasohr Mu-Err chinesischer Morchel

Ein sehr schöner Wildfund der die Ohr-Form sehr gut zeigt (jedoch nicht immer so gleichmäßig ist).

Judasohr kaufen – Ein Überblick über die besten Produkte

Am liebsten verwende ich den Pilz (und empfehle das auch) in der Küche. Dabei ist, falls Du über das Internet bestellen möchtest, dieses Produkt sehr ergiebig:

Einige Anbieter bieten diesen Pilz auch getrocknet und pulverisiert an. Das ist nicht so kosteneffizient wie die Zubereitung in der Küche. Doch wenn Du von seinen Vorteile profitieren, ihn aber nicht kochen möchtest, ist solch ein Produkt wie von Mycovital durchaus eine Option:

Ja, dieses Produkt ist teurer als vergleichbare Pulver oder Extrakte auf dem Markt. Doch dieses Produkt wurde in Deutschland angebaut und aufbereitet, nicht in China. Da Du bei Pulvern und Extrakten nicht die Möglichkeit des Waschens und Einweichens hast, ist das die beste Option. Denn Produkte aus China sind nach wie vor zu oft gefaked oder mit Giftstoffen belastet. Daher empfehle ich nur Produkte von Mykotroph/Mycovital und Hifas da Terra.

 

Zusammenfassung – Der chinesische Morchel

Das Judasohr ist einer meiner Lieblingspilze und aus meiner Küche nicht mehr wegzudenken! Seine gesundheitlichen Vorteile sind sehr überzeugend und kreisen hauptsächlich um eine Regulation von Kreislauf, Blutdruck und Regeneration nach dem Sport.

Am besten ist die Verwendung in der Küche – falls es ein Nahrungsergänzungsmittel sein soll, empfehle ich Mycovital.

Hast Du weitere Fragen zum Judasohr? Würdest Du gerne etwas ergänzen? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

 

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Quellen und Studien
  1. Gupta, G., et al. (2018). „Aphrodisiac Activity of an Aqueous Extract of Wood Ear Mushroom, Auricularia polytricha (Heterobasidiomycetes), in Male Rats.“ Int J Med Mushrooms 20(1): 81-88.
  2. Hossen, M. S., et al. (2018). „Ganoderma lucidum and Auricularia polytricha Mushrooms Protect against Carbofuran-Induced Toxicity in Rats.“ Evid Based Complement Alternat Med 2018: 6254929.
  3. Koyama, K., et al. (2002). „Antinociceptive constituents of Auricularia polytricha.“ Planta Med 68(3): 284-285.
  4. Poniedzialek, B., et al. (2019). „The Effect of Mushroom Extracts on Human Platelet and Blood Coagulation: In vitro Screening of Eight Edible Species.“ Nutrients 11(12).
  5. Sillapachaiyaporn, C., et al. (2019). „Anti-HIV-1 protease activity of the crude extracts and isolated compounds from Auricularia polytricha.“ BMC Complement Altern Med 19(1): 351.
  6. Su, Y. and L. Li (2020). „Structural characterization and antioxidant activity of polysaccharide from four auriculariales.“ Carbohydr Polym 229: 115407.
  7. Zhao, S., et al. (2015). „Extraction of a soluble polysaccharide from Auricularia polytricha and evaluation of its anti-hypercholesterolemic effect in rats.“ Carbohydr Polym 122: 39-45.
  8. Chen, Y. and Y. Xue (2018). „Purification, chemical characterization and antioxidant activities of a novel polysaccharide from Auricularia polytricha.“ Int J Biol Macromol 120(Pt A): 1087-1092.

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