Blasenentzündung im Sommer – Ursachen und Wege der Linderung

von Martin Auerswald, M.Sc.
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Blasenentzündung im Sommer

Viele Menschen denken: Eine Blasenentzündung im Sommer zu bekommen, ist unmöglich, da es in dieser Jahreszeit viel zu warm ist. Sie entsteht nur bei schlechtem Wetter und wenn man längere Zeit auf kalten Oberflächen gesessen hat. So zumindest die Theorie. Doch in der Praxis ist auch der Sommer keine Garantie dafür, verschont zu bleiben. Dies gilt insbesondere für empfindliche Frauen.

Wir erklären Dir, warum Dich die lästige Entzündung auch in der warmen Jahreszeit heimsuchen kann und versorgen Dich mit Tipps zur Vorbeugung.

 

Was ist eine Blasenentzündung?

Bei einer Blasenentzündung, auch Zystitis genannt, kommt es zu einer Entzündung der Blasenschleimhaut oder der gesamten Harnblasenwand. Oftmals ist auch die Harnröhre mit betroffen. Bemerkbar macht sich die Entzündung durch häufigen Harndrang und Schmerzen beim Wasserlassen.

Frauen sind im Allgemeinen anfälliger für den Infekt (mehr als jede zweite ist ein- oder mehrmals im Leben davon betroffen), da auslösende Erreger aufgrund der kürzeren Harnröhre leichter in die Blase wandern können. Doch auch Männer sind nicht vor einer Blasenentzündung gefeit, nur seltener davon betroffen.

 

Blasenentzündung: Wege der Ansteckung

Immer dann, wenn die Immunabwehr der Blase und Harnwege geschwächt ist, haben Keime leichtes Spiel. Für eine Blasenentzündung sind vor allem E.-coli-Bakterien aus dem Darm verantwortlich. Sie befinden sich in unmittelbarer Nähe der Harnröhre, weshalb eine Ansteckung sehr leicht erfolgen kann.

Es können aber auch Keime aus der Umwelt in die Blase wandern. Schafft es Dein Immunsystem dann nicht, die Eindringlinge abzuwehren, droht eine Blasenentzündung.

Hast Du immer wieder Blasenentzündungen, gehörst Du auch im Sommer zur Risikogruppe. Entsprechend solltest Du Dich schützen. Mit kleinen Tricks hat die Blasenentzündung selbst im Sommer kaum eine Chance.

 

Grundlage: Was die Blase und Harnwege anfällig macht

Bevor wir zu den Praxistipps kommen, beleuchten wir die biologischen Grundlagen genauer. Warum werden einige Frauen von wiederkehrenden Blasenentzündungen gebeutelt und andere weniger?

Normalerweise gibt es drei Dinge, die Blase und Harnwege schützen und Infektionen vorbeugen:

  1. Der Urin. Dein Urin sollte sauer sein, um die Harnwege steril zu halten. Dies kannst Du mit einem pH-Meter leicht überprüfen. Wenn der Urin an einigen aufeinanderfolgenden Tagen basisch oder neutral war, solltest Du umdenken. Besonders häufig: Die Einnahme von „Basenpülverchen“, die eine Blasenentzündung auslösen können.
  2. Die Schleimhäute. Sie überziehen Blase sowie Harnweg und schützen uns vor Infektionen, da sie antibakteriell sind. Die Schleimbildung wird vom Hormon Estriol angeregt. Bei einem Estriolmangel ist die antibakterielle Schleimschicht nicht dick und feucht genug, um den Schutz zu gewährleisten.
  3. Das Immunsystem. Im Fall einer angegriffenen Schleimhaut kann das Immunsystem zwar nicht vollständig, aber größtenteils gegenwirken und Infektionen vorbeugen oder zumindest in Schach halten. Blasenentzündungen entstehen meist im Sommer und in stressigen Zeiten, in denen das Immunsystem besonders unter Druck steht. Neben Stressreduktion ist ein gesundes Immunsystem von daher das A & O.

 

Typische Infektionswege, die zu einer Blasenentzündung führen

Die warmen Temperaturen laden im Sommer dazu ein, sich vor Blasenentzündungen sicher zu fühlen, doch hierbei handelt es sich um eine Denkfalle. Denn die vermeintliche Sicherheit führt dazu, potenzielle Risikofaktoren zu unterschätzen.

 

Freibad als Falle

Sommer, Sonne, Sonnenschein – mit anderen Worten: Freibad, Badesee und Meer locken. In der Sonne faulenzen, anschließend im Wasser abkühlen. So sieht für viele Menschen ein perfekter Sommertag aus. Es besteht jedoch selbst im wärmsten Sommer das Risiko, nach dem Tag im Freibad mit einer Blasenentzündung nach Hause zu kommen.

Ursache dafür ist weniger das Bad im kühlen Nass, sondern vielmehr die nasse Badekleidung, die viele nicht wechseln. Wenn Du Badeanzug oder Bikinihöschen am Körper trocknen lässt, kühlt das die entsprechenden Körperstellen selbst nach dem Baden noch.

Die Folge: Blutgefäße ziehen sich zusammen. Dadurch kommt nicht nur weniger Blut, sondern auch weniger Immunzellen in der Blase an. Keime haben folglich leichtes Spiel und können an der Schleimhaut der Blasenwand haften.

Das Risiko, an einer Blasenentzündung zu erkranken, steigt gerade bei Freibadbesuchen deutlich an, insbesondere in Keim belasteten Becken, d. h. unhygienischen Schwimmbädern.

Blasenentzündung Sommer Pool

Bei hohen Temperaturen sehr einladend, aber auch tückisch: das Freibad.

 

Luftige Kleidung

Kaum steigen die Temperaturen, kommt die Sommerkleidung zum Einsatz. Genau diese gilt neben dem Besuch im Freibad als häufigste Ursache für Blasenentzündungen. Tagsüber läufst Du bei Sonnenschein kaum Gefahr, doch besonders am Sommeranfang und -ende, wenn die Abende etwas kühler sind, kannst Du Dich mit der Kleidung schnell verschätzen.

Möglicherweise wirst Du noch nicht einmal frieren, aber für Deinen Unterleib gelten andere Regeln. Denn leider entfaltet sich hier derselbe Effekt wie im Schwimmbad: Der Körper hält das Blut im Zentrum, um nicht unnötig Wärme zu verlieren. Damit ist die Durchblutung im Unterleib reduziert und Keime haben leichtes Spiel, eine Infektion auszulösen.

Um auch im Sommer Blasenentzündungen zu vermeiden, solltest Du Dir für kühle Abende am besten eine kuschelige Jacke, einen Pulli oder andere wärmende Kleidung mitnehmen. Wenn Du besonders empfindlich bist, hilft abends zudem ein locker um die Hüften geknotetes Wolltuch. Das sieht nicht nur schick aus, es hält auch den Unterleib warm.

 

Kalte Oberflächen

Was im Herbst und Winter gilt, ist auch in der warmen Jahreszeit zu berücksichtigen: Kalte Oberflächen können eine Blasenentzündung verursachen. Im Sommer sind das zum Beispiel Steine oder Steinbänke, auf die Du Dich beim Wandern setzt, oder an frischen Abenden auch das Maschengeflecht des Café- oder Restaurantstuhls, durch das es kalt ziehen kann. Hier kommt es ebenfalls zu einer leichten Unterkühlung – und nicht selten zur Blasenentzündung.

Die gute Nachricht: Dem kannst Du ganz einfach vorbeugen, indem Du kühle Oberflächen meidest oder ein Kissen, eine Jacke oder einen Pullover unterlegst. Du sitzt damit wärmer und die Erreger haben schlechtere Chancen, da der Unterleib gut durchblutet und damit auch ausreichend mit Immunzellen versorgt ist.

 

Was kannst Du sonst noch gegen eine Blasenentzündung im Sommer tun?

Die Maßnahmen, die im Winter nützen, dienen auch im Sommer zur Vorbeugung. Das heißt unter anderem, die richtige Unterwäsche zu tragen.

Greife vor allem für lange Abende lieber zu Panties als zum String. Jene haben gleich noch einen Vorteil: Strings sind quasi die Autobahn für Darmbakterien Richtung Harnröhre. Mit Panties haben sie es deutlich schwerer, nach vorne zu wandern. Aus dem gleichen Grund gilt auch der Grundsatz, beim Toilettengang immer von vorn nach hinten zu wischen.

Neben Warmhalten und guter Hygiene hilft regelmäßiges Spülen der Blase, um eine Blasenentzündung auch im Sommer zu vermeiden. Das bedeutet, Du solltest mindestens zwei bis zweieinhalb Liter Flüssigkeit am Tag trinken. Im Idealfall Wasser oder ungesüßter Tee.

Außerdem gilt es, bei Harndrang zeitnah eine Toilette aufzusuchen. Wer länger „aushält“, begünstigt die Vermehrung von Keimen in der Blase.

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Altbewährt und effektiv: Cranberries.

 

Tipps, um die Abwehrkräfte zu stärken

Urin, Schleimhäute und Immunsystem spielen eine wichtige Rolle, um einer Blasenentzündung im Sommer vorzubeugen. Diesbezüglich haben wir einige Tipps für Dich:

  • Keine Basenpülverchen zur „Säure-Base-Balance“ einnehmen. Eine gesunde Ernährung und gute Extrakte aus Vitalpilzen oder grünen Superfoods reichen aus.
  • Stress reduzieren. Stressreduktion und Stresskompetenz sind Fähigkeiten, die jeder lernen kann.
  • Estriolmangel ausgleichen – diesen erkennst Du an empfindlich geröteten Augen, Nasennebenhöhlenbeschwerden, Ohrenbeschwerden, trockenem Haar, Magen-Darm-Beschwerden und trockenen Geschlechtsschleimhäuten. Erhöhen kannst Du Estriol durch regelmäßigen Konsum von Leinsamen, Beinwell, Borretsch, Vitamin A und Zink. Auch Omega 3-Fettsäuren sollen helfen.
  • Immunabwehr stärken. Stichworte: ausreichend guter Schlaf, gesunde Ernährung, regelmäßige Aufenthalte in der Natur, körperliche Bewegung, immunstärkende Superfoods und Heilpilze, Vitamin C, Vitamin D, Zink und Selen. Mehr Tipps bei einem geschwächten Immunsystem erhältst Du in den hinterlegten Beiträgen.
  • Ggf. Pille absetzen. Auch die Pille kann hormonelle Veränderungen bewirken, die eine Blasenentzündung wahrscheinlicher machen. Häufig kommt es zu einem Überschuss an Östrogen und einen Progesteronmangel, was wiederum auch Estriol senkt. Es ist ratsam, sich dann nach einer Alternative umzusehen.

 

Was bei einer Blasenentzündung hilft

Bei einer Blasenentzündung hilft natürlich Ruhe und viel trinken. Und die entsprechende Stelle mit einer Wärmflasche wärmen.

Doch es gibt auch natürliche Stoffe, die der Körper über den Urin ausscheidet und damit ganz nebenbei antibakteriell wirken. Greife zu diesen Stoffen, damit die Blasenentzündung schneller wieder abklingt:

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Fazit

Blasenentzündungen können Dich zwar auch im Sommer ereilen, aber nach diesem Beitrag weißt Du, wie Du Dich davor schützen kannst.

Denke immer daran, im Freibad nasse Badebekleidung zu wechseln, die kühlen Temperaturen am Abend nicht zu unterschätzen und kalte Oberflächen zu meiden oder wärmenden Stoff unterzulegen.

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Quellen
  • [1] Fu, Z., Liska, D., Talan, D., & Chung, M. (2017). Cranberry Reduces the Risk of Urinary Tract Infection Recurrence in Otherwise Healthy Women: A Systematic Review and Meta-Analysis. The Journal of nutrition, 147(12), 2282–2288. https://doi.org/10.3945/jn.117.254961

 

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