Vegan essen – 10 nicht zu leugnende Vorteile

von Martin Auerswald, M.Sc.
Veröffentlicht: Zuletzt bearbeitet:
Veganes Essen angerichtet in Schüsseln

Vegan essen ist hip und liegt voll im Trend. Und obwohl Veganismus so ziemlich das Gegenteil der Paleo Ernährung ist, die ich üblicherweise empfehle, möchte ich Dir im Folgenden 10 Vorteile einer veganen Ernährung aufzeigen. Denn trotz aller Kritik finde ich, dass der Großteil der Bevölkerung etwas von vegan lebenden Menschen lernen kann.

 

Warum vegan essen?

Ich finde nicht, dass Menschen längerfristig vegan essen und leben sollten. Tierische Nahrungsmittel wie Fleisch und Innereien waren schon immer Teil der menschlichen Ernährung. Außerdem sind viele Vitalstoffe, die nachweislich für den Stoffwechsel wichtig sind, nur in tierischen Produkten enthalten. Diese sind darüber hinaus gute Detox Lebensmittel.

Es geht mir in diesem Beitrag nicht darum, welche Ernährungsform die Bessere ist – Paleo oder Vegan. Ganz im Gegenteil: Ich möchte auf Parallelen zwischen diesen beiden Extremen verweisen.

Ich selbst lege hin und wieder kurze vegane Phasen ein – ein paar Tage oder eine Woche. Ich mache das aus verschiedenen Gründen: um meine Kreativität beim Kochen mit Gemüse anzuregen, um tierische Nahrungsmittel wieder mehr wertzuschätzen und um Proteinfasten zu ermöglichen.

Proteinfasten bedeutet, für eine gewisse Zeit weniger Proteinquellen als gewohnt zu essen. Dadurch wird Dein Körper angeregt, alte und kaputte Zellen abzubauen, aus ihnen Proteine zu gewinnen und den Stoffwechsel damit neu zu gestalten. Vergleichbar mit einem Frühjahrsputz.

Eine längerfristig vegane Ernährung kann ich jedoch nicht gutheißen. Auch von Soja halte ich nicht viel, aber darum soll es heute nicht gehen.

 

Vegane Ernährung – die Zukunft?

Ich glaube nicht, dass eine komplett vegane Ernährung die Rettung des Planeten bedeuten würde. Natürlich: Für die Produktion tierischer Nahrungsmittel braucht es viel Platz und Ressourcen. Doch würden wir alle plötzlich vegan leben, wäre das Problem nicht vom Tisch. Das hat seine Gründe:

  • Erstens bringt biologische Landwirtschaft (Weidehaltung) mehr Nutzen für die Umwelt als der reine Anbau von Pflanzen oder Monokulturen.
  • Zweitens ist unser eigentliches Problem ein anderes, und zwar unser verschwenderischer Umgang mit Ressourcen und die drastische Überbevölkerung des Planeten.

Selbst wenn wir plötzlich alle vegan leben sowie keine Tiere mehr halten würden und somit mehr Platz hätten, um mehr Kartoffeln anzubauen: Unser verschwenderischer Umgang mit Ressourcen sowie das schnelle Bevölkerungswachstum würden bestehen bleiben.

In 100 Jahren würde die vegane Ernährung den Bedarf der Weltbevölkerung, bis dahin bestehend aus 15 Milliarden Menschen (oder noch mehr), nicht mehr decken. Wer weiß? Die üblichen Argumente, die beinhalten, dass Nutztierhaltung schlecht und Fleisch zu verteufeln ist, sind aus ökologischer Sicht nicht wirklich solide. Hier empfehle ich das Buch „Die Kuh ist kein Klimakiller!*“.

Biologische Weidehaltung sollte der Goldstandard sein, nicht Massentierhaltung. In diesem Punkt stimme ich mit vegan lebenden Menschen überein.

 

Vegan Essen – das können wir von Veganern lernen

Die nachfolgenden Punkte gehören für mich zu einer gesunden Ernährung und Lebensführung dazu – obendrein sind sie Teil der veganen Lebensweise.

 

#1 Regional

Veganer achten oft darauf, wo ihre Nahrungsmittel herkommen. Sprich aus der Region. Äpfel aus Neuseeland und Erdbeeren aus Chile sollten gemieden werden, der Fokus liegt auf Produkten, die direkt aus der Umgebung stammen.

Dadurch werden Bauern aus der Region unterstützt, pflanzliche Produkte werden erst gegessen, wenn sie wirklich reif sind, und der ökologische Fußabdruck fällt kleiner aus.

 

#2 Saisonal

Obst und Gemüse sollten gegessen werden, wenn sie Saison haben. Erdbeeren im Winter oder das ganze Jahr über Bananen? Finde ich nicht gut, denn Nahrung ist Information. Erdbeeren, die im Sommer gereift sind, enthalten andere Information für den Körper als solche, die im Winter im Gewächshaus gezüchtet wurden.

Diese Informationen dienen unserem Stoffwechsel und sorgen dafür, dass wir im Hinblick auf unsere Umwelt orientierter sind. Eine wichtige Information, die in Nahrung gespeichert wird, ist Licht. Eine Gewächshauserdbeere kann das nicht im selben Maße wie eine Erdbeere vom Feld.

Veganer legen häufig viel Wert darauf, dass Obst, Gemüse und Beeren erst dann gegessen werden, wenn sie reif sind und Saison haben.

 

#3 Kreativität

Veganer haben aus Mangel an tierischen Nahrungsmitteln kreative Wege gefunden, um Ersatzprodukte zu kreieren. Viele Produkte aus Tofu oder Seitan richten mehr Schaden an als die Nahrungsmittel, die sie ersetzen sollen, aber es gibt auch wirklich gute Imitate: zum Beispiel Sahne auf Cashewbasis oder Kokosprodukte als Milchersatz.

 

#4 Gemüseküche

Wenn es um Gemüse geht, sind vegane Kochbücher und Rezepte die wahrscheinlich kreativsten, denn im Kontext veganer Ernährung nimmt die Gemüseküche eine wichtige Rolle ein.

Allgemein gilt: Gemüse sollte das erste Standbein der Ernährung sein – das ist bei Veganern häufig der Fall und sehr löblich!

(Nur am Rande: Superfood Smoothie Pulver und Powerfoods wie Ingwer sind fast immer vegan und können gut als Ergänzung dienen.)

Paleo Kochbücher können das übrigens auch: Paleo – Die Steinzeit Diät*.

 

#5 Frisch

Nahrungsmittel sollten frisch auf den Teller kommen und nicht aus dem Gewächshaus, vom anderen Ende der Welt und schon gar nicht aus der Dose stammen.

 

#6 Sauerteig

Sauerteig ist die einzige Form, in der Getreide gegessen werden sollte – und heute leider die absolute Ausnahme. Sauerteig ist so bekömmlich, weil Hefe, Milchsäurebakterien und andere Mikroorganismen viele Schadstoffe im Getreide abbauen.

Gluten, Lektine, Enzymhemmer und andere Schadstoffe haben deshalb keine negativen Folgen für den Körper. Weil das Gluten im Sauerteig komplett abgebaut wird, können sogar Betroffene von Zöliakie Brot essen.

Auch hier sind Veganer Vorreiter. Also, warum nicht mal Sauerteigbrot genießen?

 

#7 Was gelangt in meinen Körper?

Eigentlich ganz simpel: Veganer interessieren sich im Durchschnitt mehr dafür, was in ihren Körper gelangt. Aus diesem Grund kommt in vielen Studien heraus, dass Veganer gesünder sind als die durchschnittliche Bevölkerung.

Nicht unbedingt, weil sie auf Fleisch verzichten, sondern weil sie sich mehr für ihre Gesundheit interessieren. Eine Denkweise, an der sich jeder von uns ein Beispiel nehmen sollte!

 

#8 Sonne und Bewegung

Viele Veganer sind sehr naturverbunden. Sie bewegen sich mehr und verbringen jede Menge Zeit in der Sonne sowie an der frischen Luft. Deshalb sind sie auch deutlich schlanker als der Durchschnitt. Sonne, frische Luft, Natur und Co. haben Heilkräfte, die wir nutzen sollten.

 

NVC WB

#9 Bunt

Auf dem veganen Speiseplan stehen farbenfrohe Lebensmittel. Bunte Farben bedeuten Farbstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und Antioxidantien. Iss deshalb möglichst farbenfroh und vielseitig, sprich Obst, Gemüse, Beeren.

 

#10 Massentierhaltung

Veganer wollen Tierleid minimieren, indem sie auf tierische Nahrungsmittel verzichten. Aus gesundheitlicher Perspektive lässt sich über Veganismus streiten, aber mit Massentierhaltung habe auch ich ein großes Problem.

Massentierhaltung ist aktuell eines der schlimmsten Verbrechen der Menschheit. Das Leid, das wir Milliarden von Tieren antun, hat es so nie zuvor gegeben und wird es wahrscheinlich auch nie wieder geben. In 100 Jahren wird man (hoffentlich!) auf die heutige Zeit zurückblicken und über das Grauen, das wir den Tieren bereitet haben, den Kopf schütteln, weil es Geschichte ist.

Massentierhaltung sollte gesetzlich verboten werden, aber solange es bei Aldi noch Fleisch für Spottpreise zu erwerben gibt, wird es Käufer geben, die damit indirekt die Massentierhaltung unterstützen. Wenn der Staat nicht anfängt, einzugreifen und zu regulieren, wird sich nichts ändern.

Veganer sind diejenigen, die hier die meisten und bedeutsamsten Impulse liefern. Das kann ich nur unterstützen!

Infografik zu zehn Vorteilen veganer Ernährung

Hand aufs Herz: Ich lästere gerne über die vegane Ernährung, die Nährstoffmängel, die Veganer zu verzeichnen haben, und darüber, was sie falsch machen. Aber Veganer machen auch sehr viel richtig. Oft sogar richtiger als der Durchschnittsdeutsche, der sich nur dann für seine Nahrung interessiert, wenn es um die Zeit geht, die die Pizza im Ofen benötigt, um maximal knusprig zu werden.

Es gibt mehr Verbindungen zwischen Vegan und Paleo, als die meisten denken. Man muss sich nicht in allen Punkten einig sein, aber die Gemeinsamkeiten sollten hin und wieder betont werden.

 

Vegan Essen in Berlin

Noch ein Tipp meinerseits: zwei richtig gute vegane Restaurants in Berlin – der veganen Hauptstadt Deutschlands –, die ich mehrmals besucht habe und Dir ans Herz legen kann.

  • Daluma
  • Con Tho

Wenn die Küche kreativ ist und mir gutes Essen, frisch und köstlich zubereitet, ohne Soja und Seitan, geboten wird, dann kann ich nicht widerstehen. Ab und zu einen veganen Tag oder eine vegane Woche einzulegen, hat noch niemandem geschadet. Und wenn der Fokus auf die Gemüseküche gelegt wird – umso besser.

Der Besuch lohnt sich! Ich habe da übrigens immer nach dem Frühsport ein spätes Frühstück eingenommen. Es muss also nicht immer ein Candle-Light-Dinner sein.

 

Fazit – was wir von Veganern lernen können

Auf folgende Punkte legen die meisten Veganer wert, was ich absolut unterstützenswert finde und betonen möchte. Alles Dinge, die sich jeder zu Herzen nehmen und in seinen Alltag integrieren sollte:

  1. Regionale Nahrungsmittel
  2. Saisonale Nahrungsmittel
  3. Kreative Küche
  4. Betonung auf Gemüse
  5. Möglichst frisch
  6. Sonne und Bewegung im Alltag
  7. Bewusstsein für Nahrungsmittel
  8. Bunte Küche
  9. Gegen Massentierhaltung
  10. Sauerteig

Vegan essen – auch ich habe das ein oder andere Problem damit sowie mit dem Fanatismus, den viele Veganer an den Tag legen. Ein kritischer Artikel über Soja – und ein riesiger Shitstorm bricht los.

Heute allerdings wollte ich Punkte hervorheben, die ich an veganer Ernährung lobenswert finde, denn da gibt es einige.

Wie lautet Deine Meinung dazu?

 

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