Das passiert im Körper, wenn Du verkatert bist!

von Martin Auerswald, M.Sc.
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Gläser, Discokugel und Konfetti auf einer Tanzfläche

Viele von uns waren schon einmal verkatert, einige sind es sogar regelmäßig. Aber keine Sorge, mir geht es nicht darum, den Moralapostel zu spielen und Dich in diesem Beitrag mit erhobenem Zeigefinger zu mahnen, weniger Alkohol zu trinken.

Ich möchte klären, was ein Kater ist, was in Deinem Körper passiert, wenn Du zu viel getrunken hast, und was Du dagegen unternehmen kannst. Außerdem bin ich überzeugt, dass Menschen vorsichtiger mit Alkohol umgehen, wenn sie sich bewusstmachen, was er bewirkt.

Hinweis: Zu diesem Beitrag haben wir eine passende Episode in unserem Podcast. Du kannst sie hier hören (oder direkt zu Spotify gelangen):

 

Alkohol – wichtigstes Rauschgift der Menschheitsgeschichte

Alkohol ist das akzeptierteste und traditionellste Rauschgift überhaupt. Schon in der Steinzeit sammelten die Menschen überreife Früchte, zermatschten sie in einem großen Gefäß und ließen sie einen Tag lang in der Sonne gären. Daraus entstand dann Wein.

Eine schöne Theorie besagt auch, dass der Mensch nur mit dem Getreideanbau begann, um regelmäßig Bier brauen zu können.

Wenn Du dazu mehr erfahren möchtest, lies gern eines meiner absoluten Lieblingsbücher: Sapiens – Eine kurze Geschichte der Menschheit* von Yuval Noah Harari.

Rauschgifte waren schon immer Teil unserer Geschichte. Der Mensch suchte stets nach Möglichkeiten, den Göttern näher zu sein, Rauschzustände zu erreichen, um Glück zu empfinden oder um seinem tristen Alltag zu entkommen.

Zucker, Kaffee, Marihuana und Alkohol sind die wohl wichtigsten Vertreter, die auch heute noch konsumiert werden. Mit Ausnahme von Marihuana sind die genannten Suchtmittel ein selbstverständlicher Teil unseres Lebens.

In Bezug auf Alkohol stört mich unsere Sorglosigkeit. Aus diesem Grund möchte ich gerne erklären, was er im Körper bewirkt, um Bewusstsein dafür zu schaffen.

 

Was bewirkt Alkohol im Körper?

Im Folgenden erkläre ich, was Alkohol in den verschiedenen Körperarealen anrichtet. Einige Punkte kommen Dir sicher vertraut vor, aber viele Auswirkungen sind uns beim Trinken gar nicht so bewusst.

 

1. Magen

Alkohol gelangt teilweise durch die Magenschleimhaut ins Blut. Zu viel davon führt zu Reizungen, manchmal sogar zur Gastritis, einer der wichtigsten Auslöser für Magenkrebs.

Apropos Krebs: Chronischer Alkoholkonsum erhöht die Wahrscheinlichkeit für so ziemliche jede Krebserkrankung (bis auf Hautkrebs).

 

2. Dünndarm

Hier wird Alkohol maßgeblich aufgenommen. Zusammen mit Zucker ergibt sich eine Mischung, die garantiert zu einer kleinen Entzündung der Darmwand führt.

 

3. Pankreas

Gelangt Alkohol ins Blut (Pfortader), begibt er sich auf den Weg Richtung Leber. Dabei passiert er die Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Wer empfindlich reagiert, kann bei einer Alkoholvergiftung eine Pankreatitis erleiden. Dabei werden Verdauungsenzyme, die eigentlich erst im Dünndarm aktiv werden sollen, bereits im Pankreas aktiv. Das heißt, das Pankreas verdaut sich selbst.

 

4. Leber

Da Alkohol ein Zellgift ist, das im gesamten Körper Schäden verursacht, versucht die Leber einzugreifen. Sie zieht den Alkohol möglichst schnell aus dem Verkehr und oxidiert ihn zu Essigsäure. Dies dauert allerdings eine Weile, weshalb Alkohol Zeit hat, im Körper zu wüten.

Ein weiteres Problem ist die Zwischenstufe, die vor der Essigsäure entsteht – Acetaldehyd. Sie ist noch schlimmer und schädlicher als Alkohol.

 

5. Gehirn

Hier sorgt Alkohol für seine bekannte berauschende Wirkung. Es aktiviert den GABA-Rezeptor und sorgt so für Entspannung, Enthemmung und gute Laune. Letztere geht auch auf eine vermehrte Ausschüttung von Dopamin zurück. Dadurch kann ein Suchtverhalten ausgelöst werden.

 

6. Muskeln

Alkohol schlägt sich auf unsere Motorik nieder, da er das zentrale Nervensystem blockiert. Dies wirkt sich auf die Muskeln aus. Schon beginnt man zu lallen und zu torkeln.

 

7. Fettgewebe

Essigsäure unterbindet bis auf Weiteres jegliche Fettverbrennung. Das liegt daran, dass der Körper seine Prioritäten anders setzt. Zuerst muss der Alkohol abgebaut werden, dann folgt alles Weitere. Schlecht für alle, die gerne Gewicht verlieren wollen.

 

8. Nacken

Die Überschwemmung des Körpers mit Alkohol sorgt für die Bildung von reichlich Fett. Dieses wird daraufhin in Leber, Nacken und Bauch eingelagert. Besonders am Nackenfett lässt sich erkennen, ob jemand dauerhaft zu viel Alkohol konsumiert.

Wir fassen zusammen: Alkohol erhöht das Krebsrisiko, schädigt die Leber, kurbelt die Fettbildung an, hemmt gleichzeitig die Fettverbrennung, birgt Suchtpotenzial, steigert das Verletzungsrisiko, kann eine Pankreatitis auslösen und reizt Magen sowie Darm manchmal so stark, dass es zu Entzündungen kommen kann. All das sollte vor allem berücksichtigt werden, wenn Alkohol öfters im Übermaß konsumiert wird.

Mädelsrunde mit Tequila-Shots und frischen Limettenspalten

Am Wochenende zusammen die Gläser heben, gehört für viele Menschen einfach dazu.

 

Warum ist man verkatert?

Alkohol sorgt aufgrund mehrerer Wirkweisen für den berühmten Kater:

  • Er erhöht die Wasserausscheidung über den Urin. Dem Körper wird also Flüssigkeit entzogen.
  • Mit der Flüssigkeit gehen auch Salz (Natriumchlorid) und Magnesium verloren. Dies wirkt sich auf die Motorik aus.
  • Acetaldehyd entzieht der Leber und dem Stoffwechsel folgende Nährstoffe: Schwefel/Glutathion und Vitamin C.
  • Alkohol verbraucht eine Menge Vitamin B, um abgebaut zu werden.
  • Auch Molybdän wird durch Alkohol verbraucht.
Können Nährstoffe „verbraucht“ werden?
Zugegeben, der Begriff „verbraucht“ ist unwissenschaftlich. Aber er trifft es: Alkohol entzieht dem Körper Nährstoffe, genau wie Zucker und andere Giftstoffe auch.

Alkohol (Ethanol) und Acetaldehyd sind reaktive Substanzen. Sie reagieren nicht nur generell mit allem um sich herum, sondern insbesondere mit den Stoffen, die dafür zuständig sind, sie abzubauen. Mit Antioxidantien, Vitaminen und Enzymen also. Reagieren diese mit Alkohol und Acetaldehyd werden sie beschädigt, abgebaut und über Urin und Kot ausgeschieden. Die Folge: Sie müssen ersetzt werden.

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Das Anti-Kater-Protokoll

Angenommen, eine lange feucht-fröhliche Nacht steht Dir bevor. Was kannst Du tun, um morgens nicht verkatert aufzuwachen?

Natürlich Alkohol mit Augenmaß konsumieren, aber darüber hinaus helfen auch die folgenden Tipps.

 

Während des Trinkens

  1. Für jedes Bier, Glas Wein oder jeden Schnaps trinke ein Glas Wasser, im Idealfall mit Zitronensaft.
  2. Nimm direkt zu Beginn der Feier 3 g Vitamin C (als Pulver oder Tablette), hochdosiertes Vitamin B und ½ TL Salz.
  3. Trinke zwischendurch ausreichend.
  4. Trinke nicht bunt durcheinander, sondern beschränke Dich auf ein Getränk.
  5. Geh regelmäßig an die frische Luft.

 

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Bevor Du ins Bett gehst

  1. Trinke ein großes Glas Wasser auf ex.
  2. Mische in einem zweiten großen Glas Wasser: einen gehäuften Teelöffel Ginseng-Pulver, ½ TL Salz, 1 TL Vitamin C (2–3 g), hochdosiertes Vitamin B (3 Kapseln), 500 mg Magnesium (Brause oder Tablette). Benutze einen Milchschäumer oder Schneebesen, um den Ginseng mit dem Rest zu vermischen.
  3. Trink den Mix auf ex.
  4. Dusch Dich.
  5. Stell Dir ein großes Glas Wasser bereit und geh schlafen.

Mit diesem kleinen Protokoll kannst Du 80 bis 90 % aller Kater vorbeugen oder so stark eindämmen, dass Du am nächsten Tag so leistungsfähig wie sonst auch bist. Sportliche Höchstleistungen solltest Du mit Restalkohol im Blut allerdings nicht von Dir einfordern.

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Fazit – die Wirkweise von Alkohol verstehen, Bewusstsein schaffen, Schäden minimieren

Der Beitrag sollte Dir zeigen, was Alkohol im Körper anrichten kann. Auf Organebene, auf Zellebene und in Bezug auf Nährstoffe. Mit diesem Wissen denkst Du in Zukunft eventuell anders über Deinen Alkoholkonsum oder Du nutzt es, um zu verhindern, morgens verkatert aufzuwachen.

 

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