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Ist Kaffee gesund? Alles Wichtige über Kaffee im Überblick

von Martin Auerswald, M.Sc.
Holztisch mit Kaffeebohnen, Zuckerdose und Glastasse, die gerade mit frischem Kaffee aus der French Press befüllt wird

Zuletzt aktualisiert am 28. April 2020 um 10:33

Ob Kaffee gesund ist, scheint ein ewiges Streitthema zu sein. Aber bevor wir der Sache näher auf den Grund gehen, starten wir mit folgendem Szenario in den Beitrag:

Deine Lieblingstasse steht vor Dir auf dem Tisch. Verschlafen reibst Du Dir noch die Augen und sinnst über die Träume der vergangenen Nacht nach. Aus der Tasse strömt ein mildes, erdiges Aroma, das direkt über die Geschmacks- und Riechsensoren ins Belohnungszentrum Deines Gehirns geht. Vorfreude auf die Wirkung, die gleich eintreten wird, kommt in Dir auf – vom Gefühl her ein wahres Feuerwerk, das gezündet wird. Jeder Morgen wird durch dieses aromatische, wundersame Getränk versüßt.

Du nimmst einen ersten Schluck. Schon breitet sich der erdige Geschmack in Deinem Mund aus, wärmt den Körper von innen heraus und vertreibt die Kälte, die dir nach der eisigen Dusche (Morgenroutine) noch in den Knochen sitzt. Zufrieden schlürfst Du vor Dich hin. Und nach wenigen Minuten? Fühlst Du Dich wach und klar.

Der Tag kann beginnen!

 

Eine kleine Geschichte des Kaffees – So kanntest Du Kaffee noch nicht!

Kaffee ist schon ein erstaunliches Produkt. Noch vor wenigen hundert Jahren war er kaum jemandem bekannt. Tatsächlich wurde er zufällig entdeckt, als äthiopische Hirten beobachteten, wie ihre Ziegen aufgedreht durch die Gegend sprangen. Das geschah nicht ohne Grund, sondern immer dann, wenn sie von den Kirschen des Kaffeebaums genascht hatten. Die Hirten kosteten die Kirschen und derselbe Effekt, der die Ziegen in kurzer Zeit in Engergiebündel verwandelte, machte sich auch bei ihnen bemerkbar. Allerdings schmeckten diese Kirschen bzw. die grünen Kirschkerne absolut fürchterlich. Also brachten sie sie mit nach Hause, wo ihre Frauen die Kerne über dem Feuer rösteten. Das Resultat? Braune und aromatische Kaffeebohnen. Die Wirkung blieb dieselbe, nur der Geschmack wurde um einiges erträglicher. Dann der große Durchbruch: Die Bohnen wurden nicht länger gegessen, sondern zerkleinert und mit heißem Wasser überbrüht. Mehr Hintergrundinformationen über die Geschichte und insbesondere den Anbau findest Du hier.

Wir spulen vor ins Jahr 2018: Kaffee ist nach Erdöl das wichtigste Exportprodukt weltweit. Fast überall auf der Erde wird er täglich genossen. Die Deutschen etwa trinken jeden Tag circa 100 Millionen Tassen. Coffee gehört heute so selbstverständlich in unsere Gesellschaft wie Bier und Bratwürste, obwohl er bis vor Kurzem noch nicht einmal bekannt war. Und weil ihn sich jedermann leisten kann, wird er auch von jedermann getrunken.

Zunehmend wird Kaffee zu einem Getränk, das starke Polarisierung erfährt. Gerade in Zeiten des Gesundheitswahns wird Kaffee entweder in den Himmel gehoben oder aber verteufelt. Die einen sagen, man werde damit 100 Jahre alt, andere behaupten dagegen, er erhöhe das Risiko für einen Herzinfarkt.

Was ist an diesen Gerüchten und Halbwahrheiten dran? Was sagt ein Experte zu Kaffee? Wie äußert sich die Wissenschaft? Ist Kaffee gesund oder nicht? Und wie kann ich mit einfachen Tricks das Beste aus meinem Kaffee herausholen?

 

Der Kaffee-Leitfaden: Worauf ist bei gutem Kaffee zu achten?

Die scheinbar einfache Frage, ob Kaffee gesund ist oder nicht, lässt sich leider nicht so leicht beantworten. Es hängt von den Umständen ab, ob Kaffee ungesund oder gesund – bzw. sogar sehr gesund – ist.

Beginnen wir bei der Auswahl des richtigen Kaffees: Darin liegt der erste Knackpunkt.

  • Achte auf Qualität und ziehe etablierte Markenprodukte den billigen Hausmarken für drei Euro pro Kilogramm vor. Im Fall von Kaffee bekommt man meistens genau das, was man zahlt. Billiger Kaffee ist nicht nur geschmacklich eine Zumutung, sondern enthält auch sehr oft Rückstände von Schimmelpilzen und deren Toxine. Diese Toxine behindern den Energiefluss im Körper, lösen allergische Reaktionen aus, begünstigen Entzündungen im Körper und gelten als eine der Ursachen für Migräne.
  • Achte auf milden, schonend gerösteten Kaffee. Wenn möglich Fair-Trade und aus biologischem Anbau. So kannst Du sicher sein, dass keine chemischen Zusatzstoffe enthalten sind.
  • Der meiner Meinung nach beste, verträglichste und köstlichste Kaffee auf dem Markt ist der von 360° Ehrlich Kaffee. Er kostet entsprechend mehr, aber das Geld ist es mir wert 🙂

Diese drei Punkte musste ich gleich zu Beginn loswerden. Sie bilden die Grundlage, bevor wir in die Argumentation einsteigen, ob Kaffee gesund ist oder nicht. Sicherlich ist Dir bewusst, dass Kaffee mit Schimmelrückständen keine gesundheitlichen Vorteile mit sich bringt, deshalb ist Kaffee dieser Art vom Tisch.

Beachte: Billigprodukte und Kaffeesorten, die Du auf irgendeine Weise nicht verträgst, solltest Du um jeden Preis meiden. Dazu erfährst Du gleich noch mehr.

Auf Basis dieser Grundlagen möchte ich Dir nun ein interessantes und anschauliches Fallbeispiel erläutern, mit dem gerne argumentiert wird: der Mythos der Hundertjährigen.

 

Ist Kaffee gesund? Hundertjährige geben erste Hinweise

Dan Buettner ist Journalist und arbeitet für National Geographic. In seinem Bestseller The Blue Zones* hat er sich Gegenden mit der weltweit höchsten Dichte an Hundertjährigen angeschaut. Er suchte nach Gemeinsamkeiten und damit auch nach Ursachen, wie man gesund und glücklich das stolze Alter von 100 Jahren erreicht.

Die fünf wichtigsten Blue Zones, die in dem Buch genannt werden, befinden sich in Loma Linda (USA), Griechenland, Costa Rica sowie auf Sardinien und Okinawa.

Eines fand er sehr schnell heraus: Die Hundertjährigen tranken fast alle reichlich Kaffee. Und mit reichlich meine ich 3–5 Tassen täglich. Interessanterweise hatten sie diesen Kaffee entweder selbst angebaut oder zumindest selbst geröstet und gemahlen. In keinem Fall handelte es sich um günstige Hausmarken aus dem nächsten Discounter, sondern um biologisch angebauten und schonend gerösteten Hochland-Kaffee.

Mit diesem Punkt im Hinterkopf überrascht es nicht, wenn wissenschaftliche Studien immer wieder betonen, dass guter Kaffee die Langlebigkeit unterstützt und ein durchaus gesundes Getränk darstellen kann – sofern er richtig verwendet wird. Auf all das komme ich gleich noch genauer zu sprechen. Ein Leidfaden als Zusammenfassung folgt am Ende.

Nach diesem interessanten Fallbeispiel möchte ich Dir nun alle Vor- und Nachteile von Kaffee zusammenfassen – gemäß aktuellem Stand der Wissenschaft.

 

Alle Vor- und Nachteile von Kaffee auf einen Blick

Kaffee bietet viele Vor- und Nachteile. Nun die wichtigsten im Überblick, damit Du Dir selbst eine Meinung bilden kannst.

 

Nachteile von Kaffee

Beginnen wir mit den Nachteilen von Kaffee:

#1 Suchtpotential

Besonders im Zusammenhang mit Stress sorgt Kaffee für eine hohe Ausschüttung des Glückshormons Dopamin im Gehirn. Hier findet der gleiche Prozess statt, der auch bei Personen mit Computer- und Glücksspiel-Sucht beobachtet wird. Es ist also nicht verwunderlich, dass Kaffee, im Übermaß konsumiert, abhängig macht.

#2 Magenreizend

Kaffee enthält Reizstoffe. Aus diesem Grund verträgt ihn nicht jeder; vielen schlägt er auf den Magen. Betroffenen möchte ich raten, auf schonend gerösteten Kaffee zurückzugreifen oder sogar auf Kaffee zu verzichten, wenn dennoch Magenbeschwerden auftreten. Probiere zunächst die milderen Sorten und prüfe, ob Du diese besser verträgst. Viele Anbieter geben “schonend geröstet” oder “mild” auf der Verpackung an.

#3 Talgfördernd

Inhaltsstoffe des Kaffees oder die infolge des Konsums gebildeten Hormone erhöhen bei einigen Betroffenen die Produktion von Talg in der Haut und fördern so Mitesser und Pickel. Der genaue Mechanismus, der dahinter steckt, ist noch nicht bekannt. Wer hier empfindlich reagiert und einen Zusammenhang erkennt, ist mit einem Verzicht auf Kaffee besser beraten.

#4 Chronobiologisch riskant

Kaffeegenuss im Übermaß, direkt nach dem Aufstehen und am Abend unterbricht den sogenannten Tag-Nacht-Rhythmus (Chronobiologie) unseres Körpers [17]. Die Folge: Müdigkeit am Nachmittag sowie Probleme beim Ein- und Durchschlafen in der Nacht. Gesunder Schlaf wird so erschwert. Halte Dich daher bitte an den Leitfaden am Ende dieses Artikels.

#5 Stressfördernd

Durch den hohen Koffein-Spiegel bildet die Nebennierenrinde die Stresshormone (Nor-)Adrenalin und Cortisol [6]. Diese sind mit für die wachmachende Wirkung des Kaffees verantwortlich. Einige Leute reagieren empfindlich darauf. Das gilt besonders für stressige Phasen, in denen auch so schon genug Stresshormone im Blut vorliegen.

#6 Behindert die Energieproduktion

Wenn auf qualitativ minderwertigen Kaffee zurückgegriffen wird, drohen Schimmelrückstände und sogenannte Mykotoxine. Diese behindern in jeder einzelnen Zelle des Körpers die Energiegewinnung. Mögliche Konsequenzen? Trägheit, Müdigkeit, Autoimmunerkrankungen, allergische Reaktionen, Entzündungen im Körper und auch Migräne.

#7 Migränefördernd

Bei weiblichen Kaffeetrinkern wird immer häufiger eine Zunahme von Migräneanfällen beobachtet. Ursächlich dafür sind entweder Mykotoxine oder die hormonelle Beeinflussung des Körpers.

#8 CO2-Verbrauch

Der Transport von Kaffee um die halbe Welt und dessen Verarbeitung verbraucht selbstverständlich eine ganze Menge fossiler Brennstoffe. Wer Wert auf seinen ökologischen Fußabdruck legt, sollte seinen Kaffeekonsum überdenken (Ähnliches gilt für Äpfel aus Neuseeland).

#9 Schwangerschaftsrisiko

Schwangeren wird geraten, auf Kaffee zu verzichten, um die optimale Entwicklung des Embryos nicht zu behindern und um das Suchtpotenzial nicht auf das Baby zu übertragen.

Diese neun Punkte sind die aktuell bestehenden Nachteile eines (hohen) Kaffeekonsums. Aufgewogen werden sie durch die zahlreichen Vorteile, die Kaffee bietet. Dennoch sollten sie immer mit berücksichtigt werden.

 

Vorteile von Kaffee

Die Vorteile von Kaffee für die Gesundheit im Überblick:

#1 Cholesterinsenkend

Die zahlreichen sekundären Pflanzenstoffe im Kaffee, allen voran Chlorogensäure [9] und andere Polyphenole, senken erwiesenermaßen erhöhte Cholesterinspiegel.

#2 Blutzuckersenkend

Durch verschiedene biochemische Prozesse im Körper (AMPK, Adrenalinbildung, Wärmebildung, [8]) kann Kaffee, besonders hochwertiger und schwarzer Kaffee, hohe Blutzuckerwerte senken.

#3 Verbessert Insulinspiegel

Über die gleichen Mechanismen, über die Kaffee hohe Blutzuckerwerte senkt, werden auch die hohen Insulinspiegel bei Diabetikern positiv beeinflusst [16].

#4 Verdauungsfördernd

Dass Kaffee verdauungsfördernd wirkt, weiß jeder, der schon einmal drei Tassen auf nüchternen Magen getrunken hat. Im Darm kommt einiges in Schwung [11]. Tatsächlich aktiviert er die Zellen im Dünndarm, die für die Darmmotilität (Darmbewegung) zuständig sind (Interstitielle Cajal-Zellen). Auf diese Weise wird, etwa durch einen Espresso nach dem Essen, die Verdauung in Gang gesetzt, was auch beim Reizdarmsyndrom überaus hilfreich ist. Der Begriff “Detox Lebensmittel” trifft auf guten Kaffee zu 🙂

#5 Kann Verstopfungen beseitigen

Über denselben Weg kann auch eine Verstopfung (z. B. bei Reizdarmsyndrom) beseitigt werden, da die Darmträgheit aufgehoben wird. Durch die leicht abführende Wirkung des Kaffees wird dieser Effekt noch verstärkt.

#6 Konzentrationsfördernd

Besonders diejenigen, die nicht so häufig und viel davon trinken, werden diese Wirkung zu spüren bekommen: Kaffee macht wach, munter und klar im Kopf. Wer also gerade eine anstrengende Arbeit vor sich hat, die Konzentration steigern will oder ein paar Stunden scharfen Fokus benötigt, der ist mit Kaffee gut beraten.

#7 Antioxidativ

Polyphenole aus Pflanzen zeigen in Studien allerlei positive Wirkungen auf den Blutdruck, die Darmgesundheit und ein starkes Immunsystem. Studien zufolge ist Kaffee eine Polyphenolquelle, wenn nicht sogar die wichtigste in der westlichen Gesellschaft [12,5,7]. Dies spricht einerseits dafür, dass Kaffee gesund ist, weil tatsächlich viele Polyphenole enthalten sind. Andererseits ist das ein Zeichen dafür, dass in unserer normalen, westlichen Ernährung etwas schief läuft, wenn nicht Obst und Gemüse unsere wichtigsten Polyphenolquellen sind, sondern Kaffee.

#8 Beugt Alzheimer und Demenz vor

Dies wurde bei den Hundertjährigen in den The Blue Zones* beobachtet. Kaffee scheint über seine vielfältigen Wirkstoffe im Gehirn besonders bei älteren Menschen dem Verfall der Nervenzellen entgegenzuwirken und aktiv Alzheimer vorzubeugen [10]. Der genaue Mechanismus dahinter ist noch nicht vollständig geklärt.

#9 Fettverbrennend

Wer seine Fettverbrennung ankurbeln, seine sportliche Leistungsfähigkeit steigern oder einfach nur schnell abnehmen möchte, dem ist zu empfehlen, auf Kaffee zurückzugreifen. Denn durch Koffein sowie Adrenalin wird vermehrt Fett aus dem Fettgewebe freigesetzt und verbrannt [1-2, 4, 14].

#10 Beugt Leberzirrhose vor

Kaffee aktiviert die Fettverbrennung und Durchblutung, bekämpft freie Radikale sowie Entzündungen im Körper. In der Folge sammelt sich weniger Fett in der Leber an. So sinkt nicht nur das Risiko einer Fettleber, sondern auch das Risiko für eine Leberzirrhose [3]. Kaffee scheint also auch die Entgiftungsfähigkeit der Leber zu verbessern.

#11 Appeithemmend

Ob das nun ein Vor- oder Nachteil ist, sei mal dahingestellt. Kaffee unterdrückt den Hunger sowie den Appetit und kann somit in einer Diät (Abnehmen ohne Diät) Hilfestellung leisten [15].

Das waren alle Vor- und Nachteile von Kaffee im Überblick. Natürlich kann sich jeder selbst eine Meinung bilden; dabei erfordert eine gute Recherche immer die Betrachtung aus verschiedenen Blickwinkeln.

 

Wie macht Kaffee eigentlich wach? Was steckt dahinter?

Exkurs: Warum Kaffee wach und munter macht
Einerseits wird durch die Inhaltsstoffe des Kaffees in der Nebennierenrinde, einer Drüse, die viele Hormone produziert, Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet. Beide sind aktivierende Stresshormone, die auf natürliche Weise besonders am Morgen gebildet werden, um uns munter aus dem Bett springen zu lassen. Adrenalin wird anschließend sehr schnell in Noradrenalin umgewandelt, ein Hormon, das für Fokus und einen klaren Kopf sorgt. Auf der anderen Seite ist da das Koffein.

Der Kaffeebaum bildet diesen Stoff eigentlich, um sich vor schädlichen Insekten und Bakterien zu schützen. Wir profitieren von diesem Stoff: Denn Koffein vertreibt aktiv Müdigkeit. Wie das? Müdigkeit hängt immer mit einem Stoff namens Adenosin zusammen, der frei im Gehirn herumschwimmt. Je mehr Adenosin vorhanden, desto müder sind wir. Im Laufe des Tages werden die Spiegel höher, am Abend erreicht es sein Maximum – wir werden müde und gehen ins Bett.

Nachts wird es in Deinem Gehirn abgebaut, sodass Du morgens wieder erholt aufwachst. Auf Molekülebene sieht Koffein fast genauso aus wie Adenosin. Deshalb ist es in der Lage, Adenosin von seinen Wirkorten zu verdrängen.

So verhindert es den Müdigkeits-Effekt von Adenosin. Dazu kommen Adrenalin und Noradrenalin – und zack sind wir wieder wach! Nach diesem kleinen biochemischen Exkurs und nach der Darlegung aller Vor- und Nachteile von Kaffee, nun zum Leidfaden für einen gesunden Kaffeekonsum.

 

Kaffeeleitfaden: Die 11 goldenen Regeln des gesunden Kaffeekonsums

Findige Leser haben sicher schon Folgendes herausgelesen: Kaffee ist gesund – sofern Umstände, Menge sowie Qualität stimmen und keine Unverträglichkeit vorliegt.

Um das Beste aus Deinem Kaffee herauszuholen, das heißt, von den meisten Vorteilen zu profitieren und viele der Nachteile zu umgehen, möchte ich Dir nun einen Leitfaden mit einigen Faustregeln mit an die Hand geben. Denn mir geht es in diesem Blog nicht nur um theoretische Informationen, sondern auch um Praxistipps, die Dir helfen, Deinen Alltag zu erleichtern und gesünder zu gestalten:

  1. Weniger ist mehr: Lege Wert auf qualitativ hochwertigen Kaffee, der ein paar Euro mehr kostet, und trinke lieber weniger davon. Genieße ihn in vollen Zügen.
  2. Die richtige Menge: Achte darauf, nicht mehr als zwei Tassen täglich zu trinken. So minimierst Du die Ausschüttung von Stresshormonen und das Risiko, abhängig zu werden. Hast Du den richtigen Kaffee gefunden, sind zwei Tassen am Tag absolut ausreichend und auch nicht zu teuer.
  3. Zubereitung: French Press oder Kolbenmaschine. Ein klassischer Kaffeefilter aus Papier filtert viele gesunde Stoffe, zum Beispiel Chlorogensäure, aus dem Kaffeeextrakt heraus. Damit die meisten gesunden Stoffe den Weg in deine Kaffeetasse finden, nutze eine gute French Press oder eine Kolbenmaschine.
  4. Mahlen nach Zahlen: Wenn Du die Möglichkeit hast, kaufe ganze Bohnen und mahle sie mit einer mechanischen oder elektrischen Mühle. So bewahrst Du nicht nur das Aroma, sondern Du minimiert darüber hinaus das Risiko von Schimmelrückständen.
  5. Gesunder Schlaf: Schlafe gut und ausreichend (mindestens 7 Stunden gesunder Schlaf pro Nacht). Vermeide es, schlechten oder zu wenig Schlaf mit höherem Kaffeekonsum zu kompensieren. Dein Körper wird das nicht lange mitmachen.
  6. Morgenstund hat Gold im Mund: Im Idealfall solltest Du am Morgen nach dem Aufstehen (Morgenroutine) eine Stunde warten, bis Du die erste Kaffeetasse trinkst. Der Hintergrund: Dein Körper sollte selbstständig lernen, früh wach zu werden – ohne Kaffee. Mehr dazu findest Du in diesem Buch*.
  7. Regelmäßige Kaffee-Entwöhnung: Dieser Punkt liegt mir besonders am Herzen. Denn Kaffee macht nun einmal abhängig, nicht jeder verträgt ihn gut und viele neigen zur Übertreibung. Die Lösung: eine Woche pro Monat kompletter Verzicht. Wenn Dir der Geschmack fehlt, dann schwenke auf koffeinfreien Kaffee um. So verhinderst Du, dass Du Dich zu sehr an Kaffee gewöhnst und ihn nicht mehr so sehr zu schätzen weißt. Denn bedenke, er ist ein Luxusprodukt, für das Du dankbar sein solltest!
  8. Bei Reizmagen, Leaky Gut Syndrom, Durchfall, Migräne, Schwangerschaft oder starker Akne: Finger weg vom Kaffee! Trinke stattdessen lieber einen guten Tee. Mein Lieblingstee am Morgen ist dieser Pu-Erh-Tee*.
  9. Kalte Dusche und gutes Frühstück: Beides hilft, damit Dein Körper auch ohne Kaffee früh in die Gänge kommt. Eine schöne kalte Dusche (Morgenroutine) und danach ein gesundes Frühstück mit ausreichend Proteinquellen. Diese Kombination kann Wunder bewirken.
  10. Uhrzeit: Meide Kaffee besonders nach 14:00 Uhr und greife ab dieser Uhrzeit lieber auf guten Tee zurück, um Deinen Tag-Nacht-Rhythmus nicht allzu stark zu gefährden.
  11. Der gesündeste Kaffee: schwarz, ohne Zucker und Süßstoffe. Dass Zucker nicht gesund ist, ist sicher klar. Für Süßstoff gilt das genauso, weil auch er negative Effekte im Körper nach sich zieht. Außerdem enthält der ideale Kaffee keine Milch, denn Milch verhindert im Darm die Aufnahme einiger wichtiger Vitalstoffe, die im Kaffee enthalten sind.

Um eines klarzustellen: Das sind keine Regeln, die ich Dir auferlegen möchte, gemäß dem Motto “Tu dies, lass das, mach jenes”. Nein, darum geht es wirklich nicht!

Aber die jahrelange Erfahrung, die Betreuung zahlreicher Klienten und die Wissenschaft haben mit der Zeit ein eindeutiges Bild ergeben. Das umfasst nicht nur die Weise, auf die er am besten konsumiert wird, sondern auch, dass er sich nicht für jeden Menschen eignet. Unter den genannten Umständen ist Kaffee ein gesundes, großartiges Produkt – auch ich genieße meine gelegentliche Tasse sehr.

 

Kaffee Wiki – Deine Fragen zum schwarzen Gold

Woher kommt Kaffee?

Zuerst wurde er in Äthiopien angebaut. Auch heute ist das afrikanische Land unter den Top-Exporteuren für die braunen Bohnen. Weitere Anbaugebiete sind Brasilien, Vietnam, Indonesien und Kolumbien.
Achte beim Kauf auf jeden Fall auf ein Fairtrade und Bio-Siegel. Die Mehrinvestition wird sich auszahlen!

Wie viel Kaffee solltest Du am Tag trinken?

Trinke maximal 2 Tassen am Tag. Setze hier lieber auf Qualität, nicht auf Quantität. Mit einem hochwertigen Kaffee solltest Du mit 2 Tassen sehr gut hinkommen. Führe außerdem einmal pro Monat eine einwöchige Kaffee-Entwöhnung durch. Wenn Du eine Woche auf Kaffee verzichtest, bleibt die Wirkung auch bei geringeren Mengen bestehen und Du lernst, Deinen Kaffee mehr zu schätzen.

Ist Kaffee gesund?

Mit der richtigen Dosis von bis zu 2 Tassen am Tag ist Kaffee sehr gesund. Er senkt den Cholesterinspiegel und den Blutzucker, verbessert den Insulinspiegel und wirkt verdauungsfördernd. Daher kann er Verstopfungen beseitigen.
Bei unregelmäßigem Konsum steigert Kaffee die Konzentration. Außerdem ist er eine der wichtigsten Polyphenolquellen in der westlichen Ernährung. Die wichtigen Pflanzenstoffe wirken positiv auf den Blutdruck, stärken das Immunsystem und fördern die Darmgesundheit.
Kaffee beugt Alzheimer, Demenz und Leberzirrhose vor. Dank seiner appetithemmenden und fettverbrennenden Wirkung hilft Dir Kaffee beim Abnehmen.

Warum ist Kaffee gut für die Leber?

Kaffee aktiviert die Fettverbrennung, Durchblutung und bekämpft freie Radikale sowie Entzündungen im Körper. Dies führt dazu, dass sich in der Leber weniger Fett ansammeln kann. Das Risiko einer Fettleber sinkt ebenso wie das Risiko für eine Leberzirrhose. Er scheint also auch die Entgiftungsfähigkeit der Leber zu verbessern.

Ist Kaffee gut für das Herz?

Ja! Aufgrund der fettverbrennenden und durchblutungsfördernden Eigenschaften des Kaffees sowie der entzündungshemmenden Wirkung der Polyphenole, wird Dein Herz effektiv vor koronaren Herzerkrankungen geschützt und kann fleißig arbeiten.

Welchen Einfluss hat Kaffee auf den Blutdruck?

Aufgrund des hohen Anteils an Polyphenolen hat Kaffee viele positive Wirkungen auf die Regulation des Blutdrucks. Bei Problemen kannst Du auf bis zu zwei Tassen hochwertigen Kaffee am Tag zurückgreifen.

 

Fazit – Ja, Kaffee ist gesund, aber Du solltest ihn optimal nutzen

Ist Kaffee gesund? Dieser Frage bin ich heute ausführlich nachgegangen. Dabei habe ich sowohl wissenschaftliche Erkenntnisse, biochemische Grundlagen als auch die jahrelange Erfahrung mit zahlreichen Klienten einfließen lassen. All das ist im Leitfaden am Ende dieses Artikels zusammengefasst. Mit ihm kannst Du jeden Tag Kaffee gesund und optimal nutzen.

Hast Du noch weitere Fragen? Hast Du eine interessante Erfahrung gemacht, die Du gerne teilen möchtest? Teile sie mir doch unten in den Kommentaren mit!

Mein aktueller Lieblingskaffee ist Ehrlich Bio Kaffee. Ich kann ihn Dir nur ans Herz legen 🙂

 

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Quellenverzeichnis

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10 Kommentare

Antje 28. Oktober 2018 - 13:11

Hallo Martin Auerwald,
du bist Biochemiker: Mich interessiert EM s = effektive Mikroorganismen. Hast du diese in ihrer Wirkung schon näher betrachtet? Und sie sind fermentiert. Und sie sind auch zum Einnehmen für die Darmflora außer Nutzung im Garten und Haushalt. Mich interessiert wie wirken sie auf die Darmflora? Sind diese für jeden gut ? Wozu sind sie in der Darmgesundheit fähig ? Und Können die EM s auch Gifte wie Bleichmittel, Arsen, Glyphosat umwandeln? im Wasser oder im Boden??Ich würde mich über eine Antwort über kurz oder lang freuen Lieben Gruß Antje Scholze

Antworten
Martin Auerswald 28. Oktober 2018 - 19:29

Hey Antje,
eine sehr interessante Frage. Mit EM’s habe ich mich im Zuge von Kompost und Abbau von Biomasse beschäftigt, noch nicht hinsichtlich Einnahme als Probiotika. Dafür sind sie aber auch nicht gedacht: Sie werden zum Kompostieren verwendet (um 60°C, also zu warm für den Menschen), zur Bodenaufbereitung (0-20°C, zu kalt für den Menschen), und in der Lebensmittelindustrie zum Fermentieren von Nahrungsmitteln. Ich finde, probiotische Nahrungsmittel wie fermentiertes Gemüse, Apfelessig, Joghurt, Kombucha, Kefir etc., diese Probiotika sind für den Menschen ideal und gut erforscht. Diese sind für die Darmgesundheit unerlässlich, und können Giftstoffe binden und ausleiten 🙂
Ich hoffe, das beantwortet Deine Frage.
Gruß Martin

Antworten
Fabian Dittrich 31. Oktober 2018 - 19:57

Hallo Martin,

im Artikel schreibst Du: “Kaffee im Übermaß, direkt nach dem Aufstehen und am Abend unterbricht den sogenannten Tag-Nacht-Rhythmus (Chronobiologie) unseres Körpers.”

In der verlinkten Studie [17] kann ich dazu jedoch nichts finden. Mir steht leider nur das Abstract zur Verfügung. Dort wird im Ergebnis von Koffein am Abend abgeraten. Das ist ja nichts Neues. Steht das mit der Unterbrechung des Tag-Nacht-Rhythmus im full text? Mir geht es vor allem darum, dass ich in deinem Text das zum ersten Mal gelesen habe und ich bisher morgens gerne Koffein und Kaffee zu mir genommen habe.

Liebe Grüße
Fabian von Schlafonaut

Antworten
Martin Auerswald 2. November 2018 - 15:27

Hallo Fabian,
ich gebe zu, “unterbrechen” ist hart formuliert 🙂 Aber Kaffee am Morgen und am Abend wirkt sich auf Cortisol und Melatonin aus, und diese zwei Hormone sind maßgeblich für die Chronobiologie. So gesund und lecker Kaffee auch ist, muss man sich darüber im Klaren sein, dass er zur Ausschüttung von Cortisol führt und im Übermaß (und wer sensibel reagiert) den Schlaf negativ beeinflusst. Das steht so auch in der Studie, die aber leider nicht mehr für Jedermann zugänglich ist. Elsevier hat da leider umgestellt. Optimal wäre, früh nach dem Aufwachen ohne Koffein als Stimulanz wach und fit zu werden – nur durch natürliche chronobiologische Stimulanzien wie die Sonne, Kälte, körperliche Bewegung, und soziale Interaktion. Das schreibe ich auch deswegen so überspitzt, weil ich genügend Menschen und Klienten kenne, die früh ohne ihre 1-2 Tassen Kaffee nicht wach werden. Hier hat sich (neben eines Magnesiummangels und einer Nebennierenschwäche bei den meisten) der chronobiologische Rhythmus komplett ver-rückt und der einfachste Weg, das wieder gerade zu biegen ist ein harter Kaffee-Entzug für eine Woche.
Ich hoffe, das beantwortet Deine Frage 🙂
Viele Grüße,
Martin

Antworten
Sportreisebuero 1a reisen / Inh. Erwin Häcker 9. November 2018 - 11:22

Hallo,

kann man den Kaffee vom Supermarkt bei Niereninuffziens Stadium 3 und bei nervösem Magen trinken ?

Wenn Nein, was wäre die Alternative ?

Antworten
Martin Auerswald 11. November 2018 - 18:23

Hallo Erwin,
Der Kaffee- und Koffeinkonsum hängt invers mit der Sterblichkeit bei Nierenerkrankungen zusammen – Kaffee wirkt hier also vorbeugend. Sollte also prinzipiell in Ordnung sein, und schonend gerösteter Bio-Kaffee ist eigentlich ein gesundes Nahrungsmittel, auch für die Niere. (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30215779)
Aber eine definitive Empfehlung möchte ich hier aus rechtlichen Gründen nicht geben, da bei Stadium 3 mein medizinisches Wissen aufhört 🙂 laut Wissenschaft sollte genannter Kaffee in moderaten Mengen kein Problem sein.

Viele Grüße,
Martin

Antworten
Susanne Beik 10. November 2019 - 22:35

Hallo Martin,
weil Kaffee abhängig macht, empfiehlst Du eine Woche pro Monat komplett auf Kaffee zu verzichten. Macht das auch dann Sinn, wenn ich den Kaffee in dieser Woche mit Schwarz- oder Grüntee oder Kakao ersetze? Oder funktioniert die “Kaffee-Entwöhnung” nur, wenn man in dieser Woche auf alle wachmachenden Stoffe also auch auf Teein oder das Koffein im Kakao verzichtet?
Liebe Grüße von Susanne

Antworten
Martin Auerswald, M.Sc. 11. November 2019 - 9:54

Hallo Susanne,
Ideal wäre es, auch auf Tee und Kakao zu verzichten, dann hat es den größten Effekt. Sollte das nur schwer alltagstauglich sein, ist die Umstellung auf Grüntee für eine Woche auch gut – man erreicht etwa 60-70% des Entwöhnungskaffees von Kaffee. Nicht 100%, aber immerhin auch eine Menge.
Viele Grüße,
Martin

Antworten
Susanne Beik 12. November 2019 - 21:21

Hallo Martin,
vielen Dank für Deine schnelle Antwort. Roibuschtee ist mir noch eingefallen. Was hältst Du von Roibush zum Kaffe entwöhnen?
Was ist eigentlich so schlimm daran, nach Koffein süchtig zu sein? Du schreibst, er macht dann nicht mehr so wach. – Nun also ich zumindest trinke trotzdem nur meine zwei Tassen am Morgen (und niemals mehr und tagsüber schon gar nicht) . Spielt das dann eine Rolle ? – Oder gibt es noch andere Gründe ?
Viele Grüße von Susanne

Antworten
Martin Auerswald, M.Sc. 13. November 2019 - 10:00

Hi Susanne,
Rotbuschtee ist zum Entwöhnen weniger geeignet als anregende Tees wie Ingwer, Grüntee oder Chaga-Tee.
Kaffee-süchtig zu sein ist nicht schlimm, ich trage dieses Laster auch 🙂 Aber ich finde, der Körper sollte im Idealfall unabhängig und nicht auf ständige Stimuli wie Koffein, Nikotin oder Zucker angewiesen sein, um gut zu funktionieren. Wenn ich früh erst nach 1-2 Tassen Kaffee aufnahmefähig bin, ist irgendwo ein Fehler (in meinem Stresspegel, Schlaf oder Kaffeekonsum).
Das ist so meine Sicht 🙂
Gibt Schlimmeres, ja – aber optimal ist es auch nicht. Daher ist so eine Entwöhnung hin und wieder sehr gut.

Viele Grüße,
Martin

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