Der Austernpilz (Pleurotus ostreatus) – auch Austernseitling genannt – ist ein sehr beliebter und schmackhafter Speisepilz. Manche betrachten ihn aufgrund seines hohen Ballaststoffgehalts und seiner Vorteile für die Darmflora als Heilpilz. Erfahre hier alles Wichtige über den Austernpilz.

 

Was ist der Austernpilz?

Der Austernpilz ist ein Speisepilz mit hoher Anpassungsfähigkeit. Eigentlich ist er ein typischer Primärzersetzer und wächst auf toten Bäumen und Ästen. Er gedeiht jedoch auch auf anderen Substraten wie Stroh und Kaffeesatz, weshalb er relativ einfach angebaut werden kann.

Der Austernseitling hat einen dicken Stiel und eine dunkelgraue Kappe mit Lamellen. Er wächst auch in einigen Gebieten Deutschlands. Findet man ihn, dann typischerweise in großen Mengen.

Auf dem Nahrungsmittelmarkt wurde er nach Forschungen von Prof. Lelley erstmals in den 70er-Jahren in Deutschland eingeführt. Da er neuartig war, fiel der Absatz gering aus.

Heute ist der Austernpilz in den meisten gut sortierten Super- und Wochenmärkten erhältlich. Er kann gebraten oder gekocht werden und überzeugt durch sein feines Aroma, das ihn zu einem der beliebtesten Speisepilze macht.

Gräuliche Austernpilzgruppe auf rötlichem Holzstamm

Pleurotus ostreatus auf einem Baum


Austernpilz: Gesundheitliche Vorteile und Wirkungen

Was kann man sich vom regelmäßigen Verzehr des Pilzes erhoffen?


Immunstärkung

Durch seinen hohen Ballaststoffgehalt, insbesondere ß-Glukane, kann der Austernpilz bei regelmäßigem Verzehr das Immunsystem stärken. Denn Immunzellen reagieren auf die ß-Glukane mit einer kleinen Stressreaktion (via TLR-2 und TLR-4), die sie aktiviert. Besonders das angeborene Immunsystem rund um Makrophagen und Granulozyten profitiert vom Austernseitling.


Regulierung der Darmflora und Darmstärkung

Der Austernpilz stärkt die Darmflora. Seine Ballaststoffe dienen dieser als Nahrung. Pilze hemmen außerdem Clostridien im Wachstum und unterstützen die „guten Darmbakterien“ wie Milchsäurebakterien.

Tipp: Andere Superfoods wie Leinsamen, Rote Beete, Spinat, Brokkoli und Artischocke können hier ebenfalls nützen.

Auch bei chronischen Problemen der Darmflora oder der Darmwand kann der Austernpilz wertvolle Unterstützung bieten.


Entzündungslinderung

Dank seines hohen Triterpen-Gehalts wirkt der Austernpilz leicht entzündungslindernd. Dieser Effekt ist schwächer als bei anderen Heilpilzen wie etwa Reishi und Cordyceps, kann aber bei regelmäßiger Einnahme zur Entzündungsregulation beitragen.


Cholesterinsenkung

Durch die Ballaststoffe (besonders ß-Glukane) und die Bitterstoffe können Pilze bei regelmäßiger Einnahme Dein Cholesterin senken. Studien zufolge ist von einer Senkung von etwa 10 bis 15 % auszugehen.

 

Mehr Informationen zu diesen Wirkungen hier: Heilpilze Wirkung.

Dies sind die wichtigsten Vorteile und Wirkungen des Austernpilzes. Sie machen ihn zu einer gesunden und leckeren Ergänzung im Speiseplan.

Nun geht es in die Praxis: Wann bietet sich die Einnahme an?

 

Mögliche Anwendungen des Austernpilz

Der Austernpilz eignet sich zur allgemeinen Steigerung der Gesundheit und des Wohlbefindens sowie bei:

  • Durchfall
  • Reizdarmsyndrom
  • Leaky-Gut-Syndrom
  • Allergien
  • Neurodermitis
  • Autoimmunerkrankungen
  • Akne

 

Inhaltsstoffe des Austernpilz

Die Inhaltsstoffe sind nicht so gut erforscht wie bei anderen Heilpilzen. Daher kann ich hier nur allgemeine Aussagen über ß-Glukane und Ergosterol treffen.

ß-Glukane sind in allen Pilzen enthalten. Sie kommen zudem in Getreide (ß-1,3) vor. ß-Glukane aus Pilzen (ß-1,3-1,6) sind allerdings effektiver. Sie aktivieren das Immunsystem stärker und bereits in geringerer Dosis. Deshalb lohnt es sich, regelmäßig Pilze zu essen.

Ergosterol wird auch als Pro-Vitamin-D2 bezeichnet. Es liegt in den meisten Pilzen vor. Besonders viel davon enthalten Shiitake, Reishi und der Austernpilz. Es wird im Körper in Vitamin D2 umgewandelt. Teilweise wirkt Vitamin D2 wie das „hauseigene“ Vitamin D3. Wichtiger ist es jedoch als Signalstoff, der sich positiv an Entzündungslinderung, Immunstärkung, Entgiftung und Autophagie beteiligt.

Weitere wichtige Inhaltsstoffe:

  • Lovastatin
  • Vitamin C
  • Calcium
  • Kalium
  • Lektine (Ostreolysin, Pleurotolysin)
  • Ibotensäure
  • Tricholomasäure

Wichtig: Der Austernpilz sollte nicht roh verzehrt werden, sondern nur gekocht, gebraten oder als Extrakt. Da er die Lektine Ostreolysin und Pleurotolysin enthält, wirkt er im Rohzustand ungünstig.


Wie wird der Austernpilz angebaut?

Im industriellen Maßstab wird er üblicherweise auf Weizenstroh kultiviert. Dieses wird sterilisiert und durchnässt. Dann werden Sporen oder alte pürierte Austernpilze auf dem Stroh verteilt. In den nächsten Wochen durchzieht das Pilz-Mycel das Stroh, bis die Fruchtkörper wachsen. Bei korrektem Anbau können pro Quadratmeter etwa 20 kg Pilze geerntet werden.

Im Garten lassen sich Austernpilze gut auf Strohballen oder direkt auf alten Baumstümpfen züchten. Dafür gibt es im Internet sogenannte Pilzdübel, die bereits mit Pilzbrut durchwachsen sind. Diese werden in den vorhandenen Baumstumpf eingeklopft, die Löcher anschließend mit Wachs oder Klebeband verschlossen – so bleibt die Feuchtigkeit erhalten und Fremdpilze haben keine Chance. Unter kühlen, feuchten und schattigen Bedingungen kann der Austernpilz den Stumpf nach und nach besiedeln, und nach einigen Monaten erscheinen die ersten frischen Pilze.

Du kannst den Austernseitling auch auf altem Kaffeesatz züchten. Sammle diesen in einer Schüssel im Kühlschrank. Die Schicht sollte etwa 5 bis 10 cm hoch werden. Verteile dann pürierte Austernpilze aus dem Supermarkt darauf, decke das Ganze mit einem Mulltuch ab und stelle es an einen dunklen Ort. Zuerst wächst das Pilz-Mycel, was wie Schimmel aussieht, und wenig später die Fruchtkörper.

Übrigens: Der Austernpilz wächst in Deutschland auch wild, jedoch sehr unregelmäßig. 

Große Austernpilzgruppe am Fuß eines moosbedeckten Baumstammes

Ein Exemplar im Wald

 

Austernpilz kaufen

Setze den Austernseitling gern auf Deinen Speiseplan. Du findest ihn in gut sortierten Supermärkten oder auf dem Wochenmarkt. Um von den Ballaststoffen zu profitieren, ohne ständig kochen zu müssen, bieten sich auch Extrakte an. 

Ich empfehle jedoch, den frischen Pilz zu verwerten. Mit etwas Olivenöl, Ingwer und Knoblauch in der Pfanne gebraten, rundet er deftige Gerichte ab.

 

Zusammenfassung – der Austernseitling

Der Austernpilz ist ein beliebter, schmackhafter und gesunder Speisepilz. Du findest ihn in Supermärkten, kannst ihn mit einfachen Mitteln aber auch selbst anbauen.

Durch seinen hohen Ballaststoffgehalt wirkt er sich positiv auf Immunsystem und Darmflora aus.

 


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