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Was Krebsprävention mit dem Immunsystem zu tun hat

von Martin Auerswald, M.Sc.
Tumorzellen in Nahaufnahme

Zuletzt aktualisiert am 6. Mai 2020 um 14:30

Krebs ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen aktuell die Nr. 2 Todesursache in Deutschland. Vor dieser großen Geißel der Menschheit, auf die es medizinisch gesehen immer noch keine Antwort gibt, haben viele Menschen berechtigterweise Angst.

Doch hinsichtlich Prävention und Früherkennung hast Du Einfluss darauf, ob Du erkrankst und wie die Krankheit verläuft. Denn: Krebsprävention entscheidet sich in erster Linie im Immunsystem.

Krebs: Geißel der Menschheit

Laut Statista kommt es jährlich allein in Deutschland zu fast 500.000 Neuerkrankungen, 230.000 davon verlaufen tödlich. Weltweit erkranken jedes Jahr 13 Millionen Menschen an Krebs [1].

Krebs ist ein Überbegriff für viele einzelne Erkrankungen – Tumoren, die sich in einem bestimmten Gewebe bilden, bösartig werden und sich dann ausbreiten. Krebs ist ein eigenständiger Organismus, ein Parasit, der sich in unserem Organismus bildet und ihn auszehrt.

Es ist kein modernes Phänomen: Bereits im Mittelalter war die „Auszehrungs-Krankheit“ bekannt. Heute wissen wir, dass es Krebs ist. Damals nannte man es so, weil Betroffene immer ausgemergelter und schwächer wurden. Bis in den Barock war es verboten, Menschen zu sezieren und nachzusehen, was hinter der Krankheit steckte.

Kaum ein Mensch hat keine Angst vor Krebs – zurecht, sind diese Erkrankungen doch die tödlichsten, die es gibt. Allen voran Leberkrebs, Lungenkrebs und Bauchspeicheldrüsen-Krebs.

Doch weißt Du was? Dass Krebs immer mehr zunimmt und bösartiger wird, ist ein modernes Phänomen:

 

Krebs ist eine Zivilisationserkrankung

Offiziell zählt Krebs heute zu den Zivilisationserkrankungen. Als Erkrankung kommt er zwar schon immer vor; doch durch moderne Ernährung und Lebensführung nimmt die Neuerkrankungsrate zu und die Mortalitätsrate nimmt, sofern er nicht behandelt wird, deutlich zu.

Diagramm zu Krebsprävention

Man spricht teilweise von einer Tsunami-artigen Zunahme der Neuerkrankungen, die nicht durch eine Zunahme der Lebenserwartung und nicht durch verbesserte Diagnostik-Methoden erklärbar ist.

Unsere moderne und unnatürliche Lebensführung begünstigt demnach die Entstehung von Tumoren und die Wahrscheinlichkeit, dass sie bösartig werden.

 

Früherkennung – Das A&O!

Es ist ein absoluter Segen, dass wir heute über so gute Diagnostik-Methoden verfügen, um Krebs frühzeitig zu erkennen. Die Behandlungen werden immer besser, aber auch die Früherkennung und die Möglichkeiten zur Diagnose.

Daher die Empfehlung, auf Ärzterichtlinien zu hören und sich regelmäßig vorsorglich untersuchen zu lassen – als Mann ab dem Alter von 35 u. a. Prostata und Darm. Ab Mitte-Ende Zwanzig als Frau die Brust. Besonders, wenn die Pille eingenommen wurde, die nachweislich das Risiko für Brustkrebs erhöht.

Die Früherkennung bedeutet für viele Menschen eine nervige Pflicht, und doch ist sie nur ein geringer Aufwand für das, was man im Ernstfall geschenkt bekommt: dass der Krebs frühzeitig erkannt und besser behandelt werden kann.

Wenn sich ein Verdacht erhärtet, kann der beteiligte Arzt sofort handeln und weitere Untersuchungen anstellen lassen. Bei der Diagnose Prostatakrebs durch eine Untersuchung und Biopsie können sofort weitere Schritte eingeleitet werden.

 

Wie entsteht Krebs?

Wie entsteht eigentlich Krebs und warum nimmt er so zu?

Bevor es zu Krebs kommt, entsteht ein Tumor. Ein Tumor ist eine Wucherung von Zellen und nicht zwangsläufig bösartig und gefährlich. Jede Warze, jeder Leberfleck ist ein kleiner, gutartiger Tumor, der jedoch irgendwann bösartig werden kann. Aber an sich ist ein Tumor nicht immer gefährlich.

Damit ein Tumor und danach Krebs entstehen, müssen einige Dinge passieren (dies wird auch als „Hallmarks of Cancer“ bezeichnet):

  1. Die Zelle erleidet schwere genetische Schäden (Mutationen) durch Schadstoffe, freie Radikale, Infektionen oder zufällige Vorgänge. Auch die genetische Veranlagung spielt mit rein.
  2. Durch die genetischen Schäden werden Reparaturmechanismen der DNA außer Kraft gesetzt.
  3. Der Zell-Selbstmord (Apoptose) wird außer Kraft gesetzt (normalerweise sterben beschädigte Zellen)
  4. Die Zelle lernt, sich vor dem Immunsystem zu verstecken (obwohl sie beschädigt ist). Dies nimmt man auf Englisch „immune evasion“.
  5. Durch unkontrolliertes Wachstum vervielfältigt sich die Zelle schneller, als sie sollte – der Tumor wird spätestens hier bösartig (maligne)
  6. Hat der Tumor eine kritische Masse erreicht, muss er Blutgefäße rekrutieren (Angiogenese), um weiter zu wachsen. Hier entscheidet sich, ob ein Tumor gefährlich wird
  7. Irgendwann lernt das Krebs-Geschwür, sich vom Zell-Verbund zu lösen und über den Blutkreislauf in andere Organe einzudringen – Metastasen.

So weit kommt es im schlimmsten Fall. Aus einer „normalen“ Zelle entsteht nach und nach ein bösartiger und gefährlicher Tumor.

Obwohl das sehr bedrohlich klingt, kann an jedem einzelnen Schritt der Körper noch dazwischen-grätschen und die entartete Zelle bremsen oder gar töten. Besonders das Immunsystem nimmt dabei eine wichtige Rolle ein:

 

Was hat das Immunsystem mit Krebs zu tun?

In einem erwachsenen Körper entstehen jeden Tag durchschnittlich 20 Tumorzellen. Fast immer werden diese entarteten Zellen vom Immunsystem erkannt und sofort beseitigt. Denn eine entartete Zelle sieht anders aus als eine körpereigene Zelle, sie trägt andere Proteine auf ihrer Oberfläche.

Es ist auch Aufgabe des Immunsystems, solche Zellen zu erkennen und zu töten – nicht nur Krankheitserreger.

Daher ist unser Immunsystem der wahrscheinlich wichtigste Faktor bei der körpereigenen Krebsprävention. Je kompetenter das Immunsystem ist, desto schneller und effektiver werden Tumorzellen und kleine Tumoren erkannt und beseitigt.

Gelegentlich geht dem Immunsystem eine Tumorzelle „durch die Lappen“ – wie Du nun weißt, ist nicht automatisch gesagt, dass dadurch ein bösartiger Krebs entsteht. Es kann aber.

Das Gute an der ganzen Sache: Was Dein Immunsystem stärkt, wirkt sich positiv auf Deine gesamte Gesundheit aus. Stärkst Du Dein Immunsystem, stärkst Du damit Deinen Körper, und vice versa.

Wie Du das schaffst? Darüber haben wir auf SchnellEinfachGesund bereits mehrere hundert Beiträge geschrieben – sie alle laufen auf gesunde Gewohnheiten hinaus, mit denen Du Deine Gesundheit und Dein geschwächtes Immunsystem stärken kannst. Dies führt auch dazu, dass Deine Zellen weniger Schäden erleiden und weniger Mutationen erfahren.

 

Studien an Hundertjährigen zeigen erstaunliche Resultate

Bevor wir zu den eigentlichen Tipps kommen: Ich sehe mir gerne Studien an Hundertjährigen an. Wie diese Menschen gesund alt geworden sind und was wir von ihnen lernen können.

Interessanterweise weisen alle dieser Menschen, wenn nach ihrem Tod eine Autopsie durchgeführt wurde, Tumoren auf. Alle. Kleine Tumoren von wenigen Millimetern Größe, die jedoch nicht bösartig waren.

Auch weisen die meisten von ihnen Alzheimer-ähnliche Ablagerungen im Gehirn auf, ohne jedoch mental beeinträchtigt gewesen zu sein.

Heißt: Sie tragen Tumoren in sich, ohne dass es gefährlich wird. Sie haben Tumoren, die aber vom Immunsystem „klein gehalten“ werden und die einfach nicht bösartig werden.

Als Gründe geben die Wissenschaftler dann immer an, dass diese Menschen:

  • Sich viel bewegt haben
  • Sich viel in der Natur aufgehalten haben
  • Natürliche und unverarbeitete Ernährung
  • Wenig Stress
  • Viel Schlaf
  • Gutes Sozialleben

Erstaunlich, oder? Davon können wir einiges lernen.

 

Wie sieht aktive Krebsprävention aus?

Mit recht einfachen Gewohnheiten, die Du hast, kannst Du aktiv etwas für die Krebsprävention tun. Denn dadurch werden Deine Zellen weniger geschädigt und das Immunsystem wird kompetenter.

Einige bekannte und weniger bekannte Faktoren möchte ich Dir gerne vorstellen:

  • Nicht Rauchen, Alkohol, Zucker und Fast Food reduzieren
  • Als Frau: Alternativen zur „Pille“ suchen
  • Regelmäßige körperliche Bewegung im Alltag und beim Sport (die Krebsgesellschaft [2] schreibt, dass Sport so effektiv ist, wie Medikamente). Regelmäßiges Joggen etwa reduziert das Krebsrisiko um 50 %.
  • Wenig Stress im Alltag. Stress beschleunigt die Zell-Alterung.
  • Viel Zeit in der Natur. Die Natur wirkt direkt stresslindernd und entzündungslindernd.
  • Ein aktives Sozialleben. Ein soziales Umfeld gibt dem Körper das Signal, dass wir gebraucht werden und gesund sein müssen.
  • Frische Luft. Mehr Sauerstoff, weniger Kohlendioxid und Feinstaub.
  • Vitamin D [3]

Ernährung (eigenständiger Punkt, da bestimmte Lebensmittel besonders hervorstechen):

Salat mit Avocado und Kürbiswürfeln auf Holztisch

Prävention auf einem Teller.

 

Eine faszinierende Studie aus China

Eine Studie aus dem Jahre 2009 hat in China in einer ländlichen Region die Zusammenhänge aus Ernährung und Krebsrisiko untersucht.

Das erstaunliche Ergebnis: Die Frauen, die im Schnitt mindestens eine Tasse Grüntee täglich tranken und 40g Pilze täglich aßen, wiesen ein um 89 % reduziertes Brustkrebs-Risiko auf [9].

 

Fazit – Krebsprävention beginnt im Immunsystem und bei der Ernährung

Du kannst jeden Tag etwas dafür tun, ob Du gesund bist und das auch bleibst. Auch der gesündeste Mensch kann an Krebs sterben, aber zu einer deutlich geringeren Wahrscheinlichkeit. Du kannst viel in Deinem Körper beeinflussen. Genetische Veranlagung ja, aber die Lebensführung nimmt die weitaus größere Rolle ein.

Durch Früherkennung und aktive Prävention kannst Du das Risiko durch die große Geißel der Menschheit senken. Klingt zu gut, um wahr zu sein?

Dann gehe jetzt an die Umsetzung und starte noch heute mit den gesunden Gewohnheiten, die wir Dir hier vermitteln möchten.

Möchtest Du gerne etwas ergänzen? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

 

Quellenverzeichnis
  1. Jemal, A., F. Bray, M. M. Center, J. Ferlay, E. Ward, and D. Forman. “Global Cancer Statistics.” CA Cancer J Clin 61, no. 2 (Mar-Apr 2011): 69-90. https://dx.doi.org/10.3322/caac.20107.
  2. https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/basis-informationen-krebs-allgemeine-informationen/sport-bei-krebs-so-wichtig-wie-.html
  3. Carlberg, C. “Genome-Wide (over)View on the Actions of Vitamin D.” Front Physiol 5 (2014): 167. https://dx.doi.org/10.3389/fphys.2014.00167.
  4. Aaron T Fleischauer, Charles Poole, Lenore Arab, Garlic consumption and cancer prevention: meta-analyses of colorectal and stomach cancers, The American Journal of Clinical Nutrition, Volume 72, Issue 4, October 2000, Pages 1047–1052, https://doi.org/10.1093/ajcn/72.4.1047
  5. Frenkel, M., D. I. Abrams, E. J. Ladas, G. Deng, M. Hardy, J. L. Capodice, M. F. Winegardner, J. K. Gubili, K. S. Yeung, H. Kussmann, and K. I. Block. “Integrating Dietary Supplements into Cancer Care.” Integr Cancer Ther 12, no. 5 (Sep 2013): 369-84. https://dx.doi.org/10.1177/1534735412473642.
  6. Unlu, A., E. Nayir, O. Kirca, and M. Ozdogan. “Ganoderma Lucidum (Reishi Mushroom) and Cancer.” J buon 21, no. 4 (Jul-Aug 2016): 792-98.
  7. Ang, A., J. M. Pullar, M. J. Currie, and M. C. M. Vissers. “Vitamin C and Immune Cell Function in Inflammation and Cancer.” Biochem Soc Trans 46, no. 5 (Oct 19 2018): 1147-59. https://dx.doi.org/10.1042/bst20180169.
  8. Doldo, E., G. Costanza, S. Agostinelli, C. Tarquini, A. Ferlosio, G. Arcuri, D. Passeri, M. G. Scioli, and A. Orlandi. “Vitamin a, Cancer Treatment and Prevention: The New Role of Cellular Retinol Binding Proteins.” Biomed Res Int 2015 (2015): 624627. https://dx.doi.org/10.1155/2015/624627.
  9. Zhang, M., Huang, J., Xie, X. and Holman, C.D.J. (2009), Dietary intakes of mushrooms and green tea combine to reduce the risk of breast cancer in Chinese women. Int. J. Cancer, 124: 1404-1408. doi:10.1002/ijc.24047

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