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Verstopfung – Symptome, Ursachen und was wirklich hilft

von Martin Auerswald, M.Sc.
Veröffentlicht: Zuletzt bearbeitet:
Verstopfung Mann auf dem Klo mit Klopapier auf dem Schoß

Eine Verstopfung (Obstipation) ist unangenehm, hat aber meist Ursachen und Gründe, die erkannt und beseitigt werden können. In diesem Beitrag erfährst Du, welche Symptome dafür sprechen, welche Ursachen verantwortlich sind, und was wirklich hilft.

 

Chronische Verstopfung – Symptome und was dabei passiert

Eine chronische Verstopfung stellt man sicher immer wie ein verstopftes Rohr vor, in dem sich etwas aufstaut und nicht heraus kann. Das kann auch tatsächlich der Grund sein, doch viel häufiger ist es so, dass es keine mechanischen Gründe hat, sondern organische Gründe. Daher ist es wichtig sich den Ursachen für Verstopfung näher zu widmen.

Eine Verstopfung erkennst Du an den folgenden Symptomen:

  • Seltene Darmentleerung (nicht täglich, sondern 1-2x wöchentlich)
  • Geringe Stuhlmenge
  • Erschwerte Stuhlausscheidung (hoher Kraftaufwand nötig, z.B. Pressen)
  • Schmerzen beim Stuhlgang
  • Trockener, klumpiger Stuhl
  • Befriedigendes, vollständiges Gefühl der Stuhlentleerung eher selten
  • Gefühl der Aufstauung im Unterbauch
  • Sichtbares Aufstauen im Unterbauch (Aussehen „wie im 5. Monat schwanger“)
  • Erhöhtes Aufkommen von Blähungen

Von Natur aus sollten wir eigentlich jeden Tag aufs Töpfchen – das hat unser Körper so vorgesehen, er orientiert sich dabei an festen Zeiten.

Die traditionelle chinesische Medizin bezeichnet das als „Organuhr“: Während nachts Prozesse des Abbaus und der Entgiftung (Leber) überwiegen, ist von 4 -12 Uhr die Ausscheidung angesagt, über Darm, Niere und Lunge. Daher gehen die meisten Menschen auch früh bzw. vormittags ihrem Stuhlgang nach.

Von 12 bis 20 Uhr ist daher übrigens hinsichtlich Organuhr-Zeit die Nahrungsaufnahme am mühelosesten. Auch diesen Umstand möchte man beim Intervallfasten ausnutzen.

 

Was passiert bei einer Verstopfung?

Was passiert im Körper, warum läuft die Verdauung und Ausscheidung scheinbar seltener? Im Unterschied zur akuten Verstopfung (im Anschluss) ist bei einer chronischen Obstipation die geringe Darmperistaltik ursächlich für den seltenen und wenig befriedigenden Stuhlgang.

Die Darmperistaltik ist die automatisch ablaufende und wellenförmige Bewegung des Darms, durch welche der Nahrungsbrei (Dünndarm) und der Stuhl (Dickdarm) durch den bis zu 10 Meter langen Darmtrakt befördert wird. Bei einer chronischen Verstopfung ist diese Darmperistaltik nur gering bzw. eingeschränkt. Das hat Ursachen, die wir uns gleich ansehen werden.

Längerfristig ist eine Verstopfung auch gesundheitlich problematisch, da die Stoffe, die der Körper eigentlich ausscheiden möchte, eine längere Verweilzeit im Darm haben. Damit steigt das Risiko einer Rückvergiftung. Außerdem steigt das Risiko für Reizdarm oder gar Leaky Gut Syndrom, da der trockene und harte Stuhl die Darmwand reizen oder entzünden kann. Es ist daher wichtig, die Ursachen zu verstehen und wieder „Schwung in die Bude“ zu bringen.

 

Akute Verstopfung – Was passiert dabei?

Bei einer akuten Verstopfung kommt es meist nur vorübergehend zu einer Obstipation. Läuft es normalerweise „rund“ im Darm und kommt es in einem kurzen Zeitraum von einem bis wenigen Tagen zur Verstopfung, hat dies meist psychosomatische oder mechanische Gründe:

Die psychosomatischen Gründe beziehen sich darauf, dass Betroffene sich in einem Umfeld befinden, in dem sie sich nicht wohlfühlen oder nicht loslassen können. Sie sind also akutem Stress ausgesetzt und halten sich an etwas fest – auch im wörtlichen Sinne, an ihrem Stuhl. Außerdem kann es sein, dass sie sich in einer Situation nicht wohl oder sicher fühlen und entweder nicht aufs Klo gehen wollen, oder nicht können, da sie innerlich verkrampfen. Auf Reisen ist dies häufig zu sehen.

Die mechanischen Gründe für akute Verstopfung kreisen meist um eine zu geringe Wasseraufnahme in einem Zeitabschnitt. Entweder, Betroffene trinken zu wenig oder haben aufgrund von Sport oder Hitze eine erhöhte Wasserausscheidung. Damit fehlt dem Körper das Wasser, um den Stuhl anzufeuchten.

Verstopfung leere Klopapier-Rolle mit HELP-Schriftzug drauf

Unangenehm bis schmerzhaft: chronische Verstopfung

 

Verstopfung und Blähungen

Verstopfung und Blähungen gehen häufig Hand in Hand und sind bei einer chronischen Obstipation häufig anzutreffen. In den aufkommenden Gasen im Darm kann eine wichtige Ursache für die Verstopfung liegen, Grund ist meist eine Fehlernährung oder Fehlbesiedlung des Darms.

Manche Gase, die dabei entstehen, können vorübergehend (oder dauerhaft) die Darmperistaltik  einschränken, indem sie bestimmte Rezeptoren auf den sogenannten interstitiellen Cajal-Zellen ausschalten. Besagte Zellen liegen in der Darmwand und koordinieren die Darmperistaltik. Durch Wasserstoff, Methan und Schwefelgase können sie beeinflusst werden.

Außerdem hat die Darmflora mehr Zeit, den Stuhl zu vergären und dabei Gase zu bilden. Auch das kann zu den Blähungen beitragen und einen Teufelskreis auslösen.

Darm Mensch

Der Darm ist größer, als man denkt – und sehr wichtig für unsere Gesundheit.

 

Ursachen für chronische Verstopfung

Sehen wir uns die wichtigsten Gründe für eine chronische Verstopfung an. Was führt zur eingeschränkten Darmperistaltik?

  • Geringe Wasseraufnahme
  • Nicht ausreichende Ballaststoff-Versorgung
  • Bewegungsmangel
  • Stress
  • Ungesunde Ernährung
  • Schilddrüsenunterfunktion
  • Darm-Dysbiose
  • Genetische Faktoren

 

Geringe Wasseraufnahme

Es kann auch chronisch zu wenig Wasser aufgenommen werden, was dauerhaft den Stuhl verdickt. Frauen trinken häufig weniger, als ihr Körper eigentlich bräuchte. Als Faustregel gilt, pro Kilogramm Körpergewicht täglich 25 ml Flüssigkeit (Wasser, Tee, Kaffee) zu trinken.

 

Ballaststoffe

Ballaststoffe binden Feuchtigkeit, regen die Darmperistaltik an und fördern eine gesunde Darmflora. Eine gesunde Ernährung und vielleicht noch eine zielgerichtete Nahrungsergänzung mit Ballaststoffen kann hier Abhilfe schaffen.

 

Bewegungsmangel

Durch körperliche Bewegung wird die Darmperistaltik natürlich angeregt. Wer den ganzen Tag sitzt oder liegt und selten seinen Puls in die Höhe treibt, hat ein erhöhtes Risiko für Verstopfung.

 

Stress

Dauerhafter Stress ist allgegenwärtig und kann für eine chronische Obstipation sorgen. Bei einem dauerhaft erhöhten Cortisol-Spiegel wird der Darm weniger durchblutet, gleichzeitig neigen Betroffene dazu, innerlich zu verkrampfen oder sich an etwas festzuklammern. Das manifestiert sich dann häufig in einer Verstopfung.

 

Ungesunde Ernährung

Eine ungesunde Ernährung mit wenigen Ballaststoffen, Zusatzstoffen, problematischen Inhaltsstoffen wie Omega 6-Fettsäuren und Zucker und wenigen Antioxidantien fördern Darmerkrankungen auf vielerlei Weisen. Da der Darm der Schlüssel zur Gesundheit und zu einem gesunden Immunsystem ist, beschäftigen sich viele unserer Beiträge über die Darmgesundheit.

 

Schilddrüsenunterfunktion

Das aktive Schilddrüsenhormon fT3 reguliert maßgeblich die Darmperistaltik mit. Daher haben Betroffene einer Schilddrüsenüberfunktion häufig einen erhöhten Stuhlgang oder gar Durchfall, während bei einer Schilddrüsenunterfunktion eine Verstopfung anzutreffen ist. Eine gesunde Schilddrüse ist eine wichtige Grundlage für Energie (auch Lebensenergie), ein gesundes Körpergewicht und einen gesunden Darm.

 

Darm-Dysbiose

Eine Dickdarm-Fehlbesiedlung kann zur Folge haben, dass es in erhöhtem Maße zu Blähungen kommt und der Stuhl sich in einem Maße verändert, dass er Verstopfungen fördert. Neben einer ballaststoffreichen Ernährung können Probiotika bzw. probiotische Lebensmittel hier einen entscheidenden Unterschied bewirken.

 

Genetische Faktoren

Natürlich kann auch die Genetik einen Einfluss auf die Darmperistaltik bzw. die Aktivität der Cajal-Zellen haben. Erfahrungsgemäß ist dies jedoch nur bei den wenigsten Betroffenen der Fall – in über 95 % der Vorkommnisse sind Ernährung und Lebensführung die maßgeblichen Ursachen für die Verstopfung. Im sehr schönen und hilfreichen Magazin von Carimera findest Du dazu noch mehr Informationen.

Lebensmittel für einen gesunden Darm

Happy gut – happy brain 🙂

 

Verstopfung – Was hilft wirklich?

Im Anschluss findest Du viele hilfreiche Tipps bei Verstopfung und was wirklich hilft. Damit beseitigst Du die wichtigsten Ursachen und unterstützt eine gesunde Darmaktivität. Je mehr dieser Tipps Du dabei berücksichtigst, desto besser für einen gesunden Darm:

  • Ausreichend trinken: 25 ml pro kg Körpergewicht täglich
  • Guter Kaffee regt die Darmperistaltik an
  • Schilddrüsenunterfunktion überprüfen und beseitigen
  • Stündlich bei der Arbeit aufstehen, täglich ein großer Spaziergang oder eine Sporteinheit
  • Wechselduschen oder kalt duschen regt den Darm an
  • Gewürze und Kräuter wie Thymian und Oregano regen aufgrund der ätherischen Öle den Darm an
  • Beeren, Pilze und Hülsenfrüchte sind reich an Ballaststoffen
  • Ballaststoff-Präparate funktioneren ebenfalls
  • Extrakte aus Löwenmähne und Reishi sowie der Verzehr von Austernpilzen hilft auch
  • Stress lindern – mehr Entspannung hilft der Gesundheit auf vielerlei Weisen. Tipps zum Stressabbau findest Du unter anderem hier
  • Magnesium regt die Darmbewegungen an – 300-600 mg täglich sind eine gute Dosis
  • Leinsamen und Flohsamen bei Verstopfung erhöhen die Stuhlmasse und wirken leicht abführend
  • Vollkornbrot und Hülsenfrüchte gegenüber Weißmehl bevorzugen
  • Verzehr stopfender Obstsorten wie Banane und Avocado reduzieren
  • Wärmflasche oder Kirschkernkissen auf den Bauch gelegt
  • Regelmäßige Bauchmassage
  • Pfefferminztee oder Kamillentee mit etwas Apfelessig und Honig

Mit diesen Tipps und Tricks bist Du gut aufgestellt und solltest innerhalb kurzer Zeit Dein Verstopfungsproblem lösen können. Je mehr dieser Tipps Du umsetzt, desto besser. Um eine gesunde Ernährung, weniger Stress und regelmäßige Bewegung wirst Du höchstwahrscheinlich nicht herum kommen, profitierst aber auf vielerlei Weisen.

 

Fazit – Verstopfung lösen

Verstopfung ist ein immer häufiger anzutreffendes Problem und ein Leitsymptom bei Reizdarm. Außer Iberogast oder Abführmittel hat die konventionelle Medizin hier nicht viele Lösungen parat, doch durch eine gesunde Ernährung und Lebensführung sowie Ursachensuche kannst Du dieses Problem innerhalb weniger Wochen angehen und beseitigen.

Viel Erfolg dabei!

 

 


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